Flughühner, Lerchen und Steinschmätzer – tolle Beobachtungen zwischen Hohem Atlas und der Sahara

Flughühner, Lerchen und Steinschmätzer – tolle Beobachtungen zwischen Hohem Atlas und der Sahara

Endlose Sanddünen in der Sahara. Foto: B. Möckel

Nach acht erlebnisreichen Tagen mit vielen tollen Beobachtungen und vollen Speicherkarten ist unsere BARTMEISE-Reisegruppe vor wenigen Tagen aus Marokko zurückgekehrt. Während der Rundreise ab/an Marrakesch zwischen Hohem Atlas und der Sahara konnten so gut wie alle erwünschten und möglichen Zielarten gesehen werden. Höhepunkte waren unter anderem die zahlreichen Flughühner in drei verschiedenen Arten, die beim morgendlichen Trinken aus geringer Distanz beobachtet und natürlich auch fotografiert werden konnten. Auch verschiedene Arten Steinschmätzer wie Schwarzrücken- (Unterart: „Berbersteinschmätzer“ – O.l. halophila) &  Atlassteinschmätzer (Black-throated Wheatear) sowie Lerchen wie z.B. die Knackerlerche (Thick-billed Lark) gelangten vor die Ferngläser.

Als eine nicht alltägliche Sichtung muss unbedingt auch die Entdeckung eines Brutpaares vom  Wüstenuhu (Pharaoh Eagle-owl) mit Jungen unweit eines Lannerfalken-Nestes, ebenfalls mit Jungvögeln, genannt werden. Auch die Pharaonennachtschwalbe ( Egyptian Nightjar) wurde tagsüber entdeckt. Ohne spezielle Kenntnis ist das Auffinden der perfekt getarnten Vögel unmöglich.

Atlasgrünspecht. Foto: B. Möckel.

Die landschaftliche Vielfalt war zudem beeindruckend. Dabei waren die spektakulären Aussichten im Hohen Atlas, die Todra-Schlucht sowie die riesigen Sanddünen von Erg Chebbi besondere Highlights. Ein Stopp bei Zaida galt der äußerst heimlichen Dupontlerche (Dupont’s Lark). In der Dunkelheit am frühen Morgen konnten mehrere Exemplare singend angetroffen werden. Die Vögel zu sehen, obwohl direkt vor den Beobachtern, war hingegen äußerst schwierig und die Art hat hier ihrem Ruf alle Ehre gemacht.

Besonders schön war der anschließende Rückweg über den Mittleren Atlas. Hier konnten wir nochmals eine ganz andere Landschaft kennenlernen. In den Wäldern mit teils uralten Zedern waren Atlasgrünspecht (Maghreb Green Woodpecker), Atlasschnäpper (Atlas Pied Flycatcher) sowie ein Maghrebkauz (Maghreb Owl) die letzten Höhepunkt der Reise.

Bartmeise-Reisegruppe im April 2024 in Marokko (ganz rechts außen Reiseleiter Andre Müller). Foto: A. Müller.

Die Stimmen unserer Gäste zu dieser Reise sind durchweg äußerst positiv. Einige Beispiele dafür: Marco Z. aus Niedersachsen schreibt: „Es war große Klasse! Es gab viel zu bestaunen, die Reise war aus meiner Sicht optimal organisiert, die Reiseleiter sehr engagiert und sachkundig … Ich habe nicht eine Art vermisst … Ich reise gerne wieder mit Bartmeise-Reisen.“ Detlef und Alexander S. aus Thüringen teilen uns mit: „Eine wunderschöne Reise ist zu Ende. Ich kann nur für Alexandra und mich sprechen, aber wir sind recht sicher, auch die anderen Teilnehmer sind zufrieden bis begeistert. Nein wirklich, alles gut gelaufen.“. Und Eric M. (Sachsen) lässt und wissen: „Es war insgesamt eine tolle Reise mit unverwechselbaren Eindrücken von Birds, Land und Leuten. Dafür noch mal vielen Dank. Der Guide war auch sehr fähig und willig, uns so viel wie möglich von der Wunschliste präsentieren zu können (hätte ich vorher nie für möglich gehalten). Schade war halt nur die die späte Nachtankunft in Marrakesch, aber man ist machtlos gegenüber den Flugplänen der Airlines …“ Kurz und knapp bringt es Erwin S. aus Baden-Württemberg auf den Punkt: „Mit dem Wissen von heute, würde ich diese Marokko-Reise sofort wieder antreten.“

Voraussichtlich werden wir diese Reise im kommenden Frühjahr wieder im Bartmeise-Reiseprogramm anbieten. Derzeit werden dazu die Voraussetzungen geprüft. Vormerkungen sind unverbindlich immer möglich an info@bartmeise.de.

Andre Müller
Reiseleiter

Startbild: Tropfenflughühner (Spotted Sandgrouse). Foto: B. Möckel.
Print Friendly, PDF & Email
Wo Kalifornische Kondore kreisen und Spechte in den Riesenkakteen leben – Höhepunkt seltener Marmelalk

Wo Kalifornische Kondore kreisen und Spechte in den Riesenkakteen leben – Höhepunkt seltener Marmelalk

Typischer, aber seltener Wüstenvogel: Rotkardinal. Foto: M. Ortega.

In die grandiosen Landschaften der mexikanischen Halbinsel Baja California führte gleich zum Jahresbeginn 2024 unsere diesjährige Birdwatchingtour in die Faunenregion der Sonora-Wüste und entlang der gewaltigen Pazifikküste des amerikanischen Kontinents. Dabei war diese Reise erstmals neu konfiguriert, denn der Start lag in diesem Jahr ganz im Norden, in der Grenzstadt zu Kalifornien, in Tijuana, und führte im zweiten Reiseteil (per Flug) bis an die Südspitze der Halbinseln nach Cabo San Lucas über rund 1.800 Kilometer.

Im Norden um Tijuana standen zuerst die bis 2.500 Meter hohen Bergwelten des Nationalparks  Sierra de San Pedro Mártir im Programm, wo heute wieder Kalifornische Kondore (California Condor, Foto re. Ch. Lange) leben und gut beobachtet werden konnten. Trotz Neuschnee in den Wäldern der hier häufigen Zwergkleiber (Pygmy Nuthatch) konnten wir bis zu vier der beeindruckenden Vögel gut beobachten. Zwischen Tijuana und Ensenada standen auch die Watt- und Mündungsgebiete des Pazifiks und seiner gewaltigen Buchten für Limikolen, Wasservögel und andere Arten in unserem Programm. Hier beigeisterten riesige Trupps attraktiver Brillenenten (Surf Scoter), die durch die  Pazifkwellen nahe an der Küste reitend nach Muscheln tauchten, die Birder, Tolle Beobachtungen

Surf Scoter (Brillenenten) auf der Baja California. Foto: M. Ortega

gelangen von zahlreichen Arten, die wegen ihrer speziellen Lebensraumansprüche nicht so oft zu sehen oder generell nicht häufig sind wie Südamerikanischer Austernfischer (Blackish Ostercatcher), Schwarzkopf-Steinwälzer (Black Turnstone), Wanderwasserläufer (Wandering Tuttler) und bis zu 18 (!) der seltenen Gischtläufer (Surfbird) am gleichen Platz!

Höhepunkt hier im Norden der Halbinsel war eine ganztätige Pelagen-Tour mit einem Hochsee tauglichen Boot hinaus in die Inselwelt des Pazifiks, bei der verschiedene Arten wie Nashorn- (Rhinoceros Auklet), Aleuten– (Cassins’s Auklet) und Kalifornienalk (Scripp’s Murrelt) beobachtet werden konnten. Hunderten endemischer Schwarzsteiß-Sturmtaucher (Black-ventend Shearwater) konnte bei der Jagd zugeschaut werden. Auch die hoch-arktische Beringmöwe (Glaucos-winged Gull) wurde mehrfach gesehen.

Pelagen-Tour. Foto: H. Meyer

Ein Höhepunkt zum Abschluss der Tour erwartete uns beim Wiederanlaufen in den Hafen: Zwischen den Yachten tauchte ein kleiner Alk auf und konnte fotografiert werden. Anhang der Fotos war die Bestimmung zweifelsfrei möglich. Bei dem Vogel handelte es ich um einen Marmelalk (Marble Murrelet; Foto re. u. Ch. Lange). Da unsere Pelagen-Tour von einem lokalen Experten, der zugleich als Administrator für die Region bei eBird tätig ist, begleitet wurde, konnte der Vogel umgehend bei eBird gemeldet werden. Dies löste – so wie hier in Europa

Nach 1984 zum 2. Mal (nach genau 30 Jahren) von Bartmeise-Reisegästen auf der Baja California entdeckt: Marmelalk. Foto: Ch. Lange

bei seltenen Ausnahmebeobachtungen auch – einen Run von Birdwatchern auf den Hafen aus, denn auch Mexikaner und Nordamerikaner wollten sich diese Seltenheit, die nach 1984 erst zum zweiten Mal gesichtet wurde, nicht entgehen lassen! Die außergewöhnliche Brutbiologie dieser ungewöhnlichen Art, die in den nordamerikanischen Küstenregenwäldern bis zu 40 Kilometer vom Meer entfernt auf den höchsten Ästen der größten Mammutbäume in Einzelbrutpaaren brütet, und die man auch nur selten auf dem Meer sieht, erhöhte das Interesse nochmals. Nach unseren Informationen war der Vogel, von dem man aufgrund seines Aufenthaltes im Hafenbecken von einer nicht sichtbaren Verölung ausgehen musste, auch vor wenigen Tagen noch immer munter unterwegs.

Grauspottdrossel, endem. Foto: M. Ortega

Im Süden der Baja standen die Wüstenlandschaften der Sonorawüste im Vordergrund des Interesses. Eine der hier sonst gut und häufig zu sehenden Charakterarten, der Wegekuckuck (Greater Roadrunner), machte sich leider sehr rar und konnte, da offenbar außerhalb der Brutzeit wenig Reviertreu, nur zwei-, dreimal kurz gesehen werden. Ansonsten gelang es, viele weitere Zielarten, seltene und endemische Vögel, zu sehen und oft auch gut zu fotografieren wie Gelbfußmöwe (Yello-footed Gull), Schwarzstirn-Saphirkolibri (Xantus’s Hummingbird), die beeindruckende Grau- und die hübsche Kalifonienspottdrossel (Grey- & California Thraser), die äußerst seltene San-Lucas-Wanderdrossel (San Lucas Robin), Sumpfgelbkehlchen (Belding’s Yellowthroat und auch die Amerikakrähe (America Crow), die hier ihre südliche Verbreitungsgrenze erreicht.

San Lucas Wanderdrossel, endem. Foto: J.L. Günther.

Insgesamt wurden mehr als 220 Vogelarten in die Vogelliste der Reise eingetragen, was für die Avifauna der Sonorawüste einen tollen Wert darstellt.

Diese fantastische Reise, die man effektiv und erfolgreich nur mit lokalen Experten durchführen kann, wird auch im kommenden Winterhalbjahr wieder im BARTMEISE-Reiseprogramm zu finden sein. Interessenten sollten bitte auf die Terminbekanntmachung achten bzw. jetzt schon ihr Interesse unverbindlich (per Email an: info@bartmeise.de) anmelden (für weitere Infos).

Hartmut Meyer

Immer viel Spaß in den mexikanischen Restaurants auf der Baja. Reisegäste zusammen mit unseren Guides Martin (2.v.li.) und Ernesto (re.). Foto: H. Meyer

Print Friendly, PDF & Email
Zweimal Landkreis Zwickau und zurück: “Struppi” und “Silas” auf Abwegen auch durch Sachsen unterwegs

Zweimal Landkreis Zwickau und zurück: “Struppi” und “Silas” auf Abwegen auch durch Sachsen unterwegs

Dieses Foto ging durch die Presse: Einige der 23 Waldrappe am 3.11. bei Bleckede in Lüneburg. Foto: Z. Smietanka.

Als unser Reisegast Zygmund Smietanka aus dem Landkreis Lüneburg (Niedersachsen) am 3. November bei Bleckede 23 Waldrappe auf eine Wiese sah, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen! Waldrappe in Niedersachsen? So was gab es in neuerer Zeit wohl noch nie! Schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine größere Gruppe von Vögeln aus dem EU-Life-Projekt Wiederansiedlung Waldrapp aus der Brutkolonie im bayerischen Burghausen – übrigens der Partnerstadt unserer Bartmeise-Heimatstadt  Hohenstein-Ernstthal – handelt. Warum die Vögel statt Richtung Toskana, wo sie bisher ihre Winterheimat hatten, strikt nach Norden zogen, bleibt ein Rätsel. Doch Niedersachsen war noch nicht der Endpunkt des Reiseausfluges der ‘schwarzen Gesellen’, was dank GPS und moderner Satellitentelemetrie heute immer live im “Vogel-Kino” zu verfolgen ist. Die Gruppe spaltet sich auf und einige Vögel zogen sogar über die Ostsee weiter bis nach Schweden, wo sie es sich in kleineren Gruppen einige Tag gutgehen ließen.

Rastende Vögel am 18.11. im Landkreis Zwickau/Sachsen. Foto: J. Halbauer

Unser sächsischer Landkreis Zwickau war bereits auf dem Weg der Gruppe in den Norden Zwischenrastplatz für die Gruppen, denn mindestens ein Vogel konnte bereits Anfang November in der Nähe von Wilkau-Haßlau von Jens Halbauer fotografiert werden. Und wer nun glaubte, die teilweise von Menschenhand aufgezogenen Vögel würden nie wieder zurück zum Ausgangspunkt Burghausen bzw. vielleicht sogar in ein südlich gelegenes Winterquartier finden, der wurde seit Freitag (17.11.) eines Besseren belehrt! Die GPS-Daten meldeten zweifelsfrei: „Struppi“ und „Silas“ (zwei besenderte Vögel, jeder mit individuellen Namen ausgestattet) rasten heute erneut zwischen Reinsdorf und Zwickau-Planitz. Unser Werdauer VSO-Freund ließ es sich natürlich nicht nehmen, am Sonnabendvormittag auf die Suche nach den Vögel zu gehen. Mit Erfolg, wie die Fotos hier zeigen. Insgesamt 11 Vögel, darunter auch der Vogel mit dem Farbring “654” (Foto li. J. Halbauer) hatten die Nacht unbeschadet im Zwickauer Umland verbracht. Nach morgendlicher Nahrungssuche (offenbar auf Glyphosat-freien Feld …) sind die Vögel mittags in südwestliche Richtung abgezogen. Am Nachmittag wurden die besenderten Individuen (und offenbar die gesamte Gruppe) im Süden Tschechiens, zwischen Holysov (wo unser Vereinsfreund, der Ornithologe Libor Schröpfer Bürgermeister ist) und der bayerischen Grenze geortet, also nicht mehr sehr weit weg vom Ausgangspunkt ihres Ausfluges gen Norden, von Burghausen, entfernt!

Man darf gespannt sein, ob die Vögel nun noch ihren verspäteten Wegzug in den Süden über die Alpen schaffen. Sobald es Neuigkeiten dazu gibt, berichten wir gern darüber.

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

Gefiederpflege der Gruppe am 3.11. in Niedersachsen. Foto: Z. Smietanka.

Da das hier dargestellte Migrationsverhalten der Waldrappe nur ein verkürzter Auszug aus dem Gesamtgeschehen ist, teilt uns Dr. Andre Günther (Freiberg) dazu ergänzend Folgendes mit:

“Am 12.11.2023 sah Jens Halbauer (Werdau) den unbesenderten Jungvogel Tulip, der sich auf der Nordtour irgendwo abgesondert hat und auch gegenwärtig wieder vermisst wird. Er war definitiv nicht in dem Trupp vom Sonnabend dabei. Meines Wissens sollte das der erste Nachweis eines Waldrapps für Sachsen sein.

Die 11 vom Sonnabend sind nach den Daten der besenderten Vögel mit weiteren Jungvögeln im Oktober nach Norden aufgebrochen (über Thüringen, nicht über Sachsen) und waren einige Tage stationär auf Rømø in Dänemark. Dann sind sie in zwei Tagen sehr geradlinig bis Zwickau zurückgezogen, wo sie in Oberhohndorf übernachtet haben und wir sie am nächsten Morgen finden konnten. Gegen Mittag sind sie erneut gestartet, wieder zügig gezogen und haben schließlich in der Nähe von Regen in Niederbayern übernachtet. Dort haben sie den Sonntag verbracht und haben sich am Montag offensichtlich getrennt. Drei Sendervögel sind auch heute noch dort, einer („Struppi“) hat am Montagabend Salzburg erreicht. Die 11 Vögel von Zwickau sind in drei unterschiedlichen Kolonien frei erbrütet worden. Bei einigen sind wohl auch die Eltern schon Nachkommen von ausgesetzten Tieren. Alle weiterführenden Infos stammen vom Waldtrappteam bzw. der App Animal Tracker. Da die nicht besenderten und teilweise auch unberingten Vögel schwer zu finden sind, freut sich das Waldrappteam über jede Sichtung (https://www.waldrapp.eu/).” 

Startfoto: Waldrappe am 18.11.2023 im Landkreis Zwickau. Foto: J. Halbauer
Print Friendly, PDF & Email
Zum 14. deutsch-tschechischen Ringdrossel-Treffen auch Besuch beim Farbberingungsprojekt am Tannenhäher

Zum 14. deutsch-tschechischen Ringdrossel-Treffen auch Besuch beim Farbberingungsprojekt am Tannenhäher

Durchziehende Ringdrosseln am Fichtelberg/Sachsen. Foto: J. Hering

Zum mittlerweile 14. Mal trafen sich am Freitag (17.11.2024) auf dem Erzgebirgskamm (in Böhmen) ehrenamtliche Mitarbeiter des Erfassungsprogramms für die Ringdrossel (Ring Ouzel) in Sachsen und Böhmen. Wie immer initiiert und geleitet von VSO-Vorstandsmitglied & DO-G-Beirat Jens Hering, stand natürlich wieder schwerpunktmäßig die Ringdrossel im Mittelpunkt. Ganz speziell wurde über ein laufendes Kartierungsprojekt zum Frühjahrsdurchzug im Fichtelberg-/Keilberg-Gebiet rastender Ringdrosseln berichtet. Durchgeführt und vorgestellt wurden die Kartierungen von Lukas Pelikan, der insbesondere zur Nutzung von Schlafplätzen neue und sehr wichtige Erkenntnisse präsentieren konnte.

Die wie jedes Jahr zum Treffen anwesenden böhmischen Kollegen konnten erneut überraschende Neuigkeiten zur Avifauna im oberen Erzgebirge vorstellen. So gelang es im zweiten Jahr infolge, die Zitronenstelze (Citrine Wagtail) als Brutvogel (je mit erfolgreicher Brut mit ausgeflogenen Jungvögeln) sicher zu dokumentieren. Und auch der Dreizehenspecht (Eurasian Three-toed Woodpecker), vom dem bis heute im Erzgebirge ein Brutnachweis fehlt, konnte sowohl in den Kammbereichen als auch im angrenzenden Eger-Tal nachgewiesen werden. Und auf sächsischer Seite im Kammgebiet wurde 2023 nach langer Zeit wieder ein Brutnachweis (Henne mit Küken) vom Birkhuhn (Black Grouse) erbracht.

Beringer Thomas Barthel bei der genauen Analyse eines gefangenen Tannenhähers

In der Nacht auf Sonnabend (18.11.) hatte es bei Temperaturen um -2°C leicht geschneit, was insgesamt 21 Birkhähne (Alt- und diesjährige Jungvögel) nicht davon abhielt, in den ersten Stunden des Tages in voller Pracht ihre Herbstbalz vorzuführen. Nach diesem Augenschmaus für die Vogelfreunde stand ein kräftiger Gaumenschmaus in Form eines Frühstücks in einer schönen böhmischen Baude im Programm. Und danach wartete gleich als weiteres Highlight ein Besuch beim Artspezialisten Thomas Barthel (und seinem Mitstreiter Joachim Anger) der ein Farbberingungsprojekt am Tannenhäher (Spotted Nutcracker) durchführt. Da es zu dieser heimlichen Vogelart defacto kaum wissenschaftliche Daten zur Biologie, Arten und Unterarten, Verhalten im Jahreszyklus und Migration gibt, gelten die von Barthel in Sachsen gewonnenen Daten (neben einem weiteren solchen Projekt in Thüringen) als Pionierarbeit. In einem entsprechenden Habitat am Nordhang des Erzgebirges auf ca. 900 Meter über NN gelang es heute zumindest einen anwesenden Tannenhäher (aus mind. 10 Vögel insgesamt) zu fangen und zu beringen. Seit heute trägt der diesjährige Vogel einen blauen Farbring mit weißer Schrift „V1“.

Wie immer kamen der gegenseitige Erfahrungsaustausch und die Pflege von Freundschaften beim Treffen, bei dem auch zahlreichen News ausgetauscht wurden, nicht zu kurz. Dabei standen der anhaltende Rückgang von Wiesenbrütern (Braunkehlchen und Wiesenpieper) ebenso in der Diskussion wie die Situation beim Karmingimpel und Bekassine als längst etablierte, sowie bei Seeadler und Kraniche als kürzlich neu ins Obere Erzgebirge eingewanderte Brutvögel.

Vermutlich bereits in der nächsten Ausgabe der Vereinszeitschrift „Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen“ (www-vso-web.de), die Mitglieder kostenfrei erhalten, können einige der zum Treffen vorgestellten Ergebnisse nachgelesen werden.

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

Titelfoto: Gruppe “Ringdrossel-Treffen 2023” zu Besuch beim Farbberingungsprojekt Tannenhäher von Thomas Barthel. 2.v.re. vorn: Jens Hering, 3.v.re. vorn: Joachim Anger; 2.v.re. hinten/Mitte: Lukas Pelikan; 3.v.re. hinten: Thomas Barthel. Foto/s: J. Hering & H. Meyer
Print Friendly, PDF & Email
Zwischen Sahara & Atlantik: Bartmeise-Spezialisten mit interessanten Ergebnissen aus Mauretanien zurückgekehrt

Zwischen Sahara & Atlantik: Bartmeise-Spezialisten mit interessanten Ergebnissen aus Mauretanien zurückgekehrt

Vor wenigen Tagen ist unsere Reisegruppe aus dem westafrikanischen Mauretanien zurückgekehrt. Bei dieser expeditionsartigen Reise, bei der viele Übernachtungen in Zeltcamps (Foto li.: A. Müller) stattfanden, wurde das Land von Hauptstadt Nouakschott immer entlang der Küste zuerst nach Süden und dann nach Norden bereist. Erstes Ziel war der Diawling-Nationalpark im Süden des Landes. In den riesigen Feuchtgebieten konnten viele westafrikanische Arten sowie überwinternde Limikolen beobachtet werden. Darunter Weißbrustkormoran, Rosapelikan, verschiedene Reiher, Blaustirn-Blatthühnchen, Bronzesultanshuhn sowie die Flussprinie als Brutvogel. In der savannenartigen Umgebung waren Blaunacken-Mausvögel, Blauwagenspinte und Kaptäubchen häufig anzutreffen.  Auch einige wenige Afrikanische Scherenschnäbel, die mittlerweile selten geworden sind, konnten hier entdeckt werden.

Reisegäste-Stilleben 🙂 Foto: B. Nicolai

Der anschließende Weg in den Norden führte in den Banc d’Arguin-Nationalpark. Er ist berühmt für die großen Bestände überwinternder europäischer Limikolen. Durch die während unserer Reisezeit vorherrschenden stürmischen Wetterverhältnisse im Atlantik musste eine geplante Bootstour zu den außen liegenden Sandbänken ausfallen. Das Erlebnis der riesigen Wattflächen voller Limikolen blieb verwehrt. Auch von der großen Artenvielfalt im Süden des Landes blieb im Norden kaum etwas übrig. Nur sehr wenige angepasste Arten können hier überleben. Sehr schöne Beobachtungen gelangen von Wüstensperlingen, welche stellenweise häufig waren. Wüstenläuferlerche, Raubwürger und Wüstensteinschmätzer waren die wenigen regelmäßig vertretenen Arten in dieser Landschaft.

Während der Stopps entlang der Strecke und bei Beobachtungen in Flachwasserbereichen gelang es einigen Teilnehmern, insgesamt ca. 80 farbberingte Vögel in 12 Arten abzulesen, darunter Fischadler (4), Löffler (die meisten), Zwerg-, Fluss-, Brand- und Raubsee- sowie eine Rüppelseeschwalbe, vermutlich aus einem libyschen Farbberingungsprogramm stammend. Bei den Limikolen wurden Farbringe von Sanderling, Steinwälzer und einer Uferschnepfe identifiziert.

Bartmeise-Reisegruppe Mauretanien mit lokalem Personal und Reiseleiter Andre Müller (re.). Foto: A. Müller

Während der 11 vollen Beobachtungstage konnten trotz der geringen Arten- und Individuendichte im Norden des Landes weit über 200 Vogelarten beobachtet werden, so dass die Reiseteilnehmer einen recht guten Eindruck von der Avifauna dieses weitgehend  unbekannten und selten so bereisten  westafrikanischen Landes erhielten. Mit guten Ergebnissen und Erinnerungen trat die Gruppe die Heimreise an.

Wegen der grundsätzlich schwierigen Logistik, in Kauf zu nehmenden Entbehrungen, Temperaturen von über 40°C, Wetterunwägbarkeiten wie Sandstürmen bzw. Sturm im Atlantik usw. wird das Ziel Mauretanien zukünftig nicht im „normalen“ Reiseprogramm von Bartmeise-Reisen zu finden sein. Dieses touristisch kaum erschlossene Land kann aber für ‘geschlossene’ Kleingruppen oder Spezialisten wie Vogelberinger, die sich gern intensiver mit speziellen Vogelarten bzw. mit Ringablesungen beschäftigen möchten, ab sechs Teilnehmern organisiert angeboten werden.

Um die westafrikanische Vogelwelt kennenzulernen empfehlen wir unser regelmäßiges Reiseziel Gambia mit Senegal, mit einer vergleichbaren Küstenvogelwelt und dazu vielen weiteren westafrikanischen Arten. Zur Brutzeit im Juli 2024 bieten wir die nächste Reise an, die hier gebucht werden kann: 

Andre Müller (Reiseleiter) & Hartmut Meyer (CEO)

Startfoto: Bartmeise-Reisegruppe beim Mittagstisch in der Sahara. Foto: A. Müller
Print Friendly, PDF & Email
Bartmeise-Reisegruppe am Kerkinisee mit Erstnachweis einer hocharktischen Schwalbenmöwe für Griechenland

Bartmeise-Reisegruppe am Kerkinisee mit Erstnachweis einer hocharktischen Schwalbenmöwe für Griechenland

Bartmeise-Reisegruppe vom 30.09. bis 6.10.2023 am nordgriechischen Kerkinisee unterwegs. Foto: A. Eisen Rupp

Dass das Naturparadies Nationalpark Kerkinisee in Nordgriechenland immer gut ist für tolle Vogelbeobachtungen und auch außergewöhnliche Sichtungen übers gesamte Jahr konnten unsere zahlreichen Reisegruppen in den vergangenen 10 Jahren mehrfach bestätigen. Dass aber unsere Oktober-Reise eine neue Vogelart für das gesamte Land nachweisen konnte, war ganz sicher eine Überraschung und ein schöner Zufall! Am 2. Oktober 2023 entdeckten unsere Reisegäste beim birden unweit vom Damm des Sees eine adulte Schwalbenmöwe (Xema sabini, Sabine’s Gull) und konnten den Nachweis durch Fotos und Videos sicher dokumentieren. Es war auch kaum wahrscheinlich, dass diese hocharktische Art vorher übersehen wurde, da sich am See eigentlich täglich und insbesondere zur Zugzeit im Herbst Beobachter aus Griechenland und aus anderen Ländern Europas, insbesondere aus Großbritannien, aufhalten. Durch welches überregionale Wetterereignis sich diese Vogelart aus der Tundra so weit in den Süden verflogen hat, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls machte der Vogel, der von Stefan Jansen (Brandenburg) aus unsere Reisegruppe zuerst entdeckt wurde, einen unverletzten und sehr mobilen Eindruck.

Nachdem die Meldung über diese für Griechenland außergewöhnliche Vogelart über die entsprechenden Meldekanäle (Seltenheitenkommission Balkan, eBird) abgesetzt wurde, pilgern seit 3.10. täglich Birder aus ganz Griechenland und auch aus dem Ausland hierher in den Norden Griechenlands. Aus Athen kommen vielen Beobachter, nachts per 7-stündiger Autobahnfahrt, um den Vogel zu sehen. Von diesen wissen wir auch verbindlich, dass es sich tatsächlich um den Erstnachweis dieser Art für Griechenland handelt!

ad. Schwalbenmöwe am Kerkinisee. Foto: N. Gallios

Noch bis zum 8.10.2023 (letzte Meldung) konnte der Vogel jeden Tag an wechselndem Ort am See beobachtet werden. Meist frisst die Möwe vormittags an toten Fischen in Ufernähe.

Die hier gezeigten Fotos gelangen Nikolaos Gallios, unserem Hotelier und Guide am Kerkinisee.

Dem Entdecker, Stefan Jansen, obliegt es nun, in einer kleinen wiss. Publikation seinen Ernstnachweis in die Literatur zu bringen.

Unsere Reisegruppe, die vom 30.09. bis 6.10.2023 im Nationalpark unterwegs war, konnte trotz der für die Reisezeit ungewöhnlich hohen Tagestemperaturen von bis zu 28°C und extremer Trockenheit mit niedrigsten Wasserständen um die 155 Vogelarten beobachten. Die norwegische Rest-Population der vom akut vom Aussterben bedrohten Zwerggänse (Lesser White-fronted Goose) war mit 131 Vögeln anwesend und auch die ersten überwinternden Schelladler (Greater Spotted Eagle) hatten das Gebiet erreicht. Viele weitere wichtige Vogelwarten vom Triel (Eurasian Stone-curlew) bis zu Balkanmeise (Sombre Tit), Felsenkleiber (Western Rock Nuthatch) und Weißrückenspecht (White-backed Woodpecker) konnten ebenfalls gesehen werden. Nikos und sein Team vom Hotel machten den Aufenthalt im Limneo-Hotel wie schon seit 10 Jahren immer zu einem perfekten Erlebnis. Alles passte und lief reibungslos ab. Unser Dankeschön geht daher an Nikos, seinem Team und auch unseren Birdguide Dimitris für ihre Bemühungen!

Hartmut Meyer

Das meinen unsere Gäste zur Reise: 
“Es war ein tolles Erlebnis, ich bin begeistert”, meinte Margrit S. (Islikon/Schweiz). Und Stefan J. (Hinzdorf) schreibt: “Vielen Dank für die schöne und gut organisierte Reise zum Kerkinisee! Ich finde es faszinierend wie ihr es geschafft habt, im Laufe der Jahre Kontakte zu so vielen Leuten in aller Welt aufzubauen, um solche Reisen anzubieten. Eure Guides sind nicht nur exzellente Vogelkenner, sondern man bekommt auch einen direkten Einblick in die jeweiligen Ländern abseits der Ornithologie, wenn man sich ein wenig mit ihnen unterhalten kann …”.

Und Matthias S-E (Au/Breisgau), drückt seine Eindrücke von der Reise gereimt aus:
“Vogelhochzeit in Kerkini. Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Zur Sammlung am Kerkini-See traf sich das Hochzeitskommittee. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Die Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braute. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Der Sperber, der Sperber, der war der Hochzeitswerber. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Die Attraktion der Pelikan Krauskopf und rosa kam gut an. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Der Kormoran gleich tausendfach zog er über des Holzboots Dach. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. So oft gesehn wie die Taube war die Lerche, meist mit Haube. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Doch die Kalanderlerche war’s nicht zeigt die Recherche. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Der Triel im Kalohari Stil, er zeigte sich, weil’s ihm gefiel. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Der Knut, obwohl vorbei die Brut, am Wasser stand er wohlgemut. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Die Schwalbenmöwe war so klug zum Kerkini-See fand sie im Flug. Selbst aus Athen eilt man herbei, Sabines Gull war’s einerlei. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Der Steinkauz vor dem Frühstück schon ein Foto schenkt uns zum Lohn. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala. Ja, wir hatten’s uns gedacht, viel Spaß ‘ne Vogelhochzeit macht. Fidiralala, fidiralala, fidiralalalala.”

Aufgrund der Nachfrage nach diesem schönen Ziel, zwei Stunden vor unserer “mitteleuropäischen Haustür” gelegen, laden wir alle Interessenten zu einem Sondertermin “Christmas-Birding” in der Woche vor dem Ersten Advent zum Kerkinisee ein. Diese Kurzreise vom 21. bis 27.11.2023 ist ab sofort buchbar:

 

Hartmut Meyer

Startfoto: ad. Schwalbenmöwe am Kerkinisee. Foto: N. Gallios
Print Friendly, PDF & Email
Zwischen Steppe, Tienschan-Gebirge und Tengissee: Bartmeise-Reisegruppe aus Kasachstan zurückgekehrt

Zwischen Steppe, Tienschan-Gebirge und Tengissee: Bartmeise-Reisegruppe aus Kasachstan zurückgekehrt

Blick in den Charyn-Canyon. Foto: Bernd Möckel

Mit beeindruckenden Erlebnissen und tollen Beobachtungen ist vor wenigen Tagen unsere Bartmeise- Reisegruppe aus Kasachstan, dem größten Binnenland der Erde (rund achmtal größer als Deutschland, aber nur mit sieben Einwohnern pro Quadratkilometer)  zurückgekehrt. Mit über 220 gesehenen Arten ist die Vogelliste gut gefüllt. Zudem beeindruckte das sehr gastfreundliche Land mit seiner landschaftlichen Vielfalt von der flachen Wermutsteppe bis zum Hochgebirge. Insbesondere landschaftliche eindrucksvoll waren der Charyn Canycon, welcher einer kleinen Ausgabe des Grand Canyon, gleicht sowie die Boguty-Berge.

Zu den ornithologischen Höhepunkten dieser Reise in das zentralasiatische Land, das zwischen dem Wolgadelta im Westen und dem Altai-Gebirge im Osten liegt, zählen sicher die fantastischen Beobachtungen vom Wermutregenpfeifer am Brutplatz sowie die nach langer Zeit im Gebiet wiederentdeckte Steppenkragentrappe. Neben Mongolengimpel, Braunkopfammer, Steinortolan und Wüstengrasmücke konnten fast alle Zielarten gesehen werden.

Ein weiterer Höhepunkt war das Tienschan-Gebirge mit seiner ganz bezaubernden Vogelwelt. Bergrubinkehlchen, Sprosserrotschwanz (Foto li.: Bernd Möckel) und Himalaya-Königshuhn waren hier einige unserer besonderen Vogelarten.  Am Big Almaty Lake konnten zudem in diesem Jahr wieder der Ibischnabel beobachten werden, welcher dort mit einem Brutpaar vorkommt. Bei einem Abstecher in die Kaskelen Schlucht wurden noch Wiesenammer und Schachwürger entdeckt.

Bei einer 16-stündigen Zugfahrt von Almaty in die neue Hauptstadt Astana bekamen unsere Reiseteilnehmer eine gute Vorstellung von der Größe des riesigen Landes. Mit komfortablen Schlafwagen und einem guten Bordrestaurant war es eine sehr schöne Alternative zum Flug, dazu auch umweltfreundlich.

Wermutregenpfeifer am Brutplatz. Foto: Bernd Möckel.

Um den großen Tengissee bei Astana konnten wir für drei Tage nochmals eine ganz andere Landschaft genießen. Unsere Zielarten waren hier die charakteristischen Schwarzsteppen- und Weissflügellerche. Die Umgebung der kleineren Ortschaften im Gebiet sind zudem Brutplatz des selten gewordenen Steppenkiebitz, welcher ebenfalls gut gesehen werden konnte. Auf den Steppensehen rastete tausende Odinshühnchen und unter den zahlreichen anderen Limikolen konnte sogar auch ein Tundragoldregenpfeifer entdeckt werden.

Hinweis: Im WhatsApp-Status (Hartmut Meyer – 0172 3703374) zeigen wir weitere Vogelfotos von dieser Reise von Bernd Möckel, dem wir dafür sehr danken!

Andre Müller (Reiseleiter)

Bartmeise-Reisegruppe Kasachstan im Mai 2023. Unser Reiseleiter Andre Müller, 2.v.li. (Foto: privat)
Print Friendly, PDF & Email
Zustrom warmer Luftmassen aus dem Süden löst Zugstau auf und bringt tropisch-bunte Vögel nach Mittelsachsen

Zustrom warmer Luftmassen aus dem Süden löst Zugstau auf und bringt tropisch-bunte Vögel nach Mittelsachsen

Mittlerweile haben wir uns in Deutschland bereits daran gewöhnt, dass die hübschen Bienenfresser (Merops apiaster) seit einigen Jahren auch zu unserer heimischen Brutvogelfauna zählen und in fast allen Bundesländern, auch hier in Sachsen und sogar im Erzgebirgsvorland als Brutvögel anzutreffen sind. Doch Aufsehen und Aufmerksamkeit erregen die tropische-bunten Vögel allemal und immer wieder, so wie auch am Montag, den 22. Mai, als die Vögel von der zuströmenden Warmluft aus dem Süden immer weiter nach Norden getragen wurden. An verschiedenen Orten konnten an diesem Tag ziehende Bienenfresser festgestellt werden, deren markante Stimmen die Vögel verraten, auch wenn man sie hoch am Himmel gar nicht sehen kann. Dass sich dann am frühen Abend am Stadtrand von Hohenstein-Ernstthal insgesamt 16 Individuen in Bäumen niederließen, vielleicht um die Nacht zu verbringen, und das diese schöne Vogel-Versammlung beobachtet werden konnte, ist in der Tat ein netter Zufall. Zum Glück hat ein Pressefotograf wie Andreas Kretschel, in der Nähe dessen Grundstückes das Naturschauspiel stattfand, immer eine Kamera bei der Hand und konnte das nicht alltägliche Ereignis im Bild festhalten, wenn auch im ausklingenden Tageslicht.

Insgesamt 16 Bienenfresser machen Rast auf einer alten großen Linde in Hohenstein-Ernstthal (22.05.2023, nach 16.00 Uhr). Foto: Andreas Kretschel

Der Bienenfresser ist in Sachsen Brutvogel vor allem in den Tagebaugebieten. Insbesondere in Mittelsachen findet sich die Art zur Fortpflanzung in größeren Sandgruben ein. Dort gräbt der Vogel über einen Meter lange Niströhren, ähnlich wie der Eisvogel, in geeignete Bodenschichten. Die Tagebauflächen bieten zudem ein besonders günstiges Mikroklima und ziehen auch Großinsekten, die der Vogel als Nahrung bevorzugt, an. Der Ornithologe Hartmut Meyer, der 26 Jahre lang als Geschäftsführer des Landesvereins Sächsischer Orthitholgen tätig war und seit über 40 Jahren die Vogelwelt an den Tagebauflächen in den Landkreisen Zwickau und Mittelsachsen beobachtet und dokumentiert, bezeichnet die Sandabbaugebiete in der Region als ‘Hotspots der Biodiversität’. „Alle in der umliegenden industriellen Agrarlandschaft bereits ausgestorbenen Vogelarten finden sich heute als Brutvögel meist nur noch an, in und in der Umgebung der großen Sandgruben“. Das haben unsere Brutvogelkartierungen und Monitoring-Kontrollen zweifelsfrei nachgewiesen“, meint Hartmut Meyer.
(Beitrag für die Tagespresse erstellt)

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

 

Print Friendly, PDF & Email
Zauberhafte Vogelwelt und Natur am Kerkinisee – Bartmeise-Reisegäste mit vielen Erlebnissen zurück aus Griechenland

Zauberhafte Vogelwelt und Natur am Kerkinisee – Bartmeise-Reisegäste mit vielen Erlebnissen zurück aus Griechenland

Wohl einer der schönsten Brutvögel im Nationalpark Kerkinisee bzw. in der Umgebung ist die Blauracke. Foto: G. Spiridakis.

Anfang dieser Woche (20. KW 2023) kehrte unsere Reisegruppe aus dem nordgriechischen Naturparadies und Nationalpark Kerkinisee zurück nach Deutschland und in die Schweiz. Die mediterrane Vogelwelt zur Brutzeit hier erleben zu können, stellt jedes Jahr – auch im 10. Jahr unserer Reisen – den Höhepunkt unserer vogelkundlichen Touren in dieses Zielgebiet dar. Zwar mussten auch wir nach der Pandemie einige logistische Details neu ordnen und auch die Zusammenarbeit mit einem neuen griechischen Birdguide aufnehmen, aber Dank der seit einem Jahrzehnt reibungslos laufenden Unterstützung durch unseren Hotelier Nikos, der gleichzeitig auch als Vogelkundler, Vogelfotograf, Bootsführer und Fahrer für seine Gruppen arbeitet, war der Übergang in die neue Ära nach der Pandemie lautlos und störungsfrei.

Die uneingeschränkten Stars am See sind die bedrohten europäischen Krauskopfpelikane, die hier mit ca. 100 Brutpaaren ihr zweitwichtigstes Brutgebiet in Europa haben. Foto: A. Schonert.

Während im vergangenen Jahr die Brutkolonie der Krauskopfpelikane infolge eines Gewittersturmes den größten Teil ihrer Jungvögel verloren hatte und nur sieben Pelikane flügge wurden, sieht es in diesem Jahr wieder richtig gut aus. Die etwa 100 Brutpaare, damit die zweitwichtigste Brutkolonie dieser bedrohten europäischen Art, haben in diesem Jahr zahlreiche schon fast flügge Jungvögel zu versorgen. Die im “Schwimmenden Wald” entlang des in den See einfließenden Strymonas-Flusses vom Boot aus zu erlebenden gemischten Brutkolonien von Kormoran und Zwergscharbe, allen europäischen Reiherarten und neuerdings sogar Kuhreiher war wie immer atemberaubend. Dazwischen konnte auch wieder der Schreiadler beobachtet werden, der offenbar bei den Reihern Nahrung absammelt. Hauben- und Schwarzhalstaucher balzten, Beutelmeisen-Männchen bauten  Nester und warteten auf Weibchen und über dem See waren zahlreiche Sumpfseeschwalben aktiv.

In der Umgebung des Sees, in den Laubholzwäldern, konnte dem Schreiadler bei Balz, Kopula, bei Nahrunsübergabe an das Weibchen und beim Sammeln von Nistmaterial zugschaut werden. Schlangen-, Zwergadler, Kurzfangensperber und Baumfalken waren sichtlich aktiv. In der Feldlur am See sind konnten wieder Rotfußfalken (Männchen, Weibchen und vorjährige Jungvögel) gesehen werden und die Blauracke war auffällig häufig und fast täglich auf den Elektroleitungen an den Straßenrändern zu beobachten. Einen weiteren Höhepunkt in der Vogelwelt stellen immer auch die verschiedenen Würgerarten wie Schwarzstirn-, Rotkopf- und der seltene Maskenwürger (Foto re., A. Eisen Rupp) dar, die in guten Beständen vorkommen. In am nördlichen Seeufer angrenzenden Felsformationen im Unteren Bellisgebirge konnte auch wieder ein besetzter Brutplatz vom Felsenkleiber gefunden werden. Und der Steinkauz, der in den Dörfern um den See noch weit verbreitet vorkommt, wurde – trotz derzeit heimlichen Verhaltens in der Brutzeit – gesehen und fotografiert. Auch der Goldschakal war mehrfach zu beobachten, einmal auch Europäische Ziesel.

Viele weitere mediterrane Brutvogelarten, die hier gar nicht weiter aufgezählt werden können, stehen natürlich in der Vogelliste zu dieser Reise.

Höhepunkte waren ein Besuch in den ehemaligen Salzlagunen bei Thessaloniki, wo neben Rosaflamingo, Dünnschnabelmöwe und Spornkiebitz auch wieder Seeregenpfeifer und Stelzenläufer sowie Säbelschnäbler und Rotflügelbrachschwalbe als Brutvögel, und noch drei verspätete Terekwasserläufer auf dem Durchzug beobachtet werden konnten. Zurück am Kerkinisee stellte in Brutpaar Triel (Foto li., A. Eisen Rupp), das in einem Maisfeld zwei kleine Jungvögel führte, eine Überraschung dar. Am Abreisetag bei der Fahrt zum Flughafen wurde eine Rötelfalken-Kolonie, die in Hausdächern brüten, besucht. Mindestens drei Altvögel, die tags ansonsten auf Insektenjagd in der Feldflur anzutreffen sind, waren an den Brutplätzen sehr gut zu beobachten. Da aufgrund des auch in Nordgriechenland außergewöhnlich kühlen April und Mai die Phänologie der Vegetation allgemein ca. zwei Wochen hinter den üblichen Abläufen stand, waren die Maulbeeren in diesem Jahr leider noch nicht reif. Daher konnte vom Rosenstar, der normalerweise ab Mitte Mai zu Reife der leckeren Beeren in großen Trupps ins Gebiet kommt, nur ein einziger Vogel (als “Späher”?) kurz gesehen werden.

Wie immer fand auch die üppige Verpflegung an den Reisetagen zum Frühstück und am Abend in den kleinen Gaststätten Anklang bei unseren Gästen, die insbesondere stets die frischen, lokalen Salate und Speisen lobten.

Wer noch einmal die mitteleuropäische Vogelwelt in einer Dichte, wie wir sie in Deutschland vor der Industrialisierung der Landwirtschaft vielleicht von ca. 50 Jahren noch kannten, erleben möchte, den empfehlen wir unbedingt einen Besuch in dieser abgelegenen nordgriechischen Region im Nationalpark Kerkinisee! 

Unsere nächste Reise zum Ausklang des Jahres, zum “Christmas-Birding” vom 21. bis 27. Novmeber 2023) kann jetzt hier gebucht werden: https://www.bartmeise.de/Reisebeschreibungen/griechenland-christmas-birding-statt-christmas-market/

Hartmut Meyer

Das meinen unsere Gäste zur Reise:Die Reise war ein wirkliches Highlight! (nur die Fußwege hätten etwas länger sein können, die mit dem Auto zurückgelegten Strecken kürzer, aber es ist natürlich schwierig, es für jeden passend zu machen.) Ich bin gern wieder dabei und werde das Ziel und Bartmeise-Reisen auf jeden Fall weiterempfehlen”, schreibt uns Jutta W. aus Berlin. Und Marion M. aus dem Erzgebirge sagt: “Es war ein Erlebnis für uns! Die Vogelwelt, die Natur, nette, freundliche griechische Menschen und eine sehr harmonische Reisegruppe. Für uns hat alles gepasst.” 

Startfoto: Balkan-Bartgrasmücke, verbreitet vorkommend in den Gebüschwäldern um den See. Foto: A. Eisen Rupp.

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Wenn der Raps blüht werden Erinnerungen wach  – nächste Reisen nach Ost- & Westafrika buchbar

Wenn der Raps blüht werden Erinnerungen wach – nächste Reisen nach Ost- & Westafrika buchbar

Im Mai wenn der Raps blüht, dann erinnert sich unser Freund, Pressefotograf Andreas Kretschel, an seine Erlebnisse mit dem weißen Rehbock im Hirschgrund bei Oberlungwitz/Lkr. Zwickau. „Hier, genau hier auf den angrenzenden Feldern, habe ich 2008 den weißen Rehbock fotografiert. Das war der Anfang der Tierfotografie bei mir, und bis heute bin ich dabeigeblieben“, meint Andreas. Er konnte sich gut an die 15 Jahre zurückliegenden Ereignisse erinnern. Von einem Jagdpächter bekam er im Herbst 2007 Kenntnis davon, dass sich hier auf den Feldern ein „Albino-Reh“ aufhalten würde. Nach entsprechender Vorbereitung war es dann im Frühjahr 2008 soweit. „Nächtelang habe ich gewartet, um das Tier vor meine Kamera zu bekommen … und dann, nach einer weiteren kalten Mai-Nacht ohne Schlaf war er da, der weiße Rehbock im blühenden Raps“, schwärmt Andreas. Danach habe ich das Tier, ein Bock, noch mehrfach gesehen, bis in das Jahr 2009 hinein.

Nachdem seine Fotos in der großen sächsischen Tageszeitung „Freie Presse“ und anderen lokalen Medien für Aufsehen sorgten, gingen die Bilder auch deutschlandweit in verschiedene Printmedien ein. Die Aufmerksamkeit war riesig, denn ein komplett weißes Reh (Albino) ist äußerst selten und gute Bilder gibt es fast keine. Die Spitzen der sächsischen Jägerschaft waren der Meinung, dass so ein abnormales Tier nicht in die Natur und abgeschossen gehöre … und so machte der Albino-Rehbock auch kontrovers Schlagzeilen in der Boulevardpresse, was wiederum Pressenagenturen auf den Plan rief. Nachdem eine internationale Agentur den weißen Rehbock aus Westsachsen in ihre Bild-Datenbank aufgenommen hatte, druckten sogar Zeitungen außerhalb Europas die Bilder ab. Nachweislich erschienen diese Fotos von Andreas Kretschel z.B. in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Zeitungen, und erfreuten die Jagd-wütigen Scheichs.

Über das Schicksal des hübschen Tieres, dem die Boulevardpresse den Namen “Schneeweißchen” gab, ist indes nichts bekannt. Der hiesige Jagdpächter hatte versprochen, dem Tier kein Haar zu krümmen. Nach knapp zwei Jahren verschwand das Reh aus dem “Hirschgrund” und wurde nie wieder gesehen. Ob der Bock dennoch als Trophäe in einem Jagdzimmer verstaubt, ob er im Kochtopf verschwand oder aber am Straßenrand sein Leben als Verkehrsopfer verlor, ist unbekannt. Einige Jahre später wurde etwa 60 Kilometer weiter in Mittelsachsen ein weißes Reh gesehen. Zusammenhänge mit dem weißen Rehbock aus dem „Hirschgrund“ erschienen nach so langer Zeit aber eher unwahrscheinlich.

Ungewöhnliche Erlebnisse mit Vögeln und vielen anderen Tieren bieten unsere Bartmeise-Reisen in alle Welt immer. Im späten August, ab 23.08., führt eine Reise in das zauberhafte Amazonien ab Manaus per Boot zu den endemischen Vögeln in die bis 12 Meter hoch unter Wasser stehenden Amazonaswälder entlang des Amazonas- und Inambari-Flusses. Ein grandioses Erlebnis, bei dem Sie auch Kontakt mit den rosa Flussdelfinen, den Botos, haben können. Das ostafrikanische Kenia mit dem gewaltigen Naturschauspiel der Massenwanderung der Gnus in der Masai Mara wartet vom 16. bis 30. September und in das geheimnisvolle Kongo-Becken mit seiner speziellen Vogelwelt führt unser diesjährige Reise zur “Perle Afrikas” nach Uganda vom 7. bis 21. Oktober. Für diese Reisen sind Restplätze buchbar.

Für unsere Jahresendreise über den Jahreswechsel in das westafrikanische Ghana (auch zu einem der seltensten Vögel der Welt, den Gelbkopf-Felshüpfern), ab 26.12.2023 bis 10.01.2024 haben wir noch drei Plätze frei.  Alle weiteren Angebote von Borneo über Ecuador, Pantanal/Südamazonas bis Kolumbien sind bereits ausgebucht. 

Hartmut Meyer

Alle Fotos urheberrechtlich geschützt! Pressefotograf: Andreas Kretschel
Print Friendly, PDF & Email

Sprache wählen

Für Newsletter anmelden

 

Bartmeise-Reisen ist Mitglied im Deutschen Reisebüro-Verband DRV
 

 

Kontaktieren Sie mich