Raubwürger und Prachttaucher derzeit zu beobachten – www.ornitho.de bietet perfekten Überblick

Raubwürger und Prachttaucher derzeit zu beobachten – www.ornitho.de bietet perfekten Überblick

Der Raubwürger (Lanius excubitor; Great Grey Shrike) ist im Freistaat Sachsen ein regelmäßiger, aber seltener Brutvogel, der durch die intensive Landwirtschaft im Flachland viele Brutplätze verloren hat. Sein Brutbestand wird heute stabil mit 150-250 Brutpaaren angegeben (Steffens et al. 2013). Insbesondere auf Truppenübungsplätzen im Norden des Landes sowie in den ehemaligen Rauchschadensgebieten auf dem Erzgebirgskamm kann die Art zur Brutzeit noch regelmäßig in geeigneten Habitaten beobachtet werden.

Jetzt im Winterhalbjahr bezieht der Raubwürger aber spezielle Winterreviere, die teilweise weit abseits der Brutplätze liegen. Und auch aus nördlichen Regionen Europas zieht die Art bis nach Mitteleuropa, wie durch Ringfunde belegt ist. Heuer fällt eine gewisse Häufigkeit der Art auf, die auch verschiedene Winterreviere besetzt hat, die teilweise über einen längeren Zeitraum (10 Jahr und mehr) unbesetzt waren! Das könnte im Zusammenhang mit der aktuell noch hohen Feldmausgradation stehen, zumindest in bestimmten Regionen Sachsens. So zum Beispiel im Tal der Zwickauer Mulde, wo auch jetzt noch Feldmäuse in Massen vertreten sind. Und genau in solchen Gebieten, die von extensiv genutztem Grünland, von Ruderalflächen mit Heckenreihen und solitären Einzelbäumen sowie abwechslungsreicher offenen Feldflur geprägt werden, sind seit September bereits Raubwürger anwesend. Immer ein Vogel pro Revier, denn der Raubwürger ist außerhalb der Brutzeit nicht an Seinesgleichen interessiert. Zwischen Waldenburg und Wolkenburg entlang der Zwickauer Mulde, aber auch in der weiteren Feldflur im Zwickauer Land, in Mittelsachsen und darüber hinaus konnten die Ornithologen schon mehrere, auch neue Winterquartiere finden.

Aufgrund seiner Größe und der überwiegend hellgrauen und weißen Farbe mit schwarzer Maske und Flügeln „leuchtet“ die kontrastreiche Vogelart in der nicht verschneiten, meist grauen Feldlandschaft weithin,  zumal er meist sehr exponiert auf den obersten Spitzen von Büschen, großen Pflanzen oder sogar auf Leitungsdrähten nach seiner Beute Ausschau hält. Und auf diesen „festen Plätzen“ kann die Art tagtäglich gesehen werden. Oft sind die Vögel auch nicht so scheu, lassen eine Annäherung auf  unter 50 Meter zu, was vielleicht auf eine skandinavische Herkunft deuten könnte.

Die hier gezeigten Fotos (2) stammen aus dem Winterhalbjahr 2018 und gelangen unserem westsächsischen Avifaunisten und Vogelfotograf Jens Halbauer. 

Wer größere Stau- und Grubenseen bzw. Teichgebiete für seine jetzt in der Pandemie-Zeit eingeschränkten Beobachtungsgänge präferiert, muss auf einen anderen Durchzügler und Wintergast achten. Schon seit einigen Wochen sind Prachttaucher (Gavia arcitca; Black-throated Loon) aus der Familie der Seetaucher auf dem Wegzug zur Rast eingetroffen. So kann man derzeit zwei Individuen auf dem Stausee Glauchau und einen auf dem Schwanenteich in Zwickau, fast mitten in der Stadt gelegen, beobachten. Bei diesen Individuen handelt es sich um diesjährige Jungvögel, die sehr schlicht grau-weiß gefärbt sind, aber durch den dolchförmigen Schnabel mit leicht abwärts gebogenem First auffallen. Oft kann man auch das in der Literatur beschriebene „Wasserlugen“ sehen, bei dem die Art nur den Kopf ins Wasser steckt. Einmal abgetaucht kann der Tauchvogel bis zu zwei Minuten unter Wasser bleiben und einen mittelgroßen Stauseen oder Teich fast komplett bis in eine andere Ecke durchtauchen. Manchmal halten sich die Vögel, die z.B. an den großen Seen Skandinaviens und bis nach NE-Sibiriens Brutvögel sind, viele Wochen im Binnenland auf, so lange die Gewässer eisfrei bleiben und die Vögel Nahrung finden. Öfters wurden in Sachsen auch Übersommerungen von Nichtbrütern nachgewiesen.

Auch diese Fotos (2) konnte Jens Halbauer vor einigen Tagen am Stausee Glauchau (Lkr. Zwickau) aufnehmen.

Wer mehr wissen möchte, wie diese und viele andere Arten derzeit über Sachsen verbreitet sind, der sollte www.ornitho.de nutzen! In diesem vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) gemeinsam mit den ornithologischen Landesverbänden getragenen Beobachtungsplattform werden täglich Tausende Daten gemeldet. Der DDA als Betreiber stellt zudem für die verschiedensten Arten regelmäßig Durchzugs- oder Verbreitungsmuster dar. Außerdem kann man als aktiver Melder von eigenen Daten sich auch Vorkommen von Arten über bestimmte Gebiete selber zusammenstellen.

Literatur:

Steffens, R. et al. (2013): Die Brutvögel Sachsens. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden.
Steffens, R. et al. (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag Jena.

Hartmut Meyer

Alpenbraunelle aktuell am Fichtelberg zu sehen – Art neuer Brutvogel im Erzgebirge

Alpenbraunelle aktuell am Fichtelberg zu sehen – Art neuer Brutvogel im Erzgebirge

Bereits seit 2003 wird, wenn auch nicht durchgehend jährlich, zwischen April und Juni, zur Brutzeit also, die Alpenbraunelle (Brunella collaris, Alpine Accentor) im Klinovec-Fichtelberg-Gebiet im Erzgebirge festgestellt. Im Jahr 2018 wurde eher zufällig ein Brutnachweis erbracht (siehe die beigefügte Publikation aus den „Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen e.V.). Kurze Zeit später konnte auch der Brutplatz auf deutscher Seite gefunden werden.

Immer wieder tritt die Art auch im Winterhalbjahr sowohl am Keilberg und an der Felsformation Meluzina auf böhmischer als auch am Fichtelberg auf deutscher Seite auf. So auch in diesem Jahr aktuell, als am 25. November 2020 der tschechische Ornithologe V. Teply einen Vogel am Fichtelberg beobachten und fotografieren konnte (beide Fotos hier: V. Teply). Am gleichen Tag, so wurde bekannt, konnte auch ein Vogel im Harz auf dem Brocken (Sachsen-Anhalt) festgestellt werden, was auf Zuzug deutet.

Das Vorkommen der Art in beiden Mittelgebirgen ist eine spannende Entwicklung, da die Gebiete recht weit abseits der üblichen Brutareale in den Alpen und im Riesengebirge liegen und geografisch isoliert sind. In Deutschland brütete die Alpenbraunelle bisher ausschließlich in Bayern, in den Nördlichen Kalkalpen und in den Schwäbisch-Oberbayerischen Voralpen, seit 2018 auch im Erzgebirge. Das in östliche Richtung vom Fichtelberg existierende Brutvorkommen am Krkonose/Riesengebirge liegt ca. 190 km entfernt (Hering 2018).

Wer also jetzt im oberen Erzgebirge auf dem Fichtelberg unterwegs ist, der sollte sein Augenmerk auf die Alpenbraunelle richten. Die Art ist oft am Boden oder bodennah (Foto oben) an Gebäudeteilen unterwegs und überhaupt nicht scheu, wie im Foto vom 25.11.2020 zu erkennen ist. Man kann sie daher eher übersehen, wenn man nicht genau auf die Art achtet!

Hartmut Meyer

Alle Fotos: V. Teply

Mitt. Sächs. Orn. Kurzmitteilung + Jahresvers + Register

Fortsetzung, die neunte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen – Exkursion im März 2021?

Fortsetzung, die neunte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen – Exkursion im März 2021?

Mauerläufer im Winterquartier. Foto: B. Franzke

Und noch einmal ist er zurückgekommen. Ein wirklich unglaubliches Naturwunder! Am 13. November 2020 traf der kleine Hochgebirgsvogel nunmehr den neunten (!) Winter in Folge in seinem Winterquartier auf der Südseite des Erzgebirges in Böhmen, in einem kleinen Dörfchen unweit des Fichtelbergs, ein. Zwar ist es nicht bewiesen, dass es sich um den gleichen Vogel handelt, aber die Tatsache, das er auch dieses Jahr sofort bei Ankunft seine Futterbretter anflog und die dort schon für ihn ausgelegten Mehlwürmer absammelte, spricht wie immer für den gleichen Vogel, der ‘sein Winterquartier’ bestens kennt!

Sein jährlicher Brutort im Hochgebirge (in den Alpen?) bleibt freilich unbekannt. Im Erzgebirge und den anderen deutschen Mittelgebirgen jedenfalls sind noch nie Bruten von dieser Art nachgewiesen worden. Vor der Lebensleistung dieses Vögelchens, dessen Brutgebiete Hunderte Kilometer weit entfernt zu suchen sein müssten, kann man nur ehrfurchtsvoll stauen. In der Tat, ein Naturwunder!

Den neunten Winter in Folge hat nun der Vogel sein Winterquartier an einem alten Fabrikgebäude, wo er im Dachfirst Schlafplätze hat, bezogen. Dort wird sein Aufenthalt von einem böhmischen Ornithologen, unserem Freund Vladimir, gut dokumentiert. Und wenn ihm auch in diesem traurigen Corona-Winter nichts zustößt, dann wird der Vogel, ein Männchen, bis in den März hinein dort zu sehen sein. Dann wir er wie jedes Jahr ins Brutkleid mausern und erste Balzflüge kündigen dann seinen baldigen Abzug ins Brutgebiet an …

Einmal am Tag holt er sich einige Mehlwürmer, die man für ihn auf einem Fenstersims auslegt. Stellt sich die Frage, wie alt ein Mauerläufer in Freiheit werden kann? Dazu gibt es keine Angaben in der Literatur. Aber in Gefangenschaft kann die Art durchaus ein hohes Alter erreichen wie aus dem Alpenzoo Innsbruck bekannt ist, wo 2016 der letzte seiner Art mit 15 Jahren gestorben ist. Vielleicht ist es nun doch der letzte Winter, in dem dieser kleiner Lebenskünstler so weit abseits seines Brutplatz im Erzgebirge zu sehen sein wird?

Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen sowohl auf tschechischer als auch auf deutscher Seite können wir jetzt noch keinen Exkursionstermin bekanntgeben. Aber kurz vor Abzug des Vogels ins Brutgebiet, vielleicht im März 2021, sofern sich die Situation entspannt hat, planen wir kurzfristig einen Besuch ein. Die Bekanntgabe erfolgt hier an dieser Stelle. 

Titelfoto und Foto 2: Vladimir Teply

Hartmut Meyer

Erstnachweis Blauschwanz im Erzgebirge – Bartmeise-Reisen im Februar 2021 auf Kuba bei Monitoring zu Gast

Erstnachweis Blauschwanz im Erzgebirge – Bartmeise-Reisen im Februar 2021 auf Kuba bei Monitoring zu Gast

Mitglieder der Beringergruppe Gelenau bei der wiss. Vogelberingung. Foto (2019): H. Meyer

Die Nacht war kalt, der Morgen eisig, nur knapp über 0°C um 7.00 Uhr im Erzgebirge auf rund 600mNN, dafür aber nur schwacher Wind bei bedecktem Himmel: ideale Bedingungen für den herbstlichen Vogelzug. Und der war merklich spürbar heute Vormittag nahe der Gemeinde Gelenau im Erzgebirgskreis auf der Fangplatz der Beringergemeinschaft Gelenau, die seit vielen Jahren im Rahmen wissenschaftlicher Monitoringprogramme der Vogelwarte Hiddensee zur langfristigen Bestandskontrolle unserer Singvögel im 14-Tage-Rhythmus Brut- und Zugvögel mit Ringen der Vogelwarte markiert. Dazu werden Lebensdaten der Vögel wie Mauserzustand, Federlänge und Gewicht – was Aufschluss über die Fitness der Vögel auf dem Zug ins Winterquartier gibt – erfasst.

Zahlreiche Wintergoldhähnchen (29), Berg- (18) und Buchfinken (54) zeigen den laufenden Zuzug aus skandinavischen Breiten an. Gimpel, Rotkehlchen, Singdrossel, Amsel und zwei späte Mönchsgrasmücken waren Teil der insgesamt ü203 Vögel in 17 Arten, die heute Vormittag die Markierung der Vogelwarte erhielten. Bereits viermal seit 2017 hat die Beringergruppe im Auftrag von GOV, VSO e.V. und der Sächsischen Vogelschutzwarte hier im Erzgebirge deutschlandweite Beringerlehrgänge durchgeführt, die eine Voraussetzung zum Erwerb der staatlichen Zulassung als wiss. Vogelberinger sind.

Blauschwanz im Erzgebirge, vermutlich sächsischer Erstnachweis. Gefangen und beringt am 8.10.2020. Foto: Dr. Rico Spangenberg

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass vor wenigen Tagen hier in der Anlage ein Blauschwanz (Red-flanked Bluetail, Trasiger cyanurus), ein eigentlich in Sibirien bis Nordskandinavien beheimateter Vertreter der Fliegenschnäpper, der auf einer „falschen Zugroute“ unterwegs war, gefangen und markiert werden konnte. Nach heutigem Kenntnisstand bedeutet dieser Glücksfang den sächsischen Ernstnachweis, nachdem die Art ab und an auf Helgoland in der Nordsee auftritt.

Bartmeise-Reisen bietet im Februar/März 2021 auf der großen Kuba-Rundreise die Möglichkeit, ein kubanisches Vogelberingungsprogramm zu erleben, und zwar ein laufendes Monitoringprojekt nach deutschem Standard und Vorbild! Einige der dort tätigen Vogelberinger waren zur Ausbildung und zum Training am Fangplatz auf der Greifswalder Oie in Mecklenburg-Vorpommern tätig. Das von NABU Großfahner/Thüringen unterstützte Projekt hat Vorbildcharakter für die Region und hilft auch auf Kuba, langfristige Veränderungen in der Vogelwelt zu erkennen.

Für die Kuba-Reise sind derzeit noch wenige Plätze – im Moment unverbindlich – reservierbar:  Email: info@bartmeise.de!

Hartmut Meyer

Startbild: Gelbbrauenlaubsänger im Erzgebirge/Fangstation Gelenau am 20.09.2020. Foto: Dr. Rico Spangenberg
Jetzt geht es wieder los: Mornellregenpfeifer auf dem Wegzug beobachten – Exkursionsangebot für Reisegäste

Jetzt geht es wieder los: Mornellregenpfeifer auf dem Wegzug beobachten – Exkursionsangebot für Reisegäste

Da gähnt er müde …, denn nach einem nächtlichen Flug vermutlich aus dem Norden Skandinaviens kommend, ist er am Vormittag zur Tagesrast und Nahrungsaufnahme auf einem Feld in der Nähe von Werdau im Landkreis Zwickau gelandet, wo der Langstreckenzieher bereits vom Ornithologen Jens Halbauer erwartet (und 2019 fotografiert) wurde. Die hübschen Mornellregenpfeifer (Eurasian Dotterel), die in Europa in den Tundren Skandinaviens brüten, überwintern in Afrika nördlich der Sahara. Zweimal im Jahr treten die Vögel ihre ca. 8.000 bis 10.000 Kilometer lange Reise an, auf der sie traditionelle Zwischen-Rastplätze in der Feldflur nutzen. Diese Rastplätze können über Jahrzehnte genutzt werden, wobei es echt verblüffend ist, dass die Vögel fast immer auf den gleichen Flächen (abhängig auch von der Fruchtfolge), teils auf den halben Hektar genau, zur Rast einfallen!

Nun ist es wieder so weit. Der Sommer ist vorbei und die Zugvögel treten den Wegzug an. In Norddeutschland wurden am 13. August die ersten 12 rastenden Mornellregenpfeifer entdeckt. Bei uns hier in Westsachsen liegen die üblichen Durchzugszeiten der Art zwischen dem 25. August und 5. September mit Schwerpunkt um den Monatswechsel August/September.

Der bekannte westsächsische Ornithologe Jens Halbauer beobachtet seit vielen Jahren das Durchzugsgeschehen der Art in so einem traditionellen Rastgebiet in der Nähe von Werdau. Er kennt die Verhältnisse und die Gewohnheiten der Vögel genau und beobachtet daher dort auch jeden Herbst rastende Mornellregenpfeifer. Mit ihm in dieser Zeit unterwegs zu sein, bietet hohe Chancen, die seltenen Vögel beobachten zu können. Allerdings, eine Erfolgsgarantie kann niemand geben, denn die Tagesverhältnisse, auch was die Wettersituation anbetrifft, kann niemand voraussagen!

Wir laden unsere Bartmeise-Reisegäste zu einer gemeinsamen Exkursion am Dienstag, 1. September, nach 08412 Werdau bei Zwickau ein. Die Exkursion beginnt um 8.30 Uhr in Werdau (Ende gegen 11.00 Uhr). Aufgrund der bekannten Sicherheitsvorkehrungen infolge der Pandemie müssen wir um Anmeldung bitten! Die Teilnahme ist kostenfrei. Mit der Bestätigung der Anmeldung wird auch der genaue Treffpunkt bekanntgegeben. Anreise mit eigenem PKW ist Voraussetzung zur Teilnahme.

Anmeldungen bitte an:

per E-Mail: info@bartmeise.de oder hartmutmeyer11@gmail.com oder per Fax 03723 – 44211.

Hartmut Meyer

Bildautor aller Fotos (2019): Jens Halbauer (Werdau) 

Silberreiher seit 11 Jahren Brutvogel in Ostdeutschland – Exkursion für Bartmeise-Reisegäste zum NSG „Große Rosin“

Silberreiher seit 11 Jahren Brutvogel in Ostdeutschland – Exkursion für Bartmeise-Reisegäste zum NSG „Große Rosin“

Silberreiher am Nest in Niederdorf. Foto: E. Akkermann

Auch wenn der Silberreiher in Deutschland nun bereit seit mehr als 20 Jahren (bis auf die Monate Mai bis Juli) Jahresvogel ist und auch hier in Sachsen im Herbst Ansammlungen von bis zu 600 Vögeln in Fischteichgebieten keine große Seltenheit mehr sind, hat kein anderes deutsches Bundesland so viele Silberreiher wie Mecklenburg-Vorpommern, wo an mind. einem Schlafplatz Maximalzahlen von bis zu 1.600 Silberreihern nachgewiesen wurden. Daher war es vielleicht auch für Profis keine Überraschung, dass der erste deutsche Brutnachweis 2009 für die Art in Mecklenburg-Vorpommern, an der Ostsee, erbracht wurde. Aber für viele Vogelfreunde ist dieser Umstand noch immer noch recht unbekannt.

Unser Reisefreund Frank Vökler, ein bekannter Avifaunist und Vorstandsmitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern OAMV, der die Kolonie betreut, kennt die Geschichte von Anfang an und hat für Bartmeise-Reisen den Verlauf der Besiedlung bis heute nachgezeichnet:

Seit 2005 nahm das Auftreten des Silberreihers in Mecklenburg-Vorpommern (MVP) wie auch in anderen Teilen Deutschlands, deutlich zu. Erstmals seit 2009 brütet die Art in MVP, in Niederhof bei Stralsund in der bekannten Graureiher- und Kormorankolonie. Die Silberreiher brüten hier inmitten der Graureiher teils auf den gleichen Nistbäumen (Rotbuchen). 2015 hatten sich bereits 12 Brutpaare angesiedelt, und in diesem Jahr habe ich bereits 32 Brutpaare mit Nest beobachten können. Die Reiher werden hier alljährlich von mir erfasst. 2015 brüteten auch zwei Paare im NSG „Große Rosin“ am Kummerower See auf Grauweidenbüschen, allerdings leider erfolglos. Zwar werden alljährlich auch weiterhin hier Vögel im Brutkleid festgestellt, eine Brut konnte seither allerdings nicht mehr festgestellt werden. Im NSG „Große Rosin“ sammeln sich alljährlich nach der Brutzeit Silberreiher, die im August/September Höchstzahlen erreichen (Ende Sept. 2015: max. 1.620 Exemplare). Daneben gibt es zahlreiche weitere Schlafplätze an verschiedenen Stellen in Mecklenburg-Vorpommern mit oft mehr als 300-500 Vögeln. Die Tabelle (oben) zeigt das jährliche Auftreten der Art in MVP.

Bartmeise-Reisen lädt seine Reisegäste (und gern auch solche, die es werden möchten) am 29./30. August 2020 zu zwei geführten Exkursionen in das NSG “Große Rosin“ am Kummerower See ein. Die wiedervernässten Polderflächen der Peene am Kummerower See haben sich in wenigen Jahren zu einem Vogelparadies der Sonderklasse entwickelt, welches in Deutschland einzigartig ist. Bruten der Weißbartseeschwalbe (2020 ca. 30 Paare, nach Unwetterereignis vermutlich erfolglos), 40-50 BP Trauerseeschwalbe, dazu Weißflügelseeschwalben zur Brutzeit anwesend, verdeutlichen die herausragende Qualität dieses Schutzgebietes. Der einzigartige Charakter dieser permanent unter Wasser stehenden Polder versetzt den Besucher in eine Art “deutsches Pantanal”. Diesen Eindruck hat unser brasilianischer Mitarbeiter, der Ornithologe und Biologe Adrian Eisen Rupp aus Santa Catarina in Südbrasilien, bei einem Besuch im Jahr 2018 mit den Worten auf den Punkt gebracht: „Es fehlen nur die Wasserschweine, ansonsten Pantanal pur!“

Unsere Exkursionen finden am Sonnabend und Sonntag 29./30. August 2020 statt. Erster Treffpunkt wird am Sonnabend, 29.08., um 17.00 Uhr in Aalbude (Ortsteil von 17159 Dargun) sein, zu einer Abendexkursion in das Gebiet, um Silberreiher am Schlafplatz und die weitere Vogelwelt zu beobachten. Und am Sonntagvormittag steht dann eine weitere gemeinsame Exkursion an, zu der es aus berufenem Munde von Frank Vökler auch viele Inforationen geben wird.

Da vermutlich auch noch Ende August gewisse Schutzmaßnahmen infolge der COVID-19-Pandemie zu beachten sein werden, muss die Teilnehmerzahl limitiert werden. Interessenten müssen sich daher bitte ab sofort verbindlich per Email an info@bartmeise.de anmelden (mit Name/Adresse/Geburtsdatum und Telefonnummer mobil). Und das bitte bis 30. Juli 2020. Der Unkostenbeitrag von 20,00 € pro Person ist nach Bestätigung der Anmeldung zu überweisen.

Details zum Ablauf, zu den genauen Treffpunkten etc., werden nach der Bestätigung der Anmeldung gegeben.

In der Gemeinde 17159 Dargun bzw. in der Umgebung des Kummerower Sees, zwischen Demmin und Malchow (Umkreis 20km) gibt es zahlreiche Pensionen, Hotels, Gasthöfe und Ferienwohnungen, die genutzt und von Jedermann nach Bedarf selbst gebucht werden können.

Hartmut Meyer

info@bartmeise.de

Klimaveränderungen bringen neue Vogelarten auch ins Erzgebirgsvorland: „Start frei“ für die Bienenfresser

Klimaveränderungen bringen neue Vogelarten auch ins Erzgebirgsvorland: „Start frei“ für die Bienenfresser

Nachdem wir uns seit mehr als 20 Jahren schon an den Silberreiher fast als Ganzjahresvogel „gewöhnt“ haben, bringt das spürbar milder werdende Klima auch weitere „südliche“ Vogelarten als Brutvögel nach Sachsen, und sogar hier ins eigentlich kühle Erzgebirgsvorland. Nach Wendehals und Wiedehopf sind nun auch die Bienenfresser (European Bee-eater) so weit, dass wir sie zu den regelmäßigen Brutvögeln zählen können.

In diesem Jahr gibt es im Tal der Zwickauer Mulde zwischen Glauchau und Rochlitz wieder zwei besetzte Brutplätze, zusammen mit 2019 insgesamt drei Brutplätze. Im Moment sind insgesamt fünf Brutpaare erfolgreich und füttern teils große Junge, die in den nächsten Tagen ausfliegen werden. Und dabei ist es nicht auszuschließen, dass unentdeckt noch weitere Brutansiedlungen vorhanden sein könnten, zumal sich im Mai an einem der beiden aktuell besetzten Brutplätze bis zu 16 Altvögel aufhielten. Dafür spricht auch, dass die Vögel, was den Brutplatz anbetrifft, relativ anspruchslos sind, wenn die Bodenbeschaffenheit für das Graben der Bruthöhle ausreicht.

Als Höhlenbrüter haben die Bienenfresser nur wenige Feinde, allerdings erscheint das angesichts eines Turmfalken, der heute einem fütternden Bienenfresser bis an den Eingang seiner Bruthöhle hinterherjagte und versuchte, dort einzudringen (Foto: A. Kretschel), relativ zu sein.

Nachdem die Art in Sachsen im Vergleich zum Nachbarland Sachsen-Anhalt, wo sich der aktuelle Verbreitungsschwerpunkt für die Art in Deutschland befindet, bisher nur moderate 60-100 BP im Elbtal und in Nordsachsen aufwies, bewegen sich die Bestände in diesem Jahr deutlich nach oben. Um die 350 Brutpaare sind aktuell 2020 für Sachsen bekannt. Tendenz steigend! Und angesichts der Tatsache, dass sich ehemals häufige Brutvögel wie Kiebitz und Rebhuhn … mehr und mehr von uns verabschieden, eine zumindest tröstliche Entwicklung.

Bis Ende April 2021 müssen wir uns in den nächsten Tagen von den hübschen Bienenfressern verabschieden. Rasch nach dem Ausfliegen der Jungvögel verlässt die Art ihren Brutplatz und tritt den Wegzug in die afrikanischen Winterquartiere an.

Auf unseren Reisen dorthin, in die Steppengebiete Afrikas, z.B. nach Kenia im September, können wir jederzeit mit Beobachtungen von Bienenfresser und Wiedehopf rechnen. Auch dort sind die hübschen Vögel immer ein Farbtupfer in der Landschaft.

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

Bienenfresser in der Presse (Freie Presse Chemnitz, lokal und Sachsen, 11.08.2020)

Alle Fotos: Andreas Kretschel (Pressefotograf).

Der Wiedehopf als neuer Brutvogel im Zschopautal bzw. im Ergebirgsvorland – eine Folge des Klimanwandels?

Der Wiedehopf als neuer Brutvogel im Zschopautal bzw. im Ergebirgsvorland – eine Folge des Klimanwandels?

Eine erfolgreiche Brut vom Wiedehopf (Eurasian Hoopoe) in Landkreis Mittelsachsen, in

einem Kleingarten in Ortslage im Zschopautal/Landkreis Mittelsachsen, bei der in diesen Tagen die flüggenJungvögel in einer Baumhöhle in einem alten Obstbaum gefüttert werden, stellt eine weitere neue Entwicklung in der sächsischen Vogelwelt dar. Zwar ist der Wiedehopf (Foto re.: F. Seifert) vor allem in den klimatisch begünstigten Heidegebieten in Ostsachsen (punktuell auch in Nordsachsen) ein regelmäßiger, wenn auch nicht häufiger Brutvogel auf Truppenübungsplätzen, in der Bergbaufolgelandschaft und in angrenzenden Dörfern, jedoch wurden in Sachsen bisher keine Bruten außerhalb der genannten Gebiete bekannt, schon gar nicht im Erzgebirgischen Becken und seinen Flusstälern bzw. im angrenzenden Erzgebirgsvorland im Landkreis Zwickau und im Chemnitzer Umland.

Vermutlich lässt die aktuelle Brut im Raum Kriebstein auf eine Entwicklung schließen, die im Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen zu sehen ist, auf die auch die derzeitige Ausbreitung der Art im sächsischen Elbtal zurückzuführen sein könnte. Nachdem es auch im angrenzenden Landkreis Zwickau aktuell Brutzeitbeobachtungen von der Art gibt, wurde in der vergangenen Woche per Zeitungsaufruf die interessierte Bevölkerung aufmerksam gemacht, nach der Art in Privatgärten etc., die bei Kartierungen bzw. Beobachtungsgängen nur schwer berührt werden können, zu achten. Erstaunlicherweise erbrachte dieser Presseaufruf konkrete Angaben zu mindestens vier seit Mai und bis jetzt besetzten Wiedehopf-Revieren: Zwei im Umland der Großstadt Chemnitz und zwei im Tal der Zwickauer Mulde im Landkreis Zwickau. In fast allen Fällen handelt es sich um ländliche, dörfliche Strukturen. Die Reviere befinden sich meist in der Umgebung von Bauerngehöften mit altem Baumbestand, mit offenen Schuppen, Holz- und Strohlagern, mit Viehhaltung (Schafe, Rinder) und mit Obstgärten. Auch wenn im Moment noch kein weiterer Brutnachweis (mit Jungvögeln) erbracht werden konnte, gelten die seit Wochen bestehenden Vorkommen als Revierpaare. Das stellt in der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung dar, die vielleicht auch im Einklang mit einem seit diesem Jahr wieder leichten Anstieg von Großinsekten zu sehen ist. Zumindest bei der Brut in Mittelsachsen wurde beobachtet, dass die Altvögel viele Insekten, insbesondere Libellen und große Würmer, füttern. Foto: ruf. Wiedehopf jetzt im Juni in Niederlichtenau. Foto: privat.

Unser Aufruf an alle Beobachter in Sachsen außerhalb der bekannten Brutgebiete: Unbedingt auf die Anwesenheit dieser Vogelart, die bei erfolgreicher Brut jetzt im Juni flügge Jungvögel haben müsste, achten. Und das auch in den kommenden Jahren! Meldungen nimmt der Verein Sächsischer Ornithologen e.V. www.vso-web.de und hier Eberhard Flöter e_floeter@web.de gern entgegen. Mehr zur Art als Brutvogel in Deutschland bei Gedeon et. al (2014): “Altas Deutscher Brutvogelarten”, (Seiten 362/363). 

Der Wiedehopf ist bei unseren Reisen in Südeuropa, in Bulgarien und am Kerkinisee, ein häufiger Brutvogel und im Herbst auch regelmäßiger Durchzügler. Gerade im September bei unserer Reise zum Vogelzug am Schwarzen Meer in Bulgarien sollte dieser hübsche Vogel häufig als Durchzügler zu sehen sein.

Hartmut Meyer

Eine aktuelle Publikation zum Wiedehopf im südlichen Brandenburg aus “Die Vogelt” von Möckel & Raden finden Sie hier: Möckel_Raden_Wiedehopf_Südbrandenburg_Vogelwelt_042019

Startfoto: Wiedehopf als Durchzügler im Lkr. Zwickau. Foto: Jens Halbauer.
Ungewöhnliches mehr aus unserer Vogelwelt: Was macht der Mauersegler als Brutvogel in einem Knorpelkirschaum?

Ungewöhnliches mehr aus unserer Vogelwelt: Was macht der Mauersegler als Brutvogel in einem Knorpelkirschaum?

Dass der Mauersegler (Common Swift) in grauer Vorzeit vermutlich ausschließlich in Baumhöhlen (und Felsen) gebrütet hat, lässt sich gut vermuten. Mindestens seit dem Menschen größere Behausungen bauen und bewohnen und die Industriekultur Einzug hielt, hat sich die Art dem Menschen eng als Gebäudebrüter angeschlossen. Und das wird ihr heutzutage leider allzu oft zum Verhängnis, da bei Gebäudesanierungen meist gezielt alle Hohlräume verschlossen werden. Ebenso wie beim Kleingärtner-Wahn, das Gras alle sechs Tage auf englischen Standard mähen zu müssen, siegt heute oft der Zwang, auch nur jede Ritze am Haus zu verschließen … um der EU-Norm XYZ irgendwie gerecht zu werden.

Ob die Entdeckung einer Mauerseglerbrut in einer Buntspechthöhle hier in der sächsischen Kleinstadt Hohenstein-Ernstthal eine Art „zurück zu den Wurzeln“ bei der Art ist, muss völlig offenbleiben. Schließlich gab es vor einigen Jahren auch noch eine kleine Baumbrüterkolonie in großen Bäumen in Mitteldeutschland (Literatur dazu siehe unten), wohl als Relikt aus der früheren Zeit. Ersatzmaßnahmen wie das Aufstellen von Mauersegler-Laternen, wie hier im Bild (unten) in Oberlungwitz, führen, wenn der Standort optimal ist, meist zu einem guten Erfolg und helfen der Art auch.

Dass sich der Mauersegler im zweiten Jahr in Folge in einer Buntspechthöhle in ca. 4 Meter Höhe in einem Kirschbaum in einem innerstädtischen Hausgarten seine Kinderstube eingerichtet hat, ist jedoch absolut ungewöhnlich! Weder in der regionalen sächsischen Literatur noch in den neuzeitlichen Datensammlung beim Verein Sächsischer Ornithologen e.V. bzw. beim Landesamt für Umwelt und Geologie (SMUL) ist je ein derartiger Brutplatz bekannt bekannt geworden!

Dieser Fund in westsächsischen Kleinstadt Hohenstein-Ernstthal am Rande des Erzgebirges reiht sich also ein in die anhaltenden Veränderungen, die unsere heimische Vogelwelt derzeit permanent erfährt.

Noch am Montag (13.07.) hat das Paar seine Jungvögel im Kirschbaum gefüttert. Andreas Kretschel gelangen die hier gezeigten ungewöhnlichen Bilder. Und wenn am 30. Juli die Masse der Mauersegler in den Süden Afrikas aufbricht dann könnten vielleicht „zwei Jungvögel davon berichten, dass sie nicht in einem schnöden Mauerloch, sondern einem gut gepflegten Knorpelkirschenbaum das Licht der Welt erblickt haben.“

Ein großes Dankeschön gilt der Familie Schenk aus Hohenstein-Ernsttahl, die den Brutplatz in ihrem Garten 2019 entdeckten und das Umweltamt des Landkreises darüber informierten! Außerdem hat die Familie bei der Sanierung ihres Hauses im Dachbereich weitere Brutplätze für die Art geschaffen, die auch genutzt werden.

Bei unserer Reise im September in die Savannen Ostafrikas, nach Kenia, haben wir – vor Mai 2021 –  wieder Chancen, „unsere“ Mauersegler zu sehen. Vielleicht sogar die Kirschbaum-Brüter? Aber das bleibt ein Geheimnis. Unsere Reise nach Kenia in die Masai Mara zur großen Tierwanderung kann nach heutigem Kenntnisstand durchgeführt werden. Noch sind vier Plätze verfügbar.

Mauersegler_baumbr._Vogelwelt2004

Mauersegler_VogeldesJahres203_OrniKalender_BNicolai

Hartmut Meyer

Alle Fotos: Pressefotograf Andreas Kretschel

 

Mausersegler-Brutkolonie (mind. 12 BP) in der Mauersegler-Laterne in 09358 Oberlungwitz, Abteistraße.

“Kuckuckskinder” und Buschrohrsänger im Knöterich – ertaunliche Neuigkeiten aus unserer Vogelwelt

“Kuckuckskinder” und Buschrohrsänger im Knöterich – ertaunliche Neuigkeiten aus unserer Vogelwelt

Wer von uns hat sich nicht schon über den Staudenknöterich (Fallopia spp.), einer aus Südostasien eingeschleppten Pflanze (Neophyt) geärgert, der jegliche Bach- und Flussufer zuwuchert und sich sogar in die Fläche ausbreitet? Bei den Wasservogelzählungen z.B. verdeckt die wuchernde Pflanze die Sicht auf die Wasservögel, was die Zählungen erheblich erschwert. Gleichzeitig stellte man aber auch fest, dass die Knöterich-Bestände den Wasservögeln Schutz bieten gegen das zunehmende Begängnis von Spaziergängern mit Hunden. Und zur Brutzeit wunderte man sich eine Weile über Mönchsgrasmücke, Amsel, Goldammer, Neuntöter und Sumpfrohrsänger, deren Gesänge regelmäßig an solchen Standorten zu hören waren, obwohl es dort vermeintlich gar keine geeigneten Brutmöglichkeiten gab!

Junger Kuckuck im Nest des Teichrohrsängers im Juni 2020, aber hier neu im Knöterich. Man beachte die Nestbauweise. Foto: Jens Hering

Unser Vereinsfreund und VSO-Vorstandsmitglied Jens Hering war der erste, der sich die Mühe gemacht und die Knöterich-Bestände näher untersucht hat. Eine zugleich ziemlich schmutzige Angelegenheit, auf allen Vieren durch die Bestände zu kriechen, noch dazu nicht ganz ungefährlich, da Wildschweinrotten hier ebenfalls sehr gern ihre Domizile aufschlagen. Was Hering ans Tageslicht gebracht hat, war eine kleine Sensation und in der deutschen Vogelkunde bis dato unbekannt! Die oben genannten Vogelarten, insbesondere Sumpfrohrsänger (Marsh Warbler, Acrocephalus palustris), bilden ausgedehnte Brutbestände im Knöterich-Dschungel in höchsten Siedlungsdichten! Und in diesem Jahr hat sich in einer kleinen Kontrollfläche entlang der Zwickauer Mulde im Landkreis Zwickau, um die Gemeinden Remse und Crossen, herausgestellt, dass die Sumpfrohrsänger im Knöterich unseren immer seltener werdenden Kuckuck ideale und perfekte Kinderstuben bieten! Allein fünf Sumpfi-Nester mit einem „Kuckuckskind“ konnten in den vergangenen Tagen gefunden werden, alle im Knöterich!

Hering hat bereits dazu publiziert, in Fachmagazinen (Der Falke, Die Vogelwarte – siehe unten) und in der Tagespresse, um auf die neue und bisher unbekannte Bedeutung dieser Pflanze als Brutplatz für unsere heimischen Vögel hinzuweisen. Und nun müssen wir alle gemeinsam versuchen, Behörden, Kommunen, Agrarbetriebe und Grundstückseigentümer davon zu überzeugen, dass das Abmähen der Knöterichbestände zur Brutzeit (Mai bis Juli) eine massive Vernichtung von Vogelbruten darstellt und unbedingt unterbleiben muss! Die Bestände können jederzeit nach der Brutzeit gemäht werden, denn bis zur Brutsaison im kommenden Jahr bildet der Knöterich als schnell wuchernde Pflanze wieder seine für die Vogelbruten notwendige Dichte aus.

Buschrohrsänger im Knöterich, Juni 2020. Digiskopie-Foto: T. Augst.

Weitere Überraschungen bleiben nicht aus! In diesem Jahr gab es sogar den ersten Nachweis einer Teichrohrsängerbrut (European Reed Warbler, Acrocephalus scirpaceus) in Knöterich, wobei Jens Hering auch erstmals eine völlig neue Nestbauweise für die Art, die nirgends in der wiss. Literatur beschrieben ist, nachweisen konnte. Und, sogar der Buschrohrsänger (Blyth’s Reed Warbler, Acrocephalus dumetorum), eine Vogelart aus der Ostpaläarktis, die in diesem Jahr wieder einen Vorstoß nach Mitteleuropa gemacht hat und in Sachsen gleich an zwei Stellen (Werdauer Wald und im Elbtal) festgestellt (fotografiert, Tonaufnahmen, Beringung) wurde, hält sich seit Mai bereits inmitten eines Siedlungsgebietes an einem mit Knöterich bewachsenem Flussufer im Elbtal auf und singt dort fleißig. Der Vogel ist, wie bei der Beringung festgestellt wurde, unverpaart.

Buschrohrsänger bei der Beringung, Juni 2020. Foto: J. Hering

Bei weiteren Untersuchungen im Knöterich dürften neue Überraschungen zu erwarten sein. Aber schon jetzt ist die Bedeutung dieser vielgehassten Pflanze als Brutplatz für unsere heimische, teilweise sogar bedrohte Vogelwelt, eine Sensation!

Über solche und weitere Neuigkeiten zur heimischen (und auch zu internationalen) Vogelwelt informieren wir auch stets bei unseren Reisen rund um die Welt! Im September/Oktober 2020 in Kenia, im September und Oktober 2020 auch zum Vogelzug in Bulgarien und Griechenland sowie in Marokko (per heute EU-weit wieder als Reiseland ohne Einschränkungen zugelassen).

Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung. Wir haben für alle Reisen noch Plätze verfügbar (exklusive Einzelzimmer für Griechenland im Oktober, die bereits ausgebucht sind).

Hartmut Meyer

Titelfoto: Junger Kuckuck im Nest des Teichrohrsängers, klassisch im Schilf. Foto: A. Kretschel.

Literatur: 

Hering 2019_Fallopia & Brutvögel_Der Falke

Hering 2019_Fallopia & Brutvögel_Die Vogelwarte

 

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