Auch wenn die Mauersegler in wenigen Tagen ihre Brutgebiete in unseren mitteleuropäischen Breiten verlassen und wieder nach Afrika ziehen werden, gibt es bei Birgit in Chemnitz vermutlich noch einige Wochen lang sehr viel Arbeit mit diesen Vögeln. Wochenlang bemüht sie sich aufopferungsvoll um junge, hilflose Mauersegler-Küken, die sie bis bis zum flügge werden aufzieht. Vor einigen Jahren fing es mit einem einzelnen Vogel an. Jetzt, so meint Birgit, versorgt sie jedes Jahr um die 60 Jungvögel bis zum Ausfliegen. Und das als ein Vogelschutz-‚Vollzeitjob‘, der bei Sonnenaufgang beginnt und mit der Abenddämmerung endet. Mindestes fünf Fütterungsdurchgänge muss sie tagsüber für Ihre Schützlinge mit je 1 1/2h Zeitbedarf einplanen. Derzeit zirpen bei ihr um die 27 Jungvögel in verschiedenen Altersklassen, die mit Futter-Heimchen und Drohnenbrut dazu Mineralien und Vitamin B-Komplex usw. per Hand gefüttert werden müssen. Die Jungvögel werden ihr auf verschiedensten Wegen vermittelt, z.B. über die Tierrettung, über den Tierschutz, über andere Vereine und Einzelpersonen usw. Da sie von keiner offiziellen Stelle Unterstützung für dieses Ehrenamt erhält, arbeitet Birgit nun mit dem Verein Wildvogelhilfe e.V. in Mittelsachsen zusammen.
Am Verhalten der Jungvögel kann Birgit ablesen, wann die Mauersegler zum Ausfliegen gebracht werden können. Jeder Jungvogel benötigt das richtige Gewicht, das Gefieder muss vollständig entwickelt und der Vogel muss selbstständig seine Flügel trainieren und agil sein, und dann ist er zum Start in die Freiheit bereit. Dazu nutzt Birgit eine große freie Wiese, in ihrem Falle den nahen Sportplatz. Dort wird der Vogel auf die flache Hand gesetzt, in Höhe gehalten und genau beobachtet, ob er selbstständig davonfliegt oder ggf. wieder auf der Wiese landet. Dann wird der Kandidat wieder eingesammelt und nochmals drei, vier Tage gefüttert, worauf es dann den zweiten Startversuch gibt, der meistens gelingt.
Die Erfolgsquote bei Birgit ist sehr hoch. „Nur ganz wenigen Jungvögeln, die schon in einem sehr schlechten Zustand bei mir ankommen, kann manchmal nicht mehr geholfen werden. Ansonsten schaffe ich es mittlerweile, selbst frisch geschlüpfte, winzige Mauersegler-Küken aufzuziehen und erfolgreich in die Natur zu entlassen“, meint Birgit, und zeigt mir ihr diesjähriges 2-Tages-Nesthäkchen, das mittlerweile zu einem voll befiederter, agilen Jungvogel herangewachsen ist, der am Wochenende sein Leben in der Natur antreten soll.
Birgit, die in ihrer Freizeit seit Jahrzehnten im Vogel- und Naturschutz aktiv ist, und als ehemalige Leiterin einer ökologischen Kita Generationen von Kindern die Natur und Umwelt nahe gebracht hat, wird auch die nächsten Wochen bis weit in den September hinein noch viel Zeit für ihre Mauersegler einplanen, zulasten anderer familiärer Aktivitäten. Denn sie erwartet, dass durch die zahlreichen Spätbruten der Art in diesem Jahr, bedingt durch hohe Hitzeverluste von Jungvögeln im Juni, zahlreiche Nachbruten mit späten, teils dann schon verlassenen Jungvögeln anfallen könnten. Verschiedenenorts in Sachsen wurden bei Nistkastenkontrollen nach der ersten Hitzeperiode Ende Juni zahlreiche tote Jungvogel festgestellt. Und jetzt finden sich viele Nachgelege, die teilweise noch gar nicht geschlüpft sind.
Die innere Uhr der Mauersegler schreibt den Insektenjägern dennoch vor, sich ab Ende Juli infolge der kürzer werdenden Tageslängen aus unserem Breiten zurückziehen, auch wenn dadurch manchmal noch nicht flügge Jungvögel in den Nestern zurückbleiben. Diese springen dann oft noch nicht flugfähig ab, werden von Wegen und Straßen aufgelesen und landen so in Menschenhand. (Junge Mauersegler warten auf die Fütterung. Foto H. Meyer)
Obwohl der Tierschutz in Deutschland seit August 2002 im Grundgesetz (Artikel 20a geändert) als Staatsziel aufgenommen wurde, nimmt das offenbar niemand erst. Auch die Tierschutzvereine betteln bekanntlich um jeden Euro für die Versorgung von Fundtieren.
Birgit, die wir je im Winterhalbjahr als geschätzten Reisegast gern bei Bartmeise-Reisen ‚unterwegs auch zu den Mauerseglern nach Afrika‘ und anderswo zu anderen Segler-Arten begrüßen, gehört zu jenen Menschen, die sich aufopferungsvoll ehrenamtlich um aktiven Vogelschutz bemühen, was höchsten Respekt verdient!
Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen
Titelfoto: Birgit aus Chemnitz bei der Fütterung ihrer Mausersegler. Foto: H. Meyer
