Alpenbraunelle aktuell am Fichtelberg zu sehen – Art neuer Brutvogel im Erzgebirge

Alpenbraunelle aktuell am Fichtelberg zu sehen – Art neuer Brutvogel im Erzgebirge

Bereits seit 2003 wird, wenn auch nicht durchgehend jährlich, zwischen April und Juni, zur Brutzeit also, die Alpenbraunelle (Brunella collaris, Alpine Accentor) im Klinovec-Fichtelberg-Gebiet im Erzgebirge festgestellt. Im Jahr 2018 wurde eher zufällig ein Brutnachweis erbracht (siehe die beigefügte Publikation aus den „Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen e.V.). Kurze Zeit später konnte auch der Brutplatz auf deutscher Seite gefunden werden.

Immer wieder tritt die Art auch im Winterhalbjahr sowohl am Keilberg und an der Felsformation Meluzina auf böhmischer als auch am Fichtelberg auf deutscher Seite auf. So auch in diesem Jahr aktuell, als am 25. November 2020 der tschechische Ornithologe V. Teply einen Vogel am Fichtelberg beobachten und fotografieren konnte (beide Fotos hier: V. Teply). Am gleichen Tag, so wurde bekannt, konnte auch ein Vogel im Harz auf dem Brocken (Sachsen-Anhalt) festgestellt werden, was auf Zuzug deutet.

Das Vorkommen der Art in beiden Mittelgebirgen ist eine spannende Entwicklung, da die Gebiete recht weit abseits der üblichen Brutareale in den Alpen und im Riesengebirge liegen und geografisch isoliert sind. In Deutschland brütete die Alpenbraunelle bisher ausschließlich in Bayern, in den Nördlichen Kalkalpen und in den Schwäbisch-Oberbayerischen Voralpen, seit 2018 auch im Erzgebirge. Das in östliche Richtung vom Fichtelberg existierende Brutvorkommen am Krkonose/Riesengebirge liegt ca. 190 km entfernt (Hering 2018).

Wer also jetzt im oberen Erzgebirge auf dem Fichtelberg unterwegs ist, der sollte sein Augenmerk auf die Alpenbraunelle richten. Die Art ist oft am Boden oder bodennah (Foto oben) an Gebäudeteilen unterwegs und überhaupt nicht scheu, wie im Foto vom 25.11.2020 zu erkennen ist. Man kann sie daher eher übersehen, wenn man nicht genau auf die Art achtet!

Hartmut Meyer

Alle Fotos: V. Teply

Mitt. Sächs. Orn. Kurzmitteilung + Jahresvers + Register

Fortsetzung, die neunte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen – Exkursion im März 2021?

Fortsetzung, die neunte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen – Exkursion im März 2021?

Mauerläufer im Winterquartier. Foto: B. Franzke

Und noch einmal ist er zurückgekommen. Ein wirklich unglaubliches Naturwunder! Am 13. November 2020 traf der kleine Hochgebirgsvogel nunmehr den neunten (!) Winter in Folge in seinem Winterquartier auf der Südseite des Erzgebirges in Böhmen, in einem kleinen Dörfchen unweit des Fichtelbergs, ein. Zwar ist es nicht bewiesen, dass es sich um den gleichen Vogel handelt, aber die Tatsache, das er auch dieses Jahr sofort bei Ankunft seine Futterbretter anflog und die dort schon für ihn ausgelegten Mehlwürmer absammelte, spricht wie immer für den gleichen Vogel, der ‘sein Winterquartier’ bestens kennt!

Sein jährlicher Brutort im Hochgebirge (in den Alpen?) bleibt freilich unbekannt. Im Erzgebirge und den anderen deutschen Mittelgebirgen jedenfalls sind noch nie Bruten von dieser Art nachgewiesen worden. Vor der Lebensleistung dieses Vögelchens, dessen Brutgebiete Hunderte Kilometer weit entfernt zu suchen sein müssten, kann man nur ehrfurchtsvoll stauen. In der Tat, ein Naturwunder!

Den neunten Winter in Folge hat nun der Vogel sein Winterquartier an einem alten Fabrikgebäude, wo er im Dachfirst Schlafplätze hat, bezogen. Dort wird sein Aufenthalt von einem böhmischen Ornithologen, unserem Freund Vladimir, gut dokumentiert. Und wenn ihm auch in diesem traurigen Corona-Winter nichts zustößt, dann wird der Vogel, ein Männchen, bis in den März hinein dort zu sehen sein. Dann wir er wie jedes Jahr ins Brutkleid mausern und erste Balzflüge kündigen dann seinen baldigen Abzug ins Brutgebiet an …

Einmal am Tag holt er sich einige Mehlwürmer, die man für ihn auf einem Fenstersims auslegt. Stellt sich die Frage, wie alt ein Mauerläufer in Freiheit werden kann? Dazu gibt es keine Angaben in der Literatur. Aber in Gefangenschaft kann die Art durchaus ein hohes Alter erreichen wie aus dem Alpenzoo Innsbruck bekannt ist, wo 2016 der letzte seiner Art mit 15 Jahren gestorben ist. Vielleicht ist es nun doch der letzte Winter, in dem dieser kleiner Lebenskünstler so weit abseits seines Brutplatz im Erzgebirge zu sehen sein wird?

Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen sowohl auf tschechischer als auch auf deutscher Seite können wir jetzt noch keinen Exkursionstermin bekanntgeben. Aber kurz vor Abzug des Vogels ins Brutgebiet, vielleicht im März 2021, sofern sich die Situation entspannt hat, planen wir kurzfristig einen Besuch ein. Die Bekanntgabe erfolgt hier an dieser Stelle. 

Titelfoto und Foto 2: Vladimir Teply

Hartmut Meyer

Neuer Lockdown erfordert weitere Reiseabsagen – Kuba und Namibia im Februar 2021 möglich und buchbar

Neuer Lockdown erfordert weitere Reiseabsagen – Kuba und Namibia im Februar 2021 möglich und buchbar

Nach Einführung des „Infektionsschutzgesetzes“ in der 47. KW 2020 und mit den gestern und heute (25./26.11.2020) verkündeten Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 vorerst bis 20.12.2020 und offenbar weiter nach dem Jahreswechsel bis in den Januar 2021 hinein, müssen wir leider erneut mit weiteren Reiseabsagen reagieren!

Nicht stattfinden können nun auch unsere Kurzreisen zum „Christmas-Birding“ nach Griechenland und Bulgarien im Dezember 2020. Für Griechenland bestehen für die Region Zentral-Mazedonien eine Teilreisewarnung sowie griechische Sondermaßnahmen mit Schließung des Flughafens Thessaloniki für internationale Flüge. Und für Bulgarien besteht anhaltend eine deutsche „Reisewarnung“.

Abgesagt und verschoben auf neue Termine werden zugleich auch alle Fernreisen nach Südamerika und nach Fernost, die für Januar/Februar 2021 geplant waren (Myanmar, Brasilien Mata-Atlantica, Ecuador, Nepal sowie Sri Lanka). Für diese Länder bestehen ebenfalls dauerhafte deutsche „Reisewarnungen“ bzw. die Länder sind für ausländische Touristen weiterhin auf unabsehbare Zeit „geschlossen“. Auch unsere Reise nach Äthiopien im Januar 2021 muss abgesagt und verschoben werden, da neben der bestehenden „Reisewarnung“ leider auch die politischen Unruhen im Norden des Landes in größerem Ausmaße anhalten. 

Alle diese Reisen erhalten andere Termine möglichst noch 2021, jedoch können diese halbwegs sicher frühestens im Januar 2021  neu terminiert werden. Wir bitten um Verständnis und um etwas Geduld!

Es gibt jedoch ganz wenige Fernziele, die nicht mit einer formellen Reisewarnung aus Deutschland belegt sind und die daher ohne Restriktionen (Quarantäne-Drohung bei Rückkehr) besucht werden können! Dazu zählen Namibia und Kuba! Kuba hat vor wenigen Tagen den Tourismus offiziell wieder zugelassen und internationale Airlines wie auch die deutsche CONDOR fliegen die Insel direkt (ohne Zwischenstopp in Nordamerika) wieder an. Unsere große Kuba-Rundreise im Februar ist daher möglich und kann gebucht werden. Im Flugpreis sind die Kosten für einen verbindlichen Covid-19-Test (bei Ankunft im Flughafen) integriert. Fällt dieser negativ aus, kann das Land ohne Einschränkungen bereist werden. Wir können daher diese Reise, die nur wenige Plätze hat, jetzt zur Buchung empfehlen! Beginn und Ende der Reise im Badeparadies Varadero bieten zudem die Möglichkeit zu einer privaten Verlängerung der Reise an einem der Traumstände der Karibikinsel!

Neu ins Programm aufgenommen haben wir zeitgleich auch eine Reise in den Süden Afrikas, nach Namibia, das ebenfalls frei bereisbar ist. Unser Partner bereitet derzeit eine hoch interessante Rundreise von Windhoek bis an den Atlantik vor. Das Reiseprogramm wird in wenigen Tagen verfügbar sein. Bitte merken sie sich den Termin bereits vor und reservieren sie sich bei Interesse Plätze.

Weiterhin im Programm 2021 vom Winterhalbjahr 2021/22 vorgezogen auf März 2021 haben wir eine spannende Reise in die ostafrikanische Vogel- und Tierwelt (insbesondere endemische Vogelwelt) zwischen Nairobi und dem indischen Ozean, in die Taita-Berge (Endemiten-Region), in den Aboseli- und Tsavo-Nationalpark zu Füßen des Kilimandscharo und zum berühmten Arabuko-Sosoke-Nationalpark (Küstenwald mit endemischen Arten) sowie zu den überwinternden Reiherläufern (Crab-Plover, Foto re.: Jens Hering) im Mida-Creek am indischen Ozean aufgenommen. Diese aufwendige Reise kann jetzt zu COVID-19-Sonderkonditionen ohne Anzahlung gebucht werden! Erst ca. vier Wochen vor Reisebeginn, wenn Klarheit über die gesicherte Durchführung besteht, wird die Bezahlung für die Reise fällig.

Unser bereits veröffentlichtes Reiseprogramm ab März/April steht grundsätzlich unter dem Vorbehalt der „Wiedereinführung der Reisefreiheit“ bei Abschaffung der deutschen „Reisewarnungen“, was die Bundesregierung mit dem Abschluss des neuen Infektionsschutzgesetzes vor wenigen Tagen angekündigt hat („Schaffung sicherer Reisekorridore“). Ganz zweifellos wird die in Aussicht stehende Schutzimpfung gegen Covid-19 helfen, dies zu realisieren.

Es dürfte mittlerweile zweifelsfrei klar sein: Wer ab 2021 wieder zu Zielen nach Südamerika, Afrika und Fernost (mindestens!) reisen möchte, muss für sich persönlich eine Impfentscheidung treffen. Viele Länder der Dritten Welt dürften die Einreise von Touristen aus Europa nur mit COVID-19-Impfnachweis in Erwägung ziehen (so wie das heute auch schon in Gelbfieber-Risikogebieten der Fall ist).

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

Startbild: Tieflandsfelsenhahn. Foto: Adrian Eisen Rupp
Ohne Einkommen kein Überleben – wir bitten um Spenden für unsere freien Birdguides in aller Welt

Ohne Einkommen kein Überleben – wir bitten um Spenden für unsere freien Birdguides in aller Welt

Seit Ende März ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Vogelkundler, das Reisen zu den Vögeln in aller Welt, aufgrund der Pandemie zum Stillstand gekommen. Seit Monaten müssen auch Menschen, die im Reise-Business arbeiten „plötzlich und unverschuldet“ auf Ihr Einkommen verzichten, was defacto einem „Berufsverbot“ entspricht. Eine nie dagewesene Situation! Für uns alle hier, aber insbesondere und zunehmend für unsere Kollegen in den Ländern vor Ort, die uns als Reiseführer (Guides) mit ihren herausragenden Kenntnissen über die Avifauna und die Natur der Reiseländer begeistern, und damit unsere Reisen zur Vogelwelt fremder Ländern zum Erfolg werden lassen. 

Viele von Ihnen sind jetzt, nach so vielen Monaten, in großer Not, wissen nicht mehr, wie sie ihre Familien über die Runden bringen können. Dazu kommen Misswirtschaft, Korruption und zunehmend Nahrungsmittelknappheit in einigen Städten der so genannten Dritten Welt. Heute erhielt ich Bilder (Videos) von für übertrieben viel Geld als Nahrung gekauftem Reis, verseucht mit Unrat und Insekten. Es ist ein einziges Drama!

Während wir hier in Deutschland wenigstens auf Unterstützungen vom Staat zählen dürfen, sieht es für unsere freien Mitarbeiter insbesondere in Asien und Afrika, teilweise auch Südamerika wirklich sehr, sehr traurig aus!

Schon dreimal hat Bartmeise-Reisen in den zurückliegenden Wochen zu kleineren und gezielten Spendenaktionen für speziell betroffene Kollegen von zuletzt durchgeführten Reisen aufgerufen. Und dankenswerter Weise haben unsere Reisegäste dabei schon über 7.000,00 € gespendet! Mit diesem Geld konnten wenigstens die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden. 

Leider, die Situation wird noch nicht besser, eher teilweise noch schlimmer in den heftig betroffenen Regionen dieser Erde. Zum Teil müssen Kollegen seit mehr als 122 Tagen, z.B. in Teilen Asiens, einen verschärften Lockdown (in den Wohnungen eingesperrt!) ertragen. Das ist menschenunwürdig! Mit einer Spende, um die ich Sie bitte, können wir wenigstens materiell etwas helfen und Notlagen lindern. Wer sich in der Lage sieht, mit ein bisschen Bargeld unseren freien Kollegen in dieser unglaublichen Krise zu helfen, egal ob 10, 20, 50 oder 100 oder mehr Euro, der findet unten die Bankverbindung. Alle Beträge kommen zu 100 % vor Ort an, die Bankgebühren tragen wir hier.

Wie soll die Welt nach Corona aussehen? Immer noch bunt und vielfältig? Immer noch für uns auch geprägt von Menschen vor Ort, die uns mit ihrem Wissen und ihren Kenntnissen so fantastisch bereichern, die Vogelwelt anderer Kontinente kennen- und zu verstehen zu lernen? Oder müssen wir uns damit abfinden, dass mit dieser Pandemie auch Kompetenz und Wissen im schnöden Überlebenskampf verloren gehen? Das kann und will ich nicht glauben und akzeptieren!

Liebe Reisegäste, bitte helfen Sie mit einer Spende!

Bankverbindung:
Hartmut Meyer
DE88 8709 5974 0300 0294 42
BIC:GENODEF1GC1 (VR-Bank Glauchau)

Hinweis: Das Ausstellen von Spendenquittungen ist bei dieser privaten Aktion nicht möglich!

Vielen Dank!

Hartmut Meyer
Inhaber Bartmeise-Reisen

Startfoto: Portrait Wiedehopf. Foto: Milos Balla
Taigabirkenzeisige A. flammea im Erzgebirge unterwegs – spannende Bestimmungsübung für Fortgeschrittene

Taigabirkenzeisige A. flammea im Erzgebirge unterwegs – spannende Bestimmungsübung für Fortgeschrittene

Es war feldornithologisch schon immer eine echte Herausforderung für Profis, die Unterarten vom Birkenzeisig exakt bestimmen zu können. Neben unserem heimischen Brutvogel, dem Alpenbirkenzeisig (C. f. cabaret) konnten im Winterhalbjahr auch Vögel aus Fennoskandien auftreten, die als Unterarten „Taigabirkenzeisig“ (C. f. flammea) und „Polarbirkenzeisig“ (C. f. hornemanni) geführt wurden. Seit mehr als 10 Jahren gilt jedoch der Polarbirkenzeisig als eigene Art bis dato unter dem wissenschaftlichen Namen Carduelis hornemanni.

Mit der 2019 von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G, http://www.do-g.de) herausgegebenen neuen amtlichen „Liste der Vögel Deutschlands“ (Barthel & Krüger, unten) wurden nun auch die Änderungen aus der IOC-Weltliste (Gill & Donsker 2019) verbindlich eingeführt. Dieser nun in der Ornithologie international üblichen Anordnung soll auch in Deutschland gefolgt werden, wie die zuständige deutsche Kommission festgelegt hat.

Die Birkenzeisige werden nun unter dem neuen Gattungsnamen Acanthis geführt und in drei Arten getrennt: Alpenbirkenzeisig (Acanthis cabaret), Polarbirkenzeisig (Acanthis hornemanni) und Taigabirkenzeisig (Acanthis flammea).

Am vergangenen Wochenende wurden die ersten beiden Taigabirkenzeisige (englisch: Common Redpoll) an einem Vogelmonitoringplatz im Erzgebirgskreis bei Gelenau gefangen, genauestens bestimmt (vermessen etc.) sowie beringt (Dr. Rico Spangenberg). In der Hand ist die Bestimmung der Art machbar, denn neben den Gefiedermerkmalen (sehr hell, „mealy = mehlig“, grau, weniger gestreift) können hier die Flügelmaße ab mehr als 76mm herangezogen werden.

Man sollte jetzt mit offenen Augen unterwegs sein, denn neben den östlichen Trompetergimpeln sind nun auch diese Wintergäste, die in der borealen Taigazone im östlichen Skandinavien und in den Weiten Sibiriens Brutvögel sind, bei uns unterwegs!

Für die Fotos danke ich meinem Freund Dr. Rico Spangenberg (Stollberg).

Das Startfoto und das 2. Bild (ausgebreiteter Flügel) zeigt ein Männchen (gleiches Individuum) vom 21.11.2020; das 1. Bild (ob. re) zeigt ein Weibchen vom Taigabirkenzeisig vom 21.11.2020. Das untere Bild (re.) wiederum ein Männchen aus 2018, das bereits ins BK mausert.

Hartmut Meyer

Literatur:

Barthel, PH & Krüger, T (2019): Liste der Vögel Deutschlands. Version 3.2. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Radolfzell

Barthel, PH et al. (2020): Deutsche Namen der Vögel der Erde. Vogelwarte 58, 2020: I, Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Radolfzell

Diese Publikation wird Bartmeise-Reisegästen mit Reiseunterlagen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Vogelwarte – Zeitschrift für Vogelkunde Heft 1/2020. Bezug unter www.do-g.de

 

Sie sind wieder da! Aber Klimawandel bedroht Rasthabitate massiv – Hilfe beim Erhalt von Feuchtflächen notwendig

Sie sind wieder da! Aber Klimawandel bedroht Rasthabitate massiv – Hilfe beim Erhalt von Feuchtflächen notwendig

Die Zwergschnepfen Lymnocryptes minimus (Jack Snipe) sind wieder da! Jahr für Jahr kommen sie aus den borealen Wald- und Tundrazonen Eurasiens und aus den Weiten Sibiriens zum Überwintern nach Mitteleuropa, wobei aus dem geheimnisvollen Leben der Art nach wie vor nur Fragmente bekannt sind. Auch hier im Raum Westsachsen hat die Art jetzt ihre verbliebenen Winterquartiere besetzt.

Aber, die Bedingungen werden für die Art hier immer schlechter! Das infolge des Klimawandels absinkende Grundwasser lässt ihre Rasthabitate zunehmend austrocknen. Und so sind auch hier zwischen Chemnitz und dem Tal der Zwickauer Mulde im Landkreis Zwickau in den zurückliegenden Jahren viele jahrzehntelang genutzte, traditionelle Rasthabitate z.B. in Feuchtwiesen und in Teichgebieten einfach ausgetrocknet und stehen für die Art nicht mehr zur Verfügung.

Jens Hering und Dieter Kronbach (Limbach-Oberfrohna) gehören zu den Pionieren bei der Erforschung der Zwergschnepfen im Winterhalbjahr in Deutschland. Ungefähr 2.000 Individuen, so viele wie wohl nirgendwo anders in Europa, wurden hier in den zurückliegenden Jahren gefangen und mit Ringen der Vogelwarte Hiddensee markiert. Die gewonnen Erkenntnisse auch über das Verhalten der Art sind geradezu erstaunlich! Viele Individuen nutzen Jahr für Jahr das gleiche Rasthabitat und werden teils auf dem gleichen Quadratmeter immer wieder angetroffen. Eine unglaubliche Leistung, und zugleich eine wichtige Erkenntnis für den Schutz selbst von Kleinstflächen als Rasthabitate!

Die Experten können über winzige Spuren, über Trittsieggel im Schlamm oder Schnee bzw. über kleine Kothäufchen, schon erkennen, ob ein Gebiet besetzt ist oder nicht. Die Zwergschnepfe hingegen vertraut auf ihre Tarnung und fliegt erst im aller letzten Moment überhaupt auf. Dieses Verhalten machen sich Jens und Dieter zum Nutzen, denn meist greifen sie die kleinen Schnepfen einfach mit der Hand vom Boden ab (Foto).

Aus der jahrzehntelangen Arbeit mit und für die Art haben sich wertvolle Hinweise zum Schutz der winterlichen Rasthabitate ergeben. So konnten zahlreiche Maßnahmen für den Erhalt von Nassstellen, Sumpfwiesen bzw. auch sumpfigen Feldteichen umgesetzt werden. Oft in Zusammenarbeit mit dem Besitzer, aber auch über Naturschutzmaßnahmen im Landkreis. Lediglich dem Klimawandel stehen nun alle machtlos gegenüber, weil durch fehlende Niederschläge das Grundwasser immer weiter absinkt und die Flächen nachhaltig austrocknen. Dennoch kann man etwas tun. Oft sind unbedachte, manchmal unbeabsichtigte Aktivitäten der Grundbesitzer Auslöser für zusätzlichen Wasserablauf aus den Flächen. Manchmal kann man im Gespräch mit einem gutwilligen Eigentümer weiteren Schaden abwenden. Ein unbedacht geöffnet gebliebener Feldteich kann wieder verschlossen werden, ein kleiner Graben, der Nassflächen zusätzlich entwässert, kann gestoppt werden. Vogelkundler, die bei ihren Beobachtungsgängen in der Natur Derartiges feststellen, sollten nichts unversucht lassen, um mit dem Eigentümer ins Gespräch zu kommen und diesen zu sensibilisieren. Notfalls kann auch über die zuständige Untere Naturschutzbehörde im Hilfe angefordert werden.

Wertvolle Feuchtwiesen bieten nicht nur der Zwergschnepfe Winterquartiere, sondern stellen auch auch für zahlreiche weitere seltene und bedrohte Arten – vom Bergpieper bis zur Sumpfohreule –  Rast- und Nahrungsflächen dar. Daher lohnt sich ein Einsatz immer!

Jens Hering und Dieter Kronbach haben ihre Erkenntnisse zum Schutz der Rasthabitate der Zwergschnepfe in zahlreichen Vorträgen deutschlandweit präsentiert, so auch bei der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) in Wort und Poster. In der legendären Zeitschrift „Limicola – Zeitschrift für Feldornithologie“ erschien 2007 ein längerer Hauptbeitrag unter dem Titel „Die Häufigkeit der Zwergschnepfe als Durchzügler und Wintergast in Südwest-Sachsen“, in dem die Autoren all ihr Wissen über die geheimnisvolle Art komprimiert darstellen konnten (Fotos unten).

Sobald es die Situation wieder zulässt, will Bartmeise-Reisen eine Tagesexkursion zur Zwergschnepfe hier in Westsachsen anbieten. Das kann noch im März oder April 2021 sein. Wir informieren kurzfristig.

Hartmut Meyer

Alle Fotos im Beitrag: Jens Hering

Erstnachweis Blauschwanz im Erzgebirge – Bartmeise-Reisen im Februar 2021 auf Kuba bei Monitoring zu Gast

Erstnachweis Blauschwanz im Erzgebirge – Bartmeise-Reisen im Februar 2021 auf Kuba bei Monitoring zu Gast

Mitglieder der Beringergruppe Gelenau bei der wiss. Vogelberingung. Foto (2019): H. Meyer

Die Nacht war kalt, der Morgen eisig, nur knapp über 0°C um 7.00 Uhr im Erzgebirge auf rund 600mNN, dafür aber nur schwacher Wind bei bedecktem Himmel: ideale Bedingungen für den herbstlichen Vogelzug. Und der war merklich spürbar heute Vormittag nahe der Gemeinde Gelenau im Erzgebirgskreis auf der Fangplatz der Beringergemeinschaft Gelenau, die seit vielen Jahren im Rahmen wissenschaftlicher Monitoringprogramme der Vogelwarte Hiddensee zur langfristigen Bestandskontrolle unserer Singvögel im 14-Tage-Rhythmus Brut- und Zugvögel mit Ringen der Vogelwarte markiert. Dazu werden Lebensdaten der Vögel wie Mauserzustand, Federlänge und Gewicht – was Aufschluss über die Fitness der Vögel auf dem Zug ins Winterquartier gibt – erfasst.

Zahlreiche Wintergoldhähnchen (29), Berg- (18) und Buchfinken (54) zeigen den laufenden Zuzug aus skandinavischen Breiten an. Gimpel, Rotkehlchen, Singdrossel, Amsel und zwei späte Mönchsgrasmücken waren Teil der insgesamt ü203 Vögel in 17 Arten, die heute Vormittag die Markierung der Vogelwarte erhielten. Bereits viermal seit 2017 hat die Beringergruppe im Auftrag von GOV, VSO e.V. und der Sächsischen Vogelschutzwarte hier im Erzgebirge deutschlandweite Beringerlehrgänge durchgeführt, die eine Voraussetzung zum Erwerb der staatlichen Zulassung als wiss. Vogelberinger sind.

Blauschwanz im Erzgebirge, vermutlich sächsischer Erstnachweis. Gefangen und beringt am 8.10.2020. Foto: Dr. Rico Spangenberg

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass vor wenigen Tagen hier in der Anlage ein Blauschwanz (Red-flanked Bluetail, Trasiger cyanurus), ein eigentlich in Sibirien bis Nordskandinavien beheimateter Vertreter der Fliegenschnäpper, der auf einer „falschen Zugroute“ unterwegs war, gefangen und markiert werden konnte. Nach heutigem Kenntnisstand bedeutet dieser Glücksfang den sächsischen Ernstnachweis, nachdem die Art ab und an auf Helgoland in der Nordsee auftritt.

Bartmeise-Reisen bietet im Februar/März 2021 auf der großen Kuba-Rundreise die Möglichkeit, ein kubanisches Vogelberingungsprogramm zu erleben, und zwar ein laufendes Monitoringprojekt nach deutschem Standard und Vorbild! Einige der dort tätigen Vogelberinger waren zur Ausbildung und zum Training am Fangplatz auf der Greifswalder Oie in Mecklenburg-Vorpommern tätig. Das von NABU Großfahner/Thüringen unterstützte Projekt hat Vorbildcharakter für die Region und hilft auch auf Kuba, langfristige Veränderungen in der Vogelwelt zu erkennen.

Für die Kuba-Reise sind derzeit noch wenige Plätze – im Moment unverbindlich – reservierbar:  Email: info@bartmeise.de!

Hartmut Meyer

Startbild: Gelbbrauenlaubsänger im Erzgebirge/Fangstation Gelenau am 20.09.2020. Foto: Dr. Rico Spangenberg
Jetzt geht es wieder los: Mornellregenpfeifer auf dem Wegzug beobachten – Exkursionsangebot für Reisegäste

Jetzt geht es wieder los: Mornellregenpfeifer auf dem Wegzug beobachten – Exkursionsangebot für Reisegäste

Da gähnt er müde …, denn nach einem nächtlichen Flug vermutlich aus dem Norden Skandinaviens kommend, ist er am Vormittag zur Tagesrast und Nahrungsaufnahme auf einem Feld in der Nähe von Werdau im Landkreis Zwickau gelandet, wo der Langstreckenzieher bereits vom Ornithologen Jens Halbauer erwartet (und 2019 fotografiert) wurde. Die hübschen Mornellregenpfeifer (Eurasian Dotterel), die in Europa in den Tundren Skandinaviens brüten, überwintern in Afrika nördlich der Sahara. Zweimal im Jahr treten die Vögel ihre ca. 8.000 bis 10.000 Kilometer lange Reise an, auf der sie traditionelle Zwischen-Rastplätze in der Feldflur nutzen. Diese Rastplätze können über Jahrzehnte genutzt werden, wobei es echt verblüffend ist, dass die Vögel fast immer auf den gleichen Flächen (abhängig auch von der Fruchtfolge), teils auf den halben Hektar genau, zur Rast einfallen!

Nun ist es wieder so weit. Der Sommer ist vorbei und die Zugvögel treten den Wegzug an. In Norddeutschland wurden am 13. August die ersten 12 rastenden Mornellregenpfeifer entdeckt. Bei uns hier in Westsachsen liegen die üblichen Durchzugszeiten der Art zwischen dem 25. August und 5. September mit Schwerpunkt um den Monatswechsel August/September.

Der bekannte westsächsische Ornithologe Jens Halbauer beobachtet seit vielen Jahren das Durchzugsgeschehen der Art in so einem traditionellen Rastgebiet in der Nähe von Werdau. Er kennt die Verhältnisse und die Gewohnheiten der Vögel genau und beobachtet daher dort auch jeden Herbst rastende Mornellregenpfeifer. Mit ihm in dieser Zeit unterwegs zu sein, bietet hohe Chancen, die seltenen Vögel beobachten zu können. Allerdings, eine Erfolgsgarantie kann niemand geben, denn die Tagesverhältnisse, auch was die Wettersituation anbetrifft, kann niemand voraussagen!

Wir laden unsere Bartmeise-Reisegäste zu einer gemeinsamen Exkursion am Dienstag, 1. September, nach 08412 Werdau bei Zwickau ein. Die Exkursion beginnt um 8.30 Uhr in Werdau (Ende gegen 11.00 Uhr). Aufgrund der bekannten Sicherheitsvorkehrungen infolge der Pandemie müssen wir um Anmeldung bitten! Die Teilnahme ist kostenfrei. Mit der Bestätigung der Anmeldung wird auch der genaue Treffpunkt bekanntgegeben. Anreise mit eigenem PKW ist Voraussetzung zur Teilnahme.

Anmeldungen bitte an:

per E-Mail: info@bartmeise.de oder hartmutmeyer11@gmail.com oder per Fax 03723 – 44211.

Hartmut Meyer

Bildautor aller Fotos (2019): Jens Halbauer (Werdau) 

Silberreiher seit 11 Jahren Brutvogel in Ostdeutschland – Exkursion für Bartmeise-Reisegäste zum NSG „Große Rosin“

Silberreiher seit 11 Jahren Brutvogel in Ostdeutschland – Exkursion für Bartmeise-Reisegäste zum NSG „Große Rosin“

Silberreiher am Nest in Niederdorf. Foto: E. Akkermann

Auch wenn der Silberreiher in Deutschland nun bereit seit mehr als 20 Jahren (bis auf die Monate Mai bis Juli) Jahresvogel ist und auch hier in Sachsen im Herbst Ansammlungen von bis zu 600 Vögeln in Fischteichgebieten keine große Seltenheit mehr sind, hat kein anderes deutsches Bundesland so viele Silberreiher wie Mecklenburg-Vorpommern, wo an mind. einem Schlafplatz Maximalzahlen von bis zu 1.600 Silberreihern nachgewiesen wurden. Daher war es vielleicht auch für Profis keine Überraschung, dass der erste deutsche Brutnachweis 2009 für die Art in Mecklenburg-Vorpommern, an der Ostsee, erbracht wurde. Aber für viele Vogelfreunde ist dieser Umstand noch immer noch recht unbekannt.

Unser Reisefreund Frank Vökler, ein bekannter Avifaunist und Vorstandsmitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern OAMV, der die Kolonie betreut, kennt die Geschichte von Anfang an und hat für Bartmeise-Reisen den Verlauf der Besiedlung bis heute nachgezeichnet:

Seit 2005 nahm das Auftreten des Silberreihers in Mecklenburg-Vorpommern (MVP) wie auch in anderen Teilen Deutschlands, deutlich zu. Erstmals seit 2009 brütet die Art in MVP, in Niederhof bei Stralsund in der bekannten Graureiher- und Kormorankolonie. Die Silberreiher brüten hier inmitten der Graureiher teils auf den gleichen Nistbäumen (Rotbuchen). 2015 hatten sich bereits 12 Brutpaare angesiedelt, und in diesem Jahr habe ich bereits 32 Brutpaare mit Nest beobachten können. Die Reiher werden hier alljährlich von mir erfasst. 2015 brüteten auch zwei Paare im NSG „Große Rosin“ am Kummerower See auf Grauweidenbüschen, allerdings leider erfolglos. Zwar werden alljährlich auch weiterhin hier Vögel im Brutkleid festgestellt, eine Brut konnte seither allerdings nicht mehr festgestellt werden. Im NSG „Große Rosin“ sammeln sich alljährlich nach der Brutzeit Silberreiher, die im August/September Höchstzahlen erreichen (Ende Sept. 2015: max. 1.620 Exemplare). Daneben gibt es zahlreiche weitere Schlafplätze an verschiedenen Stellen in Mecklenburg-Vorpommern mit oft mehr als 300-500 Vögeln. Die Tabelle (oben) zeigt das jährliche Auftreten der Art in MVP.

Bartmeise-Reisen lädt seine Reisegäste (und gern auch solche, die es werden möchten) am 29./30. August 2020 zu zwei geführten Exkursionen in das NSG “Große Rosin“ am Kummerower See ein. Die wiedervernässten Polderflächen der Peene am Kummerower See haben sich in wenigen Jahren zu einem Vogelparadies der Sonderklasse entwickelt, welches in Deutschland einzigartig ist. Bruten der Weißbartseeschwalbe (2020 ca. 30 Paare, nach Unwetterereignis vermutlich erfolglos), 40-50 BP Trauerseeschwalbe, dazu Weißflügelseeschwalben zur Brutzeit anwesend, verdeutlichen die herausragende Qualität dieses Schutzgebietes. Der einzigartige Charakter dieser permanent unter Wasser stehenden Polder versetzt den Besucher in eine Art “deutsches Pantanal”. Diesen Eindruck hat unser brasilianischer Mitarbeiter, der Ornithologe und Biologe Adrian Eisen Rupp aus Santa Catarina in Südbrasilien, bei einem Besuch im Jahr 2018 mit den Worten auf den Punkt gebracht: „Es fehlen nur die Wasserschweine, ansonsten Pantanal pur!“

Unsere Exkursionen finden am Sonnabend und Sonntag 29./30. August 2020 statt. Erster Treffpunkt wird am Sonnabend, 29.08., um 17.00 Uhr in Aalbude (Ortsteil von 17159 Dargun) sein, zu einer Abendexkursion in das Gebiet, um Silberreiher am Schlafplatz und die weitere Vogelwelt zu beobachten. Und am Sonntagvormittag steht dann eine weitere gemeinsame Exkursion an, zu der es aus berufenem Munde von Frank Vökler auch viele Inforationen geben wird.

Da vermutlich auch noch Ende August gewisse Schutzmaßnahmen infolge der COVID-19-Pandemie zu beachten sein werden, muss die Teilnehmerzahl limitiert werden. Interessenten müssen sich daher bitte ab sofort verbindlich per Email an info@bartmeise.de anmelden (mit Name/Adresse/Geburtsdatum und Telefonnummer mobil). Und das bitte bis 30. Juli 2020. Der Unkostenbeitrag von 20,00 € pro Person ist nach Bestätigung der Anmeldung zu überweisen.

Details zum Ablauf, zu den genauen Treffpunkten etc., werden nach der Bestätigung der Anmeldung gegeben.

In der Gemeinde 17159 Dargun bzw. in der Umgebung des Kummerower Sees, zwischen Demmin und Malchow (Umkreis 20km) gibt es zahlreiche Pensionen, Hotels, Gasthöfe und Ferienwohnungen, die genutzt und von Jedermann nach Bedarf selbst gebucht werden können.

Hartmut Meyer

info@bartmeise.de

Klimaveränderungen bringen neue Vogelarten auch ins Erzgebirgsvorland: „Start frei“ für die Bienenfresser

Klimaveränderungen bringen neue Vogelarten auch ins Erzgebirgsvorland: „Start frei“ für die Bienenfresser

Nachdem wir uns seit mehr als 20 Jahren schon an den Silberreiher fast als Ganzjahresvogel „gewöhnt“ haben, bringt das spürbar milder werdende Klima auch weitere „südliche“ Vogelarten als Brutvögel nach Sachsen, und sogar hier ins eigentlich kühle Erzgebirgsvorland. Nach Wendehals und Wiedehopf sind nun auch die Bienenfresser (European Bee-eater) so weit, dass wir sie zu den regelmäßigen Brutvögeln zählen können.

In diesem Jahr gibt es im Tal der Zwickauer Mulde zwischen Glauchau und Rochlitz wieder zwei besetzte Brutplätze, zusammen mit 2019 insgesamt drei Brutplätze. Im Moment sind insgesamt fünf Brutpaare erfolgreich und füttern teils große Junge, die in den nächsten Tagen ausfliegen werden. Und dabei ist es nicht auszuschließen, dass unentdeckt noch weitere Brutansiedlungen vorhanden sein könnten, zumal sich im Mai an einem der beiden aktuell besetzten Brutplätze bis zu 16 Altvögel aufhielten. Dafür spricht auch, dass die Vögel, was den Brutplatz anbetrifft, relativ anspruchslos sind, wenn die Bodenbeschaffenheit für das Graben der Bruthöhle ausreicht.

Als Höhlenbrüter haben die Bienenfresser nur wenige Feinde, allerdings erscheint das angesichts eines Turmfalken, der heute einem fütternden Bienenfresser bis an den Eingang seiner Bruthöhle hinterherjagte und versuchte, dort einzudringen (Foto: A. Kretschel), relativ zu sein.

Nachdem die Art in Sachsen im Vergleich zum Nachbarland Sachsen-Anhalt, wo sich der aktuelle Verbreitungsschwerpunkt für die Art in Deutschland befindet, bisher nur moderate 60-100 BP im Elbtal und in Nordsachsen aufwies, bewegen sich die Bestände in diesem Jahr deutlich nach oben. Um die 350 Brutpaare sind aktuell 2020 für Sachsen bekannt. Tendenz steigend! Und angesichts der Tatsache, dass sich ehemals häufige Brutvögel wie Kiebitz und Rebhuhn … mehr und mehr von uns verabschieden, eine zumindest tröstliche Entwicklung.

Bis Ende April 2021 müssen wir uns in den nächsten Tagen von den hübschen Bienenfressern verabschieden. Rasch nach dem Ausfliegen der Jungvögel verlässt die Art ihren Brutplatz und tritt den Wegzug in die afrikanischen Winterquartiere an.

Auf unseren Reisen dorthin, in die Steppengebiete Afrikas, z.B. nach Kenia im September, können wir jederzeit mit Beobachtungen von Bienenfresser und Wiedehopf rechnen. Auch dort sind die hübschen Vögel immer ein Farbtupfer in der Landschaft.

Hartmut Meyer
CEO Bartmeise-Reisen

Bienenfresser in der Presse (Freie Presse Chemnitz, lokal und Sachsen, 11.08.2020)

Alle Fotos: Andreas Kretschel (Pressefotograf).

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