Durch Bindegarn gefährdete Baumfalken-Jungvögel bei Bruten in Krähennestern auf Eisengittermasten

Durch Bindegarn gefährdete Baumfalken-Jungvögel bei Bruten in Krähennestern auf Eisengittermasten

In Westsachsen brüten die Baumfalken (Falco subbuteo – Hobby) seit Jahren bevorzugt auf Energiemasten (Brutplatz 1. Mast, Ausleger links unten, 2020. Foto: H. Meyer) und nutzen dort die meist zahlreich vorhandenen Nester der Rabenkrähen als Brutplatz. Man kann die zukünftigen Brutplätze der Baumfalken oft schon im Mai ausmachen, denn noch in der Nestlingszeit der Rabenkrähen sitzt das Baumfalken-Paar stundenlang auf dem nächsten Mast und „wartet“, bis die Krähen verschwunden sind. Oft werden Jungkrähen dann auch aktiv vom Baumfalken-Paar vertrieben. Und danach beziehen sie sofort das ausgewählte Krähennest auf dem Mast, welches in vielen Fällen eine tödliche Gefahr für die kleinen Greifvögel bereithält: Bindegarn aus der Landwirtschaft!

Auch In diesem Jahr sind in der Agrar-Landschaft im Umland um das Tal der Zwickauer Mulde/Lkr. Zwickau mindestens drei solcher Mast-Bruten vom Baumfalke bekannt. In den Nestern werden derzeit Junge gefüttert, wie Beobachtungen vom gestrigen Tag zeigten. Die Jungvögel sind noch klein, noch nicht so mobil. Aber mit dem Heranwachsen der jungen Baumfalken steigert sich auch deren Bewegungsdrang in den Krähennestern. Leider findet sich defacto in jedem Nest mehr oder weniger Bindegarn aus Plastik aus der Landwirtschaft, welches die Krähen allzu gern zum Auspolstern ihrer Nester eintragen. Das achtlos in den Strohballen belassene Bindegarn gelangt über den Mist aus den Ställen auf die Felder. Und innerhalb dieses Kreislaufs können die Plastikschnüre zu tödlichen Fallen für Baumfalken, aber auch andere Arten wie Turmfalken und sogar die Rabenkrähen selbst werden. Im Bild (links) ein strangulierter toter Turmfalke, für den es keine Hilfe mehr gab.

Wer jetzt und in den nächsten Wochen an Mastbruten von Baumfalken beobachtet solltet unbedingt darauf achten, ob sich Jungvögel ungewöhnlich verhalten, vielleicht einer im Nest zurückbleibt. Vor einigen Jahren entdeckten wir einen jungen Baumfalken, der im Nest festhing und sogar noch Wochen nach dem Ausfliegen seiner Gewischter vom einem verbliebenen Altvogel mit Futter versorgt wurde. Eine seinerzeit unverzüglich veranlasste Rettungskation kam leider zu spät.

Schon mehrfach haben unsere Ornithologen in Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden und den Netzbetreibern Rettungskationen für junge Baumfalken und andere Arten gestartet. Oft mit viel Aufwand, denn der Netzbetreiber muss die Fernleitung abschalten, Prof-Kletterer müssen anreisen, aber am Ende meist erfolgreich für die Baumfalken!

Wer – in Bindegarn – festhängende  Vögel beobachtet, der sollte unbedingt seine zuständige Untere Naturschutzbehörde informieren. Die wiederum hat Kontakte zu den Netzbetreibern und kann eine Rettungsaktion veranlassen. Privates Erklettern der Maste hingegen ist lebensgefährlich, zudem verboten und sollte wirklich unbedingt unterbleiben!

Hartmut Meyer

Startbild: In Bindegarn strangulierter Turmfalke in Krähennest auf Eisengittermast. Foto: H. Meyer

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