Der Wiedehopf als neuer Brutvogel im Zschopautal bzw. im Ergebirgsvorland – eine Folge des Klimanwandels?

Der Wiedehopf als neuer Brutvogel im Zschopautal bzw. im Ergebirgsvorland – eine Folge des Klimanwandels?

Eine erfolgreiche Brut vom Wiedehopf (Eurasian Hoopoe) in Landkreis Mittelsachsen, in

einem Kleingarten in Ortslage im Zschopautal/Landkreis Mittelsachsen, bei der in diesen Tagen die flüggenJungvögel in einer Baumhöhle in einem alten Obstbaum gefüttert werden, stellt eine weitere neue Entwicklung in der sächsischen Vogelwelt dar. Zwar ist der Wiedehopf (Foto re.: F. Seifert) vor allem in den klimatisch begünstigten Heidegebieten in Ostsachsen (punktuell auch in Nordsachsen) ein regelmäßiger, wenn auch nicht häufiger Brutvogel auf Truppenübungsplätzen, in der Bergbaufolgelandschaft und in angrenzenden Dörfern, jedoch wurden in Sachsen bisher keine Bruten außerhalb der genannten Gebiete bekannt, schon gar nicht im Erzgebirgischen Becken und seinen Flusstälern bzw. im angrenzenden Erzgebirgsvorland im Landkreis Zwickau und im Chemnitzer Umland.

Vermutlich lässt die aktuelle Brut im Raum Kriebstein auf eine Entwicklung schließen, die im Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen zu sehen ist, auf die auch die derzeitige Ausbreitung der Art im sächsischen Elbtal zurückzuführen sein könnte. Nachdem es auch im angrenzenden Landkreis Zwickau aktuell Brutzeitbeobachtungen von der Art gibt, wurde in der vergangenen Woche per Zeitungsaufruf die interessierte Bevölkerung aufmerksam gemacht, nach der Art in Privatgärten etc., die bei Kartierungen bzw. Beobachtungsgängen nur schwer berührt werden können, zu achten. Erstaunlicherweise erbrachte dieser Presseaufruf konkrete Angaben zu mindestens vier seit Mai und bis jetzt besetzten Wiedehopf-Revieren: Zwei im Umland der Großstadt Chemnitz und zwei im Tal der Zwickauer Mulde im Landkreis Zwickau. In fast allen Fällen handelt es sich um ländliche, dörfliche Strukturen. Die Reviere befinden sich meist in der Umgebung von Bauerngehöften mit altem Baumbestand, mit offenen Schuppen, Holz- und Strohlagern, mit Viehhaltung (Schafe, Rinder) und mit Obstgärten. Auch wenn im Moment noch kein weiterer Brutnachweis (mit Jungvögeln) erbracht werden konnte, gelten die seit Wochen bestehenden Vorkommen als Revierpaare. Das stellt in der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung dar, die vielleicht auch im Einklang mit einem seit diesem Jahr wieder leichten Anstieg von Großinsekten zu sehen ist. Zumindest bei der Brut in Mittelsachsen wurde beobachtet, dass die Altvögel viele Insekten, insbesondere Libellen und große Würmer, füttern. Foto: ruf. Wiedehopf jetzt im Juni in Niederlichtenau. Foto: privat.

Unser Aufruf an alle Beobachter in Sachsen außerhalb der bekannten Brutgebiete: Unbedingt auf die Anwesenheit dieser Vogelart, die bei erfolgreicher Brut jetzt im Juni flügge Jungvögel haben müsste, achten. Und das auch in den kommenden Jahren! Meldungen nimmt der Verein Sächsischer Ornithologen e.V. www.vso-web.de und hier Eberhard Flöter e_floeter@web.de gern entgegen. Mehr zur Art als Brutvogel in Deutschland bei Gedeon et. al (2014): “Altas Deutscher Brutvogelarten”, (Seiten 362/363). 

Der Wiedehopf ist bei unseren Reisen in Südeuropa, in Bulgarien und am Kerkinisee, ein häufiger Brutvogel und im Herbst auch regelmäßiger Durchzügler. Gerade im September bei unserer Reise zum Vogelzug am Schwarzen Meer in Bulgarien sollte dieser hübsche Vogel häufig als Durchzügler zu sehen sein.

Hartmut Meyer

Startfoto: Wiedehopf als Durchzügler im Lkr. Zwickau. Foto: Jens Halbauer.

Rosenstare in Deutschland unterwegs – bemerkenswerter Einflug nach Süd- und Norddeutschland im Gange

Rosenstare in Deutschland unterwegs – bemerkenswerter Einflug nach Süd- und Norddeutschland im Gange

Wer jetzt in der Natur unterwegs ist sollte die Starenschwärme genauer anschauen! Insbesondere solche, die in diesen Tagen in Kirschbäume mit reifen Früchten einfallen. Seit einigen Wochen schon werden insbesondere im Süden Deutschlands, in Bayern und Baden-Württemberg, und natürlich auch auf Helgoland die hübschen Rosenstare beobachtet. Die Art kommt hauptsächlich in den mittelasiatischen Steppengebieten vor und brütet dort vagabundierend kolonieartig. Fast jedes Jahr kommt es im südlichen Europa, schon ab Ungarn, zu mehr oder weniger großen Einflügen der Art, die unter günstigen Nahrungsverhältnissen dann auch brüten können. In zentralen Mitteleuropa, hier bei uns in Deutschland, trat die Art bisher eher selten auf. Meist können ab Spätsommer einzelne, schlicht hellbraun gefärbte Jungvögel in Starenschwärmen beobachtet werden. Der aktuelle Einflug von Vögeln im Brutkleid im Mai und Juni ist bemerkenswert, da es sich um Altvögel handelt. Ein Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen ist sehr wahrscheinlich. R. Steffens et al. in „Die Vogelwelt Sachsen“ (1998) verzeichnet aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Einzelnachweise in Sachsen, die aber auch Gefangenschaftsflüchtlinge vermuten lassen.

Die hübschen Vögel scheinen genau zu wissen, wann sie wo sein sollten. In Nordgriechenland, z.B. im Nationalpark Kerkinisee, treffen die Vagabunden ab Mitte Mai ein, und zwar genau dann, wenn die leckeren Maulbeeren reif sind. Im Volksmund werden diese Stare dort auch als „Maulbeerfresser“ bezeichnet. Jedes Jahr am Kerkinisee, wenn Bartmeise-Reisegruppen in der zweiten Maihälfte unterwegs sind, gelingen gute Beobachtungen. Dann werden gezielt die reifen Maulbeerbäune angefahren (die nicht nur für die Stare eine Delikatesse sind), und es dauert nicht lange, dann sind die wirklich sehr attraktiven Vögel zu sehen.

In diesem Jahr, in dem das weltweite Reisen bis in der Herbst hinein eher verhindert sein wird und man sich auf europäische Ziele konzentrieren muss, bieten wir neue Kurzreisen zum Höhepunkt des Vogelzuges am Schwarzen Meer in Bulgarien Ende September und an den Kerkinisee nach Nordgriechenland Ende Oktober an. Europa ist wieder offen, diese Reisen sind problemlos buchbar.

Hartmut Meyer

Titelfoto: Rosenstar im Brutkleid und Trupps von Rosenstaren aktuell am Schwarzen Meer bei Durankulak/Bulgarien. Fotos: Pavel Simeonov.

Die Geschichte vom weißen Rehbock aus dem Hirschgrund – deutschland- und weltweit in der Presse

Die Geschichte vom weißen Rehbock aus dem Hirschgrund – deutschland- und weltweit in der Presse

Bei einer unserer Beringungsaktionen im Rahmen eines Greifvogelmonitoring-Programmes im Landkreis Zwickau in den vergangenen Tagen im Gebiet um die Stadt Hohenstein-Ernstthal war auch

Beringer D. Kronbach (re.) und Helfer O. Günther bei der Beringung junger Rotmilane. Foto: A. Kretschel

unser Freund und Pressefotograf, Andreas Kretschel, mittlerweile ein anerkannter Tierfotograf, dabei. Während im „Hirschgrund“ zwei kräftige junge Rotmilane ihre Vogelwarten-Ringe erhielten (Foto li.: A. Kretschel), kamen Andreas seine Erlebnisse mit einem weißen Rehbock ins Gedächtnis. „Hier, genau hier auf den angrenzenden Feldern, habe ich 2008 den weißen Rehbock fotografiert. Das war der Anfang der Tierfotografie bei mir, und bis heute bin ich dabeigeblieben“, meint Andreas. Er konnte sich gut an die 12 Jahre zurückliegenden Ereignisse erinnern. Von einem Jagdpächter bekam er im Herbst 2007 Kenntnis davon, dass sich hier auf den Feldern ein „Albino-Reh“ aufhalten würde. Nach entsprechender Vorbereitung war es dann im Frühjahr 2008 soweit. „Nächtelang habe ich gewartet, um das Tier vor meine Kamera zu bekommen … und dann, nach einer weiteren kalten Mai-Nacht ohne Schlaf war er da, der weiße Rehbock im blühenden Raps“, schwärmt Andreas. Danach habe ich das Tier, ein Bock, noch mehrfach gesehen, bis in das Jahr 2009 hinein.

Junge Rotmilane im Nest. Foto: M. Liebschner.

Nachdem seine Fotos in der großen sächsischen Tageszeitung „Freie Presse“ und anderen lokalen Medien für Aufsehen sorgten, gingen die Bilder auch deutschlandweit in verschiedene Printmedien ein. Die Aufmerksamkeit war riesig, denn ein komplett weißes Reh (Albino) ist äußerst selten und gute Bilder gibt es fast keine. Die Spitzen der sächsischen Jägerschaft waren der Meinung, dass so ein abnormales Tier nicht in die Natur und abgeschossen gehöre … und so machte der Albino-Rehbock auch kontrovers Schlagzeilen in der Boulevardpresse, was wiederum Pressenagenturen auf den Plan rief. Nachdem eine internationale Agentur den weißen Rehbock aus Westsachsen in ihre Bild-Datenbank aufgenommen hatte, druckten sogar Zeitungen außerhalb Europas die Bilder ab. Nachweislich erschienen diese Fotos von Andreas Kretschel z.B. in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Zeitungen, und erfreuten die Jagd-wütigen Scheichs.

Über das Schicksal des hübschen Tieres, dem die Boulevardpresse den Namen “Schneeweißchen” gab, ist indes nichts bekannt. Der hiesige Jagdpächter hatte versprochen, dem Tier kein Haar zu krümmen. Nach knapp zwei Jahren verschwand das Reh aus dem “Hirschgrund” und wurde nie wieder gesehen. Ob der Bock dennoch als Trophäe in einem Jagdzimmer verstaubt, ob er im Kochtopf verschwand oder aber am Straßenrand sein Leben als Verkehrsopfer verlor, ist unbekannt. Einige Jahre später wurde etwa 60 Kilometer weiter in Mittelsachsen ein weißes Reh gesehen. Zusammenhänge mit dem weißen Rehbock aus dem „Hirschgrund“ erschienen nach so langer Zeit aber eher unwahrscheinlich.

Ungewöhnliche Erlebnisse mit Vögeln und vielen anderen Tieren bieten unsere Bartmeise-Reisen in alle Welt immer. Neu im Programm Ende Oktober ist wieder eine Kurz-Reise in des fantastische Naturparadies Kerkinisee in Nordgriechenland, wo wir bei einer unserer letzten Reisen eine schwimmende Wildkatze beobachten und fotografieren konnten. Und ebenfalls neu im Programm ist eine Reise nach Nordwest-Argentinien zu den Vogel- und Tierwelt von der Puna bis zur Yungas am Ostabfall der gewaltigen Anden. 

Hartmut Meyer

Alle Fotos urheberrechtlich geschützt! Pressefotograf: Andreas Kretschel
Nachwuchs beim “Europäischen Naturwunder” Rotmilan – Afrikanische Naturwunder im September zu erleben

Nachwuchs beim “Europäischen Naturwunder” Rotmilan – Afrikanische Naturwunder im September zu erleben

 

Rotmilan mit Jungvögeln im Nest. Startfoto: Rotmilan-Paar mit Futter am Nest. Fotos: Andreas Kretschel

Jetzt im Juni sind wieder die  Jungvögel erfolgreicher Rotmilan-Bruten in den Nestern zu sehen. Auch wenn diese Greifvogelart z.B. hier in Südwestsachsen zwischen Februar und Herbst ein alltäglicher Anblick ist, so ist der Rotmilan aber ein ganz besonderer Vertreter unserer Greifvogelwelt. Er ist der einzige echte europäische Endemit, kommt also hauptsächlich nur in Zentraleuropa vor mit Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland im Osten, und in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen besonders. Im Rahmen eines Greifvogelmonitorings werden in Teilen Südwestsachsens jedes Jahr die Nester erfasst und zahlreiche Jungvögel beringt und markiert. Noch ist die Art weit verbreitet und kommt teilweise in hohen Siedlungsdichten vor. Ein Alarmsignal dürften aber die sinkenden Nachwuchszahlen sein, die auf Nahrungsmangel in unserer lebensfeindlichen Agrarlandschaft hindeuten. Hoffen wir, dass Schutzprojekte für die Art und ein langsames Umdenken hin zu mehr ökologischer Vielfalt Hilfe auch für diesen Edelstein in unserer Natur, diesen wunderschönen Greifvogel bringt. Autor der hier gezeigten Fotos ist Pressefotograf Andreas Kretschel aus Hohenstein-Ernstthal, dem ich dafür sehr herzlich danke.

Gepard mit Beute in der Masai Mara. Foto: Birgit Beckers.

Naturwunder außerhalb Europas sind bald wieder auf Bartmeise-Reisen zu erleben. So in Kenia z.B. im Maisa Mara-Nationalpark, wo wir uns auf das grandiose Naturwunder Migration Zehntausender Gnus zu neuen Weidegründen freuen dürfen. Im einzigen Tieflandsregenwald von Kenia, im Kagamega-Forst, warten zahlreiche endemische Vogelarten, ebenso wie am Mount Kenia. Zwei der schönsten Seen im Großen Afrikanischen Grabenbruch, der Lake Baringo und der Lake Bogoria stehen auch im Reiseplan. Während der Lake Baringo mit Süßwasser aufwartet, dürften mit etwas Glück über 1 Million Zwergflamingos im Salzwassersee Lake Bogoria zu erwarten sein. Diese Reise beginnt am 10. September. Noch sind Plätze buchbar.

Und ab 19. Oktober steht ein neues Afrika-Abenteuer in den trockenen Norden Kenias zu den Vögeln des Somali-Bioms im Programm. Erkundet wird die Vogelwelt zwischen Samburu- und dem geheimnisvollen Abedare-Nationalpark. Außerdem erinnert diese Reise an die berühmte Löwin “Elsa” aus dem Tierfilm “Frei geborgen – Königin der Wildnis”, der seinerzeit die Menschen in aller Welt emotional berührte. Auch hier sind noch Plätze buchbar (Reiseprogramme zum Download).

Hartmut Meyer

Jungvogelzeit beim “fliegenden Edelstein” – afrikanische Eisvögel im September im Programm

Jungvogelzeit beim “fliegenden Edelstein” – afrikanische Eisvögel im September im Programm

Nachdem der Eisvogel (Alcedo atthias; Common Kingfisher) der „fliegende Edelstein“ Europas, nach

Junge Eisvögel nach dem Ausfliegen am Lungwitzbach/Lkr. Zwickau. Fotos: Andreas Kretschel

einigen milden Wintern in Folge, die kaum Verluste an Altvögeln forderten, hier in Südwestsachsen aktuell recht hohe Siedlungsdichten aufweist, ist es jetzt wieder soweit: In geeigneten Lebensräumen der Art sind in diesen Tagen die Jungvögel ausgeflogen. Entlang der Flussläufe insbesondere der Mulde, der Zschopau, der Chemnitz aber auch an kleineren Bachläufen sowie an Teichen und Stauseen kann die Art beim Füttern der Jungen beobachtet werden. Diese sind nach dem Ausfliegen zwar sofort selbstständig und können selbst jagen, sitzen aber oft noch gemeinsam knapp über dem Wasser im Ufergebüsch oder Wurzeltellern und warten auf Futter. Oft sind die Männchen der hoch territorialen Art damit beschäftigt, den Nachwuchs noch einige Tage bei Laune zu halten, während die Weibchen bereits wieder ein Gelege gezeitigt haben. Einige Tage nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel dann auch gezielt aus den Revieren der Elterntiere vertrieben.

Wer jetzt mit offenen Augen in der Natur unterwegs ist und seine Ohren spitzt, der kann die markanten Bettelrufe der Jungvögel und die hohen „tjiii“-Rufe der Altvögel unverkennbar vernehmen, und mit etwas Geschick auch solche Szenen, wie von Andreas Kretschel (Pressefotograf) festgehalten, entdecken und beobachten.

Während unserer nächsten Reise ins ostafrikanische Kenia im September stehen auch die dortigen Eisvögel, Verwandte unserer europäischen Art, im Programm. In Kenia können bis zu 12 Arten erwartet werden, wobei unsere Reiseroute die Lebensräume von mindestens acht (8) Arten berührt. Noch sind einige Plätze für unsere Reise zu den Naturwundern im Großen Afrikanischen Grabenbruch (10. bis 25.09.2020) risikofrei buchbar.

Hartmut Meyer

Reisebericht Brasilien: Vogelwelt im Pantanal, in der Steppe und im Südamazonas

Reisebericht Brasilien: Vogelwelt im Pantanal, in der Steppe und im Südamazonas

Reisebericht über die Reise ins brasilianische Pantanal nach Mato Grosso vom 10. bis 27. Oktober 2019

Donnerstag/Freitag, 10./11. Oktober: Die lange Reise bis ins Pantanal
Alle Reisegäste treffen sich am 10. Oktober aus München, Basel, Leipzig, Dresden und Hamburg kommend in Frankfurt im Gate zu LH-Flug 599 um 22:55 Uhr nach Sao Paulo. Nach 11 Stunden und 15 Minuten Flugzeit trifft der Lufthansa-Jumbo fast pünktlich gegen 5:30 Uhr (11.10.) in der südamerikanischen Metropole Sao Paulo ein. Wie immer ist das Umsteigen hier mit langen Wegen verbunden, sodass die Zeit bis zum Weiterflug nach Cuiabá, dem Tor zum Pantanal, wie im Fluge vergeht. Es bleibt noch Zeit für einen Kaffee, dann beginnt GOL das Boarding. Wieder pünktlich um 10:00 Uhr startet die Maschine zum 2-Stunden-Flug in die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso, wo wir gegen 11:00 Uhr Ortszeit (- 1h Differenz zu Sao Paulo) eintreffen; ohne Verluste an Menschen und Material (Gepäck!) konnten die rund 14 Stunden Gesamtflugzeit mit zweimal Umstiegen ab Deutschland bewältigt werden. Adrian, unser Birdguide und Bartmeise-Geschäftspartner für Südamerika, steht bereit, und zügig wird unser Mercedes-Sprinter beladen. Im gegenüberliegenden Einkaufszentrum wechseln die Reisegäste günstig Euro in Brasilianische Real, und dann wartet auch schon das Mittagessen in einer typischen brasilianischen Churrasceria (Foto: H. Meyer). Ein riesiges Buffet hält auch Salate, vegetarische Speisen und selbst Sushi in reicher Auswahl bereit. Und am Tisch muss der Gast mittels grüner oder roter Karte signalisieren, ob er noch mehr von den köstlichen Fleischspießen, die permanent gereicht werden und zwischen Rind, Schwein, Lamm, Wild, Huhn usw. wechseln, verzehren möchte …

Nach dieser Stärkung starten wir die Fahrt zu unserer ersten Lodge, die ungefähr 100 Kilometer entfernt liegt. Nach der Durchfahrt durch die letzte Kleinstadt werden die Straßen enger, die Gegend mehr und mehr ländlicher. Dann erreichen wir das „Tor zum Pantanal“ (Foto li.: H. Meyer), hier stoppen wir kurz für ein Foto, und dann endet auch schon die ausgebaute Straße und die berühmte „Transpanteneira“, die am Cuiabá-River endet, beginnt. An der Zufahrt zur Lodge begegnen uns die ersten Vogelarten des Pantanals. Erstaunt schauen wir einer Rotfuß-Serima (Red-legged Serima) beim Sandbad zu, denn die hätten wir hier nun nicht als erste Art erwartet! Aber der Oktober markiert den Höhepunkt der Trockenzeit im größten Feuchtgebiet der Erde, und daher fühlt sich dieser Steppenvogel in den endlosen Weideflächen offenbar sehr wohl. Hellbraune Chacalote (Gray-crested Chacalote), eine zu den Töpfervogelarten gehörende wichtige Spezies, lärmt in den trockenen Bäumen. Der erste Endemit, der Rotbrustguan (Chenstnut-bellied Guan, Foto li.: A. Eisen Rupp) fliegt uns über den Weg und lässt sich gut beobachten. Wir erreichen gegen 17.00 Uhr unsere Lodge, wo wir für die ersten beiden Nächte diese Rundreise einchecken. Das Wetter hat mit um die 35°C „Backofen-Charakter“, ist aber trocken und ruhig und daher auszuhalten. Vor der Rezeption in der Lodge begrüßen uns Horden von Wasserschweinen, die typischen Säuger, und beobachten, wie wir unsere Bungalows beziehen …

Sonnabend, 12. Oktober: Tag- und Nacht-Safari (mit Jaguar) und Vogelwelt am Bento-Gomes-Fluss
Kurz nach 5.00 Uhr morgens bricht hier der Tag mit dem Gesang der Rotbauchdrossel (Roufus-bellied Thrush) an, und unser erster Tag beginnt ebenfalls schon 30 Minuten später mit Vogelbeobachtung in der Umgebung der Lodge (Foto: H. Meyer) Wir laufen bis zum Waldrand und suchen eine seltene Spechtart, die hier ihre nördlichste Verbreitung in Brasilien hat. Und wir haben auch Glück und können ein Paar vom Kaktusspecht (White-fronted Woodpecker) gut beobachten. Der ebenfalls nicht häufige Virginiauhu (Great Horned Owl) hat in einem Greifvogelnest erfolgreich zwei Jungvögel großgezogen, die sich, eben flügge, zusammen mit einem Altvogel zeigen. Riesen-, Seiden- und Chopistärlinge (Giant-, Shiny Cowbird & Chopi Blackbird) bevölkern die Futterplätze der südamerikanischen Rinder in den Weideflächen.

Gegen 8:00 Uhr nach dem Frühstück setzten wir unseren Beobachtungstag fort und starten hinein in den lichten Wald, der sich nach den Weideflächen in Richtung Fluss anschließt. Hier können wir weitere Vogelarten wie Chacoguan (Chaco Chachalaca), Picuitäubchen (Picui Dove), Goldsaphirkolibri (Gilded Hummingbird), Rötelkuckuck (Little Cuckoo) und den Brasilzwergkauz (Ferruginous Pygmy-owl) beobachten. Große Freude bricht bei allen Beobachtern aus, als direkt über unserem Weg in einem Baum sitzend der Riesentagschläfer (Great Patoo, Foto.: J. Hottinger) entdeckt wird, der sich auch bestens fotografieren lässt. Diese mehr als Schleiereulen große, ungewöhnliche Vogelart ist zwar weit verbreitet, aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise aber meist nur schwer zu finden. Die Mittagspause genießen einige Gäste schlafend in den Hängematten vor den Zimmern oder im Pool, der bei diesen hohen Temperaturen einfach einlädt.

Nach der Mittagspause birden wir in Richtung Bento-Gomes-Fluss (Bahia Puival), der in der Nähe der Lodge eine ca. sieben Kilometer lange See-artige Verbreiterung aufweist. Viele typische Wasservogelarten des Pantanal wie Rosalöffler (Roseate Spoonbill), verschiedene Reiher- und Ibisarten, Waldstorch (Wood Stork) und Jabiru, Witwen– und Rotschnabel-Pfeifgans (White-faced- & Black-bellied Wisthling-duck), Großschnabelseeschwalbe (Large-billed Tern) usw. lassen sich beobachten. Der Fischbussard (Black-collared Hawk) ist hier eine häufige Art. Über die Beobachtung des seltenen Halsbandaras (Yellow-collared Macaw) freuen wir uns sehr. An Säugetieren sehen wir Nasenbär, Schwarzgesichts-Krallenäffchen ebenso wie Brüll- und Kapuzineraffen.

Einen zauberhaften Sonnenuntergang (Foto: H. Meyer) genießen wir heute schließlich von einem Beobachtungsturm aus auf einer über einen langen Holzsteg erreichbaren Insel. Wie eine Zauberwelt erscheint der Blick über diese einzigartige Landschaft und ihre Vogelwelt, die in den Uferbäumen Schlafplätze bezogen hat, zum Ausklang eines erlebnisreichen Tages. Nach dem Abendessen stehen aber noch eine Nachtexkursion auf Nachtschwalben und Eulen sowie nächtliches Tierleben im Programm. Mit einem offenen Safarifahrzeug gehen wir auf Entdeckungstour in die Dunkelheit. Im Scheinwerferlicht zeigt sich erneut der Riesentagschläfer, der jetzt in der Dunkelheit doch etwas aktiver ist und sich davon macht. Ein hübscher Zebrakauz (Black-banded Owl) lässt sich gut beobachten, und wir treffen auch auf zwei Nachtschwalbenarten: Pauraquen- und Zwergnachtschwalbe (Pauraque & Little Nightjar). Die Fleckschwanz-Nachtschwalbe (Spot-tailed Nightjar) können wir leider nur hören.
Auf der Rückfahrt sehen wir dann einen Krabbenfuchs am Bau mit zwei Jungen. Und, kaum zu glauben, aber auf dem Weg im Licht des Autoscheinwerfers erkennen wir einen Jaguar. Die Großkatze hat keine Eile, lässt uns zweimal näher herankommen, bevor sie gemächlich im Unterholz verschwindet. Was für ein toller Abschluss!

Sonntag, 13. Oktober: Erste Hyazintharas und Vogelwelt entlang der Transpantaneira
Vor dem Frühstück um 5.30 Uhr besteigen wir erneut ein Safarifahrzeug und begeben uns in eine andere Richtung als gestern auf Vogelsafari. Der große Ameisenbär, der hier vorkommt, zeigt sich uns heute Morgen leider nicht. Nur unser Fahrer hat wohl einen in einem Wäldchen verschwinden gesehen. Zahlreiche neue Vogelarten wie Rotkehlguan (Red-throated Piping-guan), Grauschwanzsegler (Sick’s Swift), der attraktive Blauscheiteltrogon (Blue-crowned Trogon) und Amazonasmotmot (Amazonian Motmot) kommen in unsere Liste. Unser Birdguide Adrian hört noch den seltenen Graukopf-Attilatyrann (Rufous-tailed Attila), ein Zugvogel aus Argentinien, der hier aber noch nie festgestellt wurde. Das Frühstücksbuffet wartet, und anschließend auf uns der Höhepunkt des Vormittags: drei Hyazintharas (Hyazinth Macaw, Foto ob. J. Hottinger) zeigen sich in voller Pracht! Bis Mittag sind wir nochmals mit einem Safari-Fahrzeug in den Trockengebieten unterwegs und sehen u.a.  Savannenpieper (Yellowish Pitpit), Maskenmückenfänger (Masked Gnatcatcher), Weißbindenbekarde (White-winged Becard), Schwarzschnabeltytira (Black-crowned Tityra), Rotbrauner Bündelnister (Greater Thornbird) und die hier heimischen Nandus (Greater Rhea).

Nach dem Mittagessen checken wir aus und begeben uns auf die 130 Kilometer lange Fahrt entlang der berühmten „Transpantaneira“ bis zum Cuiabá-Fluss. Unterwegs an der Straße, die immer schmaler wird und nur noch eine Sandpiste ist, über viele Holzbrücken, die immer abenteuerlicher werden, halten wir öfters an, um Vögel zu beobachten. Insbesondere an den Wasserlöchern tummelt sich das Vogelleben zwischen den häufigen Brillenkaimanen und es macht Spaß, neben den typischen „großen“ Wasservogelarten des Pantanals auch interessante „kleine“ Arten wie Zimtkehl-Schattenkolibri (Cinnamon-throated Hermit), Goldbauch-Smaragdkolibri und Glitzerkehlamazilie (Glittering-bellied- & Glittering-throated Emerald) sowie Braunohrarassari (Chesnut-eared Aracari), Blaßschopfspecht (Pale-crested Woodpecker), Fleckenbrust- (Large-billed Antwren) und den seltenen Mato Grosso-Ameisenfänger (Mato Grosso Antbird, Foto re.: A. Eisen Rupp) zu entdecken. Starkschnabel-Maskentyrann (Boat-billed Flycatcher), Weißkehl-Königstyrann (White-throated Kingbird) und Braunschopftyrann (Brown-crested Flycatcher) können wir auf dieser Reise nur hier entlang der Transpantaneira sehen.

Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir die Anlegestelle am Cuiabá-Fluss, wo bereits zwei Schnellboote auf uns warten. Das Umladen von Menschen und Material erfolgt rasch, und dann weht uns der Fahrtwind flussabwärts um die Ohren. Wenige Minuten später sehen wir am Ufer eine schicke Yacht (Foto li. H. Meyer) liegen, und an der legen wir an. Das ist unser schwimmendes Hotel – nur für uns – für die nächsten beiden Nächte! Wir gehen an Bord, checken in die komfortablen Kabinen ein, und danach genießen wir ein wunderbares Abendbuffett. Die Vogelliste schließt auch diesen Tag ab. Allerdings steht auf dem Oberdeck ein Whirlpool bereit, in dem man den langen Tag mit störungsfreiem Blick ohne Lichtverschmutzung in den südlichen Sternenhimmel ausklingen lassen konnte …

Montag, 14. Oktober: Bei Jaguar, Riesenotter und Hyazinthara am Cuiabá-Fluss
Heute erwarten uns spannende Abenteuer auf dem Fluss. Nicht nur Vögel, sondern auch die „Königin der Big Five“ Südamerikas, den Jaguar (Fotos: J. Hottinger) wollen wir unbedingt beobachten. Nach einem zeitigen Frühstück besteigen wir gegen 6.00 Uhr die Schnellboote, und es geht flussabwärts. Die Guides hier sind alle gut vernetzt und die meisten sind zudem Mitarbeiter im Schutzprojekt für die bedrohten Großkatzen im Pantanal. Daher dauert es nicht lange, bis wir die erste Großkatze am Flussufer beobachten können. Was für ein majestätisches Tier! In den nächsten zwei Stunden erleben wir an insgesamt fünf verschiedenen Plätzen mindestens vier verschiedene Jaguare, die – ähnlich wie die Großkatzen in den afrikanischen Nationalparks – keinerlei Scheu vor den Menschen in den Booten zeigen, weil diese keine Gefahr für sie bedeuten. Zum Höhepunkt unserer Exkursion wird aber ein Jaguar, der direkt vor unserem Boot den Fluss schwimmend durchquert. Ein unvergessliches Erlebnis!
Auch der Riesenotter (Foto unten: W. Kappes) lebt hier im Fluss. Wir können im Laufe des Tages zwei verschiedene Familien mit bis zu neun Exemplaren beobachten. Diese großen Wassermarder an ihren Bauen im Uferbereich beobachten, sie bei der Jagd auf Fische begleiten und ihnen dann auch noch beim Fressen und Spielen zuschauen zu können, stellt einen weiteren Höhepunkt für jeden Naturfreund hier am Cuiabá-Fluss dar.

Nach der Mittagssiesta sind wir nochmals auf dem Urwaldfluss unterwegs. Wir finden in einem alten Baum in drei Meter Höhe die besetzte Nisthöhle eines Hyazinthara-Paares und können beide Altvögel aus nächster Nähe bestens beobachten. In Mangobäumen mit reifen Früchten lärmen Hunderte von Gelbflügel-, Pavua– und Möchssittichen (Yellow-chevroned-, White-eyed- & Monk Parakeet), die die reifen Früchte plündern, wie bei uns zu Hause die Stare die Kirschen. Auf der Rückfahrt in der Dämmerung sind über dem Wasser wieder zahlreiche Bindenschwanz-Nachtschwalben (Band-tailed Nighthawk) auf Insektenfang, darunter stellen wir auch eine eher seltene Weißbauch-Nachtschwalbe (Nacunda Nighthawk) fest. Das leckere Abendbuffet (Foto: H. Meyer) auf der Yacht beschließt heute einen unvergesslichen Tag. Die Vogelartenliste für die ersten beiden vollen Tage weist bereits rund 210 Arten aus.

Dienstag, 15. Oktober: Abschied vom Cuiabá- und Weiterreise zum Rio Claro-Fluss
Das letzte Frühstück auf dem Schiff wartet ebenfalls bereits wieder ab 5.30 Uhr, denn um 6.00 Uhr sollen uns unsere Schnellboote zum Anleger an Land bringen. Den heutigen Vormittag wollen wir landseits zu Fuß am Flussufer verbringen und im Grasland nach einigen speziellen Vogelarten suchen. Wir sehen u.a. Graubrust-Dickichtschlüpfer (Cinereous-braested Spinetal), Streifenkehl-Todityrann (Stripe-necked Tody-tyrant) und Schwarzkappentangare (Hooded Tanger). Schon heißt es wieder Sachen einpacken und die Koffer vor die Kabinentür stellen. Alle Gäste haben sich hier sehr wohlgefühlt und wären auch noch länger geblieben… Das Mittagessen beschließt jedoch unseren Aufenthalt auf dem Cuiabá-Fluss, der die Grenze vom nördlichen (klassischen) Pantanal zum südlichen markiert, und der uns unvergessliche Erlebnisse gebracht hat.

Auf dem Rückweg zur weiter nördlich an der Transpantanereia gelegenen nächsten Lodge sind noch einige Beobachtungsstopps eingeplant. Wir halten hier Ausschau nach Arten, die wir vorgestern nicht gesehen haben, und bekommen u.a. Campostäubchen (Long-tailed Ground-dove), Zimtrücken-Ameisenfänger (Rusty-backed Antwren), Hellkehl-Baumsteiger (Lafresnaye’s Woodcreeper) und Weißkopf-Wassertyrann (White-headed Marsh-tyrant, Foto: A. Eisen Rupp) zu Gesicht, um nur die nicht so alltäglichen Arten zu benennen. Kurz vor der Dunkelheit treffen wir am Rio Claro-, einem „kleinen Bruder“ vom Cuiabá-Fluss ein, und beziehen die Zimmer. Vogelliste und Abendbuffett beschließen den langen und heißen Tag im Pantanal.

Mittwoch, 16. Oktober: Nandaysittich und Zweifarbfischer am Rio Claro
Gleich nach dem Frühstück haben wir eine Bootstour auf dem Rio Claro im Programm. Der Rio Claro hat einen völlig anderen Charakter als der gewaltige Cuiabá-Fluss. Viel schmaler, langsamer fließend und daher mit Teppichen von Wasserpflanzen übersät, die mit den hier auch deutlich kleineren Booten zu durchfahren zeitweise sehr schwierig ist. Dieser Fluss weist auch eine andere Avifauna auf. Zielarten hier sind der äußerst seltene Speerreiher (Agami Heron) und auch der seltenste Eisvogel des Panantals, der Zweifarbenfischer (Green-and-rufous-Kingfisher, Foto: J. Hottinger), die wir auf unserer Reise nur hier erwarten können. Mit Ersterem haben wir heute leider, leider kein Glück. Vermutlich sind wir für den Reiher doch zu spät unterwegs. Den hübschen Zweifarbenfischer finden wir aber in einem sehr abgelegenen Altarm des Flusses, versteckt im Ufergebüsch. Damit haben wir nun alle fünf Eisvogelarten Brasiliens beobachten können. Recht häufig hier in der Ufervegetation ist die hübsche Zwergbinsenralle (Sungrebe, Foto li.: A. Eisen Rupp) mit ihrer aparten Fußfärbung, die uns immer wieder begegnet. Den attraktiven Halsbandara (Yellow-collared Macaw) sehen wir hier zum zweiten und zugleich letzten Mal auf dieser Reise.

Nach Rückkehr zur Lodge schauen wir uns noch die Nandaysittiche (Nanday Parakeet, Foto li.: A. Eisen Rupp) an, die hier in den reifen Früchten bzw. auch am Obst an den Fütterungen lärmen. Diese Art, die mit ihrem kleinen Verbreitungsgebiet das Pantanal nur hier am Rio Claro berührt, können wir auf unserer Reise ebenfalls nirgendwo anders erwarten. Nach dem Mittagessen reisen wir endgültig aus dem Pantantal ab. Es war eine absolut aufregende Zeit im größten Feuchtgebiet der Erde, zum Höhepunkt der Trockenzeit. Jetzt wartet der nächste Groß-Lebensraum, die Cerrado (Steppe) mit dem Nationalpark Chapada dos Guimaraes auf uns. Dafür müssen wir zurück über Cuiabá und dann nochmals ca. 65 Kilometer auf gut ausgebauter Straße zurücklegen. Auch wieder im letzten Tageslicht erreichen wir die Tepui-artige Hochsteppe auf 700 Meter Höhe und beziehen unser Hotel. Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das Restaurant im angeschlossenen Mini-Vergnügungspark nicht so, wie wir erwartet hatten. Die Wartezeit überbrücken wir mit der Vogelliste, in der wir 230 Vogelarten aus dem Pantanal eingetragen haben.

Donnerstag, 17. Oktober: Unterwegs in der Chapada dos Guimaraes
Nachts und morgens, die Fahlbrustdrossel (Pale-breasted Thrush) weckt uns mit ihrem schönen Gesang, ist es hier auf über 700 mNN deutlich kühler als im Pantanal, sogar etwas neblig. Tags erreichen die Temperaturen dann angenehme 26°C. Heute sind wir ganztags in steppenartigem Gelände des Nationalparks Chapada dos Guimareas (Foto: H. Meyer) unterwegs, nur durch die Mittagspause unterbrochen. Viele neue Arten aus diesem Lebensraum, darunter zahlreiche seltene, near-endemic und endemische Arten können wir entdecken, wie u.a. Amethystohrkolibri (White-vented Violet-ear), Fleckmantel-Faulvogel (Spot-backed Puffbird), Olivgrauer Würgerling (Plain Antvireo), Schwalbentyrann (Cliff Flycatcher), Gelbbauch- und Braunscheitel-Olivtyrann (Yellow-bellied- & Plain-crested Elenia) und Swainsonschopftyrann (Swainson’s Flycatcher). Bei den Endemiten freuen wir uns über die Sichtung vom Kurzschopf-Dunkeltyrann (Velvet Black-tyrant). Wegen Lebensraumschwund hochgradig vom Aussterben bedroht ist der Weißwangen-Zwergkardinal (Coalcrest), den wir ebenso gut beobachten können. Zu den weiteren Höhepunkten in der Vogelwelt, die wir nirgendwo anders sehen können, zählen u.a. Schwarzhalssaltator (Black-throated Saltator), Gimpel-, Para-, Guira- und Flügelbindentangare (Cinnamon., Stripe-bellied-, Guira- & White-banded Tananger) sowie Zitronengilbammer (Stripe-tailed Yellow-finch).

Bei den Greifvögeln überraschen uns am Morgen zwei Aplomadofalken (Aplomdo Falcon), später sehen wir Königsgeier (King Vulture, Foto: A Eisen Rupp) und Weißschwanzbussard (White-tailed Hawk). Vormittags ziehen Hunderte Mississipiweihen (Mississipi Kite) aus Nordamerika kommend in ihre argentinischen Winterquartiere. Zum Abendessen müssen wir nochmals in die Stadt fahren, da das Restaurant unseres Hotels plötzlich geschlossen hat. Trotz der schönen, modernen Zimmer werden wir nächstes Jahr diese Unterkunft nicht wieder auswählen.

Freitag, 18. Oktober: Am (neuen) Rio Claro-Fluss warten die „Garden of the Amazons“
Bereits um 5.30 Uhr ist das volle Frühstücksbuffet bereit, sodass wir 6.30 Uhr abreisen können. Bevor wir uns auf die ca. 330 Kilometer lange Strecke bis zu einem anderen Rio Claro-Fluss aufmachen, stoppen wir nochmals in der Cerrado, um noch zwei wichtige, endemische bzw. near-endemic Vogelarten der Chapada, die gestern einfach nicht auffindbar waren, zu sehen. Und es gelingt! Nördlicher Rotschwingen-Ameisenfänger (Northern Rufous-wingend Antwren) und Chapadatyrann (Chapada Flycatcher), ebenfalls durch Lebensraumschwund stark bedroht, sind heute gut zu sehen!

Die ersten 200 Kilometer fahren wird durch endlose, menschenleere Agrarsteppen mit riesigen Schlägen, geprägt von Monokulturen aus Soja und Baumwolle. Nur den Nandus scheint das zu gefallen. Dann endlich wechselt die Szenerie: Wälder und Weideflächen wechseln sich wieder ab, erste kleine Ortschaften eingestreut, dann immer mehr Wald, Regenwald wieder. Wir kommen gut voran und erreichen bereits gegen 15.00 Uhr, drei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit, unsere nächste Lodge am Rio Claro-Fluss, der mit dem Rio Claro im Pantanal aber nicht in Verbindung steht. Die Namensgleichheit ist eher ein Zufall. Schnell ist das Gepäck in die Zimmer transportiert, und dann schauen wir uns – auch wenn ein Tropengewitter im Anmarsch ist und zeitweise leichter Regen fällt – noch in den wunderbaren Gärten der Lodge, genannt „Garden oft the Amazons“ um. Wir entdecken noch einige interessante Vogelarten wie den seltenen Goldwangenpapagei (Orange-cheeked Parrot) und eine etwas andere, im Wasser an einen trockenen Baum befindliche Brutkolonie der ansonsten häufigen Trinidad Gelbbürzelkassike (Yellow-rumped Casique). Besonders jedoch einige Individuen beiderlei Geschlechts von der Nackthalskotinga (Bar-necked Fruitcrow, Foto li.: a. Eisen Rupp) erregen unsere Aufmerksamkeit.

Zum Abendessen überraschen wir zwei unserer Reiseteilnehmer, die heute ihren Geburtstag begehen. Für jedes Geburtstagskind steht eine Schwarzwälder-Kirschtorte bereit, und das in Südbrasilien! Lustigerweise kommen die Gäste tatsächlich auch aus Süddeutschland bzw. direkt aus dem Schwabenland. Das sorgt für zusätzliches Hallo. Und einen letzten Hingucker am heutigen Tag, bevor die Müdigkeit in die Betten zwingt, zieht ein Flachlandtapir auf sich. Im Schein der etwas schiefen Straßenlaternen am Weg sucht er im Garten der Lodge nach süßem Fallobst.

Sonnabend, 19. Oktober: Auf der Suche nach der seltenen Witwentangare
Fast ein Jahrhundert lang galt die Witwentangare (Conebill Tanager) als ausgestorben bzw. verschollen. Erst vor wenigen Jahren wurde die Art wiederentdeckt. Nur drei winzige Vorkommensgebiete sind bisher bekannt. Ein Gebiet, das sicherste und stabilste Vorkommen, befindet sich hier am Rio Claro. Nach einem sehr zeitigen Frühstück um 5.15 Uhr besteigen wir zwei Schnellboote und fahren ca. eine Stunde flussaufwärts, um nach der seltenen Art zu suchen. Für Uneingeweihte unsichtbar gibt es im Ufer einen winzigen Durchlass, kaum so breit wie ein Boot, durch den wir uns hindurchzwängen. Dahinter finden wir eine kleine, abgeschiedene Lagune mit Mangrovenbewuchs. Wie ein geheimer Märchenwald! Und es dauert nicht lange, da können wir die Witwentangare hören und gut sehen. Mindestens zwei Männchen und ein Weibchen sind aktiv, ein Männchen singt nur 10 Meter von uns entfernt ausdauernd auf der Spitze einer Mangrove. Wir genießen unsere Beobachtungen eine Weile, denn immerhin gehört die Art zu den seltensten Vögeln der Welt! Eine Begegnung, die nun wirklich nicht alltäglich möglich ist. Mit tollen Eindrücken und gut gefüllten Speicherkarten treten wir den Rückweg an. Nebenher entdecken wir weitere interessante und nicht alltäglich Arten wie Fleckenfaulvogel (Spotted Puffbird) und den ungewöhnlichen, recht großen Palmsteiger (Palmcreeper), der insbesondere in sumpfigen Palmenhainen lebt. Ein Trupp von ca. 30 Individuen der endemischen Rio-Madeira-Sittiche (Madeira Parakeet) fliegt lärmend vorbei. Aus dem angrenzenden Regenwald ertönt die „Stimme des Urwaldes“, wie die markanten Pfiffe der Tiefland-Graupiha (Screming Piha: Stimme hier: https://www.facebook.com/Bartmeise/videos/pcb.2592375817756930/2592375181090327/?type=3&theater), in jeden im Urwald spielenden Filmklassiker hineinkopiert, genannt werden. Auf der Rückfahrt legen wir nochmals am Ufer an und laufen einige Meter in den Wald hinein. Hier finden wir eine Art, einen Vertreter der hübschen Pipras (Tanzvögel), die bisher etwas zu kurz gekommen sind: die Schwarzkopfpipra (Flame-crested Manakin).

Die Hitze des Mittags (33°C) verbringen wir in den klimatisierten Kajüten auf der Yacht. Nach einem leckeren Kaffee geht es gegen 15.30 Uhr nochmal mit den Booten auf den Fluss. Wieder lassen wir uns den kühlen Fahrtwind bei 50-60 km/h um die Ohren wehen (Foto: H. Meyer), bis wir an einer Sandbank stoppen. Zwei Große Gelbkopfgeier (Greater Yellow-headed Vulture) fressen an einem kleinen Kadaver. Die Uferbäume werden immer gewaltiger, und nach ca. 1h Fahrt erreichen wir einen bestimmten Platz und machen am Ufer fest. Wir bleiben im Boot. Hier halten wir Ausschau nach einem mittlerweile selten gewordenen Vogel, der nur noch im Primärwald, in den ältesten und höchsten Bäumen, zu finden ist: Der Kurzlappen-Schirmvogel (Amazonian Umbrellabird). Unser Bootsführer ahmt den eigenartigen Ruf des Vogels nach. Nach kurzer Zeit kommt eine Antwort vom anderen Flussufer zurück. Aber, heute sehen wir die Art leider nicht. Was einige Tage später passieren wird, können wir heute allerdings nicht ahnen … Kurz vor Einbruch der Dunkelheit suchen wir ein Feuchtgebiet in der Nähe der Lodge auf, das dauerhaft einen Palmenhain überschwemmt hat. In den zahlreichen Höhlen der abgestorbenen Palmen-Stümpfe findet sich ein Papageien-Schlafplatz. Die bunte Schaar ist bereits paarweise eingetroffen, darunter viele Gelbbrust- (Foto: A. Eisen Rupp) und Rotbaucharas (Blue-and-yellow- & Red-bellied Macaw). Wir genießen die tolle Szenerie bis zum Einbruch der Dunkelheit. Zum Abendessen im Garten der Lodge ist auch der Flachlandtapir wieder auf der Suche nach Obst.

Sonntag, 20. Oktober: Der Tag der Waldvögel in den „Garden of the Amazons“
Heute sind wir, wie üblich unterbrochen durch die Mahlzeiten und der Mittagspause, in den Regenwaldgebieten um unsere Lodge unterwegs. Insbesondere die Vielfalt bei den Ameisenvögeln ist beeindruckend, zumal hier beiderseits des Rio Claro andere endemische Arten leben. Unglaublich, was die Natur hervorgebracht hat! Über den endemischen Natterer’s Tropfenameisenwürger (Natterer’s Slaty Antshrike) freuen wir uns besonders, können aber u.a. auch Tropfenflügel-Ameisenfänger (Dot-winged Antwren), Perlschulter-Ameisenwürger (White-shouldered Antshrike), Südlicher Rotschwanz-Ameisenvogel (Southern Chestnut-tailed Antbird) und Rondoniaameisenschnäpper (Rondonia Antwarbler) sehen. Viele weitere, teilweise ungewöhnliche Arten wie Amazonas-Schwarzbrustspecht (Amazonian Black-breasted Woodpecker), Rosensternbekarde (Pink-throated Becard), Helm-Schuppenkopftyrann (Helmeted Pygmy-tyrant), Streifenbrust-Todytyrann (Flammulated Bomboo-tyrant), Hauxwelldrossel (Hauxwell’s Thrush) und die attraktive Siebenfarbentangare (Paradise Tanager, Foto re: A. Eisen Rupp) finden wir auf unserer Reise überhaupt nur hier im Gebiet. Darunter auch die Endemiten Weißbürzelpipra (Snow-capped Manakin) und den eigenwillig aussehenden Zahnschnabel-Zaunkönig (Tooth-billed Wren), optisch eine Mischung aus “Zaunkönig und Baumläufer“.

Wer mochte, der konnte heute am späten Nachmittag die letzten beiden Stunden Tageslicht „Freizeit“ nehmen. Die kühle Quelle, die hier in einer schattigen Ecke im Garten der Lodge entspringt und einen Naturpool bildet, lud zur Abkühlung ein (Foto: H. Meyer). Andere Gäste wiederum suchten im Obstgarten nach frischen Früchten. Gerade sind die Cashew-Nüsse reif. Eine Köstlichkeit, und völlig unbekannt in Europa! Der süß-säuerliche Saft der Pflaumen großen Fruchtkörper ist dreimal verlockender als die eine Nuss selber, die sich daran bildet. Kein Wunder, das auch der Tapir jeden Abend nach wohl genau diesen Früchten suchte. Nach dem Abendessen bearbeiten wir unsere Vogelliste, in die wir einschließlich heute 350 Arten eingetragen haben. Das abendliche Tropengewitter begleitet uns durch die Nacht …

Montag, 21. Oktober: Bunte Papageien im Südamazonas
Ein letztes zeitiges Frühstück um 5.00 Uhr, denn um 6.00 Uhr wollen wir uns bereits auf die Rückfahrt nach Cuiabá zum Flughafen aufmachen. Mit Pausen brauchen wir rund fünf Stunden bis dorthin. Am Flughafen verabschieden wir uns von unserem Fahrer, denn es geht nun per Inlandsflug weiter in den Südamazonas. Die Wartezeit im Flughafen überbrücken wir mit einer weiteren Köstlichkeit Brasiliens, die in Europa noch völlig unbekannt ist: Eis aus der Acai-Nuss (Foto re:: H. Meyer)! Eine Palmnuss, die nur hier im Amazonas vorkommt, gemahlen und zu Eiscreme verarbeitet. Nicht übertrieben süss, aber super-lecker!! Gegen Mittag fliegt uns dann Azul Air in den Südamazonas. Wir erreichen nach einer Stunde Flug über den endlosen, aber hier auch nicht mehr unberührten Regenwald die Kleinstadt. Schon im Flughafengebäude wird die bemerkenswerte Vogelwelt der Region auf großen Postern dargestellt und beworben. Hierher ‚verirren‘ sich wohl wirklich nur Naturtouristen, insbesondere Vogelkundler.

Die nächsten vier Nächte verbringen wir in einer schicken Öko-Lodge, die von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Fernao und Vivien haben vor einigen Jahren einen alten Bauernhof, eine frühere Rinderfarm mit riesigen Weide- und Waldflächen, aufgekauft, nach ökologischen Gesichtspunkten umgestaltet und bieten insbesondere Vogelbeachtungstouren an. Unser Birdguide und Biologe Adrian hat vor Jahren für die Betreiber der Lodge die Vogelwelt kartiert und ein biologisches Gutachten erstellt. Und seit dieser Zeit verbindet sie eine Freundschaft und gute Zusammenarbeit. Ab hier werden wir nur noch mit großen geländegängigen Landrovern unterwegs sein, mit denen uns Fernao und sein Team schon am Flughafen abholen. Rasch erreichen wir die Lodge, die wir ganz für uns allein haben, und beziehen die geschmackvoll hergerichteten Zimmer im alten Rinderstall. Dann wartet das Mittagessen.

Den späten Nachmittag nutzen wir, um uns im Grenzgebiet zwischen Farmland und Regenwald das bunte Papageienleben anzuschauen. Hier kann man vier Papageien- und drei Ara-Arten am gleichen Platz erleben. Ein farbenprächtiges Schauspiel, wenn Scharlach-, Rotbauch– (Foto: A. Eisen Rupp) und Rotbugara (Scarlet-, Chestnut-fronted- & Red-bellied Macaw) sowie Gelbscheitel-, Müller-, Venezuelaamazone (Yellow-crowned-, Southern Mealy- & Orange-winged Amazon) und Schwarzohrpapageien (Blue-heade Parrot) in den gleichen Bäumen lärmen. Auch ein hübscher Grünmanteltrogon (Amazonian Green-backed Trogon) begrüßt uns hier. Nach dem Abendessen sitzen wir noch eine Weile zusammen, schauen uns Bücher über den Amazonas und seine Vogel- und Tierwelt, Schmetterlinge und Pflanzen an und genießen ein typisch brasilianisches Getränk, einen Caipirinha. Dann ist die nötige Bettschwere erreicht …

Dienstag-Donnerstag, 22.-24. Oktober: Vogelfestival im Südamazonas mit Harpyie am Brutplatz
In diesen fast vier Tagen genießen wir hier die unglaubliche Artenvielfalt des Südamazonas. Unmöglich, alle Begebenheiten näher zu beschreiben. Aber zwei, drei prägende Erlebnisse insbesondere mit der Vogelwelt sollen ausführlich Erwähnung finden. Am 22.10. steht unser erster Höhepunkt auf der Tagesordnung. Eine bekannte regionale Vogelschutzorganisation, die sich um die bedrohte Harpyie kümmert, den Schutz und sogar den Aufkauf ihrer Brutgebiete im Bundesland Mato Grosso veranlasst, hatte in der Vorbereitungsphase zur Reise angeboten, einen besetzten Brutplatz des größten Adlers der Welt besuchen zu können. Gern haben wir dieses Angebot angenommen! Bereits um 3.30 Uhr mussten wir uns auf den Weg machen, denn die Dimensionen im Amazonas sind einfach unfassbar riesig. Dieser nächste Brutplatz, angeblich recht nah, lag jedoch rund 200 Kilometer entfernt, was im Amazonas eben „gleich um die Ecke“ bedeutet. Gegen 6.00 Uhr treffen wir an einer einsamen Straßenkreuzung auf einen Bike-Fahrer, der auf uns wartet. Das ist unser Verbindungsmann vom Verein, der uns zum Brutplatz führen wird. Nochmals geht es eine Dreiviertelstunde auf abenteuerlichen Wegen durch Farmland, bis wir am Waldrand eintreffen. Jetzt noch drei Kilometer zu Fuß, und dann können wir den Vogel sehen: auf dem größten Paranuss-Baum ein flügger, noch bettelnder Jungvogel der Harpyie (Harpy Eagle, Foto oben: J. Hottinger). Zwar schon selbstständig, aber im Alter von neun Monaten wird der gelegentlich immer noch von den Altvögeln mit Futter versorgt, berichtete unser Guide. Das Nest ist inzwischen wohl abgestürzt. Und wie wichtig die Bemühungen der Vogelschützer für den Erhalt der Brutplätze dieser Art sind, wird uns hier schlagartig klar: Der riesige Nestbaum (mit Brandspuren im unteren Bereich!) steht am Rande einer Rodungsfläche, die erst kürzlich abgebrannt wurde und noch aktive Glutstellen aufweist. Auch wenn keine Altvögel zu sehen sind, genießen wir diese einmalige Beobachtung. Alle Reisegäste und Bartmeise-Reisen unterstützten die Bemühungen für den Schutz der seltenen Harpyie mit 1.000 Euro. Auf dem Rückmarsch zum Auto entdecken wir auch noch den farbenfrohen Rosenbauch-Granatellus (Rose-breasted Chat; Foto re.: A. Eisen Rupp), der einen schönen Abschluss des Vormittags bildet.

In den nächsten Tagen sind wir immer wieder rund um unsere Lodge, im Farmland, im Urwald, am Santa-Elena- und am Tele-Spires-Fluss unterwegs. Viele faszinierende Erlebnisse mit der Vogel- und Tierwelt hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Wir haben hier u.a. Begegnungen mit Amazonashokko (Razor-billed Curassow; Foto re.: A. Eisen Rupp), Trauernachtschwalbe (Blackish Nightjar), Brustband-Fadenelfe (Black-bellied Thornbill), Zweibinden- und Kurzschwanzbussard (Grey-lined- & Short-tailed Hawk), Jungferntrogon (Collared Trogon), Paradiesglanzvogel (Paradise Jacamar), Gelkehlkarakara (Black Caracara), um nur wenige Arten zu nennen. Der ‚riesige‘ Elfenbeinschnabel-Baumsteiger (Long-billed Woodcreeper, Foto: J. Hottinger), mit bis 32 cm Körperlänge und mit einem bis 15 cm langen Schnabel, ist dabei eine besondere Beobachtung. Mindestens 16 verschiedene Arten von Ameisenvögeln stehen weiterhin in unserer Liste, darunter Weißflecken-Ameisenwächter (Dot-backed Antbird, Foto li.: A. Eisen Rupp) als auch Seltenheiten wie die Endemiten Trauerameisenwürger (Glossy Antshrike) und Spixameisenschnäpper (Spix’s Antwarbler). Auch der gefährdete, endemische Orangekehl-Dickichtschlüpfer (Chestnur-throated Spinetail) kann gut gesehen werden. Zum Abschuss des Nachmittags schwimmt und taucht vor unseren Augen ein Tapir im Fluss.

Im Überschwemmungswald am gewaltigen Tele-Spires-Fluss haben wir am nächsten Tag die unerwartete Begegnung mit einer Vogelart, die uns am Rio Claro trotz aller Bemühungen versagt geblieben war. Adrian ahmt auf gut Glück den Ruf vom Kurzlappen-Schirmvogel (Amazonian Umbrellabird, Foto: I. Müller) nach. Und kurze Zeit später können wir gerade noch sehen, wie ein Krähen großer, schwarzer Vogel über den hier bestimmt einen Kilometer breiten Fluss direkt auf uns zukommt! Unglaublich. Und dann balzt der Umbrellabird sogar noch um uns herum! „Das war das Salz in der Ornithologen-Suppe“ für diesen Tag!

Immer wieder finden wir unter den höchsten Bäumen im Urwald die Kanonenkugel großen Früchte der Paranuss. Und wir sind reichlich froh, dass niemand von einem solchen „Geschoss“ getroffen wurde! Unsere Begleiter von der Lodge öffnen einige Nüsse für uns zum Probieren. Nur ein einziges kleines Säugetier aus der Gruppe der Meerschweinchenverwandten ist in der Lage, diese harten Fruchtkörper zu öffnen, das südamerikanischen Aguti. Auf dem Rückweg sehen und hören wir den Amazonas-Zwergkauz (Amazonian Pygmy-owl), einen Vertreter der Sperlingskäuze. Die Beobachtung eines Kleintodityrann (Snetlages’s Tody-tyrant) bleibt die einzige Begegnung mit dieser Art auf unsere Reise. Eine Rotte Weißlippen-Pecari reagiert unfreundlich und aggressiv beim Aufeinandertreffen mit uns. In einer Rinderweide stoppen wir und beobachten ein Paar prächtiger Grünflügelaras (Red-and-green Macaw, Foto: A. Eisen Rupp), die sich in einem abgestorben Baumriesen eingenistet haben.

An Abend geht es auf Eulen-Pirsch. Dabei wurden Watsonkreischeule (Northern Tawny-bellied Screech-owl), der hübsche Haubenkauz (Crested Owl) und ein Sprenkelkauz (Mottled Owl) entdeckt. Der Kaninchenkauz (Burrowing Owl) sitzt täglich auf den Weidepfählen an der Zufahrt zur Lodge.

Wie immer liegen Licht und Schatten eng beieinander, denn neben großartigen, teilweise unerwarteten Begegnungen mit zahlreichen spannenden und seltenen Arten blieb dieses Jahr eine wichtige Papageienart unentdeckt. Eigentlich hat der attraktive Fächerpapagei (Red-fan Parrot) hier ein sicherer Vorkommen. Und die Inhaber der Lodge bemühen sich außerdem intensiv, diese bedrohte Art durch Schutzmaßnahmen zu fördern. Dennoch, und trotz ausdauernder Suche konnten wird diesen seltenen Papagei in diesem Jahr leider weder hören noch sehen. Zum Abschluss soll unbedingt der exzellente Service, den Fernao und seine Frau Vivien (Foto ob.: H. Meyer) auch bei dieser Reise geboten haben, erwähnt werden. Dreimal täglich ein volles Buffet, immer wieder neue, für die Gäste unbekannte, aber super-leckere Speise-Kreationen, frische Salate und verlockende Desserts, und alles liebevoll angerichtet! Dazu Kaffee oder frische Säfte, abends Drinks von der Bar ‚handmade‘ … Vom Feinsten! Ein Luxus-Hotel könnte es nicht viel besser machen (Foto re.: H. Meyer). Danke an beide, die täglich und immer mit einem Lächeln im Gesicht von 4.00 Uhr morgens bis 22.00 Uhr abends für uns da waren! Und danke auch an das gesamte Team! Der Aufenthalt bei Fernao und Vivien trug wie jedes Jahr entscheidend zum Wohlbefinden der Gäste auf dieser Reise bei!

Freitag, 25. Oktober: Abschied aus dem Vogelparadies
Das letzte Frühstück wartete heute auch schon wieder um 4.30 Uhr, denn wir wollen vormittags noch einige Arten suchen, die wir bisher nicht gesehen haben. Im Regenwald nahe der Lode sind im Sonnenaufgang wieder die Papageien unterwegs. Wir finden noch einige Arten, die wir in den Tagen vorher verpasst hatten, u.a. Goldbrauen-Todytyrann (Yellow-browed Tody-flycatcher), Gelbbürzel-Attilatyrann (Bright-rumped Attila) und den nicht häufigen Schwefeltyrann (Sulphury Flycatcher). Am Teich mit den überschwemmten Palmen lärmen Dutzende Rotbaucharas (Red-bellied Macaw) in der heißen Amazonassonne, in der sich auch ein Perlaar (Pearl Kite) sonnt. Ein Brutpaar der leuchtend rot gefärbten Grünflügelaras scheint seinen Nachwuchs im Fliegen zu trainieren … Für uns der gelungene Abschied von der zauberhaften Vogelwelt Brasiliens!

Vor dem Mittagessen schließen wir die Vogelliste für die Reise mit 430 gesehenen und nochmals ca. 50 nur gehörten Arten ab. Unser Guide Adrian ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Zwar haben wir einige Arten verpasst – so ist das in der Natur – dafür andere wieder, die 2018 nicht vor die Ferngläser kamen, gut gesehen. Nach dem Mittag verabschieden wir uns von unseren Gastgebern. Die Crew von der Lodge chauffiert uns zum Flughafen. Azul Airlines bringt uns am frühen Nachmittag in knapp einer Flugstunde zurück nach Cuiabá, der Hauptstadt Mato Grossos. Wir checken im Flughafenhotel gegenüber für die letzte Nacht ein. Unsere Abschlussabend genießen wir nochmals in einer typischen brasilianischen Churrasceria. Foto: Paranüsse im Fruchtkörper, hart wie Beton. H. Meyer.

Sonnabend/Sonntag, 26./27. Oktober: Der lange Weg zurück nach Deutschland – mit und ohne Gepäck
Wer wollte, der konnte heute etwas länger schlafen, denn die kommende Nacht im Flugzeug wird sehr lang. Nach einem späten Frühstück checken wir gegen 09.00 Uhr bei GOL nach Sao Paulo ein. Mittags fliegen wir zurück … und erleben bei Ankunft eine böse Überraschung! Das Reisegepäck von zwei Gästen war in Cuiabá zurückgeblieben! Man hat es vergessen einzuladen, obwohl viel Zeit und das Passagieraufkommen für unseren Flug gering war! Relativ schnell konnten wir bei der GOL die Suchanzeige aufgeben und so konnten sich alle Gäste kurz nach 18.00 Uhr mit dem Lufthansa-Jumbojet auf die 11-Stunden-Reise nach Frankfurt/M. begeben. Mit und ohne Gepäck. GOL versicherte uns, dass die fehlenden Stücke nachgeliefert und in den nächsten 24 bis 36h zum Empfänger nach Hause in Deutschland gebracht werden. Diese Mitteilung nahmen wir sehr misstrauisch auf, wenngleich wir wussten, dass Adrian, unser brasilianischer Mitarbeiter, vor Ort mit GOL aktiv in Kontakt stehen würde. Wie es sich herausstellte, war das aber gar nicht notwendig. Alle Gäste trafen wohlbehalten am Sonntag gegen 5.00 Uhr morgens in Frankfurt/M. und am späten Vormittag an den innerdeutschen Anschlussflughäfen ein. Und, Überraschung, GOL hielt ihr Versprechen! Am Montag schon, einen Tag später, lieferten die Flughäfen das fehlende Gepäckstück unversehrt bei den Gästen zu Hause an!

Zusammenfassung: Diese Reise, ebenfalls ein jährlicher Höhepunkt im Bartmeise-Programm, kombiniert die grandiose Vogel- und Tierwelt im größten Feuchtgebiet der Erde mit einem Besuch in der angrenzenden Steppe und im Südamazonas, über eine Entfernung von mehr als 1.000 Kilometer von Süd nach Nord (Karte: H. Meyer). Und das alles, ohne den zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso auch nur ein einziges Mal verlassen zu müssen, was auf die Dimensionen des Landes hinweist! Neben der Vogelwelt bietet unser Programm auch die „Big Five“ Südamerikas (außer Mähnenwolf – siehe separate Reise Cerrado), insbesondere jedoch die tagaktiven Jaguare und die Riesenotter, die wirklich sicher und hautnah zu erleben sind!

Die Vogelwelt auf dieser Reise ist ebenso vielfältig und divers, werden doch drei brasilianische Biome berührt. Neben den klassischen Wasser-/Vögeln des Pantanals sind auch zahlreiche seltene, aufgrund von Lebensraumschwund bedrohte sowie endemische Arten der Steppe (Cerrado) und im Südamazonas möglich. Allein mehr als 35 verschiedene Ameisenvogel-Arten, der beeindruckende Hyazinthara (Foto re: J. Hottinger), die Witwentangare als einer der seltensten Vögel der Welt, und auch die Harpyie, der größte Adler der Welt, am Brutplatz können wir dank unserer ausgezeichneten Verbindungen in die lokale Orni- und Vogelschutz-Szene, die wir finanziell unterstützen, ankündigen. Nach den Erfahrungen der zurückliegenden Reisen sind in diesen 16 Tagen etwa 500 Vogelarten wahrscheinlich.

Auch diese Reise ist logistisch aufwendig, da verschiedene Transportmöglichkeiten (an verschiedenen Orten) wie Minibusse (Mercedes Sprinter), Landrover, tageweise Schnellboote auf Urwaldflüssen, eine Yacht als schwimmendes Hotel und ein separater Inlandsflug organisiert werden müssen. Diese „Vögel intensiv-Reise“ wird stets in einer Kleingruppe mit maximal 10 Gästen durchgeführt.

Meinungen unserer Gäste zu dieser Reise:
Simone G. (Leipzig): „Es war für mich eine sehr schöne und interessante, aber auf Grund der Hitze auch anstrengende Tour. Die Reisegruppe war sehr harmonisch … Ich habe mich besonders über die guten Beobachtungen des Hyazintharas und der anderen Ara-Arten gefreut, aber auch Harpyie und die verschiedenen Eulen waren toll. Nicht zu vergessen die Jaguare, Riesenotter und der Tapir. Der Abschied von Brasilien und von Adrian hatte mich ziemlich traurig gestimmt – wer weiß, ob man sich nochmal wieder sieht?“

Imtraud & Helmut M. (Hardt): „Eine tolle Reise! Wir waren über die Vielfalt, die wir erleben durften, wirklich überrascht. Ein Lob und ein Dankeschön für die reibungslose Organisation“.

Dr. Rolf S. (Dresden): „Immer wieder schön, mit Bartmeise-Reisen unterwegs zu sein. Auch an dieser Reise gibt es nichts auszusetzen. Von der An- bis zur Abreise perfekt organisiert (selbst die Wiederbeschaffung meines von der Airline GOL stehengelassenen Reisegepäcks auf dem Heimflug wurde von Bartmeise-Reisen und seinem brasilianischen Team erfolgreich gemanagt)!“

Diese Reise findet auch 2020 wieder statt, und zwar vom 2. bis 19. Oktober und kann risikofrei gebucht werden (im Falle der Verhinderung der Durchführung der Reise wegen “Höherer Gewalt” ist vorgesorgt). Eine zweite Reise nur ins Pantanal, kürzer (ohne Cerrado und Südamazonas), aber dafür mit einem touristischen Abstecher am Ende nach Rio de Janeiro, und dennoch unter biologischer Leitung, bieten wir ab 20. Oktober 2020 an. 

Hartmut Meyer

DO-G sagt umständehalber Jahresversammlung vom 16. bis 20. September 2020 in Oldenburg ab

DO-G sagt umständehalber Jahresversammlung vom 16. bis 20. September 2020 in Oldenburg ab

In einer Mitteilung an alle Vereinsmitglieder vom heutigen Tag (14.05.2020) wird über die Absage der diesjährigen DO-G-Tagung und Jahresversammlung im September in Oldenburg informiert. Die Geschäftsstelle der DO-G schreibt:

“Liebe Mitglieder und Interessierte,
zu unserem großen Bedauern müssen wir die DO-G Jahresversammlung vom 16. bis 20. September 2020 in Oldenburg absagen, da es aufgrund der derzeitigen Entwicklung nicht möglich ist, die Tagung in der geplanten und bewährten Art und Weise durchzuführen. Der Vorstand der DO-G hat deshalb in einer außerordentlichen Video-Sitzung beschlossen, die Jahresversammlung in Oldenburg in das Jahr 2021 zu verschieben. Wir hoffen, dass bis dahin die Durchführung einer solchen Tagung wieder vertretbar ist und wir Plenarvorträge, Schwerpunktthemen und Exkursionen so anbieten können, wie sie für dieses Jahr vorgesehen waren. Das neue Datum werden wir baldmöglichst auf unserer Website www.do-g.de bekanntgeben. Dort finden Sie auch alle aktuellen Informationen und Neuigkeiten zum Thema Jahresversammlung.

Mitgliedern und weiteren Interessierten soll am ursprünglich vorgesehenen Tagungswochenende 19./20. September 2020 zumindest ein kleines Online-Programm mit interessanten und aktuellen Inhalten geboten werden. Wir prüfen derzeit die technischen Möglichkeiten und werden Sie über unsere Internetseite rechtzeitig über Details informieren. Bitte halten Sie sich das Wochenende für dieses neue Erlebnis im Kreise der DO-G schon einmal frei.

In gleicher Weise betrifft diese Absage auch unsere alljährliche Mitgliederversammlung, die traditionell jeweils im Rahmen der Jahresversammlung stattfindet und ein wichtiges Element unseres Vereinslebens ist. Diese war bisher für den 19.09.2020 angekündigt und muss ebenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Details hierzu teilen wir unseren Mitgliedern im Jahresrundschreiben mit, das – dieses Jahr zu ungewöhnlicher Zeit – in den kommenden Wochen brieflich zusammen mit der Beitragsrechnung zugestellt wird …”

Wir bedauern diese Absage, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen. Noch mehr bedauern wir aber, dass man sich von der seinerzeit sinnvollerweise getroffenen Regelung, den Termin für die jährlichen Zusammenkünfte so zu legen, das jeweils der 3. Oktober als Feiertag enthalten ist, schon vor einigen Jahren still und leise verabschiedet hat. Das meist durch den Feiertag verlängerte letzte September- bzw. erste Oktober-Wochenende im Jahr bot den ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern eine günstige Gelegenheit, oft ohne Extra-Urlaub einsetzen zu müssen die hoch interessanten Tagungen komplett besuchen zu können!

Hartmut Meyer

Logo-Vogel der DO-G www.do-g.de ist das Blaukehlchen. Pressefoto: Andreas Kretschel

Reisebericht Peru: Grandiose Vogelwelt zwischen Cuzco, Amazonas und der Inkastadt Machu Picchu

Reisebericht Peru: Grandiose Vogelwelt zwischen Cuzco, Amazonas und der Inkastadt Machu Picchu

Reisebericht über die Reise nach Peru vom 31. Juli bis 18. August 2019

Mittwoch, 31. Juli 2019: „Gefühlte“ Abreise nach Südamerika
Beim Vortages-online check-in die Überraschung: Die Bordkarten wiesen aus, das unsere Anreise nach Peru geändert, unser Anschlussflug am 1. August von Bogota nach Cuzco (Foto H. Meyer) gestrichen und um 24 Stunden nach hinten verlegt wurde! Warum, das sollten wir schnell erfahren! Flug Avianca 55 von München nach Bogota, der am 31.7. um 22.45 Uhr in München starten sollte, wurde mindestens 10 Stunden später ankommend erwartet (also am frühen Morgen des 1. August), sodass der nächtliche Abflug gestrichen war. Der ‚Dreamliner‘ musste wohl in eine Werkstatt … und wir mussten in München im Hotel übernachten. Avianca hatte aber wenigstens alles gut vorbereitet, sodass unsere Gäste schnell und kostenlos und mit Verpflegungs-Vouchern ausgestattet in die Hotels kamen.

Donnerstag, 1. August: „Reale“ Abreise nach Südamerika
Avianca war am zeitigen Morgen tatsächlich in München eingetroffen und stand nun am Gate bereit. „Pünktlich“ um 8.50 Uhr (mit neun Stunden Verspätung) hob die Maschine in München mit Ziel Bogota endlich ab. Für die 13.580 Kilometer waren 11 Stunden und 30 Minuten Flugzeit berechnet. Gegen 14.00 Uhr Ortszeit erreichten wir Bogota. Leider mussten wir nun nochmals eine ungeplante Zwischenübernachtung, dieses Mal hier in Bogota, in Kauf nehmen, denn unser eigentlicher Anschlussflug nach Cuzco um 6.45 Uhr war natürlich längst weg … und es gab heute keinen weiteren Flug nach Cuzco. Vertreter der Airline warteten aber auch hier wieder mit Hotel- und Verpflegungs-Vouchern, sodass wenigstens dafür gesorgt war. Transfer ins Hotel/Abendessen.

Freitag, 2. August: Ankunft in Cuzco und Weiterfahrt hinauf zu den „Riesen“-Vögeln der Puna
Heute um 10.00 Uhr, am Ende leider mit 24 Stunden Verspätung (1 Tag verspäteter Reisebeginn!), treffen wir in Cuzco, der peruanischen Anden-Hauptstadt, ein. Gegen 11.00 Uhr sind wir bereits fertig mit der völlig unkomplizierten und komplett papierlosen Einreise, Geldwechsel etc., und so können wir unseren Birdguide Adrian begrüßen. Der Mercedes-Sprinter ist rasch beladen. Bei angenehmem Wetter (sonnig, um 20°C) birden wir zuerst in einem Feuchtgebiet (Ramsar-Site) am Stadtrand von Cuzco auf 3.000 mNN. Im Gras und Schilf sind nicht nur wilde Meerschweinchen aktiv. Auch der farbenprächtige Vielfarben-Tachurityrann (Many-colored Rush-tyrant) zeigt sich wenigstens kurz neben anderen typischen Arten für dieses Habitat. Wir sehen u.a. Spitzschwanz- und Südandenente (Yellow-billed Pintail & -Teal), Rollandtaucher (White-tufted Grebe) und Andenmöwe (Andean Gull; Foto li: A Eisen Rupp).

Nach unserem Mittagspicknick am See benutzen wir eine unbefestigte Passstraße, die uns hinauf auf 4.200 mNN in die peruanische Puna, eine Trockensteppe, bringt. Unterwegs an Blüten entdecken wir den Riesenkolibri (Giant Hummingbird), einen echten Riesen aus dieser Vogelgruppe. An einem Puna-See auf über 4.200 mNN können wir Inkataucher (Northern Silvery Grebe), Gruppen von Andengänsen (Andean Goose; Foto re: A. Eisen Rupp), Riesenblässhühner (Giant Coot) und weitere Arten der Andenhochsteppe wie Punaibis (Puna Ibis), Andenkiebitz (Andean Lapwing), Blassbauch- & Schwarzschwanz-Uferwipper (Creme-winged- & White-winged Cincloides) sowie den endemischen Rotgesichtcanastero (Rusty-fronted Canastero) beobachten. Wir überqueren den Pass und fahren die Anden-Ostseite hinunter bis zu einer Lodge, die bereits auf knapp 3.000 mNN im Nebelwald in Richtung Amazonas liegt. Hier bleiben wir eine Nacht (zwei waren geplant …). Wir kommen erst gegen 20.00 Uhr an, das Abendessen wartet und dann auch die Betten.

Sonnabend, 3. August: Nebelwald-Vögel entlang der berühmten Manu-Straße
Nach einem zeitigen Frühstück packen wir unsere Sachen ins Auto und treten die Weiterreise in Richtung Amazonas-Tiefland an. Aber heute und in den nächsten Tagen steht erst einmal die Vogelwelt im Nebelwald der Anden, in Regionen zwischen 3.000 und 1.500 mNN, im Programm. Diese einzige Straße von Cuzco ins Amazonastiefland von Peru ist unbefestigt, einspurig und verlangt vom Fahrer reichlich Geschick und Umsicht, vor allem beim Ausweichen im Gegenverkehr. Unser Fahrer Omar hat das aber gut drauf. Rasch stellen wir zudem fest, dass Omar nicht nur ein geschickter Fahrer, sondern auch ein guter Kenner der Vogelwelt ist, denn er beteiligt sich häufig erfolgreich an der Bestimmung bzw. entdeckt auch selber neue Arten. Wir haben heute Glück und können zahlreiche Bergnebelwald-Arten wie z.B. Andenguan (Andean Guan), den endemischen Hartertkolibri (Peruvian Piedtail), Blautukan (Grey-breasted Mountain-tucan), Bergwald-Baumsteiger (Montane Woodcreeper) sowie die endemischen Arten Marcapataschlüpfer (Marcapata Spinetail) und Rostbrust-Laubtyrann (Inca Flycatcher) finden. Andenklarino (Andean Solitare) und Riesendrossel (Great Thrush) sowie Masken– und Barthakenschnabel (Masked & Moustached Flowerpircer) ergänzen unsere Liste der Nebelwaldarten.

Zum Vogel des Tages wird heute aber ein prächtiger Goldkopftrogon (Golden-headed Quetzal; Foto: A Eisen Rupp), der sich aus nächster Nähe wunderbar beobachten lässt. Dann erreichen wir die berühmte Cock-of-the-rock-Lodge, die uns für die nächsten zwei Nächte Quartier in schönen Bungalows bieten wird. Nach dem schmackhaften Abendessen erledigen wir noch die Vogelliste, die bereits jetzt rund 140 gesehene Arten (dazu weitere „nur gehört“-Arten) aufweist. Aus den Betten heraus genießen wir den nächtlichen Gesang der Salvinkreischeule (Rufescent Screech-owl).

Sonntag, 4. August: Im Nebelwald der Nebel wallt …
… leider auch heute Morgen wieder, sodass wir keine Chance haben auf Vögel im oberen Bergwald. Wir entschließen uns daher, rund um die Lodge am Bergflüsschen zu birden. Wir entdecken abfliegende Sturzbachenten (Torrent Duck) und eine Weißkopf-Wasseramsel (White-capped Dipper), hoffen aber auf eine bessere Gelegenheit am nächsten Tag. Dann wird der Nebel auch hier immer dichter. Wir fahren zurück und erfreuen uns an der bunten Vogelwelt an den Fütterungen in der Lodge. Im Gebüsch dahinter leuchtet es plötzlich rot: ein prächtiger Andenfelsenhahn (Cock-of-the-rock; Foto: A. Eisen Rupp) agiert im Hintergrund. Der Große Veilchenohr-Kolibri (Sparkling Violet-ear) ist der Platzhirsch unter den 6-7 Kolibriarten an den Tränken. Eine, später sogar zwei Tyra, eine große südamerikanische Marderart, betätigen sich als Strauchdiebe an den mit Papaya-Früchten bestückten Tangaren-Fütterungen. Für die Säugetier-Interessenten sicher eine besondere Beobachtung! Wie wir von den Betreibern der Lodge erfahren, ist das Wetter hier auf ca. 1.500m NN dieses Jahr ungewöhnlich kühl. Morgens herrschen nur wenige Grad über Null, tags, im Nebel, kaum 10-12°C, was auf einen ungewöhnlichen Kaltluftstrom aus Südamerika zurückzuführen sei. Dieses Wetterphänomen trete nur alle paar Jahr auf … leider ausgerechnet während unserer Anwesenheit.

Montag, 5. August: Am Balzplatz der Andenfelsenhähne
Die Lodge trägt den Namen des bekannten Anden-Vogels „Cock-of-the-rock“ (Andenfelsenhahn) wohl auch deswegen, weil sich angrenzend ein offenbar seit Jahrzehnten besetzter Tanz- oder Balzplatz der in Familienverbänden lebenden attraktiven Vogelart befindet. Mit dem Hellwerden um 6.00 Uhr suchen wir den Platz, der am Hang getarnt einen Beobachtungsstand für die Vogelfreunde bietet, auf. Die Hähne, etwa fünf bis sieben, sind schon da und zeigen ihre Farbenpracht beim Tanz. Die nur krächzenden Stimmen scheinen so gar nicht zur Farbenpracht des majestätischen Vogels zu passen. Aber so ist das eben in der Vogelwelt. Das eine scheint zum anderen oftmals nicht zu passen. Wir beobachten das Spiel der Hähne eine Weile, dann wartet das Frühstück. Den restlichen Vormittag beobachten wir am Gebirgsbach vor der Lodge, der aus den Anden herabstürzt. Wir können uns an den prächtigen Inkablauraben (Green Jay; Foto: A. Eisen Rupp) erfreuen und auch einen Andenzaunkönig (Mountain Wren) beim Gesang belauschen.

Nach einem vorzüglichen Mittagessen reisen wir weiter und lassen die letzten Reste vom Bergnebelwald hinter uns. Bei einem Stopp an der Straße entdecken wir in einem alten Baum ein besetztes Nest vom Däumlingssperber (Tiny Hawk). Der Zwerg aus dieser Artengruppe lässt sich im Spektiv gut beobachten. Bald erreichen wir unser Quartier für die nächsten zwei Nächte. Hier auf ca. 580 mNN beginnt der Amazonasregenwald und eine neue Faunenregion. Wir checken in die luxuriösen Bungalows (Foto re. von außen ins Wohnzimmer geschaut – Foto: H. Meyer) ein, die eine völlig offene, nur mit festem Insektenschutz bespannte Rückwand zum Regenwald bieten. Die für unsere Ohren ungewöhnlichen Stimmen der Regenwaldnacht bieten aber die beste Einschlafmelodie.

Dienstag/Mittwoch, 6./7. August: Im Wald der Ameisenvögel zu Fuße des Amazonasregenwaldes
An beiden Tagen sind wir je nach einem zeitigen Frühstück um 5:30 Uhr im riesigen Gelände des privaten Schutzgebietes unterwegs, insbesondere auf der Suche nach den Spezialitäten in der Vogelwelt. Die dominanten Breithauben-Stirnvögel (Russet-backed Oropendola), die neben ihren Glockenartigen Stimmen immer wieder auch andere Vogelstimmen imitieren, sind allgegenwärtig. Aber insbesondere die Vielfalt an Ameisenvögeln ist beeindruckend. Um die 25 Arten finden wir in diesen Tagen hier, darunter solche Spezialitäten wie Bambusameisenwürger (Bamboo Antshrike), Manuameisenfänger (Manu Antbird) und Goeldiameisenvogel (Goeldi’s Antbird). Von den fast immer „unsichtbaren“ Ameisenpittas ist für uns die Olivmantel-Ameisenpitta (Amazonien Antpitta) wichtig, die man hier angeblich gut sehen kann. Es gibt einen Platz, an der ein Vogel daran gewöhnt ist, ab und zu schmackhafte Würmer gereicht zu bekommen. Das gelingt auch heute: Der scheue Vogel lässt sich nicht lange bitten und reagiert auf die Lockrufe vom lokalen Guide, kommt heran und holt sich eine Belohnung ab. Ein wunderbares Erlebnis für alle Gäste!

Anderswo im Gelände der Lodge hat es ein Beobachtungsversteck, um die scheuen Tinamu‘s, die man sonst immer nur rufen hört, sehen zu können. Zwei Vertreter dieser Bodenvögel, der Wellentinamu (Undulated- &) und der seltene Schwarzkappentinamu (Black-capped Tinamou), lassen sich so bestens beobachten und auch fotografieren. Highlight hier ist aber zweifellos eine weitere seltene, endemische Vogelart: Der attraktiv schwarz-gelb-weiß gefärbte Weißzügel-Todityrann (Black-backed Tody-flycatcher) hat ein Brutrevier hier direkt neben unseren Bungalows. Was für ein prächtiger kleiner Vogel! Auf den Beginn des Amazonasregenwald machen lautstark und erstmals bei dieser Reise Papageien auf sich aufmerksam. Ab hier kommen Palmen vor, die Palmnüsse bieten, und daher finden Gelbbrust– und Blaukopfara (Blue-and-yellow- & Blue-headed Macaw) sowie weitere Arten Lebensraum.

Auch unsere Säugetierfreunde durften sich über eine ganz besondere Begegnung freuen: ein Jaguarundi-Weibchen mit Jungtier – trotz ihrer weiten Verbreitung in Südamerika die am wenigsten erforschte Wildkatze – ließ sich in der Nähe der Lodge eine kurze Zeit gut beobachten. Obwohl sich alle Gäste einig waren, dass man es hier mit der vielfältigen Vogelwelt, in den schönen Bungalows und bei bester Verpflegung gefühlt noch mindestens eine Woche länger ausgehalten hätte, verlassen wir nach dem Mittagessen am 7. August die Lodge und fahren weiter auf der Manu-Road in Richtung Amazonas. An einem speziellen Aussichtspunkt genießen wir den fantastischen Blick (Foto li. H. Meyer) auf das Amazonastiefland und den hier so richtig beginnenden Madre de Dias-Fluss (Mutter-Gottes-Fluss), der viele Kilometer später in den Amazonas münden wird. In einem kleinen Dörfchen endet nun jegliche Straßenverbindung im peruanischen Amazonas. Hier verabschieden wir uns von Omar und dem Auto, denn ab jetzt geht es für einige Tage nur noch per Boot weiter. Rasch wird unser Gepäck verladen, und schon sind wir flussabwärts unterwegs. Das nächste Ziel für wieder zwei Nächte ist nach rund einer Stunde erreicht. Ein unbefestigter Halt am Flussufer und ein „Loch“ im Regenwald nebst kleinem Schild sind die einzigen Hinweise auf die Unterkunft, die sich 200 Meter weiter drinnen im Wald verbirgt.

Donnerstag, 8. August: Mehr Natur geht nicht 
… sagen sich wohl die Gäste, die Zimmer im am Hang gelegenen Neubau der Lodge beziehen! Für jede Mahlzeit hin und zurück 20 Minuten Wanderung durch den peruanischen Urwald, teilweise in völliger Dunkelheit, und dann als krönender Abschluss nochmals 107 große, in den Hang hinein gebaute Betonstufen überwinden, was mehr als einem Fitnessprogramm gleichkommt. Die Belohnung: Natur pur! An den auch hier üblichen Kolibrifütterungen können wir neue Arten entdecken, darunter den attraktiven, sehr seltenen Rotbrust-Brilliantkolibri (Gould’s Brilliant; Foto re: A. Eisen Rupp). Wir entdecken hier allein drei neue Seglerarten für diese Reise: Stutzschwanz-, Gabelschwanz– und Kleiner Schwalbensegler (Short-tailed-, Fork-tailed Palm- & Lesser Swallow-tailed Swift). Am Fluss lassen sich Rotbrust-, Amazonas– und Grünfischer (Ringed, Amazon & Green Kingfisher) sehen und in Ufernähe ein Weißkehlarassari (Greyish-throated Toucanet). Und nur hier können wir den Rotbauch-Zwergspecht (Rufous-breasted Piculet) finden.

Am Vormittag wartet wieder ein Boot auf uns, das uns einige Kilometer flussabwärts bringt. Hier versteckt im Regenwald liegt ein kleiner See, der wiederum einige interessante Vogelarten bereithält. Lautstark begrüßen uns hier die eigentümlichen Hornwehrvögel (Horned Sceemer), die zusammen mit den auch hier häufigen Hoatzin (Foto li: H. Meyer) die “Urzeit” in der Vogelwelt repräsentieren. Später finden wir noch einige seltene Arten wie Marmor- und Blaureiher (Rufescent Tiger-heron, Little Blue Heron) sowie den Rostflügelcanastero (Plain Softtail). Die hübsche Rohrspotdrossel (Donacobius) erfreut uns in der Ufervegetation, und der Drosselzaunkönig (Thrush-like Wren) singt uns zum Abschied sein melodisches Lied. Unseren beschwerlichen Übernachtungs-Aufstieg im Schein der Stirnlampen nach dem Abendessen begleitet ein Urutau-Tagschläfer (Common Patoo), der auf einem abgebrochenen Ast sitzend von oben zuschaut bis wir in den harten Betten verschwunden sind …

Freitag, 9. August: Tagesfahrt per Boot auf dem Madre de Dias-Fluss ins Amazonastiefland
Nach dem Frühstück steht unser Boot für die Tagesreise flussabwärts ins gewaltige Amazonastiefland zum Manu-Nationalpark bereit. Wir sind für die lange Fahrt gut vorbereitet, neben unserem Reisegepäck werden auch das Mittagessen als Lunchpack, Snacks, frisches Obst und genügend Trinkwasser verladen. Das Boot (Foto li: H. Meyer) ist überdacht, sodass niemand in der prallen Sonne sitzen muss. Das tolle Wetter verspricht ein herausragendes Abenteuer auf dem Urwaldfluss. Jeder hat seine Position in Fahrtrichtung rechts- bzw. linksseitig im Boot eingenommen und das Fernglas zur Hand. Es kann losgehen.

Wir sind noch gar nicht lange unterwegs, da entdecken wir bereits ein nächstes Highlight in der peruanischen Vogelwelt: ein Paar Orinokogänse (Orinico Goose). Es sollte die einzige Begegnung mit der seltenen Art bleiben! Sonnenrallen (Sunbittern) sind oft am Ufer jagend zu sehen, ebenso Streifen-, Mangroven-, Cocoi- und Schmuckreiher (Fasciated Tiger-, Green-backed, Cocoi Heron, Snowy Egret). Große Gelbschenkel (Greater Yellowlegs) fliegen von Sandbänken ab, ebenso die Amerikanischen Scherenschnäbel (Black Skimmer), die wie Amazonasseeschwalben (Yellow-billed Tern) hier brüten bzw. schon Junge versorgen. Hinter jeder Kurve erwartet uns eine andere fantastische Szenerie. Gelbkehlkarakara (Black Caracara) und Fledermausfalken (Bat Falcon) jagen am Fluss. Wasserschweine sitzen allerorts auf den Sandbänken.

Zur Mittagspause legen wir am Ufer an. Auf einer Sandbank können wir unseren Lunch verzehren, uns die Füße vertreten. Im weichen Uferschlamm finden wir überall Spuren vom Tapir und einmal auch vom Jaguar, ganz frisch. Er kann noch nicht weit sein … Dann drängt unser Kapitän, denn er will noch bei Tageslicht das Manu-Wildlife-Center erreichen. Wir haben noch einige Stunden bis dahin vor uns, und bei Dunkelheit kann ein Urwaldfluss gefährlich sein … Weißbrauen- (Drab Water-tyrant) und Schwarzkopf-Phoebeyrann (Black Phoebe) sitzen auf im Wasser liegenden Bäumen und mindestens fünf verschiedene Schwalbenarten jagen nach Insekten. Die Zeit vergeht wie im Fluge … und schon versinkt die Sonne langsam hinter der Urwaldriesen. Flussnachtschwalben (Sand-colored Nighthawk) sind bereits auf der Jagd, als wir im letzten Tageslicht und wegen Niedrigwasser sehr mühsam einen unscheinbaren Anlegesteg erreichen. Hier werden wir schon erwartet. Wir sind angekommen. Das bekannte Manu-Wildlife-Center ist erreicht. Schnell wird ausgeladen und in die auf Holzpfählen gegen Hochwasser geschützten Bungalows (Foto ob.li: Manu Wildlife-Center H. Meyer) eingecheckt. Dann wartet das Briefing und danach das Abendessen. Der Generator-Strom verlischt … Ruhe und Nachtruhe kehren ein.

Sonnabend/Sonntag, 10./11. August: Vogelkundliche Abenteuer tief im Amazonas aus der Vogelperspektive
Zwei volle Tage vogelkundliche Abenteuer tief im Amazonas, im Manu-Nationalpark, die können hier schon aus Platzgründen überhaupt nur ansatzweise beschrieben werden. Da wäre am ersten Morgen der Besuch einer Aussichtsplattform in einem Baumwipfel (Foto re. H. Meyer) in mehr als 30 Metern Höhe. Eine schwankende Wendeltreppe, nicht jedermanns Sache, führt nach oben. Dort kann man den Nektar fressenden Vögeln sozusagen von Angesicht zu Angesicht zuschauen. Diverse Arten, die vom Boden aus im Urwald nur sehr schwer zu entdecken sind, sind hier hautnah möglich wie z.B. Zügel- und Rotbauchorganist (Golden- & Rufous-bellied Euphonia) und Olivkopf-Stirnvogel (Amazonian Oropendula). Weitere spezielle Arten wie u.a. die Gelbschopftangare (Yellow-crested Tanager) und Gelbstirn-Würgertangare (White-winged Shrike-Tanager) können beobachtet werden.
Nach der Mittagspause warten wieder Boote auf uns, die uns einige Kilometer flussaufwärts bringen. Im Regenwald versteckt liegt ein kleiner See, ein spezielles Schutzgebiet für den global gefährdeten Riesenotter (Giant Otter), der aber auch für verschiedene Vogelarten äußerst interessant ist. Für uns steht ein Floß (Foto li.: H. Meyer) bereit, mitgebrachte Camping-Hocker dienen als Sitze, und unsere Bootscrew bedient ausschließlich mit Handkraft das Gefährt. Lautlos gleiten wir dahin und können die großartige Szenerie genießen. Eine Familie Riesenotter jagt im See. In den Baumriesen am Ufer sitzen Blaukehlguane (Blue-throated Piping-guan) und ein Schwarzkopf-Zwergtaucher-Paar (Last Grebe) hat hier offenbar einen Brutplatz. Doppelzahnweih (Double-toothed Kite), Sperberweih (Crane Hawk) und Plattschnabelmotmot (Broad-billed Motmot) lassen sich sehen. Es gelingt auch wie erhofft, zwei seltene Tukanarten vor die Ferngläser zu bekommen: Cuvier- und Weißkehltukan (White-throated- & Channel-billed Tucan) sind aktiv in den Baumriesen, ebenso wie Reinwardt- und Rotkopfarassari (Golden-collared Toucanet, Ivory-billed Aracari). Kurz gesichtet wird auch die ungewöhnliche Nackthalskotinga (Bar-necked Fruitcrow). Spezialität hier, und nur hier, in der Ufervegetation ist der seltene Gelbaugenstärling (Pale-eye Blackbird; Foto re: A. Eisen Rupp), der sich auch zeigt.

Vor dem Abendessen können wir an den Blütensträuchern im Schatten des Haupthauses einen Roten Zwergschattenkolibiri (Reddish Hermit) entdecken. Der Winzling wird uns jeden Tag genau immer wieder hier an „seinen Blüten“, die er eifrig gegen Konkurrenten verteidigt, erfreuen. Nach dem Abendessen suchen wir nach einem ganz ungewöhnlichen Vogel, dessen unheimliche Stimme wir bereits gehört haben. Im Schein der Taschenlampe sitzt ein Riesentagschläfer (Great Patoo) deutlich größer als eine Schleiereule, in aufrechter Körperhaltung sozusagen als „Spitze“ auf einem abgerochenen Baumstamm und ruft sein gruseliges Lied in die Nacht. Sein schnarchender „Gesang“ ertönt die halbe Nacht und wird hier im Camp zu unserer Bettmelodie.

Auch am nächsten Tag warten verschiedene Abenteuer auf uns. Erneut im Morgengrauen geht es mit dem Boot flussaufwärts, und wieder wandern wir ein Stück in den Regenwald bis zu einem anderen See. Birding erneut aus den Baumwipfeln eines Urwaldriesen, noch etwas höher als gestern, bestimmt 35 Meter. Und wieder viele neue Vogelarten, die wir vom Boden nicht hätten entdecken können, darunter z.B. Elsteradler (Black-and-white Hawk-eagle), Purpurbrust– und Veilchenkehlkotinga (Purple-throated Fruitcrow, Plum-throated Cotinga), Silberkopf-Breitschnabeltyrann (White-crested Spadebill), Türkisnaschvogel (Red-legged Honeycreeper), Maskenpitpit (Black-faced Dacnis) und Trauertangare (White-shouldered Tanager). Über uns laben sich Hunderte der kaum Staren großen Kobaltflügelsittiche (Cobalt-winged Parakeet) am süßen Nektar der Baumblüten, und verschiedene Arten der großen, bunten Aras fliegen lärmend hin und her. Amazonas eben.

Später suchen wir am Waldrand nach dem sehr seltenen Purusglanzvogel (Purus Jacamar, Foto re: A. Eisen Rupp), der nur hier ein bekanntes Vorkommen aufweist. Wir haben Glück und finden eine Familie von 5-6 Vögeln, die sich auch gut fotografieren lassen. Als wir zurück ins Camp kommen, haben wir gerade „Vanessa“, einen halbzahmen Flachlandtapir, verpasst. Das Tierchen kommt in regelmäßigen Abständen in die Lodge und lässt sich mit Früchten füttern … Dafür ist wieder unser Riesentagschläfer aktiv.

Montag, 12. August: Papageien an der Lehmwand und seltene Amazonassittiche zum Abschied
Geweckt werden wir irgendwann gegen 4.00 Uhr wieder vom schaurigen Gesang des Riesentagschläfers. Das Frühstück wartet bereits um 5.00 Uhr. Rasch wird unser Gepäck ins Boot verladen, wir verabschieden uns von unvergesslichen Erlebnissen im Manu Wildlife-Camp, und mit Tagesanbruch starten wir. Heute steht der nächste Höhepunkt im Programm. Wir besuchen am Morgen eine Lehmwand, an der sich die großen Papageien mit Mineralien versorgen. Vom Versteck aus können wir das wirklich bunte Treiben gut verfolgen. Bereits bei unserer Ankunft sind mehrere Hundert Schwarzohrpapageien (Blue-headed Parrot) am Lehmplatz. Dazu viele Mülleramazonen (Southern Mealy Amazon). Zu unserer Freude können wir auch die eher seltenen Goldwangenpapageien (Orange-cheaked Parrot) und auch einige Gelbscheitelamazonen (Yellow-cronwned Amazon) entdecken. Dazwischen wuseln viele der kleinen Kobaltflügelsittiche (Cobalt-winged Parakeet). Später erscheinen die prächtig rot-grün-blau leuchtenden Gelbbrustaras (Blue-and-yellow Macaw). Wir beobachten das bunte Vogelleben ca. zwei Stunden, dann machen wir uns auf den ca. zwei Kilometer langen Rückweg zum Boot. Wir ahnen jetzt noch nicht, dass wir den Höhepunkt erst auf diesem Marsch finden werden. In einer Cecropia (Ameisenbaum) – wir schauen nach einer ganz anderen Vogelart – sehen wir 5-6 kleine Papageichen, die völlig still sind. Schnell finden wir die Vögel im Spektiv. Adrian, unser Birdguide, fertigt Belegaufnahmen per Digiskopie an, denn es sind tatsächlich die hier äußerst seltenen Amazonassittiche (Amazonian Parrotlet). Nach seiner Information wurde diese Art in den vergangenen 30 Jahren hier nur zweimal gesehen!

Dann wartet das Reise-Boot am Flussufer auf uns, denn wir müssen heute noch die nächste größere Siedlung Puerto Maldonado erreichen. Das ist logistisch gar nicht so einfach. Zuerst fahren wir mehr als zwei Stunden weiter flussabwärts. Dann erreichen wir eine eher schäbige Goldschürfer-Siedlung. Das Flusswasser ist vom Gold waschen rot gefärbt. Wir wissen nicht, ob das Schürfen legal oder illegal ist … Aber die Siedlung lässt Klischees vom „Wilden Westen“ (Foto re.: H. Meyer) aufleben. Wenig später treffen unsere Landrover ein, die uns etwa eine Stunde auf staubiger, mit abenteuerlichen Brücken bestückten Piste zu einem anderen großen Urwaldfluss bringen. Was wir dort am Ufer sehen können, übersteigt alle Erwartungen an „Peru live“. Es ist unglaublich, unter welchen Umständen, mit welchem Einfallsreichtum, die Peruaner in dieser abgelegenen Gegend ihr tägliches Leben meistern! Da werden auf drei kleinen Booten, parallel gestellt und quer mit dicken Brettern belegt, Lastkraftwagen übergesetzt. Nicht auszudenken, wenn eines der unbefestigten Boote in der Strömung die Kontrolle verliert und ausschert.

Unser Boot ist auch schon sehr alt, der Fährmann auch, nur noch zwei Zähne im Mund … aber freundlich und bestimmt. Mit der einen Hand bedient er den Außenbordmotor, mit der anderen Hand schöpft er das Wasser aus dem Boot … Wir denken einfach mal, das muss so sein. Zwei Stromschnellen müssen „bergauf“ überwunden werden, eine unglaubliche Leistung, denn der Fluss führt Niedrigwasser. Trotz allen Befürchtungen erreichen wir das andere Ufer, wo bereits wieder ein Minibus auf uns wartet. Rasch verladen wir, und dann beginnt die Fahrt in die Kleinstadt Puerto Maldonado, wo wir nach 2 ½ Stunden Reise auf guter Straße gegen 18.00 Uhr eintreffen. Im Stadthotel wartet ein super-Abendessen, bevor wir müde in die Betten sinken.

Dienstag, 13. August: Aus dem Amazonas ins „Geheime Tal der Inka“
Am heutigen Vormittag können wir im schönen Stadthotel erstmals auf dieser Reise eine kurze Erholungsphase genießen. Frühstück um 8:30 Uhr – welch ein Luxus! Dann packen wir unsere Sachen, genießen einen Sprung in den Pool oder kaufen ein paar Reisemitbringsel ein, dann noch ein frühes Mittagessen und ab geht es zum Mini-Flughafen. Gegen 14.00 Uhr bringt uns LAN zurück nach Cuzco. Auf dem Parkplatz am Flughafen winkt uns schon Omar, unser Fahrer, mit dem wir bereits bis zum Madre de Dias-Fluss unterwegs waren. Schnell ist alles in den Mercedes- Sprinter verladen und dann starten wir zum Pass. Bei knapp 3.600 mNN stoppen wir kurz und genießen die traumhaft-sonnige Puna. Unterwegs sehen wir immer wieder Buntfalken (American Kestrel) und Bergkarakaras (Mountain Caracara, Foto re: A. Eisen Rupp). Dann geht es talabwärts und bald haben wir unser Ziel vor den Augen: Das „Geheime Tal der Inka“ (Foto li. o.: H. Meyer) liegt vor uns, sozusagen der Eingang nach Machu Picchu! Was für ein tolles Panorama! Schnell erreichen wir das alte, ursprüngliche Inka-Dorf Ollantaytambo, heute eine touristisch-geschäftige Kleinstadt, zu Füßen einer mächtigen Inka-Festung. In unserem Hotel mitten im Ort (auf 2.800 mNN) warten sehr schöne Zimmer auf uns und auch schon das Abendessen.

Mittwoch, 14. August: Beim Andenkondor am „Mirador del Condor“ am Abra Malaga-Pass
Ein wieder sehr zeitiges Frühstück steht an, denn wir wollen ganz hinauf in die Puna, zum Abra Malaga-Pass auf 4.200 mNN. Zügig bringt uns Omar mit dem Bus die gut ausgebaute Passstraße hinauf. Unterwegs stoppen wir uns suchen nach einigen seltenen Kolibri-Arten der Hochlagen wie Braunes– und Schwarzkopf-Glänzschwänzchen (Olivaceous- & Blue-manteld Thornbill) sowie Schwertschnabelkolibri (Sword-billed Hummingbird), die wir auch sehen können. Ganz intensiv suchen wir nach einer endemischen Art, die nur hier zu finden ist, den Rotbrust-Andenkolibri (White-tufted Sunbeam). Auch wenn das Vögelchen sehr unruhig ist, die Beobachtung gelingt dennoch. Ganz oben auf dem Pass liegen Schneereste und Eis, es ist winterlich kalt, Handschuhe, Mütze und Schal werden ausgepackt. Die dünne Luft in dieser Höhe macht sich bemerkbar. Jeder Schritt fällt schwer. Aber die, die es schaffen, wandern ein Stück durch das karge Grasland der Puna aufwärts in ein Schutzgebiet zum Polylepsis-Wald (Foto re.u.: H. Meyer) Leder vergeblich suchen wir hier nach dem akut vom Aussterben bedrohte Weißkehl-Uferwipper (Royal Cinclodes). Wir haben heute leider kein Glück, der Vogel ist nicht zu finden. Am „Mirador del Condor“ (Kondor-Aussichtspunkt) bei fast 4.400 mNN scheint die Sonne auf einen vor uns liegenden Schnee bedeckten 5.000er, und plötzlich segeln zwei Andenkondore in den weißen Wolken! Ein Alt- und ein Jungvogel. Ein fantastisches Erlebnis, dass wir einige Zeit genießen können. Und dann noch ein Falke über den Polylepsis-Wald! Eine seltene Begegnung, ein Aplomadofalke (Aplomado Falcon) auf Jagd. In der Puna begegnet uns nochmals der eigenwillige Andenspecht (Andean Flicker, Foto li. o.: A. Eisen Rupp), der in bis 4500 mNN Höhe vorkommt und in Erdhöhlen brütet.

Da wir uns nicht zu lange in dieser Höhe aufhalten wollen, damit niemand arg unter der Höhenkrankheit leiden muss, treten wir am frühen Nachmittag den Rückzug ins Tal an. Auf der Fahrt stoppen wir in verschiedenen Höhenstufen mehrmals, um nach weiteren seltenen Arten der hohen Anden zu suchen. Wir haben hier mehr Glück und können u.a. Weißschwanz-Tachurityrann (White-tailed Tyrannulet) und Meisentachurityrann (Tufted Tit-tyrant) sowie (endemisch) Fahlkappen-Baumschlüpfer (Creamy-crested Spinetail) und Inkazaunkönig (Inca Wren) gut beobachten. Erwartet hatten wir hier auch die endemische Schieferbuschammer (den legendären Cuzco Brush-finch), die wir ebenfalls vor die Ferngläser bekommen. Der Tag war sehr erfolgreich, nicht 100 %, aber immerhin um die 90. Als ‚Zugabe‘ die Andenkondore – Mensch was willst Du mehr! Im Hotel in Ollantaytambo wartet das Abendessen, Vogelliste und danach rufen dringend die Betten …

Donnerstag/Freitag, 15./16. August: Mit dem Inka-Rail nach Machu Picchu-Pueblo
Heute Morgen wird unser Reisegepäck in den Bus verladen und schon nach Cuzco transportiert. Wir starten nur mit einem kleinen Tagesrucksack, denn im berühmten Inka-Rail (Foto: H. Meyer), dem Zug nach Aquas Calientes (Machu Picchu-Pueblo) ist kein Reisegepäck zugelassen. Der Bahnhof liegt nur wenige Meter zu Fuß vom Hotel entfernt und dort wartet auch schon der „Luxus-Zug“. In jedem der sechs oder sieben Reisewaggons ist jeder Platz, den man Monate vor einer Reise reservieren muss, nummeriert und auch heute jeder einzelne Platz belegt. Das wird peinlich genau vom Schaffner kontrolliert. Der Zug startet am Morgen pünktlich und ruckelt in langsamer Fahrt, ca. 1 1/2h lang das Tal der Inka entlang bis zu seiner Endstation Aquas Calientes. Auf der Fahrt im engen Tal immer am Gebirgsfluß entlang zählen wir über 40 (!) Sturzbachenten, die teilweise auch Junge führen. Im Ort angekommen, der nicht per Straßenverbindung, sondern nur zu Fuß oder per Zug zu erreichen ist, tummeln sich Tausende Touristen aus aller Welt, die ebenso wie wir die berühmte „Stadt in den Wolken“ besuchen wollen. Wir deponieren rasch unseren Rucksack im Hotel und begeben uns zu den Shuttlebussen, denn die Zeit drängt. Viele Menschen warten hier in langer Schlange, aber es geht sehr zügig voran. Mittlerweile gibt es feste Zeiten für die Führungen in Machu Picchu, so dass es kaum noch zu Wartezeiten kommt. Etwa 20 Minuten stehen wir oben auf 2.800 Meter Höhe am Eingang zur „Stadt in den Wolken“. Hier wartet unser archäologischer Führer auf uns für den Rundgang. Machu Picchu (Foto re. und unten mit Gruppe: H. Meyer) beschreiben zu wollen, hieße Eulen nach Athen tragen (Verweis auf Reiseführer). Zurecht ist diese archäologische Stätte Weltkulturerbe der UNESCO und eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten der Welt. Egal wie viele Menschen in den Ruinen unterwegs sind, allein die Lage von Machu Picchu hoch über dem „Geheimen Tal“ der Inka auf einem Felsvorsprung umgeben von grandioser Natur ist einfach umwerfend. Man kann sich kaum sattsehen … und fotografiert immer und immer wieder die gleichen Motive. Wir sind ungefähr zwei Stunden unterwegs und bekommen die wichtigsten Bauwerke und vielen historische Fakten gut erklärt.

Während unseres Rundganges achten wir auch auf Vögel, denn es gibt hier einige Arten, die ganz speziell und typisch sind für Machu Picchu. Wir suchen hier u.a. nach zwei seltenen Kolibri-Arten und werden fündig: Rotbauchkolibri (Chestnut-braested Coronet) und die endemische Grünweißamazilie (Green-and-white-Hummingbird) lassen sich beobachten. Einige Gäste entdecken die zu den Chinchillas gehörende Peruanische Hasenmaus (Bergviscachas). Diese Hasen großen Nager leben hier in den Ruinen und sogar bis 5.000 Meter hoch in den Anden. Nach dem Rundgang wartet ein spätes Mittagessen in Machu Picchu auf uns, wie man es an einem solchen Ort nie erwarten würde. Statt Touristen-Fastfood ein Nobel-Buffet vom Feinsten mit diversen Spezialitäten von Meeresfrüchten bis Sushi und edlen Nachspeisen aller Art.

Am Nachmittag checken wir rasch in unsere Zimmer ein, nutzen aber die restliche Tageszeit noch, um im Tal entlang des Urubamba-Flusses zu beobachten. Hunderte Meter steil über uns erkennen wir Teile der äußeren Mauern von Machu Picchu. Wir finden Berg- und Andensegler (White-tippend- & Andean Swift), Weißkehlbussard (White-throated Hawk), den seltenen Buntbartvogel (Blue-moustached Barbet) sowie Grünscheitelorganist (Bronze-green Euphonia). Am Fluss bzw. auf den großen Steinen entdecken wir Graubrust- und Sturzbach-Kleintyrann (Sclater’s- & Torrent Tyrannulet).

Der rauschende Gebirgsfluss ist unser Wecker am nächsten Morgen und vom Fenster aus können wir schon wieder einzelne Sturzbachenten entdecken. Die haben hier wenig Scheu vor den Menschen. Heute Morgen wollen nochmals, aber weiter flussabwärts, entlang des Urubamba birden und versuchen, noch einige Spezialitäten in der Vogelwelt zu finden. Wir freuen uns u.a. über Ockerkehl-Faulvogel (Black-streaked Puffbird), Südlicher Tropfenameisenwüger (Variable Antshrike) und Wellenbekarde (Barred Becard), Olivgelb-Laubtyrann (Mottle-cheeked Tyrannulet) sowie Taczanowskidrossel (Pale-eyed Thrush). Besonders intensiv sucht Adrian bestimmte Fruchtbäume ab und dann entdecken wir  d i e  Vogelart des Tages, die attraktive Gelbbrustkotinga (Masked Fruiteater), eine endemische Art, die nur ein kleines Vorkommensgebiet hat und hier im Tal eine Spezialität ist. Den Abschluss in der Vogelliste bildet der Goldbauch-Kernknacker (Black-backed Grosbeak), der auch nicht alltäglich ist gesehen wird.

Im Bahnhofsrestaurant nehmen wir das Mittagessen ein und dann starten wir mit dem Inka-Rail zurück nach Ollantaytambo. Auf der Rückfahrt können wir noch einen Agula (Black-chested Buzzard-eagle) ausmachen. Am Bahnhof erwartet uns Omar mit dem Bus und wir fahren sofort zurück nach Cuzco (Foto H. Meyer). Unsere letzte Nacht in Peru verbringen wir in einem wunderbaren Hotel in einem Kolonialhaus aus der Spanierzeit. Unser Reisegepäck wartet hier schon auf uns. Und unser Abschluss-Abendessen hat Gloria, unsere peruanische Geschäftspartnerin, angeblich im besten Restaurant der Stadt bestellt, welches für seine ausgezeichnete peruanische und internationale Küche bekannt sein soll. Und das können wir am Ende des Abends voll und ganz bestätigen!

Sonnabend, 17. August: Abschieds-Birding am Waipu-See und Rückreise nach Europa
Wer immer noch nicht genug hatte von Peru’s Vogelwelt der konnte heute Morgen nochmals mit Adrian an einem kleinen See oben in der Puna birden. In der Vogelliste kommen nun noch neu Kaninchenkauz (Burrowing Owl) und Grauweihe (Cinereous Harrier) hinzu. Und der letzte Endemit, der auf dieser Reise gesehen wird, ist der Buntflügel-Schmätzertyrann (Piuara Chat-tyrant). Unsere Vogelliste weist jetzt am Ende der Reise knapp 522 Arten aus, davon wurden 486 gut gesehen!
Andere Gäste nutzten den Vormittag, um wenigstens einen kurzen Stadtrundgang durch die hervorragend restaurierte Kolonialstadt Cuzco zu unternehmen. Und ganz Mutige probierten sogar noch eine andere Spezialität (Foto li: H. Meyer), für die das Land weltbekannt ist. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, Tiere zu essen, die anderswo auf der Welt als Kuscheltiere in vielen Kinderzimmern gehalten werden … Gegen 14.00 Uhr verabschieden wir uns am Flughafen von Adrian und von Gloria. Beide haben einen tollen Job gemacht! Eine außergewöhnliche intensive Zeit in einem faszinierenden Land geht zu Ende. Gegen 16.00 Uhr bringt Avianca Peru uns zurück in die kolumbianische Hauptstadt nach Bogota, wo um 22.45 Uhr der Direktflug nach München wartet. Nach einer langen Nacht und einen ganzen Tag im Flugzeug landen wir pünktlich am frühen Abend des 18.08. in München. Die Anschlussflüge nach Hause warten.

Zusammenfassung:  Im Programm dieser speziellen Reise waren die Hohen Anden ab Abra Malaga Pass (4.400 mNN), das Urubamba-Gebirge um Cuzco bis zu Manu-Nationalpark im Amazonasbecken, einem der Orte mit der höchsten Biodiversität der Welt, enthalten. Die Reise war anspruchsvoll, denn die Beobachtungsorte lagen zwischen 4.400 und 250 Meter über Meeresspiegel, klimatisch somit zwischen 0°C und 32°C in wenigen Tagen. Im Interesse stand die Vogelwelt in der Puna (trockene Hochsteppe ab 4.000 mNN), in den Nebelwaldgebieten am Ostabfall der Anden und im Amazonasbecken am Flusslauf Madre de Dias bis zum Manu-Nationalpark. Diese Reise bot 522 Vogelarten, darunter 486 gut gesehene. Insbesondere die Vielfalt der Tangaren-Arten (Beispiel Goldbrusttangare, Green-and-Gold Tanager. Foto: A. Eisen Rupp) im Nebelwald und die fantastischen Ameisenvögel im Amazonastiefland begeisterten die Teilnehmer an dieser Reise. Zu den Höhepunkten zählen sicherlich die gesehenen endemischen Vogelarten, Beobachtungen am Balzplatz der Andenfelsenhähne (Cock-of-the-rock”), vom Andenkondor, Sturzbachenten (mit pull.) am Urubamba-Fluss und die Entdeckung einer seltenen Papageienart, dem Amazonassittich. Touristisches Highlight war Machu Picchu, die “Geheime Stadt der Inka in den Wolken”.

Diese Reise erforderte einen enormen logistischen (und personellen) Aufwand. An sieben verschiedenen Orten waren unterschiedliche Fahrzeuge (Mercedes-Sprinter, Kleinbus, Landrover usw.) erforderlich. Für fünf Tage wurde ein Boot auf dem Madre de Dias-Fluss mit zwei Mann Besatzung gebraucht sowie dazu zwei weitere Fährboote. Zwei Tage lang war die Gruppe im Tal der Inka mit dem Zug unterwegs, und ein Inlandsflug (Foto: H. Meyer) vom Amazonas zurück in die Anden war notwendig.

Reiseteilnehmer Michael F. aus Dresden schreibt zur Reise: “Es war eine wahnsinnig intensive Zeit für mich in Peru. Der Amazonasregenwald mit seiner ungeheuren Artenvielfalt und natürlich die gewaltigen Anden, deren Schönheit atemberaubend ist … Ich habe zudem selten so gut gegessen wie auf dieser Reise … danke an Bartmeise-Reise für eine absolut reibungslose Organisation.”

Reisegäste nach Boarding. Foto: H. Meyer

Susanne und Ernst K. aus Hamburg meinen: “Eine absolut tolle Reise, ein unglaublich intensives Erlebnis. Unser deutschsprachiger Birdguide Adrian ist nicht nur ein kenntnisreicher Ornithologe und Biologe, sondern auch ein super-netter Mensch”.

Für diese Reise im August 2020 kann derzeit noch 1 Platz (Einzelzimmer) gebucht werden. 

Hartmut Meyer

 

 

 

Dem Wanderfalken in die Kinderstube geschaut – Wanderfalken-Beobachtungen bei Bartmeise-Reisen

Dem Wanderfalken in die Kinderstube geschaut – Wanderfalken-Beobachtungen bei Bartmeise-Reisen

Dieter Kronbach (li.) beim Beringen der jungen Wanderfalken in Glauchau. Mit dabei Jens Hering (Landratsamt) und die Ornithologen Holger Gentsch (v.li.) und Mario Liebschner (re.).

Gleich drei Brutpaare vom seltenen Wanderfalken (Falco peregrinus), einer in Deutschland bedrohten Vogelart, haben seit wenigen Jahren eine Brutheimat im sächsischen Landkreis Zwickau am Rande des Erzgebirges gefunden. In dieser Woche im Mai stand die Beringung der Jungvögel an, die im Auftrag der AG Wanderfalkenschutz unser Freund, der Beringer Dieter Kronbach (Limbach-O.) vorgenommen hat. Für die Einrichtung der Brutplätze an den Gebäuden zeichnet die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau zuständig, die von Jens Hering vertreten wurde. Und natürlich durften auch die Ornithologen unsere VSO-Ortsgruppe Glauchau dabei nicht fehlen, denn diese tragen seit Jahren die Daten zu den Bruten in vielen Stunden ehrenamtlicher Betreuung zusammen.

Brutplatz am Industrieschornstein. ﰐ

Am Industrieschornstein in Glauchau-Reinholdshain, nahe der A4, mussten die Jungvögel wie immer mit Hilfe von Profi-Kletterern vom Bergsteigerclub Westsachsen e.V. aus dem Nistkasten in ziemlicher Höhe abgeseilt werden. Eine wie immer recht knifflige Angelegenheit, bei der nicht jeder mithelfen durfte. Drei kräftige Jungvögel werden in diesem Jahr hier groß und erhielten am 5. Mai 2020 neben dem Kennring der Vogelwarte Hiddensee auch noch einen so genannten Ablese-Ring. Dieser macht es möglich, die Vögel auch aus größerer Distanz mittels Spektiv individuell zu erkennen, wodurch wichtige Fakten zur Biologie der Art zusammengetragen werden können.

Mitten in der Stadt Zwickau, in einem Nistkasten am historischen, im 12. Jahrhundert errichteten Dom St. Marien, konnten gleich vier Jungvögel festgestellt werden, was schon eine Besonderheit darstellt. Im Beisein von Zwickauer Orni-Freunden, die den Brutplatz regelmäßig beobachten, erhielten diese ihre Kennringe.

Wanderfalkenbrutplatz im Dom St. Marien in Zwickau. Alle Fotos: Andreas Kretschel.

In den nächsten Wochen werden die Mitglieder unseres Vereins Sächsischer Ornithologen e.V. (VSO) die Brutplätze weiter überwachen und das Ausfliegen der Jungvögel genau dokumentieren.

Und wer weiß, vielleicht können wir auch den einen oder anderen Jungvogel später bei einer unserer vogelkundlichen Reisen irgendwo in Europa sehen und sogar ablesen! Da der Wanderfalke jedoch weltweit (in verschiedenen Rassen) verbreitet ist und sozusagen auf fast allen Kontinenten gesehen werden kann, gelingen auch bei unseren Reisen nach Südamerika, nach Mittel- und Fernost und in Afrika immer wieder Beobachtungen der Art. Dabei ist es stets interessant und eine Herausforderung, die Unterschiede der Rassen zu studieren, die im Feld meist nicht so einfach zuzuordnen sind und daher immer für spannende Gespräche sorgen. Die nächste Möglichkeit, Wanderfalken auch außerhalb Europas zu sehen, bieten unsere Reise nach Ostafrika (Juli/Oktober) und nach Südamerika/Brasilien (Oktober/November). In Brasilien besteht auch die Möglichkeit, einen Verwandten vom Wanderfalken, den sehr seltenen Aplomadofalke (Falco femoralis) zu sehen.

Hartmut Meyer

Ad. Wanderfalke mit Beute. Pressefoto 2019 Andreas Kretschel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gänsesäger an der Mulde – Reise zum brasilianischen Dunkelsäger am San Francisco-Fluss

Gänsesäger an der Mulde – Reise zum brasilianischen Dunkelsäger am San Francisco-Fluss

Was haben die Zwickauer Mulde und der San Francisco-Fluss im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gemeinsam? Defacto nichts, aber dennoch, beide Gewässer sind Lebensraum für je eine Säger-Art, eine europäische und eine südamerikanische.

Gänsesäger-Weibchen am Nistkasten an der Rochsburg. Foto: J. Hering

Die Zwickauer Mulde, die auf dem Kamm des Westerzgebirges entspringt, durch das Erzgebirgische Becken fließt und in Nordsachen in die Elbe übergeht, ist seit kurzer Zeit auch Brutheimat des europäischen Gänsesägers (Mergus merganser), der in den vergangenen Jahren diverse neue Lebensräume im deutschen Binnenland, insbesondere in Mittelgebirgslagen, erobert hat. Im Landkreis Mittelsachsen wurde im Jahr 2018 die erste Gebäudebrut der Art in einem Dohlen-Nistkasten hinter einem Fenster, ca. 24 Meter hoch an der Südmauer der mittelalterlichen Rochsburg bei Lunzenau (gelbe Markierung im Foto zeigt den Brutplatz/Fenster)  gefunden. Und auch in diesem Jahr, zum dritten Mal im gleichen Kasten, sind die jungen Gänsesäger geschlüpft und nach unten gesprungen, dann ca. 150 Meter unbeschadet durch den Wald zur Zwickauer Mulde gewandert, wohin der Altvogel lockte. Aus 13 Eiern schlüpften am 26. April 2020 (nochmals einige Tage früher als in den Vorjahren!) 13 Jungvögel. Zwölf sprangen die Schlossmauer hinunter, einer, das Nesthäkche vielleicht, wurde vom Hausmeister getragen …

In der Brasilianischen Steppe. Foto: H. Meyer

Der San Francisco-Fluß im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais der durch die Steppe/Cerrado fließt, ist wiederum Heimat einer anderen Sägerart, vom Dunkelsäger (Brazilian Merganser, Mergus octosetaceus). Diese Art ist, im Gegensatz zum Europäer, akut vom Aussterben bedroht. Wie viele Brutpaare noch am San Francisco-Fluß zu finden sind, ist unbekannt. Aber BirdLife Brazil schätzt, dass es auf über 36.000 km² nur noch 50-250 adulte Individuen von dieser Art gibt. Damit gilt auch der Dunkelsäger als einer der seltensten Vögel Brasiliens überhaupt! Unsere Reise in die Cerrado im November (siehe Reiseprogramm) bietet die Möglichkeit, auch diese Art, neben dem seltenen Blauaugentäubchen, beobachten zu können. Zwei absolute avifaunistische Höhepunkte, neben weiteren seltenen und endemischen Arten der Steppe.

Schon deswegen sollte man diese Reise in die Cerrado/Steppe, in das beeindruckende Hinterland der Mata Atlantica, vom 1. bis 14. November 2020 nicht verpassen!

Hartmut Meyer

Titelfoto: Dunkelsäger, vom Aussterben bedroht. Foto: A. Eisen Ruppe

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