Wintergäste aus den Tundren Skandinaviens nun auch im Erzgebirge zu beobachten: Raufußbussard und Merlin

Wintergäste aus den Tundren Skandinaviens nun auch im Erzgebirge zu beobachten: Raufußbussard und Merlin

Während www.ornitho.de diese Vogelarten oft schon ab Ende September für Norddeutschland, z.B. auch für die Ostseeküste und in deren Hinterland etc., meldet, dauert es meist ein bisschen länger, bis Raufußbussard (Rough-legged Buzzard) und Merlin (Foto re.) sowie auch andere wie Kornweihe und gelegentlich Sumpfohreule im Erzgebirge und dessen Vorland wie hier im Erzgebirgischen Becken eintreffen. Mal mit mehr, mal mit weniger Individuen, je nachdem wie die vergangene Brutsaison in der Tundra ausgefallen ist.

Aber seit einigen Wochen sind auch diese Arten hier eigetroffen und waren, bis zum Schneefall zumindest, gut zu beobachten. Insbesondere fällt der Raufußbussard auf, der bei seiner Jagd oft auch schon vom Straßenrand in mäusereicher Feldflur zu entdecken ist. Er rüttelt öfter, länger und meist viel niedriger als der hiesige Mäusebussard. Und je nach Beobachtungs-Perspektive, glaubt man einen „kleinen Adler“ zu sehen oder aber es fällt ein eher weihen-ähnlicher Flug auf. Wenn man richtig liegt mit seiner Bestimmung, dann hat man immer einen „irgendwie einen anderen, größeren Bussard“ vor sich. Man muss man eben genau hinschauen, denn die Farbvarianten unseres heimischen Mäusebussards bieten hinreichend Verwechslungsmöglichkeiten mit dem Wintergast aus dem hohen Norden. Unter günstigen Beobachtungsbedingungen kann man einen Raufußbussard zweifelsfrei bestimmen. Meist hat die Art ein gut sichtbares dunkles Endband am Schwanz und einen dunklen Flugelbugfleck. Je nach Geschlecht und Alter des Vogels fallen entweder ein durchgehender schwarzer Bauch (bei Jungvögeln – wie Startbild) oder ein mehr gebänderter Bauch (Altvögel) und dazu ein eher „eis-grauer“ Grund-Ton auf. Die Merkmale zwischen Männchen und Weibchen verschwimmen oft und sind meist nicht eindeutig. Wohl in der Mehrzahl sieht man hier im Winterhalbjahr Jungvögel aus der vergangenen Brutsaison (als immat. bzw. nach dem 31.12. dann im 2. Kalenderjahr), so wie unser Startbild. Das Flugbild zeigt einen Altvogel.

Meist viel eindeutiger ist die Bestimmung vom kleinsten europäischen Falken, dem Merlin, der ebenfalls oft auf Straßenbäumen sitzt und nach Nahrung (Kleinvögel oder auch Mäuse) Ausschau hält. Dieser kleine kompakte Falke kommt aus den Waldtundrazonen Eurasiens zu uns, wird aber nicht jeden Winter festgestellt. Meist handelt es sich um Jungvögel bzw. weichenfarbige Individuen, wie auch der Vogel im Bild, der in der Feldflur in Zwickau fotografiert wurde (auf Baum sitzend, Foto li.). Der fressende Vogel am Boden (oben rechts, aufgenommen im April) zeigt jedoch einen zweijährigen Vogel, ein Männchen, welcher ins Alterskleid mausert.

Der Schneefall in den zurückliegenden Tagen, der zu einer geschlossenen Schneedecke von 20 bis teilweise 40cm geführt hat, dürfte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Mäusen haben. Daher ziehen bei solcher Wetterlage insbesondere die Raufußbussarde in südwestliche Richtung weiter, wo wieder offene Flächen zum Jagen zu finden sind. Auch der Raubwürger verschwindet bei geschlossener, hoher Schneedecke aus seinen hiesigen Winterrevieren. Achten Sie darauf bei Ihren Beobachtungsgängen! In www.ortnitho.de übrigens kann man solche Bewegungen, Winterflucht genannt, meist gut nachvollziehen.

Alle Fotos: Jens Halbauer (Werdau).

Hartmut Meyer

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Sie sind wieder da! Aber Klimawandel bedroht Rasthabitate massiv – Hilfe beim Erhalt von Feuchtflächen notwendig

Sie sind wieder da! Aber Klimawandel bedroht Rasthabitate massiv – Hilfe beim Erhalt von Feuchtflächen notwendig

Die Zwergschnepfen Lymnocryptes minimus (Jack Snipe) sind wieder da! Jahr für Jahr kommen sie aus den borealen Wald- und Tundrazonen Eurasiens und aus den Weiten Sibiriens zum Überwintern nach Mitteleuropa, wobei aus dem geheimnisvollen Leben der Art nach wie vor nur Fragmente bekannt sind. Auch hier im Raum Westsachsen hat die Art jetzt ihre verbliebenen Winterquartiere besetzt.

Aber, die Bedingungen werden für die Art hier immer schlechter! Das infolge des Klimawandels absinkende Grundwasser lässt ihre Rasthabitate zunehmend austrocknen. Und so sind auch hier zwischen Chemnitz und dem Tal der Zwickauer Mulde im Landkreis Zwickau in den zurückliegenden Jahren viele jahrzehntelang genutzte, traditionelle Rasthabitate z.B. in Feuchtwiesen und in Teichgebieten einfach ausgetrocknet und stehen für die Art nicht mehr zur Verfügung.

Jens Hering und Dieter Kronbach (Limbach-Oberfrohna) gehören zu den Pionieren bei der Erforschung der Zwergschnepfen im Winterhalbjahr in Deutschland. Ungefähr 2.000 Individuen, so viele wie wohl nirgendwo anders in Europa, wurden hier in den zurückliegenden Jahren gefangen und mit Ringen der Vogelwarte Hiddensee markiert. Die gewonnen Erkenntnisse auch über das Verhalten der Art sind geradezu erstaunlich! Viele Individuen nutzen Jahr für Jahr das gleiche Rasthabitat und werden teils auf dem gleichen Quadratmeter immer wieder angetroffen. Eine unglaubliche Leistung, und zugleich eine wichtige Erkenntnis für den Schutz selbst von Kleinstflächen als Rasthabitate!

Die Experten können über winzige Spuren, über Trittsieggel im Schlamm oder Schnee bzw. über kleine Kothäufchen, schon erkennen, ob ein Gebiet besetzt ist oder nicht. Die Zwergschnepfe hingegen vertraut auf ihre Tarnung und fliegt erst im aller letzten Moment überhaupt auf. Dieses Verhalten machen sich Jens und Dieter zum Nutzen, denn meist greifen sie die kleinen Schnepfen einfach mit der Hand vom Boden ab (Foto und neues Video auf Facebook von Jens Hering).

Aus der jahrzehntelangen Arbeit mit und für die Art haben sich wertvolle Hinweise zum Schutz der winterlichen Rasthabitate ergeben. So konnten zahlreiche Maßnahmen für den Erhalt von Nassstellen, Sumpfwiesen bzw. auch sumpfigen Feldteichen umgesetzt werden. Oft in Zusammenarbeit mit dem Besitzer, aber auch über Naturschutzmaßnahmen im Landkreis. Lediglich dem Klimawandel stehen nun alle machtlos gegenüber, weil durch fehlende Niederschläge das Grundwasser immer weiter absinkt und die Flächen nachhaltig austrocknen. Dennoch kann man etwas tun. Oft sind unbedachte, manchmal unbeabsichtigte Aktivitäten der Grundbesitzer Auslöser für zusätzlichen Wasserablauf aus den Flächen. Manchmal kann man im Gespräch mit einem gutwilligen Eigentümer weiteren Schaden abwenden. Ein unbedacht geöffnet gebliebener Feldteich kann wieder verschlossen werden, ein kleiner Graben, der Nassflächen zusätzlich entwässert, kann gestoppt werden. Vogelkundler, die bei ihren Beobachtungsgängen in der Natur Derartiges feststellen, sollten nichts unversucht lassen, um mit dem Eigentümer ins Gespräch zu kommen und diesen zu sensibilisieren. Notfalls kann auch über die zuständige Untere Naturschutzbehörde im Hilfe angefordert werden.

Wertvolle Feuchtwiesen bieten nicht nur der Zwergschnepfe Winterquartiere, sondern stellen auch auch für zahlreiche weitere seltene und bedrohte Arten – vom Bergpieper bis zur Sumpfohreule –  Rast- und Nahrungsflächen dar. Daher lohnt sich ein Einsatz immer!

Jens Hering und Dieter Kronbach haben ihre Erkenntnisse zum Schutz der Rasthabitate der Zwergschnepfe in zahlreichen Vorträgen deutschlandweit präsentiert, so auch bei der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) in Wort und Poster. In der legendären Zeitschrift „Limicola – Zeitschrift für Feldornithologie“ erschien 2007 ein längerer Hauptbeitrag unter dem Titel „Die Häufigkeit der Zwergschnepfe als Durchzügler und Wintergast in Südwest-Sachsen“, in dem die Autoren all ihr Wissen über die geheimnisvolle Art komprimiert darstellen konnten (Fotos unten).

Sobald es die Situation wieder zulässt, will Bartmeise-Reisen eine Tagesexkursion zur Zwergschnepfe hier in Westsachsen anbieten. Das kann noch im März oder April 2021 sein. Wir informieren kurzfristig.

Hartmut Meyer

Alle Fotos im Beitrag: Jens Hering

Print Friendly, PDF & Email
Taigabirkenzeisige A. flammea im Erzgebirge unterwegs – spannende Bestimmungshilfe mit Bildern

Taigabirkenzeisige A. flammea im Erzgebirge unterwegs – spannende Bestimmungshilfe mit Bildern

Es war feldornithologisch schon immer eine echte Herausforderung für Profis, die Unterarten vom Birkenzeisig exakt bestimmen zu können. Neben unserem heimischen Brutvogel, dem Alpenbirkenzeisig (C. f. cabaret) konnten im Winterhalbjahr auch Vögel aus Fennoskandien auftreten, die als Unterarten „Taigabirkenzeisig“ (C. f. flammea) und „Polarbirkenzeisig“ (C. f. hornemanni) geführt wurden. Seit mehr als 10 Jahren gilt jedoch der Polarbirkenzeisig als eigene Art bis dato unter dem wissenschaftlichen Namen Carduelis hornemanni.

Mit der 2019 von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G, http://www.do-g.de) herausgegebenen neuen amtlichen „Liste der Vögel Deutschlands“ (Barthel & Krüger, unten) wurden nun auch die Änderungen aus der IOC-Weltliste (Gill & Donsker 2019) verbindlich eingeführt. Dieser nun in der Ornithologie international üblichen Anordnung soll auch in Deutschland gefolgt werden, wie die zuständige deutsche Kommission festgelegt hat.

Die Birkenzeisige werden nun unter dem neuen Gattungsnamen Acanthis geführt und in drei Arten getrennt: Alpenbirkenzeisig (Acanthis cabaret), Polarbirkenzeisig (Acanthis hornemanni) und Taigabirkenzeisig (Acanthis flammea).

Am vergangenen Wochenende wurden die ersten beiden Taigabirkenzeisige (englisch: Common Redpoll) an einem Vogelmonitoringplatz im Erzgebirgskreis bei Gelenau gefangen, genauestens bestimmt (vermessen etc.) sowie beringt (Dr. Rico Spangenberg). In der Hand ist die Bestimmung der Art machbar, denn neben den Gefiedermerkmalen (sehr hell, „mealy = mehlig“, grau, weniger gestreift) können hier die Flügelmaße ab mehr als 76mm herangezogen werden.

Man sollte jetzt mit offenen Augen unterwegs sein, denn neben den östlichen Trompetergimpeln sind nun auch diese Wintergäste, die in der borealen Taigazone im östlichen Skandinavien und in den Weiten Sibiriens Brutvögel sind, bei uns unterwegs!

Für die Fotos danke ich meinem Freund Dr. Rico Spangenberg (Stollberg).

Das Startfoto und das 2. Bild (ausgebreiteter Flügel) zeigt ein Männchen (gleiches Individuum) vom 21.11.2020; das 1. Bild (ob. re) zeigt ein Weibchen vom Taigabirkenzeisig vom 21.11.2020. Das untere Bild (re.) wiederum ein Männchen aus 2018, das bereits ins BK mausert.

Hartmut Meyer

Hier im direkten Vergleich: links ein Taigabirkenzeisig (grauer Gesamteindruck und breite, weiße Flügelbinde) und rechts ein Alpenbirkenzeisig (mehr braun und gelbliche Flügelbinde), dazu die Größenmerkmale bei der Beringung in der Hand, die, wenn vorhanden, sehr sicher sind. Foto: Dr. Rico Spangenberg (13.12.2020)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Taigabirkenzeisig (Acanthis flammea) mit grauem Gesamteindruck (13.12.2020). Foto: Dr. Rico Spangenberg

Literatur:

Barthel, PH & Krüger, T (2019): Liste der Vögel Deutschlands. Version 3.2. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Radolfzell

Barthel, PH et al. (2020): Deutsche Namen der Vögel der Erde. Vogelwarte 58, 2020: I, Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Radolfzell

Diese Publikation wird Bartmeise-Reisegästen mit Reiseunterlagen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Vogelwarte – Zeitschrift für Vogelkunde Heft 1/2020. Bezug unter www.do-g.de

 

Print Friendly, PDF & Email
Raubwürger und Prachttaucher derzeit zu beobachten – www.ornitho.de bietet perfekten Überblick

Raubwürger und Prachttaucher derzeit zu beobachten – www.ornitho.de bietet perfekten Überblick

Der Raubwürger (Lanius excubitor; Great Grey Shrike) ist im Freistaat Sachsen ein regelmäßiger, aber seltener Brutvogel, der durch die intensive Landwirtschaft im Flachland viele Brutplätze verloren hat. Sein Brutbestand wird heute stabil mit 150-250 Brutpaaren angegeben (Steffens et al. 2013). Insbesondere auf Truppenübungsplätzen im Norden des Landes sowie in den ehemaligen Rauchschadensgebieten auf dem Erzgebirgskamm kann die Art zur Brutzeit noch regelmäßig in geeigneten Habitaten beobachtet werden.

Jetzt im Winterhalbjahr bezieht der Raubwürger aber spezielle Winterreviere, die teilweise weit abseits der Brutplätze liegen. Und auch aus nördlichen Regionen Europas zieht die Art bis nach Mitteleuropa, wie durch Ringfunde belegt ist. Heuer fällt eine gewisse Häufigkeit der Art auf, die auch verschiedene Winterreviere besetzt hat, die teilweise über einen längeren Zeitraum (10 Jahr und mehr) unbesetzt waren! Das könnte im Zusammenhang mit der aktuell noch hohen Feldmausgradation stehen, zumindest in bestimmten Regionen Sachsens. So zum Beispiel im Tal der Zwickauer Mulde, wo auch jetzt noch Feldmäuse in Massen vertreten sind. Und genau in solchen Gebieten, die von extensiv genutztem Grünland, von Ruderalflächen mit Heckenreihen und solitären Einzelbäumen sowie abwechslungsreicher offenen Feldflur geprägt werden, sind seit September bereits Raubwürger anwesend. Immer ein Vogel pro Revier, denn der Raubwürger ist außerhalb der Brutzeit nicht an Seinesgleichen interessiert. Zwischen Waldenburg und Wolkenburg entlang der Zwickauer Mulde, aber auch in der weiteren Feldflur im Zwickauer Land, in Mittelsachsen und darüber hinaus konnten die Ornithologen schon mehrere, auch neue Winterquartiere finden.

Aufgrund seiner Größe und der überwiegend hellgrauen und weißen Farbe mit schwarzer Maske und Flügeln „leuchtet“ die kontrastreiche Vogelart in der nicht verschneiten, meist grauen Feldlandschaft weithin,  zumal er meist sehr exponiert auf den obersten Spitzen von Büschen, großen Pflanzen oder sogar auf Leitungsdrähten nach seiner Beute Ausschau hält. Und auf diesen „festen Plätzen“ kann die Art tagtäglich gesehen werden. Oft sind die Vögel auch nicht so scheu, lassen eine Annäherung auf  unter 50 Meter zu, was vielleicht auf eine skandinavische Herkunft deuten könnte.

Die hier gezeigten Fotos (2) stammen aus dem Winterhalbjahr 2018 und gelangen unserem westsächsischen Avifaunisten und Vogelfotograf Jens Halbauer. 

Wer größere Stau- und Grubenseen bzw. Teichgebiete für seine jetzt in der Pandemie-Zeit eingeschränkten Beobachtungsgänge präferiert, muss auf einen anderen Durchzügler und Wintergast achten. Schon seit einigen Wochen sind Prachttaucher (Gavia arcitca; Black-throated Loon) aus der Familie der Seetaucher auf dem Wegzug zur Rast eingetroffen. So kann man derzeit zwei Individuen auf dem Stausee Glauchau und einen auf dem Schwanenteich in Zwickau, fast mitten in der Stadt gelegen, beobachten. Bei diesen Individuen handelt es sich um diesjährige Jungvögel, die sehr schlicht grau-weiß gefärbt sind, aber durch den dolchförmigen Schnabel mit leicht abwärts gebogenem First auffallen. Oft kann man auch das in der Literatur beschriebene „Wasserlugen“ sehen, bei dem die Art nur den Kopf ins Wasser steckt. Einmal abgetaucht kann der Tauchvogel bis zu zwei Minuten unter Wasser bleiben und einen mittelgroßen Stauseen oder Teich fast komplett bis in eine andere Ecke durchtauchen. Manchmal halten sich die Vögel, die z.B. an den großen Seen Skandinaviens und bis nach NE-Sibiriens Brutvögel sind, viele Wochen im Binnenland auf, so lange die Gewässer eisfrei bleiben und die Vögel Nahrung finden. Öfters wurden in Sachsen auch Übersommerungen von Nichtbrütern nachgewiesen.

Auch diese Fotos (2) konnte Jens Halbauer vor einigen Tagen am Stausee Glauchau (Lkr. Zwickau) aufnehmen.

Wer mehr wissen möchte, wie diese und viele andere Arten derzeit über Sachsen verbreitet sind, der sollte www.ornitho.de nutzen! In diesem vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) gemeinsam mit den ornithologischen Landesverbänden getragenen Beobachtungsplattform werden täglich Tausende Daten gemeldet. Der DDA als Betreiber stellt zudem für die verschiedensten Arten regelmäßig Durchzugs- oder Verbreitungsmuster dar. Außerdem kann man als aktiver Melder von eigenen Daten sich auch Vorkommen von Arten über bestimmte Gebiete selber zusammenstellen.

Literatur:

Steffens, R. et al. (2013): Die Brutvögel Sachsens. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden.
Steffens, R. et al. (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag Jena.

Hartmut Meyer

Print Friendly, PDF & Email
Dem Wanderfalken in die Kinderstube geschaut – Wanderfalken-Beobachtungen bei Bartmeise-Reisen

Dem Wanderfalken in die Kinderstube geschaut – Wanderfalken-Beobachtungen bei Bartmeise-Reisen

Dieter Kronbach (li.) beim Beringen der jungen Wanderfalken in Glauchau. Mit dabei Jens Hering (Landratsamt) und die Ornithologen Holger Gentsch (v.li.) und Mario Liebschner (re.).

Gleich drei Brutpaare vom seltenen Wanderfalken (Falco peregrinus), einer in Deutschland bedrohten Vogelart, haben seit wenigen Jahren eine Brutheimat im sächsischen Landkreis Zwickau am Rande des Erzgebirges gefunden. In dieser Woche im Mai stand die Beringung der Jungvögel an, die im Auftrag der AG Wanderfalkenschutz unser Freund, der Beringer Dieter Kronbach (Limbach-O.) vorgenommen hat. Für die Einrichtung der Brutplätze an den Gebäuden zeichnet die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau zuständig, die von Jens Hering vertreten wurde. Und natürlich durften auch die Ornithologen unsere VSO-Ortsgruppe Glauchau dabei nicht fehlen, denn diese tragen seit Jahren die Daten zu den Bruten in vielen Stunden ehrenamtlicher Betreuung zusammen.

Brutplatz am Industrieschornstein. ﰐ

Am Industrieschornstein in Glauchau-Reinholdshain, nahe der A4, mussten die Jungvögel wie immer mit Hilfe von Profi-Kletterern vom Bergsteigerclub Westsachsen e.V. aus dem Nistkasten in ziemlicher Höhe abgeseilt werden. Eine wie immer recht knifflige Angelegenheit, bei der nicht jeder mithelfen durfte. Drei kräftige Jungvögel werden in diesem Jahr hier groß und erhielten am 5. Mai 2020 neben dem Kennring der Vogelwarte Hiddensee auch noch einen so genannten Ablese-Ring. Dieser macht es möglich, die Vögel auch aus größerer Distanz mittels Spektiv individuell zu erkennen, wodurch wichtige Fakten zur Biologie der Art zusammengetragen werden können.

Mitten in der Stadt Zwickau, in einem Nistkasten am historischen, im 12. Jahrhundert errichteten Dom St. Marien, konnten gleich vier Jungvögel festgestellt werden, was schon eine Besonderheit darstellt. Im Beisein von Zwickauer Orni-Freunden, die den Brutplatz regelmäßig beobachten, erhielten diese ihre Kennringe.

Wanderfalkenbrutplatz im Dom St. Marien in Zwickau. Alle Fotos: Andreas Kretschel.

In den nächsten Wochen werden die Mitglieder unseres Vereins Sächsischer Ornithologen e.V. (VSO) die Brutplätze weiter überwachen und das Ausfliegen der Jungvögel genau dokumentieren.

Und wer weiß, vielleicht können wir auch den einen oder anderen Jungvogel später bei einer unserer vogelkundlichen Reisen irgendwo in Europa sehen und sogar ablesen! Da der Wanderfalke jedoch weltweit (in verschiedenen Rassen) verbreitet ist und sozusagen auf fast allen Kontinenten gesehen werden kann, gelingen auch bei unseren Reisen nach Südamerika, nach Mittel- und Fernost und in Afrika immer wieder Beobachtungen der Art. Dabei ist es stets interessant und eine Herausforderung, die Unterschiede der Rassen zu studieren, die im Feld meist nicht so einfach zuzuordnen sind und daher immer für spannende Gespräche sorgen. Die nächste Möglichkeit, Wanderfalken auch außerhalb Europas zu sehen, bieten unsere Reise nach Ostafrika (Juli/Oktober) und nach Südamerika/Brasilien (Oktober/November). In Brasilien besteht auch die Möglichkeit, einen Verwandten vom Wanderfalken, den sehr seltenen Aplomadofalke (Falco femoralis) zu sehen.

Hartmut Meyer

Ad. Wanderfalke mit Beute. Pressefoto 2019 Andreas Kretschel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Gänsesäger an der Mulde – Reise zum brasilianischen Dunkelsäger am San Francisco-Fluss

Gänsesäger an der Mulde – Reise zum brasilianischen Dunkelsäger am San Francisco-Fluss

Was haben die Zwickauer Mulde und der San Francisco-Fluss im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gemeinsam? Defacto nichts, aber dennoch, beide Gewässer sind Lebensraum für je eine Säger-Art, eine europäische und eine südamerikanische.

Gänsesäger-Weibchen am Nistkasten an der Rochsburg. Foto: J. Hering

Die Zwickauer Mulde, die auf dem Kamm des Westerzgebirges entspringt, durch das Erzgebirgische Becken fließt und in Nordsachen in die Elbe übergeht, ist seit kurzer Zeit auch Brutheimat des europäischen Gänsesägers (Mergus merganser), der in den vergangenen Jahren diverse neue Lebensräume im deutschen Binnenland, insbesondere in Mittelgebirgslagen, erobert hat. Im Landkreis Mittelsachsen wurde im Jahr 2018 die erste Gebäudebrut der Art in einem Dohlen-Nistkasten hinter einem Fenster, ca. 24 Meter hoch an der Südmauer der mittelalterlichen Rochsburg bei Lunzenau (gelbe Markierung im Foto zeigt den Brutplatz/Fenster)  gefunden. Und auch in diesem Jahr, zum dritten Mal im gleichen Kasten, sind die jungen Gänsesäger geschlüpft und nach unten gesprungen, dann ca. 150 Meter unbeschadet durch den Wald zur Zwickauer Mulde gewandert, wohin der Altvogel lockte. Aus 13 Eiern schlüpften am 26. April 2020 (nochmals einige Tage früher als in den Vorjahren!) 13 Jungvögel. Zwölf sprangen die Schlossmauer hinunter, einer, das Nesthäkche vielleicht, wurde vom Hausmeister getragen …

In der Brasilianischen Steppe. Foto: H. Meyer

Der San Francisco-Fluß im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais der durch die Steppe/Cerrado fließt, ist wiederum Heimat einer anderen Sägerart, vom Dunkelsäger (Brazilian Merganser, Mergus octosetaceus). Diese Art ist, im Gegensatz zum Europäer, akut vom Aussterben bedroht. Wie viele Brutpaare noch am San Francisco-Fluß zu finden sind, ist unbekannt. Aber BirdLife Brazil schätzt, dass es auf über 36.000 km² nur noch 50-250 adulte Individuen von dieser Art gibt. Damit gilt auch der Dunkelsäger als einer der seltensten Vögel Brasiliens überhaupt! Unsere Reise in die Cerrado im November (siehe Reiseprogramm) bietet die Möglichkeit, auch diese Art, neben dem seltenen Blauaugentäubchen, beobachten zu können. Zwei absolute avifaunistische Höhepunkte, neben weiteren seltenen und endemischen Arten der Steppe.

Schon deswegen sollte man diese Reise in die Cerrado/Steppe, in das beeindruckende Hinterland der Mata Atlantica, vom 1. bis 14. November 2020 nicht verpassen!

Hartmut Meyer

Titelfoto: Dunkelsäger, vom Aussterben bedroht. Foto: A. Eisen Ruppe

Print Friendly, PDF & Email
DO-G veröffentlicht neue “Liste der Vögel Deutschlands” – Bartmeise-Reisegäste erhalten diese gratis zur Buchung einer Reise!

DO-G veröffentlicht neue “Liste der Vögel Deutschlands” – Bartmeise-Reisegäste erhalten diese gratis zur Buchung einer Reise!

Cover “Liste der Vögel Deutschlands” www.do-g.de.

Soeben (Oktober 2019) hat die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G www-do-g.de) die von Peter H. Barthel und Thorsten Krüger bearbeitete „Liste der Vögel Deutschlands“ in der Version 3.2. auf dem aktuellen Stand von ornithologischer Systematik, Taxonomie und Nomenklatur neu veröffentlicht. Die Autoren beschreiben die Unterschiede zur Liste von 2018, die teilweise gravierend sind. So hat man nun auch für Deutschland die seit Sommer 2019 geltende IOC-Weltliste, der die DO-G strikt folgt, übernommen. Von nun an stehen die Hühnervögel am Beginn der Artenliste und durch die Neufassung von Ordnungen und Familien in der Liste der Vögel der Erde mussten auch einige deutsche Bezeichnungen verändert werden. Weiterhin wurden zwei Sumpfhühner der Gattung Porzana in Zapornia umbenannt.

Diese kleine Lektüre sei allen Vogelkundlern dringend empfohlen! Bartmeise-Reisegäste zwischen Dezember 2019 und April 2020 erhalten die neue „Liste der Vögel Deutschlands“ zusammen mit ihren Reiseunterlagen.

In dieser Veröffentlichung wird auch nochmals gezielt darauf hingewiesen, warum man eine Mitgliedschaft in der ältesten wissenschaftlichen ornithologischen Vereinigung der Welt, der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, auch als Laie in Erwägung ziehen sollte. Unterstützen sie die DO-G – werden sie Mitglied www-do-g.de !

Hartmut Meyer

Startbild: Junger Kuckuck im Teichrohrsängernest. Foto: A. Kretschel

Print Friendly, PDF & Email
Vorexkursion zur nächsten Nasserstausee-Expedition im März: Unterwegs zur afrotropischen Vogel- und Tierwelt

Vorexkursion zur nächsten Nasserstausee-Expedition im März: Unterwegs zur afrotropischen Vogel- und Tierwelt

Pressebericht zur Nasserstausee-Expedition 2019. Gerenalanzeiger Halberstadt.

Unter Leitung des westsächsischen Faunisten Jens Hering (Vorstandsmitglied im Verein Sächsischer Ornithologen und Mitglied im wiss. Beitrat der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft – DO-G) laufen seit einigen Jahren avifaunistische Forschungen auf dem weitgehend unbekannten Nasserstausee in Ägypten, an der Grenze zur afrotropischen Vogelwelt. Erst kürzlich trafen sich die Mitglieder der Nasserstausee-Expedition im Museum Heineanum in Halberstadt/Sachsen-Anhalt zur Auswertung ihrer Expedition im Frühjahr 2019. Dabei wurden auch die Ergebnisse aus einer Brutvogelerfassung zu bestimmten Arten sowie gesammelte Daten zu zahlreichen weiteren Organismen vorgestellt, aus- und bewertet. Auch diese Expedition brachte wieder erstaunliche und bis dato unbekannte Ergebnisse, so z.B. zur Brutbiologie von Rohrsängern, Blassspötter und verschiedenen Wasservögeln wie Seeschwalben. Von der Witwenstelze, die am Stausee ihre nördlichste Verbreitung in der Afrotropis erreicht, gab es ebenfalls neue Daten. Die in PowerPoint-Präsentation vorgestellten Ergebnisse fließen auch dieses mal wieder ein in wissenschaftliche Publikationen, die im Rahmen der Schriftenreihen der DO-G publiziert und als Posterpräsentationen und Vorträge zu den Jahresversammlungen der ältesten wissenschaftlichen vogelkundlichen Vereinigung der Welt gehalten werden.

Der ca. 500 km lange Nasserstausee in Ägypten wartet mit einer Traumlandschaft und spannenden vogelkundlichen Entdeckungen. Foto: J. Hering

Während des Treffens wurden zudem die nächste Expedition in 2020 vereinbart, Zielstellungen diskutiert und die Teilnehmergruppe ausgewählt. Bartmeise-Reisen unterstützt seit Jahren logistisch und auch personell die Aktivitäten von Jens Hering. Daher führen wir Anfang März wieder eine Vorexkursion als Reiseprogramm auf dem Nasserstausee durch. Während der Exkursion, die Teilnehmer und Reisegäste aber frei und ungezwungen genießen können, sind dennoch alle gebeten, Daten zu bestimmten Vogelarten zu dokumentieren und zu sammeln, die dann den

Auch der Stentorrohrsänger ist eine wichtige Brutvogelart am Nasserstausee, die im Interesse der Untersuchungen steht. Foto: Jens Hering

Kollegen der nächsten Expedition zugängig gemacht werden. Einer unserer Mitarbeiter, ein Biologe, Botaniker und Ornithologe, wird die Dokumentation der Daten während dieser Reise betreuen.

Unsere 8-tägige Exkursion in eine unglaublich eindrucksvolle Wasser-Wüsten-Landschaft eignet sich insbesondere auch für ornithologische Freundeskreise und Gruppen, die sich gut kennen und die auf den kleinen Exkursionsbooten (max. 6 Personen pro Bott) gut miteinander zurechtkommen. Alle weiteren Details finden sich im Reiseplan zu dieser Reise, der hier veröffentlich ist.

Hartmut Meyer

Startbild: Witwenstelze am Nasserstausee. Foto: Mohamed Habib.
Print Friendly, PDF & Email
Neues aus der Vogelwelt: Gänsesäger-Brut im Erzgebirgischen Becken dokumentiert

Neues aus der Vogelwelt: Gänsesäger-Brut im Erzgebirgischen Becken dokumentiert

Nach jahrelangem Brutverdacht gelang in diesem Jahr der erste sichere Brutnachweis für den Gänsesäger am Flusslauf der Zwickauer Mulde im Erzgebirgischen Becken im Landkreis Mittelsachsen. Bei der Kontrolle von Dohlen-Nistkästen in einem Gebäude wurde am 24. April 2018 ein bebrütetes Gänsesäger-Gelege mit 11 Eiern statt einer Dohlenbrut festgestellt.

Gänsesäger-Balz (und Kopula) am 02.04.2018 auf der Zwickauer Mulde/Mittelsachsen. Foto: Jens Hering.

In den Jahren zuvor konnten zahlreiche Puzzle-Teile für begründeten Brutverdacht – wie z.B. späte Aufenthalte von adulten Gänsesägern bis Anfang Mai, mehrmals bereits flugfähige Junge mit je einem Weibchen im zeitigen Juli, ein kleine Junge (pull.) führendes Weibchen im Mai an der benachbarten Zschopau vor zwei Jahren und in diesem Jahr Anfang April Balz und Kopula einer Gruppe Gänsesägern auf der Zwickauer Mulde nicht weit vom jetzigen Brutplatz entfernt – zusammengetragen und auch fotografisch festgehalten werden.

Mittlerweile ist die Art auch in Sachsen in Ausbreitung begriffen und brütet sogar an der Elbe in der Landeshauptstadt Dresden. Auf der Südseite des Erzgebirges hat der Gänsesäger den Eger-Fluss in Tschechien bereits seit einigen Jahren als Brutplatz entdeckt. Nun ist die Art auch am Nordrand des Erzgebirges im Flusssystem Mulde/Zschopau als Brutvogel angekommen.  Der erforderliche Nachweis gilt nun als erbracht.

Hartmut Meyer, Jens Hering, Jens Voigt und Dieter Kronbach

Gänsesäger-Gelege mit 11 Eiern am 28.04.2018 in einem Dohlennistkasten. Foto: H. Meyer.

Startbild: Den Nistkasten anfliegendes Gänsesäger-Weibchen (28.04.2018). Foto: Jens Hering.

Print Friendly, PDF & Email

Sprache wählen

Für Newsletter anmelden

 

Bartmeise-Reisen ist Mitglied im Deutschen Reisebüro-Verband DRV
 

 

Kontaktieren Sie mich