Reisebericht Uganda: Endemische Vögel im Albertine Riftvalley im “Schwarzen Herzen Afrikas”

Reisebericht Uganda: Endemische Vögel im Albertine Riftvalley im “Schwarzen Herzen Afrikas”

Reisebericht über die Reise nach Uganda vom 29.06. bis 15.07.2918

Freitag, 29. Juni 2018: Anreise nach Entebbe
Nach nächtlicher Anreise zu den Abflughäfen Nürnberg, Bremen, Wien und Zürich starten am zeitigen Morgen alle Reisegäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit KLM und/oder mit Austrian Airlines/Swiss nach Amsterdam und Brüssel, um von dort aus die Reise nach Entebbe anzutreten. Nach Zwischenstopp in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, erreicht KLM die ugandische Hauptstadt Kampala/Entebbe pünktlich gegen 22.20 Uhr Ortszeit (1h+ Differenz zur MESZ). Brüssel Airline aus Brüssel kommt etwas verspätet, aber dennoch fast zeitgleich mit KLM an. Trotz online-Visa dauert die Einreise seine Zeit. Geduld ist gefragt, nicht nur hier. Empfang und Abholung durch unsere ugandischen Partner funktioniert wie erwartet reibungslos. Kurz nach Mitternacht checken wir wenige Kilometer weiter im Hotel am Ufer des Victoriasees (1.150m NN) ein, und sinken nach einem langen Reisetag müde in die Betten.

… knusprige Heuschrecken zum Bier – ein Genuss! Foto: H. Meyer

Sonnabend, 30. Juni: Erste Vögel, Begrüßungstrunk und knusprige Heuschrecken …
Nach dem Frühstücksbuffet steht für heute der bekannte Botanische Garten von Entebbe im Reiseprogramm. Immer wieder die allerbeste Gelegenheit zu einer ersten Begegnung mit den Vögeln Ugandas. Der Garten grenzt an das Ufer des Victoriasees – dem zweitgrößten Binnensee der Erde – und bietet einer Reihe seltener Vogelarten geeigneten Lebensraum. So ist hier der imposante Riesenturako (Great Blue Turaco) ein verbreiteter und gar nicht scheuer Brutvogel, der sich wie erhofft in Früchte tragenden Bäumen aus nächster Nähe beobachten lässt. Auch der hübsche Rossturako (Ross‘s Turco) zeigt sich uns. Wir können uns an den beeindruckenden Grauwangen-Hornvögeln (Grey-cheeked Hornbill) erfreuen, die bereits in Balzstimmung sind. Ebenfalls regelmäßig lässt sich hier der Graupapagei (Grey Parrot) beobachten, der anderswo im Land extrem selten geworden ist. Im Ufergebüsch entdecken wir zudem den Königsweber (Orange Weaver), der überhaupt nur am Ost- und Westufer des Sees vorkommt. Nach dem Mittagessen lassen wir den Tag an einer anderen Stelle des Gartens mit der Beobachtung u.a. von Schweifglanzstaren (Rüppell’s Starling; endemisch für Nordost-Afrika) und bei einem Begrüßungstrunk in einer Strandbar ausklingen. Dazu werden uns knusprig gegrillte Heuschrecken angeboten, ein Genuss, wie wir nach der Überwindung von Vorurteilen feststellen können. Der gelungene Auftakt-Tag klingt mit insgesamt über 80 gesehenen Vogelarten aus. Ein letzter Blick auf eine Familie am Seeufer jagende Afrikanische Fleckenhalsotter (Spot-nacked Oter), und dann genießen wir im Hotel von den Balkonen aus einen zauberhaften Sonnenuntergang am See. Das Abendbüffet und die anschließende erste Vogelliste beenden diesen Tag.

… eine unserer schönen Logdes auf der Reise. Foto: H. Meyer

Sonntag, 1. Juli: Auf dem Weg zum Lake Mburo – Papyrussümpfe und „Wald der Hornvögel“
Vor 8.00 Uhr morgens verlassen wir unser Hotel und treten die erste Etappe über ca. 300 Kilometer in der Westen Ugandas mit Ziel Lake Mburo Nationalpark an. Wir stoppen zuerst an einem Papyrussumpf, um einen ganz besonderen Bewohner dieses Lebensraumes zu suchen, den leuchtend rot-orange-schwarz gefärbten Papyruswürger (Papyrus Gonolek; endemisch in Ostafrika). Zuerst hören wir die beeindrucke Stimme des Vogels, dann lässt sich ein Paar aus nächster Nähe beobachten und fotografieren. Zwei weitere Vogelarten, die nur im Lebensraum Papyrussumpf zu finden sind, gelingt es beim Brutgeschäft in der Kolonie zu beobachten: Weynsweber (Weyns’s Weaver; endemisch für Ost- und Zentralafrika) und Riedweber (Northern Brown-throated Weaver, endemisch Ostafrika). Unseren Mittagsstopp legen wir im „Mpanga Forest Reserve“, einem kleinen, aber artenreichen Waldschutzgebiet, ein. Hier erhoffen wir uns den Narinatrogon (Narina Trogon) und die seltene Kongotaube (Afep Pigeon). Mit dem farbenprächtigen Trogon haben wir Glück, mit der Kongotaube dieses Jahr hier nicht. So ist Natur! Eine Freude in diesem wunderbaren alten Wald sind die großen Grauwangen-Hornvögel (Grey-cheeked Hornbill), die wir zwar schon aus dem Botanischen Garten kennen, die hier aber in einer enormen Dichte zu finden und voll in der Balz sind. Die urigen Stimmen klingen überall aus den Baumriesen. Wir entdecken zwei weitere Vertreter aus dieser Gruppe: Elster- (Congo Pied-) und Kronentoko (Crowned Hornbill). Unsere Kaffeepause findet – wie immer auf dieser Rundreise – direkt am Äquator, im Flamingo-Restaurant, statt. Erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir am Rande vom Lake Mburo Nationalpark unsere schöne Logde, die auf einem Felsen erhoben über der Savanne thront. Das Abendessen wartet, die hübschen Bungalows (Bandas) sind für die müden und eingestaubten Reisenden bereit.

… und immer gutes Essen auf der Reise. Foto: H. Meyer

Montag, 2. Juli: „Stimme Afrikas“ und seltene Vögel am Lake Mburo
Mit grunzenden Lauten wecken uns die Anubispaviane (Olive Baboon), die in der Morgendämmerung ihren Schlafplatz auf einem hohen Baum an der Logde verlassen. Auch wenn es hier auf über 1.100 m Höhe morgens mit kaum +16°C noch sehr kühl ist, steht uns ein heißer Tag in der Savanne mit über +30°C bevor. Beim Frühstück im Haupthaus genießen wir den fantastischen Rundblick in die vor uns liegende Ebene und beobachten die Hirten beim Austrieb der Ankole-Rinder, einer bemerkenswerten Langhorn-Rinderrasse, die nur in dieser Gegend Ugandas zu finden ist. Die über einen Meter langen gelben Hörner der rotbrauen Tiere leuchten in der Morgensonne und bilden einen beeindruckenden Kontrast im Sonnenaufgang. Dann starten wir rasch zum Lake Mburo, wo Moses, unser lokaler Guide, schon unruhig auf uns wartet. Wir sind zu spät, weil wir unterwegs eine der Zielarten, den seltenen Taborazistensänger (Long-tailed oder Tabora Cisticola), entdeckt und beobachtet haben. Am See angekommen hoffen wird darauf, vom Boot aus am Ufer einige weitere besondere Vogelarten finden zu können. Geschickt steuert Moses das kleine Boot durch die überall im Wasser schwimmenden Nilpferde. Holub’s- (Holub’s Golden-) und Cabanisweber (Lesser Masked Weaver) entdecken wir am Brutplatz im Ufergebüsch. Dem scheuen Eminie (Grey-capped Warbler; endemisch in Ostafrika) können wir beim Gesang zuschauen, und dann sehen wir eine weitere Zielart dieses Tages, die aufgrund ihrer Lebensweise seltene Binsenralle (African Finfoot). Ein Männchen im BK und dann auch noch ein weiblicher Vogel schwimmen am Ufer. Großes Glück haben wir in diesem Jahr mit dem nur lokal verbreiteten Weißrückenreiher (White-backed Night-Heron). Ein Brutpaar hat im Ufergebüsch einen halben Meter über der Wasserkante drei schon größere Junge im Nest. Beide Altvögel können am Nest beobachtet und fotografiert werden. Die wirklich markante „Stimme Afrikas“, der Schreiseeadler (African Fish-eagle), begleitet uns am See.

Das kann nicht jede Kuh! Nur Ankole-Rinder können sich mit dem Horn den A …. kratzen. Foto: H. Meyer

Den restlichen Tag vor und nach der Mittagspause verbringen wir auf Vogel-Safari im Nationalpark. Aus den aufgestellten Dächern (pop-up) unserer Toyotas heraus lassen sich mindestens 50 neue Vogelarten, darunter Raritäten wie Nubierspecht (Nubian Woodpecker, endemisch in Nordost-Afrika), Graubeutelmeise (Mouse-colored Penduline-tit) und der prächtig gefärbte, große Haubenbartvogel (Crested Barbet), entdecken. In einem trockenen Baum hat der große Blaß- oder Milchuhu (Verreaux’s Eagle-owl) ein altes Greifvogelnest als Brutplatz ausgewählt. Nochmals beobachten wir die beeindruckenden Ankole-Rinder beim Eintrieb. Da ist eine dabei, die sich sogar mit dem über einen Meter langen Horn den Hintern kratzen kann … Unglaublich! Den Sonnenuntergang in der Savanne genießen wir nochmals auf unserer Felsenlogde. Das Abendbuffet wartet, und die Rufe der Schwarzschulter-Nachtschwalbe (Black-shouldered Nightjar) begleiten uns in die Savannen-Nacht.

Dienstag, 3. Juli: Auf dem Weg zu den geheimnisvollen Virunga-Vulkanen
Zum Tagesanbruch liegt Nebel über der kühlen Savanne. Wir starten vor dem Frühstück zu einer Morgenrunde, die uns zum Schluss noch zwei erhoffte Zielarten dieses Gebietes vor die Ferngläser bringt: Weißkopf- (White-headed-) und Rotgesicht-Bartvogel (Red-faced Barbet; endemisch in Nordost-Afrika). Dann haben wir es eilig, checken aus und verlassen die Savanne in Richtung der Grenze zum Kongo und zu Ruanda. Rund 300 Kilometer liegen vor uns. Unterwegs, an einem Tankstopp, erleben wir eine schöne Überraschung: 60-70 Südafrikanische Kronenkraniche (Grey Crowned-crane) stehen in einer kleinen Feuchtwiese und balzen. Im Bergwald auf der Passhöhe vor Kisoro, unserem Zielort zu Füßen der gewaltigen Vulkankette, stoppen wir auf ca. 2.300 m NN und machen Bekanntschaft mit zwei ersten Endemiten des Albertine Riftvalleys: Königsnektarvogel (Regal Sunbird) und Kivufeinsänger (Black-faced Apalis) lassen sich hier neben weiteren interessanten Gebirgsvogelarten wie Preussnektarvogel (Northern Double-colared Sunbird), Mönchsbuschdrossling (African Hill-babbler) und Bambusrohrsänger (Mountain Yellow Warbler) beobachten. Dann fahren wir hinunter und haben sie plötzlich fast wolkenfrei vor uns: die berühmten und noch immer geheimnisvollen, bis über 5.100 Meter hohen Virunga-Vulkane im Dreiländereck Uganda-Kongo-Ruanda. Was für ein Anblick! Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Kisoro, unser Ausgangspunkt für unser Virunga-Abenteuer. Unser Hotel erwartet uns mit dem Abendbuffet.

Bartmeise-Reisegruppe 2018 in den Virunga-Vulkanen. Foto: H. Meyer

Mittwoch, 4. Juli: Endemiten im „Mgahinga Gorilla National Park“ zu Fuß des Sabinyo-Vulkans
In diesem Jahr haben wir hier großes Glück mit dem Wetter. Statt Nieselregen und Wolken verhangenen, kühlen Bergen erwartet uns trockenes und freundliches Wetter. Zwar ist es wie immer sehr kühl auf knapp 2.000 Meter Höhe in Kisoro, dafür leuchten die Vulkankegel wolkenfrei in der afrikanischen Morgensonne. Nach dem Frühstück beeilen wir uns, den äußerst schlechten Weg hinauf zum Nationalpark so schnell wie möglich hinter uns zu bringen, doch das ausgespülte Vulkangestein lässt oft nur Schrittgeschwindigkeit zu. Wir benötigen für die wenigen Kilometer mehr als 45 Minuten. Mit der Einweisung (‚Briefing‘) durch die Ranger werden uns unsere bewaffneten Begleiter, die uns vor Büffeln und Elefanten schützen sollen, zugeteilt, und wir starten unsere Tageswanderung hinauf in Richtung eines Taleinschnittes (Gotsch) am Sabinyo-Vulkan (3.645m NN). Unser kenntnisreicher Birdguide Emmy entdeckt – unglaublich für uns – ziemlich schnell den für uns wohl wichtigsten Vogel des Gebietes und des Tages, eine unserer Zielarten schlechthin: den Kammschnabelturako (Ruwenzori Turaco). Dieser scheue Endemit des Albertine Riftvalleys hat offensichtlich bereits einen Tagesrastplatz im Inneren eines dichten Baumes bezogen. Wir erfreuen uns an dieser attraktiven Vogelart, die wir im weiteren Verlauf des Tages erstaunlicherweise noch mehrmals bei der Nahrungssuche beobachten können. Auch die zweit-wichtigste Zielart des Tages, den endemischen Stuhlmann-Nektarvogel (Ruwenzori Double-collared Sunbird), beobachten wir an Blüten der Gebirgsflora. Unter den über 300 für den Nationalpark insgesamt beschriebenen Vogelarten interessieren wir uns insbesondere für die weiteren Endemiten des Albertine Riftvalleys wie z.B. Braunwangen-Laubsänger (Red-faced Woodland-warbler), Orangedrossel (Kivu Ground-Thrush) und Schwarzbrustmeise (Stripe-breasted Tit), die wir ziemlich gut sehen können. Aus der Familie der Würger können wir zwei echte Raritäten finden: Rabenwürger (Mountain Sooty Boubou) und sogar den scheuen, äußerst attraktiven Rotstirnwürger (Doherty’s Bush-shrike; endemisch in Ost-Afrika), den man meist nur hört, bekommen wir vor die Optik. Was für ein toller Tag! Müde aber glücklich kehren wir am späten Nachmittag von max. 2.600 m NN zurück ins Hotel nach Kisoro. Nach der Vogelliste sinken alle müde in die Betten …

Donnerstag, 5. Juli: Vögel im Lebensraum Papyrussumpf und auf dem Weg in den Bwindi-NP
Nach dem Frühstück verlassen wir Kisoro und treten unsere Fahrt wieder hinauf in die Berge an. Erster Stopp ist ein Papyrussumpf am Bunyonyi-See, den wir vorgestern aus Zeitgründen einfach nicht mehr anfahren konnten. Es dauert bald eineinhalb Stunden, bis wir den vom letzten Monsun offenbar stark in Mitleidenschaft gezogenen Uferweg bis um Zielpunkt geschafft haben. Hier erwarten uns aber wieder zwei echte Raritäten in der Vogelwelt, die aufgrund von Lebensraumschwund akut vom Aussterben bedroht sind: Gelbbauch-Rohrsänger (Papyrus Yellow Warbler) und Bindenbuschsänger (White-winged Swamp-Warbler; endemisch für Ost-Zentral-Afrika). Beide Arten können wir am Rande des Papyrussumpfes gut und aus der Nähe beobachten. Auch den Möchskuckuck (Blue-headed Coucal), einen weiteren Papyrus-Spezialisten, können wir entdecken. Am Seeufer hören und sehen wir zudem auch den Papyruszistensänger (Carruther’s Cisticola; endemisch für Ostafrika) und den Mackinnonwürger (Mackinnon’s Shrike), zwei weitere seltene Vogelarten des Albertine Riftvalleys.

Geschenke von den Reisegästen für die Dorfschule. Foto: H. Meyer

Entlang der engen Uferstraße hat eines unserer Fahrzeuge eine etwas ‚engere Begegnung‘ mit einem Safarifahrzeug einer Ruandischen Gesellschaft. An beiden Fahrzeugen bleiben davon Spuren zurück. Jede Seite sucht die Schuldfrage bei der anderen. Um eine Eskalation der Situation zu vermeiden bleibt nur die Möglichkeit, die Angelegenheit, für die hier keine Polizei zuständig ist, „afrikanisch“ mit einer Dollarnote zu bereinigen … Nach der Weiterfahrt durch den sogenannten Gemüsegarten Ugandas erreichen wir am späten Nachmittag das Tor zum berühmten „Bwindi Impenetrable National Park“. Für dieses 765 km² großen UNESCO-Weltnaturerbe-Urwald, der alle Waldformen vom Regenwald bis zur afro-alpinen Stufe abdeckt, werden allein über 400 Vogelarten beschrieben. Am Gate angekommen registriert man uns. Zwar ist die Durchfahrt öffentlich, aber alle Fahrzeuge werden aus Sicherheitsgründen erfasst. In dieser Zeit am Tor können wir weitere interessante Vogelarten wie den mächtigen Geierraben (White-naped Raven) und den Bergspint (Cinnamon-chested Bee-eater; endemisch in den Bergen Ostafrikas) finden.

Noch bei Tageslicht erreichen wir unsere Logde im Nationalpark, in der wir insgesamt vier Nächte bleiben werden. Diese wunderbare Self-contained-Anlage wird von unserem Birdguide Emmy und seiner Familie geführt. Hier haben wir uns auch schon in den Vorjahren richtig wohl gefühlt. Emmy’s Ehefrau erwartet unsere Gäste mit heißen Tüchern, damit sich die müden Reisenden den roten afrikanischen Staub („African Puder“) aus den Gesichtern wischen können. Nach einem Willkommenstrunk werden die Zelte bezogen. Das Abendessen, frisch zubereitet und wie in einem Sterne-Restaurant a la card serviert, wartet auf uns. Die Kamine im offenen Haupthaus verbreiten wohlige Wärme, und nach einem Gläschen Rotwein begleiten uns die Rufe des Afrikanischen Waldkauz (African Wood-owl) in die erste Zeltnacht …

Freitag, 6. Juli: Unterwegs bei den Endemiten im Bwindi-Ruhija-Nationalpark
Nachts ist es hier auf 2.300 Meter Höhe bitter kalt, morgens um 6.00 Uhr nur +9°C. Das Team der Anlage sorgt sich vorbildlich auch um das nächtliche Wohlbefinden der Gäste, denn diese finden abends immer eine heiße Wärmflasche in den Betten vor. Wir beobachten heute ganztags, nur unterbrochen durch die Mittagspause, an der Peripherie des Parks. Morgens zuerst zu Fuß um die Logde, am Nachmittag per Auto etwas weiter entfernt. Mindestens fünf weitere Endemiten des Albertine Riftvalley finden wir auf unseren Touren: Edelfrankolin (Handsome Francolin), Ruwenzorifeinsänger (Ruwenzori oder Collared Apalis), Ruwenzorischnäpper (Ruwenzi Batis), Purpurbauch- und Ruwenzorinektarvogel (Purple-breasted- & Blue-headed Sunbird) und den seltenen Meisenweber (Strange Weaver). Mit dem Braunscheitelwürger (Lühder’s Bush-shrike) bekommen wir noch eine echte Seltenheit, die allgemein schwer zu beobachten ist, vor die Linsen. Auch den Gelbstreifenbülbül (Yellow-streaked Greenbull; endemisch in Südost-Afrika), der hier im Bwindi Nationalpark sein nördlichstes Vorkommen hat, können wir ebenso entdecken wie Schwarzschnabelturkao (Black-billed Turaco) und Jacksonastrild (Dusky Crimsonwing; edemisch im AR). Ein wunderbarer Tag geht zu Ende. In der Logde wird das Abendessen serviert. Derweil lodern die Feuer in den Öfen, um das heiße Wasser für die abendliche Körperpflege zu bereiten. Diese Logde, die absolut autark über Generator und Solarstrom versorgt ist, deren hervorragende Küche auf Holzkohle-Öfen funktioniert, zeigt Machbarkeit und zugleich Grenzen Umwelt bewussten Verhaltens auch in Afrika auf, auch wenn deswegen manches etwas länger dauert als gewohnt. Aber wir haben Zeit … wir sind in Afrika!

Berggorilla im Bwindi-NP. Foto: Chr. Martin

Sonnabend, 7. Juli: Das besondere Erlebnis – zu Besuch bei den seltenen Berggorillas
Für einen Teil unserer Gäste steht heute ein echter Höhepunkt im Programm, den man vermutlich nur einmal im Leben geboten bekommt: ein Besuch bei den Berggorillas als Teilnahme am sogenannten Gorilla-Trekking, welches hier im Weltnaturerbe-Gebiet bei vier habituierten Gorilla-Familien angeboten wird. Dieses Ereignis – Monate im Voraus gebucht (Bartmeise-Reisen vermittelt diesen Besuch im Rahmen dieser Reise optional) – bietet dann für eine Stunde hautnahe Einblicke in das Leben dieser seltenen und bedrohten Menschenaffen; und das aus nächster Distanz, ohne Netz, Glasscheiben und sonstige Barrieren, aber unter Aufsicht geschulter Rancher.

Nach dem morgendlichen Pflicht-Briefing der Teilnehmer durch die Rancher der Uganda Wildlife Authority (UGW) werden die Gruppen, immer 8-9 Teilnehmer, zusammengestellt. Dank unserer mittlerweile guten Beziehungen zur UGA erreichen wir, dass unsere Gäste eine räumlich sehr nahe Gorilla-Familie ohne langen Anmarsch besuchen können. Nach kurzer Wanderung entlang des Hauptweges geht es ins Gelände … und nach wenigen Minuten sind Gorillas um uns herum. Unglaublich, teilweise nur zwei Meter entfernt, sitzen die bis zu 1,80 m großen Primaten in der teilweise dichten Vegetation! Die Nähe zu den Tieren ist einfach atemberaubend. Die Riesen des Urwaldes nehmen von ihren Haar-losen Verwandten vermeintlich keine Notiz, gehen ihren Bedürfnissen nach Nahrungsaufnahme, sozialem Zusammenhalt und die Jungen ihrem Spieltrieb nach. Die Rancher achten immer drauf, dass ein Mindestabstand zu den Tieren gewahrt bleibt, man zurückweicht, wenn die Tiere zu nahekommen. Eine Stunde Besuch vergeht wie im Fluge. Dann rufen die Rancher zum Rückmarsch. Gegen 10.30 Uhr sind alle Gäste schon wieder zurück auf dem Hauptweg versammelt.

Allen wird die Teilnahmebestätigung überreicht, eine A-4-Urkunde von der UGA, die lebenslang an dieses einmalige Naturschauspiel erinnern soll. Vom Chef der Rancher erhalten alle Teilnehmer am Gorilla-Trekking mit dem Dank für den Besuch noch einen wichtigen Hinweis: „Wenn ihr jetzt wieder nach Europa reist erzählt dort bitte allen Bekannten, Freunden und Interessenten von eurem Erlebnis hier. Die Berggorillas gibt es heute nur noch, weil Naturfreunde wie ihr aus aller Welt zu uns in dieses Schutzgebiet kommen, um diese Primaten in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Das ist die wichtigste Unterstützung für uns im Bemühen, diese Tiere für unsere Nachwelt zu erhalten!“

Später am Abend zeigt man sich gegenseitig seine Fotos und Videos. „Schau mal, der Silberrücken hier ist nur zwei Meter Entfernung an mir vorbei gegangen …“ meint Carola. „Und mich hat er geschupst, weil er vorbei wollte …“ berichtet Werner. „Die Nähe zu den Tieren war einfach atemberaubend“ ergänzt Judith. Noch tagelang werden die Eindrücke und Erlebnisse diskutiert und ausgetauscht …

… warten auf African Green Broadbill. Foto: H. Meyer

Sonntag, 8. Juli: „I have seen the African Green Broadbill”
Heute ist ein weiterer Höhepunkt geplant, eine Tageswanderung (ca. 2×5 km) bis ins Brutgebiet einer anderen endemischen Vogelart des Albertine Riftvalley, dem Blaukehl-Breitrachen (African Green oder Grauer’s Braodbill)! Die Strecke auf schmalem Pfad hinunter ins Tal bis zum Bwindi-Sumpf und wieder zurück ist schon etwas anspruchsvoll und setzt eine mittlere Fitness voraus. Nach dem Frühstück in der Logde und mit Tagesverpflegung im Rucksack werden rasch die Formalitäten im Nationalpark erledigt, die bewaffneten Begleiter, die uns wieder gegen wilde Tiere schützen sollen, zugeteilt. Die Träger (Porter) übernehmen die Rucksäcke der Gäste, und dann starten wir. Das Wetter ist super, die Temperaturen morgens noch angenehm kühl. Auf der Wanderung ins Tal entdecken wir verschiedene neue Vogelarten, erneut auch wieder einige Spezialisten des Albertine Riftvalleys, die zu unseren Zielarten gehören: Ruwenzorifeinsänger (Ruwenzori Collared Apalis; endemisch im AR), Bergpirol (Mountain Oriol; endemisch Ostafrika), Kurzschnabel-Honiganzeiger (Dwarf Honeyguide; endemisch AR), Gelbaugen-Drongoschnäpper (Yellow-eyed Black-flycatcher; endemisch AR) und auch den hübschen Bergtogron (Bar-tailed Trogon). Unten im Tal auf ca. 2.100m NN, in dick bemoosten Bäumen, wartet die Überraschung. Die uns begleitenden lokalen Birdguides haben vor einiger Zeit ein Nest vom Blaukehl-Breitrachen (African Green oder Grauer’s Broadbill) gefunden! Wie ein dickes Beutelmeisenest, kaum vom dichten Moosbehang zu unterscheiden, hängt es an einem Ast. Zwei Jungvögel darin sind Garant dafür, dass wir die fütternden Altvögel rasch und sehr gut beobachten können. Jeder kann im Spektiv die schöne, kaum Kleiber große, seltene Vogelart betrachten, auch Digiskopie-Bilder anfertigen. Nach dem Mittagslunch im Wald sind nur noch wenige Meter bis an den Bwindi-Sumpf zu gehen. Die Temperaturen sind deutlich über +20°C angestiegen, die hohe Luftfeuchte macht uns klar, dass wir in einem Bergregenwald unterwegs sind. Im Gras im Sumpf wartet eine weitere seltene Art, die es nur hier gibt: Kivubuschsänger (Grauer’s Swamp-Warbler).

Der Rückweg bergauf ist deutlich anstrengender als der morgendliche Abstieg. Neben weiteren interessanten Vogelbeobachtungen können wir auch verschiedene Primaten und Säuger, sogar den endemischen Ruwenzori-Schwarzstirnducker, über dessen Biologie so gut wie nichts bekannt ist, gut beobachten. Kurz vor Einbruch der Dämmerung erreichen wir wieder den Hauptweg. Unsere ugandischen Begleiter sind auch pfiffige Geschäftsleute. Nach der gelungenen Beobachtung von African Green Broadbill halten sie T-Shirts mit der Aufschrift „I have seen the African Green Broadbill“ bereit, die gern gekauft werden. In unserer kleinen Logde wartet erneut fast ein ‚Sterne-Restaurant‘-Abendessen. In den Kaminen lodern die Feuer. Mit Freude werden die heute gesehen Vogelarten in die Vogelliste eintragen. Die Wärmflaschen in den Betten vertreiben später die Kühle der ugandischen Bergnacht …

Purpurspint. Foto: R. Kalz

Montag, 9. Juli: Geschenke für Schulkinder – Weiterreise zum Kibale-Nationalpark
Nach vier Nächten in Emmy’s schönen Camp wartet heute unser letztes Frühstück am Kamin. Bevor wir auschecken und den langen Reisetag antreten rufen wir das gesamte Team, die Service- und Küchen-Crew nebst Chef und Chefin, Emmy Gongo mit Ehefrau, zu einem Gruppenbild zusammen (Startfoto). Als kleines Dankeschön für die angenehme Zeit senden wir dieses später nach Uganda. Unsere Fahrer haben sich in den vergangenen Tagen bemüht, den Zentimeter dicken roten Staub von unserer Toyotas abzuwaschen, und so treten wir mit sauberen Fahrzeugen unsere Weiterreise an. Vom Hochplateau auf 2.300 m NN geht es nun weiter Richtung Norden. In der nördlichsten Ecke des Nationalparks, schon auf 1.590m NN, stoppen wir jedoch nochmals für zwei Stunden an einem Ihihitso-Fluss, um noch einige neue Vogelarten beobachten zu können. Wir sehen Cassin- und Stuhlmannschnäpper (Cassin‘s- & Dusky-blue Flycatcher) und den attraktiven Purpurspint (Black Beeater), um wieder nur wichtige Zielarten des Albertine Riftvalleys aufzuzählen.

Nach dem Mittagslunch in der Natur halten wir mitten zwischen grünen Teeplantagen an einer kleinen, sehr einfachen Dorfschule. Die „Klassenzimmer“: einfache Bretterverschläge. Die „Schulbänke“: Sitzstangen mit einem Brettchen für das Schreibheft, falls vorhanden. An der Bretterwand hängt eine knapp einen Quadratmeter große Schiefertafel mit dem Einmaleins für die Kleinsten. Diese geradezu primitive Einfachheit ist bedrückend für unser Empfinden. Unsere Gäste haben Geschenke für die Kinder dieser Schule, in der auch Waisen betreut werden, mitgebracht. Nach einem Spontanbesuch schon im Vorjahr sind wir auch in diesem Jahr unangemeldet hier. Mit großer Freude nimmt die Direktorin die Geschenke für die Kinder, insbesondere Schulsachen wie Malbücher, Hefte, Stifte und Kinderkleidung, aber auch einige Spielsachen entgegen. Die Kinder bedanken sich mit Gesang und Tanz. Nicht nur der Direktorin stehen Freudentränen in den Augen, auch einige Gäste sind zu Tränen gerührt …

Nach sieben weiteren Fahrstunden auf staubiger Piste, fast 50 Kilometer durch den berühmten „Queen Elisabeth Nationalpark“, den wir aber laut Programm „links liegenlassen“ müssen, erreichen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit kurz vor 21.00 Uhr unser nächstes Quartier am Rande des Kibale-Nationalparks. Das freundliche Personal macht uns den check-in in die schönen Bungalows (Bandas) angenehm einfach … und auf die nach knapp 400 km langer Fahrt hungrigen Gäste wartet das Abendbuffet. Und auf unsere Fahrer und Begleiter wartet ein platter Reifen am Auto …

Roter (Unganda) Stummelaffe. Foto: R. Kalz

Dienstag, 10. Juli: Neue Vogelarten und seltene Primaten im Kibale-Nationalpark
Nach dem langen Reisetag gestern gönnen wir uns heute ein Stündchen länger Schlaf als sonst und frühstücken erst gegen 7.00 Uhr. Danach schauen wir uns im schönen Garten der Logde, gestaltet im britischen Kolonialstil, nach neuen Vogelarten um. Die Logde liegt am Rande des berühmten Kibale-Nationalparks, umgeben von Teeplantagen und einer beeindruckenden Vulkankrater-Landschaft mit kleinen Seen. Diese Vielfalt bietet auch ganz neue Vogelarten. Wir entdecken ein Brutpaar vom hübschen Lappenschnäpper (Brown-throated Wattle-eye), die Junge füttern. Weißstirnweber (Thick-billed Weaver) sind unterwegs, und ein Sperberbussard (Lizard Buzzard) jagt auf dem Kurzrasen nach Insekten. Nach 10.00 Uhr unternehmen wir eine erste Birdingtour entlang der Straße im Nationalpark, um einige Zielarten dieses Gebietes zu suchen: Samtdrongo (Velvet-mantled Drongo), Kongotaube (Afep Pigeon), Samtglanz- und Spitzschwanzstar (Purple-headed- & Narrow-tailed Starling) sowie Gelbkehl- und Schuppenbartvogel (Yellow-throated- & Speckled Tinkerbird) können wir beobachten. Der 560 km² große Nationalpark ist vor allem für seinen Primaten-Reichtum weltbekannt. 13 Arten kommen hier vor und damit mehr als in jedem anderen Nationalpark auf der ganzen Welt! Wir können jeden Tag vier bis fünf Arten sehen, darunter auch die stark bedrohten, endemischen Uganda-Stummelaffen, von denen es vermutlich nur noch ca. 2000 Individuen in Freiheit gibt. Anubispaviane betätigen sich als Wegelagerer an der durch das Waldgebiet führenden Hauptstraße.

Nach der Mittagspause fahren wir in ein kleines Sumpfgebiet, dem „Bigodi Wetland Sanctuary“, das von der Kommune Bigodi verwaltet und betreut wird. Ein junger Birdguide, sehr kenntnisreich, begleitetet uns und erklärt die Vogel- und Tierwelt. Neben zwei neuen Nektarvogel-Arten, Grünkehl-Glanzköpfchen und Braunrücken-Nektarvogel (Green-throated- & Blue-throated Brown Sunbird) und dem Graukehlnicator (Western Nicator) können wir zwei neue seltene Primatenarten, Östliche Vollbartmeerkatze und Grauwangenmangabe, beobachten. Für die Fußball-Interessierten wartet nach dem Abendessen ein Halbfinalspiel der Fußball-WM 2018 …

Grünbrustpitta. Belegaufnahme: Chr. Martin

Mittwoch, 11. Juli: Gesucht und gefunden: Grünbrustpitta leuchtet neonfarben im Unterholz
Eine echte Herausforderung wartet heute auf uns. Wir wollen den Versuch unternehmen, die Zielart des Nationalparks, die im AR endemische Grünbrustpitta (Green-breasted Pitta) zu beobachten. Dazu musste bereits am Vortag alles mit den Nationalparkverwaltung abgestimmt, die Rancher und Begleiter bestellt werden, denn die Exkursion startet noch in völliger Dunkelheit, um überhaupt eine Chance auf die versteckt am Boden lebende Art zu bekommen. Um 05.15 Uhr wartet ein kleines Frühstück, dann auf in den Urwald! Unser Escort steht am Waldrand bereit, ebenso ein Rancher und Guide vom Park, und in deren Begleitung wandern wir im Schein der Stirnlampen geräuschlos in den Wald. Es dauert nicht lange, dann macht uns Emmy auf ungewöhnliche Laute vom Waldboden vor uns aufmerksam. Die Pitta erzeugt solche mit ihren Flügeln. Auch die verhaltenen Rufe der Art sind in der Morgendämmerung zu vernehmen. Langsam rücken wir Schritt für Schritt vor. Nach ca. 1 ½ Suche finden wir den Vogel 15 Meter vor uns am Waldboden. Neonfarben leuchten die blauen Flügeldecken im noch diffusen Licht. Die Pitta präsentiert ihre grün-rote Brust. Was für ein farbenprächtiger Vogel! Einigen Gästen gelingen sogar wenigstens brauchbare Belegfotos. Ein Glücksgefühl macht sich breit. Das zeitige Aufstehen war nicht umsonst! Bedauerlich war nur, dass eine Teilnehmerin in der Dunkelheit den Anschluss zur Gruppe verloren hatte und deswegen die Pitta nicht sehen konnte. Dieser Umstand wurde leider zu spät bemerkt, woran auch der afrikanische Begleiter nichts mehr ändern konnten. Auf dem Rückweg zu den Fahrzeugen hören wir mehrfach die Rufe von Schimpansen, für die der Kibale-Nationalpark einen der wichtigsten Lebensräume in Uganda darstellt.

Gegen 10.00 Uhr kommen wir wieder in unsere Logde zurück, das große Frühstück wartet. Das Personal interessiert sich dafür, ob wir die Pitta gesehen haben. Man ist überrascht und gratuliert uns zu diesem Erfolg, denn die schwer zu beobachtende Art bleibt wohl den allermeisten Birdern eher verborgen. Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns auch von dieser tollen Herberge und treten unsere letzte Reiseetappe in die Stadt Fort Portale, dem Tor zum Simliki-Nationalpark im Kongobecken an. Am Nachmittag erreichen wir das Hotel in der Stadt. Unserer Fahrer müssen mit einem Auto in die Werkstatt, um einen Reifen reparieren zu lassen …

Donnerstag, 12. Juli 2018: Am Ende der „Mondberge“ im Kongobecken unterwegs

Purpurmasken-Bartvogel. Foto: R. Kalz

Heute ist unser „Flachland-Tag“. Waren wir bisher immer weit über 1.000 bis zu 2.600m NN in den Bergregionen des Albertine Riftvalleys (AR) unterwegs, steht nun zum Abschluss der Reise ein Kontrastprogramm im Plan. Hier am Ende der sagenumwobenen „Mountains of the Moon“ (Berge des Mondes) des bis 5.100 Meter hohen, Schnee bedeckten Ruwenzori-Gebirges, in der eine der geheimnisvollen Quellen des Nils liegt, endet das Albertine Riftvalley und fällt ziemlich steil ab ins Kongobecken, wo sich im Grenzgebiet zur DR Kongo auf unter 700m NN der bekannte Tieflandregenwald im “Simliki Nationalpark” und das “Toro-Simliki-Wildlife-Reserve” befinden. Hier beginnt zugleich eine neue Faunenregion, die des Kongobeckens. Neue, eher Tieflands-Vogelarten warten hier auf uns. Wir frühstücken heute schon wieder um 5.00 Uhr und treten um 5.45 Uhr unsere Fahrt ins Beobachtungsgebiet an. Nach den Erfahrungen in den Vorjahren haben wir für heute zwei Beobachter-Gruppen eingeteilt. Eine für den Regenwald und eine für die Savanne.

Alles ist bestens organisiert. Für die Kongo-Regenwald-Gruppe steht ein kenntnisreicher Birdguide bereit. Mit dessen Hilfe gelingt die Tagestour, und einige der speziellen Vogelarten, die in Uganda nur hier erwartet werden können, werden entdeckt, darunter Schrei-, Weißkopf-, Weißhauben- & Schwarzhelm-Hornvogel (Western Piping-, White-thighed-, Eastern Long-tailed- & Black-casqued Hornbill). Dazu auch Gelbkehl-Nicator (Yellow-throated Nicator), Swainson- & Xavierbülbül (Red-tailed- & Xavier’s Greenbul). Sogar der im Kongobecken endemische Graukopf-Nektarvogel (Grey-headed Sunbird) kommt zur Beobachtung. Zum Abschluss noch ein Besuch an den heißen Vulkan-Quellen. Schnell werden wie üblich noch einige Hühnereier gekocht …

Sudan-Hornrabe. Foto: R. Kalz

Die Savannen-Gruppe ist den ganzen Tag im 542 km² großen „Toro Simliki Wildlife Reserve“ unterwegs. Hier in der Savanne auf ca. 600-700m NN finden sich bereits nördliche Arten, die der Sudan-Faunenregion zugeordnet werden. Der 1926 gegründete, früher bedeutende Nationalpark hat in den Zeiten des Bürgerkrieges in den 1980er- und 1990er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts massiv unter Wilderei gelitten. Heute zurückgestuft auf ein Reservat, finden sich im Gebiet nur wenige Großsäuger, dafür aber eine hohe Dichte der endemischen Uganda-Kob. Diese schöne Antilope hat hier eines ihres wichtigsten Vorkommen und begleitet uns den ganzen Tag über. Über neue Vogelarten wie Gelbschnabelfrankolin (Heuglin’s Francolin), Rotkehlspint (Red-throated Bee-eater) und Purpurmasken-Bartvogel (Black-billed Barbet), endemisch in Nordost-Afrika und d i e Spezialität hier, dürfen wir uns freuen. Ein Familienverband geselliger und ruffreudiger Spitzschwanz-Elstern (Piapiac) nimmt ein Bad in einer Wasserlache, und ein Trupp von mindestens 13 mächtigen Sudan-Hornraben (Northern Ground-Hornbill) fesselt lange unsere Aufmerksamkeit. Bei unserer Mittagsrast am Fluss beobachten wir einen mächtigen Elefantenbullen und eine Gelbflügel-Fledermaus (Yellow-winged Bat), tatsächlich richtig gelb leuchtend, ist am helllichten Tag unterwegs. Große Bestände der beeindruckenden Borassuspalmen (Fächerpalme), die wir hier erstmals sehen (und die von Elefanten verbreitet werden), weisen auf dieses völlig andere, trockene Klima zu Füssen des Ruwenzori-Gebirges und dem Albertsee hin. Zum Abendessen treffen sich alle wieder im Hotel. Die Vogelliste macht heute nochmals richtigen Spaß. Von den Balkonen der Zimmer aus in netten Hotel am Rande der Großstadt Fort Portale lässt sich die Froschweihe (African Marsh-harrier) bei der abendlichen Nahrungssuche beobachten …

Freitag, 13. Juli: Von Fort Portal zurück nach Entebbe – neue Arten in Nord-Kibale

Dreifarbenweber. Foto: R. Kalz

Der heutige Tag ist unsere Rückreisetag nach Entebbe. Für die Strecke über rund 350 Kilometer haben wir den gesamten Tag eingeplant. Da unsere Fahrt zuerst durch den Nordteil des Kibale-Nationalparks führt versuchen wir hier, noch einige neue Arten zu finden. Allerdings wird dieser Beobachtungsstopp zu einem regelrechten Bad im afrikanischen Staub, da die Straße aufgrund von Bauarbeiten in diesem Teil unbefestigt ist. Unsere Ausdauer wird aber belohnt, denn wir können auch den recht ungewöhnlichen Dreifarbenweber (Yellow-manteld Weaver) beobachten. Weitere seltene Arten der Region wie Sumpfsegler (Sabine’s Spintail), Maskenfeinsänger (Masked Apalis) und Bocagewürger (Bocage‘ Bush-shrike), den wir bei der Kopula zuschauen, können wir zum Schluss in unsere Vogelliste eintragen.

In einem Restaurant wartet das Mittagessen. Dabei entdecken wir auch noch zwei neue Arten, die für uns eigentlich „gewöhnlich“ sind, in Uganda eher nicht: Turmfalke (Common Kestrel) und Haussperling (House Sparrow) sehen wir heute überhaupt zum ersten Mal auf unserer 1.800 Kilometer langen Rundreise. Mit vielen Eindrücken aus dem Leben der Menschen, die wir in Dörfern und ihren Straßenmärkten bei der Vorbeifahrt oder bei kurzen Stopps bekommen, erreichen wir am frühen Abend unseren Ausgangspunkt der Reise, unser Hotel am Ufer des Victoriasees in Entebbe.

Brutkolonie Graukofpmöwen. Foto: R. Kalz

Sonnabend, 14. Juli: Beim „Ur“-Vogel im Papyrussumpf – nächtliche Rückreise
Unser letzter Tag startet am Victoriasee, dessen heftige Brandung für einen Binnensee bemerkenswert ist, wieder mit einem großartigen Sonnenaufgang über der riesigen Bucht von Entebbe. 6.30 Uhr frühstücken wir ein letztes Mal, checken aus und treten 7.15 Uhr die Fahrt auf die andere Seite der Bucht in die riesige Mabamba-Sumpflandschaft (Wetland) an. Hier im ca. 16.500 ha großen Schutzgebiet, einem Papyrussumpf, wartet der absolut letzte Höhepunkt unserer Reise, der urzeitlich anmutende Schuhschnabel (Shoebill), den wir hier beobachten wollen. Die unbefestigte Staubpiste befindet sich in diesem Jahr in einem noch schlechteren Zustand, und so benötigen wir 1 ½ Stunden bis zum kleinen Hafen. Unser Freund Joseph, Site-Guide im Schutzgebiet, und sein Team erwarten uns bereits, und so können wir nach Erledigung der Formalitäten zügig starten. Mit drei kleinen Booten befahren wir den schmalen Hauptkanal und biegen in eine breite Bucht ein. Es dauert heuer nur wenige Minuten, dann sehen wir schon den gesuchten „Ur“-Vogel. Der Schuhschnabel fliegt noch ein kleines Stück neben unseren Booten, um dann im kurzen Gras vor dem Papyrusdickicht zu landen. Aus nur 10 Meter Entfernung lässt sich die ungewöhnliche Art bestens beobachten und fotografieren. Alle Gäste sind natürlich begeistert. Der Schuhschnabel, der nur ca. alle fünf Jahre überhaupt zur Brut schreitet, ist auch deswegen so bedroht, weil seine geringe Fortpflanzungsbereitschaft dann oft auch noch durch illegale Fischerei in den Schutzgebieten gestört wird. Von Joseph erfahren wir aber, dass im Schutzgebiet, in dem 9 oder 10 Individuen leben, derzeit ein Paar einen Jungvogel groß zieht, was äußerst erfreulich ist. Nach 20 Minuten Beobachtung und mit vollen Speicherkarten fahren wir weiter in einen anderen Teil des Sumpfes, vorbei an einer rund 300 Brutpaare zählenden Kolonie der Graukopfmöwe (Grey-haeded Gull), der afrikanischen Vertreterin unserer heimischen Lachmöwe. Es klingt auch so. Mit geschlossenen Augen fühlt man sich an die Lachmöwen der Limbacher Teiche erinnert … Die Zeit in dieser grandiosen Wasserlandschaft vergeht wie im Fluge.

Bartmeise-Gruppe 2018 in den Mabamba-Sümpfen. Foto: H. Meyer

Gegen 13.00 Uhr erwartet uns in einer neu eröffneten Logde auf einem Hügel angrenzend über dem Sumpf unser Mittagessen. Auch hier im Wald beweist unser Birguide Emmy nochmals seine perfekten Kenntnisse über die ugandische Vogelwelt. Es gelingt ihm sozusagen mit dem Mund, die heimliche Perlenralle (White-spottend Flufftail) anzulocken, so dass einige Gäste diese am Waldboden sogar gut sehen können. Wir genießen hier vom Hügel aus einen fantastischen Ausblick auf das Schutzgebiet und auf die gegenüber der Bucht liegende Hauptstadt Kampala mit seinem Vorort Entebbe und dem internationalen Flughafen. Gegen 17.00 Uhr treffen wir wieder im Hotel ein. Alle Gäste haben die Möglichkeit, in zwei Zimmern zu duschen und ihre Reisebereitschaft herzustellen. Dann wartet das Abschluss-Abendessen, und mit den letzten Einträgen in die Vogelliste schließen wir diese mit 394 Vogelarten ab (neue Rekord für diese Reise!).

Gegen 20.30 Uhr treten wir die kurze Fahrt zum Flughafen Entebbe an. Und pünktlich noch vor Mitternacht starten KLM und Brüssel-Airline nach Amsterdam und Brüssel. Nach pünktlicher Ankunft am nächsten Morgen (15. Juli) können alle Gäste wie geplant ihre Ausgangs-Flughäfen in Bremen, Nürnberg, Wien und Zürich erreichen, und der endgültigen Heimreise steht nichts im Wege.

Zusammenfassung: Unsere Reise bietet einen umfassenden Einblick in die außergewöhnliche Vogelwelt des Albertine Riftvalleys im Westen und Südwesten Ugandas. Es werden bedeutende Schutzgebiete wie der Lake Mburo-, der Maahinga Gorilla-, der Bwindi-Ruhija- und der auch für seinen Primatenreichtum bekannte Kibale-Nationalpark besucht. Alle Regionen liegen in Höhenlagen zwischen 1.100 und bis 2.600 m NN (Ausnahme Abschluss der Reise). Das Klima in den Bergen ist durchweg kühl (Minimum nachts bei +6-9°C, tags um 20-25 °C; nur an wenigen Tagen in Savannenregionen ist es wärmer). Zum Abschluss der Reise steht ein Besuch in einer neuen Faunenregion im Programm, im gewaltigen Kongobecken, welches im Simliki-Nationalpark (um 700 m NN) zu Füßen der Ruwenzori-Berge beginnt. Zielarten der Reise sind die eindrucksvollen Vogelarten der afrikanischen Bergwelten, darunter vor allem die endemischen Arten des Albertine Riftvalleys, einem Seitenarm des Großen Afrikanischen Grabenbruchs im Westen Ugandas entlang der Grenze zu Ruanda und der DR Kongo. Zwischen 380 und 400 Vogelarten können auf dieser Reise erwartet werden.

Gorilla mit Swarovski-Spektiv. Foto: H. Meyer

Optional bieten wir zudem die Möglichkeit, im Bwindi-Nationalpark am Gorilla-Trekking, einem großartigen Naturerlebnis, teilzunehmen. Bartmeise-Reisen vermittelt die Genehmigungen dazu, die Monate voraus gebucht werden müssen. Diese Rundreise über insgesamt 2.000 Kilometer durch das „Schwarze Herz Afrikas“, abseits von Touristenpfaden, zeigt das Leben der Menschen in Uganda absolut authentisch und bietet bei einem spontanen Besuch in einer Dorfschule (mit Übergabe von mitgebrachten Geschenken) intime Einblicke, die ihresgleichen suchen!

Hartmut Meyer

Titelfoto: Bartmeise-Reisegruppe im Bwindi-Nationalpark. Rechts außen Bartmeise-Reiseleiter und Birdguide Emmy Gongo. Foto: H. Meyer

Stimmen unserer Gäste zu dieser Reise:
„Einfach fantastisch, großartig, mit Erlebnissen, die ich mein Leben lang nie vergessen werde.“ (Carola Seifert, Chemnitz). „Für mich war diese Reise ein herausragendes Erlebnis. Quartiere und Verpflegung waren in Ordnung bis hervorragend, unser Guide sowieso einsame Spitze. Die umsichtige Reisevorbereitung und Leitung gehören positiv erwähnt.“ (Ulrich Lindinger, A-Grünburg).

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