Reisebericht: Unterwegs zwischen Indischem Ozean und Western Ghats bei den Endemiten Südindiens

Reisebericht: Unterwegs zwischen Indischem Ozean und Western Ghats bei den Endemiten Südindiens

Reisebericht: Südindien vom 6. bis 23. Januar 2018

(Für unsere neue Reise nach Südindien mit den Andamanen ab 17. November 2018 sind noch drei Plätze buchbar)

Entspannte Anreise in der Premium-Economy-Class der Lufthansa. Foto: H. Meyer

Sonnabend/Sonntag, 06./07. Januar 2018: Anreise nach Indien
Zeitig in der Nacht starten die ersten Gäste per Taxitransfer von der Haustür zum Flughafen Dresden, und ab Hamburg nach München, mittags von dort weiter mit Lufthansa nach Mumbai, wo die Gruppe ziemlich genau Mitternacht eintrifft. Andere Gäste aus Frankfurt kommend erreichen ebenfalls um diese Uhrzeit Dehli. Nachdem die indische Ein- und Weiterreise-Bürokratie erfolgreich gemeistert wurde, treffen alle Gäste am Morgen des 7. Januar in Kochi an der Bengalensee/Indischer Ozean im südlichen Bundesstaat Kerala ein. Unser indisches Partnerunternehmen holt uns ab und nach kurzer Fahrt gegen 10:30 Uhr erreichen wir das angenehme Boutique-Hotel in Fort Kochi. Freundlicherweise stehen die Zimmer bereits zur Verfügung, und so können sich alle von der – durch den mitternächtlichen Umstieg – anstrengenden Reise erholen. Am Sonntagnachmittag dann ein Rundgang an der durch einen Taifun erheblich beschädigten Uferpromenade, an der wir einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Kulturen des indischen Subkontinentes bekommen. Übernachtung in Fort Kochi.

Montag, 8. Januar: Bootsausflug zu Pelagen und Delfinen in die Bengalische See

Reisegast Knut ergreift beherzt das Ruder der Yacht. Foto: H. Meyer

Hinaus auf den Ind. Ozean vorbei an den chinesischen Fischernetzen. Foto: H. Meyer

Mit Tagesanbruch steht eine gecharterte Hochseeyacht bereit, die uns einige Meilen hinaus in die Bengalensee/Indischer Ozean bringt. Zuerst geht es vorbei an den berühmten chinesischen Fischernetzen, feststehende riesige Senknetze. Wir können den mühsamen und meist erfolglosen Fischfang beobachten, der nur ein wenig Futter für die schon wartenden Reiher, Mohren– und Braunwangenscharben (Little- & Indian Comorant) bringt. Immer wieder entdecken wir links und rechts neben unserer Yacht Delfine. Von den insgesamt fünf hier vorkommenden Arten können wir zwei relativ sicher ausmachen: Common Dolphin und Humpacked Dolfin. Dann geht es vorbei an den Öl- und Gas-Terminals im Hafen von Fort Kochi und bald ist das Ufer nicht mehr in Sicht. Weißbart– und Lachseeschwalben (Whiskered- & Common Gull-billed Tern) sowie Braunkopfmöwen (Brown-headed Gull) und immer wieder Fischmöwen (Pallas‘s Gull) begleiten uns hinaus aufs Meer. Heuglins- und Steppenmöwen (Heuglin’s & Steppe Gull, wohl der Unterart L. c. barabensis zugehörig) sind zu sehen. Das Meer ist eigentlich ruhig, macht keine Schwierigkeiten, aber dennoch ist einigen Gästen vom Seegang etwas unwohl … Weiter draußen lassen sich einzelne Rüppel– und größere Trupps von Eilseeschschwalben (Lesser- & Greater Crested Tern) die auf den Wasserzeichen rasten, entdecken. Mehrere Spatelraubmöwen (Pomarine Jaeger) auf Nahrungssuche bedrängen Möwen und Seeschwalben. Unser mitgebrachtes Frühstück verzehren wir auf der Yacht und genießen dabei die tolle Stimmung.

Mittags sind wir zurück, denn es steht eine kurze Stadtbesichtigung im historischen Teil von Kochi auf dem (Vor-)Programm diese Reise. Eine historische Wäscherei, die jüdische Kathedrale und das jüdische Viertel mit seinen prächtigen Läden, die älteste römisch-katholische Kirche und der viel beschriebene Mattancherry-Palast mit seinen historischen Wandgemälden sind das Ziel. Zum Abschluss noch ein indisches Kulturhighlight, ein Muss für den Kerala-Besucher: eine Vorstellung im berühmten Kathakali-Theater, deren Darsteller ausschließlich pantomimisch spielen und tanzen, von gelegentlichen Schreien oder Rufen abgesehen, während die Handlung von einem oder zwei Musikern, die sich im Hintergrund halten, gesungen wird. Ein Theaterstück zu erleben, das nur bestehend aus Mimik und Gestik besteht, ist mit Sicherheit etwas ganz Besonderes. Übernachtung in Fort Kochi.

Dienstag/Mittwoch, 09./10.01.: Mangrovensetzlinge für den Natur- und Artenschutz

Bartmeise-Reisegruppe pflanzt Mangroven …

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns aus Fort Kochi und machen uns auf die Fahrt in die Backwaters. Unterwegs stoppen wir heute ausnahmsweise einmal nicht um Vögel zu beobachten, sondern um einen kleinen Beitrag für den Natur- und Artenschutz im Küstenbundesstaat Kerala zu leisten. Die Bartmeise-Reisegäste haben als Spende bei einer privaten Umweltschutz-Initiative (nichts anderes gibt es in Kerala!) Mangrovensetzlinge gekauft und nehmen hier deren Pflanzung selber mit vor. Mag sein, dass diese Aktion eher symbolischen Charakter trägt. Aber darüber einmal nachzudenken, welche positive Wirkung es haben könnte, wenn das auch jede andere Reisegesellschaft, die tagtäglich irgendwo an den Küsten in der Welt unterwegs ist, machen würde, darf man schon. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, und auch die örtlichen Organisatoren, die uns ihr Öko-Projekt für Schulkinder und Interessierte gern und ausführlich vorstellen, freuen sich über die Unterstützung aus Deutschland. Man reicht uns als Dankeschön zum Abschied Kaffee, Tee und lokale Süßigkeiten. Gegen 11.00 Uhr wartet unser Bus auf uns.

… als kleinen Beitrag für den Arten- und auch Küstenschutz in Kerala. Fotos: H. Meyer

Wir erreichen Alleppey und die Anlegestelle unserer schwimmenden Hotels gegen 13.00 Uhr. Hinter einem tropischen Garten verbergen sich am Hauptkanal zwei Hausboote, jedes mit vier komfortablen Hotelzimmern. Wir checken in die schwimmenden Zimmer ein und nach dem Mittagessen auf den Schiffen gleiten wir zum ersten Mal hinaus in die Kanäle, gesäumt von kleinen Ortschaften, Gärten und einer bezaubernden tropischen Vegetation. Unmittelbar hinter dem teilweise nur sechs bis zehn Meter breiten Landstreifen rechts und links der Kanäle schließen sich die üppig grünen, endlosen Reisefeldern an. Die meisten sind nach der Ernte im Dezember schon wieder bestellt und das Getreide steht 20-30 cm hoch. Aber ab und an finden sich noch Felder in Bearbeitung, die Scharen von Limikolen und anderen Wasservögeln anziehen. Unser beiden jungen Kapitäne stoppen wann immer wir etwas Interessantes entdecken. Und so können wir an beiden Tagen verschiedene Enten-, alle Reiher-, Scharben, Rallen und Wasserhühner, darunter auch Wasserfasan (Pheasent-tailed Jacana), und zahlreiche Limikolenarten, wie z.B. Tundra-Goldregenpfeifer (Pazific Golden Plover), die hier überwintern, Eisvögel, darunter auch den Storchschnabelliest (Stork-billed Kingfisher), beobachten. Hunderte Weißbart- und Lachseeschwalben (Whiskered- & Common Gull-billed Tern) bevölkern die Kanäle und sitzen teilweise wie Schwalben auf Leitungsdrähten über den Kanälen. Die Luft ist voller Brahminiweihen (Brahmini Kite), die ständig damit beschäftigt sind, nach Fressbarem Ausschau zu halten. Es wimmelt an Vögeln … An den Ufern lärmen Hirtenmainas (Common Myna) und das vielstimmige Morgenkonzert der (endemischen) Grünbartvögel (White-cheeked Barbet) ist unser Wecker. Viele Vogelarten Südindiens, die aufzuzählen zu weit führen würde, begegnen wir hier im Gebiet zum ersten Mal auf dieser Reise. Morgens und abends schauen wir den beeindruckenden Indischen Riesenflughunden (Indian Flying Fox) bei ihren Flügen zu den Tagesruheplätzen zu. Übernachtung auf den Hausbooten.

Der Zauber der Backwaters, der indischen Küche und freundlicher Menschen

Mit zwei solcher schwimmenden Hotelboote zwei Tage durch die Backwaters. Foto: H. Meyer

Indische Gaumengnüsse. Foto: H. Meyer

Diese 640 Quadratkilometer große, mit kleinen Hausbooten beschiffbare Kanalsystem im Rücken des indischen Ozeans ist längst kein Geheimtipp mehr, wie der enorme Bootsverkehr lokaler Urlaubsgäste in diesen Tagen zeigte, aber gleichzeitig auch ein unglaubliches Eldorado für Vögel, wenn auch jahreszeitlich unterschiedlich besetzt und vorgegeben durch die Erntefolge der Reisefelder. In einem Monat kann man Zehntausende Limikolen in frisch bestellen Reisefelder entdecken, im nächsten Monat verschwinden diese im wachsenden Reis. Manche ornithologischen Reisegruppen bleiben allein vier bis sechs Tage im Gebiet, welches man nach Aussagen der Bootscrews 14 Tage lang befahren könnte, ohne an der gleichen Stelle zweimal vorbei gekommen zu sein!

An dieser Stelle sei auf die vorzügliche indische Küche verwiesen, die wir während der gesamten Reise, insbesondere aber hier auf den Booten genießen durften. Die täglichen Zusammenstellungen an diversen Gemüse-, Reis-, Fisch- Nudel- und Hühnchen-Gerichten, Broten, frischen Salaten und zahlreichen Süßspeisen, angerichtet mit den landestypischen Gewürzen, die uns als Europäer vielfach noch immer ungekannt sind, war ein täglicher Genuss für den Gaumen und für alle Sinne. Die indische Küche kann zudem als Paradies für Vegetarier empfohlen werden. Eine solche Auswahl an  leckeren fleischlosen Speisen findet man wohl kaum anderswo auf der Welt. Und noch etwas spricht für die gute und saubere Küche: Keiner unserer Reisegäste hatte je ernsthafte Magen- bzw. Darmprobleme, zu keiner Zeit auf dieser Reise!

Gruppe bei der Mahlzeit auf den Hausbooten. Foto: H. Meyer

Auch ein anderer bemerkenswerter Vorgang soll kurz erwähnt werden: Eine Dame aus unserer Reisegruppe nahm einen Stopp am Morgen in einer kleinen Ortschaft zu touristischen Einkäufen war und zahlte diese mit ihrer Kreditkarte. Weder sie noch das Personal im Shop merkten sofort, dass die zu zahlenden Summe für den Einkauf möglicherweise infolge einer technischen Störung gleich viermal belastet wurde. Beim abendlichen Anlegen zur Nachtruhe wartete der Ladenbesitzer mit seinem Verkäufer auf unsere Boote und suchten die betreffende Kundin. Einer mehrfachen Entschuldigung für das Versehen folgte die Zurückzahlung der dreimal zu viel geleisteten Einkaufsumme in bar.

 

Donnerstag, 11.01.: Abschied von den „Backwaters“ und Fahrt zum „Salim-Ali-Vogelschutzgebiet“

Im Hornbill-Camp am Peryar-Fluss. Foto: H. Meyer

Zwei erlebnisreiche und eher lockere Tage in einem der schönsten Gebiete an der Südküste Indiens, in den Backwaters, sind vorüber. Ein letztes Frühstück auf unseren Hausbooten, dann Verabschiedung vom freundlichen Personal, die uns in den vergangenen Tagen wie in einem 5-Sterne-Hotel jeden Wunsch erfüllt hatten. Jetzt warten die Vogelschutzgebiete auf uns! Von Alleppey bis nach Thattekad, unserem Ziel, drängen wir uns rund 120 Kilometer durch die dichte Besiedlung Keralas und den unglaublich chaotischen Verkehr, der für unsere europäischen Sinne eher eine Zumutung ist. Hier vielleicht selber zu fahren: ein Albtraum, auch für den geübten Autofahrer! Wir kommen auch erst nach rund vier Stunden in unserem nächsten Camp, einer self-contained-Zeltanlage direkt an einem Seitenarm des Periyar-Flusses gelegen, an. Nicht nur das Personal der Anlage, auch eine lärmende Gruppe (gewöhnlicherweise ganze Familienverbände, die gesellig zusammenleben) mit dem treffenden deutschen Namen Dschungelschwatzhäherlinge (Jungle Babbler), heißen uns bei tropischen Temperaturen willkommen. Rasch beziehen wir unsere Zelte, und dann wartet schon das Mittagsbuffet. Trotz hoher Temperaturen über 30°C und ca. 48 % Luftfeuchte sind wir zwischen 16.00 und 18.00 Uhr auf Birdingtour um das Camp unterwegs. Viele Vogelarten, die wir heute kurz sehen, können wir an den Folgetagen noch ausführlicher beobachten. Zum Höhepunkt des Nachmittags wird aber ein Berghaubenadler der Unterart Nisaetus n. kalaarti (Legg’s Hawk Eagle), für den es (noch) keinen eigenen deutschen Namen gibt. Dieser seltene Adler, der relativ sicher nur hier im Gebiet beobachtet werden kann, ist eine der Zielarten und zieht Ornithologen und Vogelbegeisterte aus aller Welt hierher. Zum Tagesabschluss lässt sich noch der hiesige Vertreter der Sperlingskäuze, der Dschungelzwergkauz (Jungle Owlet) sehen. Im Schein der Taschenlampe leuchten die Augen der Riesenachtschwalbe (Great eared-nightjar), die wir noch vom Zeltbett aus zusammen mit den weiteren Stimmen der aus Urwaldnacht rufen hören.

Freitag, 12.01: Wilde Hühner im Wald, Endemiten-Festival und Bengalenpitta

Indienpitta am Periyarfluss. Foto: S. Daniel

Unser erster voller Tag im Gebiet beginnt noch in der Dunkelheit. Mit unserem Frühstück im Gepäck fahren wir knappe 45 Minuten bis zum Idamalayar Forst, dessen semiarides Klima eine in der jetzigen Trockenzeit teilweise Laub abwerfende Baumflora aufweist. In unserer Zielartenliste für die Region stehen verschiedene endemische Arten, um die wir uns bemühen wollen. Zuerst: wilde Hühner im Wald? Natürlich, denn wir sind in Asien, der Heimat unserer domestizierten Eierlieferranten, und hier kommt das seltene Sonnerathuhn (Grey Junglefowl), von dem wir einen Hahn mit vier, fünf Hennen … beim Verzehr unserer mitgebrachten Frühstückseier beobachten. Die Kapokbäume beginnen zu blühen und locken mit ihren süßen Blüten diverse Vogelarten an. Graustirn-Pompadurtauben (Grey-fronted Green-pigeon) ebenso wie Malabartoko (Malabar Grey Hornbill), Taubensittich (Malabar Parakeet), Scharlachmenningvogel (Scarlet Minivet), Kerala-Goldbrustbülbül (Flame-throated Bulbul), Däumlingsnektarvögel (Crimson-backed Sundbird) und den Malabarstar (Blyth‘s Starling) um nur Vertreter aus der Gruppe der Endemiten zu nennen.

Gegen 11.00 Uhr steigen die Temperaturen hier im Tiefland (70m NN) auf über 33°C an und die Vogelwelt verstummt. Wir ziehen uns zum Mittagessen zurück ins Camp und in unsere mit Deckenventilatoren und zusätzlich mit Klimaanlagen ausgestatteten Zeltbehausungen zur Mittagsruhe zurück. Am späten Nachmittag auf unserer zweiten Birdingrunde können wir dank der guten Insiderkenntnisse unseres lokalen Birdguides den beeindruckenden Fischuhu (Brown Fish-owl) und einen Falkenkauz (Brown Boobook), jeweils am Tageseinstand entdecken. Zum Abschluss des Tages, in den letzten 10 Minuten Tageslicht, wartet noch eine farbenprächtige Bengalenpitta (Indian Pitta) im Unterholz direkt am Straßenrand auf uns. Eine Art, die wie überall in den Tropen die Vogelfreunde aus nah und fern fasziniert. Was für ein schöner Tagesabschluss!

Sonnabend, 13.01.: Begegnung mit dem seltensten Vogel Südindiens

Noch vor dem Hellwerden stehen wir bereit zur Abfahrt in unser heutiges Beobachtungsgebiet in der am Rande des „Salim-Ali-Vogelschutzgebietes“. Wir wissen noch nicht, dass der heutige Tag ein ornithologisches Highlights der Reise bereithält. Zuerst erfreuen wir uns aber an einer neuen Bartvogelart, dem endemischen Malabar-Schmiedbartvogel (Malabar Barbet), dann folgt ein eher unscheinbarer, aber als Zielart des Gebiets ebenso wichtiger Vogel, der Einfarb-Mistelfresser (Nilgiri Flowerpecker), wieder ein Vertreter der Endemiten Südindiens.  Zum ersten Mal treffen wir heute auch auf das farbenprächtige Indische Königsriesenhörnchen (Indian Giant-squirrel), eines der größten Eichhörnchen der Welt.

Ceylonmaskeneule. Digiskopiefoto: H. Meyer

Im dichten Unterholz, nur zwei bis drei Meter über dem Erdboden, hat unser indischer Birdguide Jijo zwei den Tag verschlafende, nachtaktive Ceylonfroschmaul (Sri Lanka Frogmouth) entdeckt, die auf ihre Tarnung vertrauen und ihr typisches vertrautes Verhalten zeigen. Der Höhepunkt des Vormittags, ja der bisherigen Reise insgesamt, wartet aber gleich im Anschluss. Seit einiger Zeit hält sich der vermutlich seltenste Vogel Südindiens, eine Ceylonmaskeneule (Sri Lanka Bay-owl) hier im Gebiet auf und hat bereits – vergleichbar bei uns mit Ereignissen auf Helgoland – für einiges Aufsehen unter den asiatischen Twichtern und Birdern gesorgt. Denn diese sind ebenso vernetzt wie die europäischen oder amerikanischen, und so pilgern sie in das Gebiet, um diesen geheimnisvollen Vogel, über dessen Biologie fast nichts bekannt ist, zu sehen. Unser Guide ist gut aufgestellt und kann mit den neusten Informationen aus der Szene den an eine Schleiereule erinnernden (aber im Gesicht deutlich anders gezeichneten) Vogel im Unterholz rasch finden. Mit einem guten Gefühl und vollen Speicherchips in den Kameras beenden wir den hoch interessanten Birding-Vormittag. Im Camp wartet das Mittagsbuffet und die Mittagsruhe.

Nachmittags suchen wir nach einer weiteren Zielart des Gebietes, der endemischen Weißbauch-Baumelster (White-bellid Treepie), die wir auch gut beobachten können. In der Abenddämmerung fliegen Maharadschanachtschwalben (Jerdon’s Nightjar) im Schwein der Taschenlampe rufend um uns. Ein Mangokauz (Mottled Wood-owl), den wir allerdings nicht entdecken können, verabschiedet uns mit seinen Rufen in die Nacht. Nach dem Abendessen steht wie immer die tägliche Birdliste im Programm, dann begibt sich jeder in seine komfortable Zeltbehausung zur letzten Nacht hier.

Sonntag, 14.01.: Ein Baum voller Däumlingsnektarvögel – auf dem Weg in die Western Ghats

Nilgirilangur mit Jungtier. Foto: S. Grüttner

Eine Geburtstagstorte für Reisegast Wolfgang. Foto: H. Meyer

Nach dem Frühstück checken wir aus und verlassen unser Birdwatcher-Camp im tropischen Tiefland, in dem wir wunderbare Stunden verbracht und die südindische Vogelwelt genossen haben. Wir fahren entlang des Periyar-Flusses in Richtung der Berge der Western Ghats. Obwohl die Strecke bis zum nächsten Zielpunkt auf 880mNN gelegen nur 110 km lang ist, brauchen wir über vier Stunden für die Fahrt auf einer sehr schlechten Straße, die teilweise nur Schrittgeschwindigkeit zulässt. Unterwegs stoppen wir am Fluss und suchen nach einer weiteren endemischen Vogelart Südindiens, die hier verbreitet ist, den Graukopfbülbul (Grey-haeded Bulbul), den unser Guide schnell für uns findet. Begeisterung löst unterdessen ein üppig blühender Tropenbaum aus, an dessen gelben Blüten es von Nektarvögeln nur so wimmelt. Etwa 40 bis 50 der endemischen Däumlingsknektarvögel (Crimson-backed Sunbird) und einige Lotennektarvögel (Loten‘s Sundbird) zeigen hier Ihre Art als „Asiatische Kolibris“. Die Landschaft steigt an und wir gelangen auf eine erste Hochfläche der Western Ghats. Teeplantagen tauchen auf und bieten einen Kontrast zu den Bananen- und Ananasfeldern, Palmenhainen sowie Gemüsegärten der Ebene. Mit dem Erreichen der Western Ghats ändert sich auch das Klima: das feuchtheiße Tieflandsklima der ersten Reisewoche zwischen Kochi und den Thattekad weicht trockeneren Klima und kühleren Temperaturen. Wir checken in unser schönes Hotel ein, genießen das Mittagsbuffet und unternehmen in den letzten drei Stunden Tageslicht noch einen ersten Beobachtungsgang in den „Thekkady-Nationalpark“. Hier begrüßt uns zuerst der asiatische Vertreter der Paradiesschnäpper, der Hainparadiesschnäpper (Indian Paradis-flycatcher), noch dazu ein Männchen im prächtigen Brutkleid. Auch bei den asiatischen Primatenarten gibt es hier eine endemische, gefährdete Art (vulnerable) zu entdecken. Der Nilgiri-Langur, der in kleinen Gruppe durch die Urwaldriesen streift, lässt sich rasch gut per Spektiv beobachten.

Für einen Reiseteilnehmer hält der Abend noch eine Überraschung bereit: Eine Schwarzwälder-Kirsch-Geburtstagstorte … in Südindien für das Geburtstagskind Wolfgang!  Zwei Flaschen Wein gehören auch zum Geschenk, welches unsere indischen Kollegen für diesen Anlass organisiert haben. Abendbuffet/Übernachtung in einem schönen ****-Hotel am Rande des Nationalparks.

Montag, 15. Januar: Besondere Vogelarten im Periyar-Tiger-Reserve

Keralablauschnäpper. Foto: S. Grüttner

Am zeitigen Morgen setzen wir mit einem Bambusfloß über einen Nebenarm des Periyar-Flusses und beginnen unsere Wanderung im Schutzgebiet. Aus den Urwaldriesen entlang des Flussufers ertönt auch hier der vielstimmige Chor der Grünbartvögel (White-cheeked Barbet), und die Nilgiri-Languren begrüßen uns mit ihrem Morgengesang. Eine Familie Indischer Fischotter (Smooth-coated Otter) spielt entspannt im Wasser und dann im Ufersand. Schopfwesenbussarde (Oriental Honey-buzzard), Malaien- (Black Eagle) und Schelladler (Greater Spotted Eagle) sind bereits in der Luft. Wir suchen aber heute nach weiteren endemischen Arten Südindiens, auf die wir auf diese Reise nur hier eine Chance haben. Als ersten Vertreter dieser Gruppe können wir uns aus nächster Nähe den Keralablauschnäpper (White-bellied Blue-flycatcher), der seinem Namen alle Ehre macht, anschauen. Zuerst ein Weibchen, dann eines der blau gefärbten Männchen. Unsere Birgduides suchen unterdessen schon nach der nächsten Rarität in der Vogelwelt, die man auch nicht jeden Tag zu Gesicht bekommen kann. Aber es gelingt. Plötzlich kommt Bewegung ins Unterholz. Eine Gruppe Häherlinge macht sich bemerkbar. Und, es sind die gesuchten, die endemischen Rostflankenhäherlinge (Wynaard Laughinthrush)! Mehr als 15 Individuen umfasst der Verband, der sehr nah an uns vorbeizieht.

Frische Tigerspuren im Schlamm, die wohl von einem kräftigen Männchen stammen, erregen Aufmerksamkeit! Durchdringender Aasgeruch sticht in der Nase. Wir müssen uns zurückziehen. Die Rancher sind sich sicher, dass die Großkatze noch in der Nähe an ihrem Riss sein muss. Es ist zu gefährlich, hier zu bleiben.

Damadrossel. Foto: S. Grüttner

Auf dem Rückweg kommt uns noch der wunderbar orange-schwarz gefärbte (near endemic) Malaientrogon (Malabar Trogon) vor die Optik. Auch eine Zielart dieses Gebietes, ebenso wie die nicht häufigen Hindusegler (White-rumped Spinetail), die niedrig überm Wasser auf Nahrungssuche sind. Zufällig entdecken wir noch eine Damadrossel (Orange-headed Thrush), die wir eigentlich schon vor Tagen vergeblich gesucht hatten. Mittags erreichen wir unser Hotel und das Buffet wartet auf die hungrigen Vogelbeobachter.

Die Nachmittagsrunde brachte die erhofften weiteren endemischen Arten, die im Gebiet gefunden werden können: Malabarvanga (Malabar Woodshrike) und Graustirndrossling (Roufus Babbler). In einer feuchten Wiese rasten Spießbekassinen (Pintail Snipe), Wintergäste aus Sibirien. In einem alten Baum lässt sich noch eine neue Zwergohreulen-Art finden, die Orient-Zwergohreule (Oriental Scops-owl). Ein wieder interessanter Tag in einem bemerkenswerten Schutzgebiet endet nach der Birdliste mit der Nachtruhe der Birder.

Dienstag, 16.01.: Hinauf nach Munnar ins Tea Vally in den Western Ghats

In den Teeplantagen bei Munnar. Foto: B. Nikolov

Flötenhäherling. Foto: S. Grüttner

Nach dem Frühstück verlassen Periyar und fahren im Tal auf ca. 450mNN entlang der sehr trockenen, Regen abgewandten Ostseite der Western Ghats. Eine savannenartige Landschaft mit Akazien überrascht und erinnert an Afrika. Eigentlich fehlen nur die Giraffen … Bevor wir uns die enge Bergstraße hinauf schlängeln, stoppen wir um nach einigen Vogelarten Ausschau zu halten. Nochmals können wir die Bengalenpitta (Indian Pitta) gut beobachten. Wir sind diesen Umweg durch den Bundesstaat Tamilaru nach Munnar insbesondere deswegen gefahren, um eine weitere spannende endemische Vogelart dieses Lebensraumes beobachten zu können. Direkt an der Bergstraße auf ca. 1.000mNN entdecken wir dann auch den schicken Goldkehlbülbül (Yellow-throated Bulbul). Gegen 14.00 Uhr, nach insgesamt sechs Stunden Fahrtzeit für „nur“ 150 Kilometer Strecke erreichen wir die Stadt Munnar, ein in ganz Indien bekannter und beliebter Luftkurort, auf 1.500 Meter Höhe gelegen. Die Umgebung der Stadt ist vom Teeanbau geprägt, für den die Western Ghats berühmt sind. Die Zeit nach dem Mittag nutzen wir, um uns im am Stadtrand gelegenen „Tea Valley“ umzuschauen. Auch hier ist die Dramatik des Habitatverlustes in der Agrarlandschaft, die weltweit die Vogelwelt bedroht, deutlich sichtbar. Allein vier endemische Vogelarten kommen hier in einem winzigeren Restwäldchen, von Teeplantagen regelrecht umzingelt und auch noch von einer Straße durchschnitten, vor: Nilgiritaube (Nilgiri-Wood pigeon), Nilgiri-Flycatcher, Flötenhäherling (Kerala Laugthingtrhus) und Weißbauchschmätzer (White-bellied Blue-robin). Ob diese gefährdeten Vogelarten auch in einigen Jahren noch hier zu finden sind, steht sicher in den Sternen …

Der Nachmittag wird etwas individueller gestaltet. Einige Gäste besuchen das Tee-Museum der Stadt und suchen in dem einen oder anderen Geschäft nach einigen typischen Reisemitbringseln. Die „harten“ Birder hingegen entdecken auch am Nachmittag weitere neue Vogelarten bzw. erfreuen sich nochmals an einem Fischuhu (Brown Fish-owl), der völlig frei sitzende auf einem Stein im Fluss auf Beute wartet.

Mittwoch, 17.01.: Besuch im „Eravikulum Nationalpark“ bei Nilgiripieper und Nilgiritahr

Nilgiripieper. Foto: S. Grüttner

Nach der Nacht im kolonial-edlen TAJ-Hotel, angeblich dem besten Hotel Südindiens, fahren wir zeitig in den „Eravikulan Nationalpark“, der auf ca. 1.700 mNN beginnt. Hier beschäftigt uns vor allem eine Vogelart, der endemische Nilgiripieper (Niligiri-Pitpit) der nur hier im weitläufigen Grasland vorkommt. In diesen Nationalpark führt nur ein einziger Weg hinein und wieder hinaus, ansonsten herrscht strenges Betretungsverbot. Aber wir haben auch hier Glück und können gleich zu Beginn die gesuchte Art gut und ausführlich beobachten. Zum ersten Mal auf dieser Reise entdecken wir auch die Indienamsel (Indian Black-Bird). Auch die nicht häufige Hill Swallow (Splitt von der Tahitischwalbe) ist hier Brutvogel. Das Schutzgebiet gilt insbesondere auch einer weiteren endemischen Säugeiterart, dem Nilgiri Tahr, einer seltenen Wildziegenart, die wir ebenso beobachten können. Nach dem Mittagaessen lassen sich nochmals einige neue Vogelarten entdecken: Graukopf-Kanarienschnäpper (Grey-headed Canary-flycatscher), Purpurnektarvogel (Purple Sunbird) und Eilsegler (Brown-backed Needletail). Hier bei Munnar liegt auch der mit knapp 2.700 mNN höchste Berg der Western Ghats, gleichzeitig die höchste Erhebung südlich des Himalajas.

Donnerstag, 18.01.: Eine außergewöhnliche Seltenheit am Stadtrand von Munnar

Malabarpfeifdrossel. Foto: S. Grüttner

Die (near endemic) Malbar-Pfeifdrossel (Malabar Wisthling-Trush) weckt uns mit ihrem flötenden Gesang, und nach einem tollen Frühstücksbuffet checken wir aus. Heue liegt ein Reisetag über rund 250 km vor uns. Unterwegs stoppen wir aber, um noch einige Vogelarten zu entdecken. Gleich am Stadtrand wartet eine handfeste Überraschung auf uns. Wir können der endemischen Nilgiridrossel (Nilgiri Trush), einer typischen Erdrossel, die in den Bergen der Western Ghats in einem winzigen Verbreitungsgebiet vertreten ist, bei der Nahrungssuche zuschauen (und einige Belegfotos anfertigen)! Die Art ist so selten, dass es von ihr bis heute angeblich keine Tonaufnahme gibt. Die Wahrscheinlichkeit, diese Drossel zu sehen, liegt normalerweise bei null! Später legen wir einen weiteren Stopp in einem anderen Schutzgebiet, dem „Chinnar Wildlife Sanctuary“ (480m NN) ein. Hier wollen wir noch eine interessante Eule, den Nepaluhu (Spot-bellied Eagle-owl), beobachten. Nach einiger Suche kann die Art, auf die wir nur hier eine echte Chance haben, im Tageseinstand dösend entdeckt werden.

Auch die heutige Fahrstrecke ist landschaftlich wieder überaus reizvoll. Zuerst fahren wir aus den Bergen von Munnar (um 1.500 mNN) auf die bei 480mNN gelegene Talsohle zurück und weiter entlang der Regen abgewandten, trockenen Region der Western Ghats in nördliche Richtung. Plötzlich taucht wieder das Gebirge auf uns es geht erneut steil hinauf in atemberaubenden Haarnadel-Kurven zum auf 2.400 m Höhe gelegenen Hauptort der Nilgiri-Region, nach Ooty. Ein tolles Hotel, angeblich das beste Hotel Südindiens, wartet im berühmten Kurort auf uns.

Freitag, 19.01.: Ein Gaur-Bulle im Raureif in den Nilgiri-Bergen, und letzter Endemit der Reise

atemberaubender Anblick: ein wilder Gauer-Bulle in der Morgensonne. Foto: S. Grüttner

Vor dem Frühstück fahren wir in ein winziges Waldgebiet am Stadtrand, um drei endemische Arten zu suchen. Die Nacht war kalt, sogar mit leichtem Nachtfrost, die Autos sind am Morgen komplett vereist und es liegt Raureif auf den Wiesen. In einer aufgegebenen, verkrauteten Teeplantage am Waldrand steht in der aufgehenden Sonne ein gewaltiger Gaur-Bulle. Seine Nüstern dampfen im Raureif des kalten Morgens. Ehrfurchtsvoll betrachten wir das riesige Wildrind. Was für ein beeindruckender Anblick! Wir beobachten Zimtbrusthäherling (Nilgiri Laughingthrus) und den wunderbar schwarz-orange gezeichneten Orangeschnäpper (Black-and-orange Flycatcher). Etwas mehr Zeit benötigen wir, um den seltenen Nilgirischmätzer (Nilgiri Blue Robin) zu finden. Aber schließlich entdecken wir die Art in einem Gebüsch. Damit haben wir die drei hier vorkommenden Endemiten gefunden, gesehen und fahren zurück ins Hotel, wo das Frühstück wartet. Danach checken aus und verlassen die Nilgiriberge, die nicht nur für die gesamte Region, sondern auch für zahlreiche seltene Tierarten Namensgeber sind. Nach nicht allzu langer Fahrt erreichen wir Nachmittag den „Mundulai Nationalpark“ wieder zu Fuße der Western Ghats, wo uns eine naturnah gelegene Logde abseits der indischen Zivilisation erwartet. Wir checken ein in die geräumigen Bungalows und starten nach einer Stärkung auch sofort zum Birdwatching. Neben verschiedenen neuen Vogelarten sehen wir hier die Malabarlerche (Malabar Lark). Mit dieser letzten endemischen Art können wir die Liste aller 25 endemischen Vogelarten Südindiens schließen. Wir haben sie alle sehen können! Der Abend endet mit noch einer Geburtstagsfeier, denn auch Evelyn feiert auf dieser Reise ihren Ehrentag. Und natürlich ist auch für sie eine Überraschung vorbereitet.

Sonnabend, 20.01.: Tiger-Safari ohne Tiger – Tiger auf der Straße

Fischuhu. Foto: S. Grüttner

Vor und nach dem Frühstück birden wir in der Umgebung der Logde wieder im Savannen-artigen, trockenem Gelände, am Rande des „Mundulai Nationalparkes“. Mehr als 20 neue Vogelarten können wir feststellen. Darunter auch solche Seltenheiten wie Weißbauch-Menningvogel (White-bellied Minivet) und (near endemic) Fleckenbrust-Fächerschwanz (White-spotted Fantail). Wir freuen uns über besonders attraktive Arten wie Kastanienkleiber (Indian Nuthatch), der hier im Gebiet sein südlichstes Vorkommen hat, sowie über Gelblappenkiebitz (Yellow-wattled Lapwing), Thickellblauschnäpper (Thickell‘s Blu-Flycatcher und Elsterraupenschmätzer (Bar-wingend Flycatcher-shrike), die zwischen unseren Bungalows im Logde-Gelände aktiv sind. Mit dem Brahmakauz (Spotted Owlett) sehen wir die achte Eulenart auf dieser Reise.

Den Nachmittag gestalten wir optional auf Wunsch aller Teilnehmer mit einer Tiger-Safari im Schutzgebiet. Dazu fahren wir aber etwas weiter in den nächsten Bundesstaat zum „Bandipur Tiger Reserve“ im Bandipur Nationalpark, weil nach Auskunft unserer indischen Begleiter dort die Chancen, Bengaltiger zu sehen, am höchsten sein sollen. Die indische Bürokratie überbrücken wir Vogelbeobachtung und entdecken die zweite Fächerschwanz-Art des Tages, den Weißstirn-Fächerschwanz (White-browed Funtail). Damit haben wir beide in Südindien vorkommende Arten gesehen. Erwartungsfroh besteigen wir nun das für uns bereitgestellte Safarifahrzeug, müssen uns aber zu unserer Verwunderung kurze Zeit später am Eingang zum Schutzgebiet in den indischen Massentourismus „Tiger“ einreihen. Ein junger indischer Birder, der mit uns im Fahrzeug fährt, zeigt stolz seine Aufnahmen vom Sonntag vor einer Woche aus diesen Gebiet: eine Tiger-Aufnahme schöner als die andere, dazu einen Leoparden!

Bengaltiger. Foto Nepal: Som Gharti Chetri

Fast drei Stunden fahren wir durch das Schutzgebiet … und sehen nichts! Keine wilden Elefanten, obwohl es überall nach diesen und deren frischen Dung riecht, keine Wildrinder, keinen Leoparden und schon gar keinen Tiger. Okay, einmal machte sich Unruhe breit. Im Gebüsch soll einer gewesen sein, aber niemand hat wirklich etwas gesehen. Alle sind etwas traurig, aber wir waren nicht im Zoo! Tierbeobachtungen in der Wildnis sind Glücksache. Wir steigen in unseren Tourbus um und fahren die Straße durch das Schutzgebiet zurück, auf der wir schon gekommen waren. „Schlafende Polizisten“ alle paar Hundert Meter zwingen unser Fahrzeug zu ständiger Schrittgeschwindigkeit und obwohl eigentlich überflüssig mahnen große bebilderte Tafel am Straßenrand permanent zu langsamer Fahrt …, weil wilde Elefanten, Wildrinder, Leopard und Tiger die Straße überqueren würden. Und, unglaublich, wenige Meter weiter überquert tatsächlich ein stattlicher Bengaltiger unaufgeregt direkt vor unserem Bus die Straße um in der Dunkelheit zu verschwinden … Unglaublich!

Im Camp wartet das leckere Abendbuffet, und nach der Vogel- wird die Säugetierliste um den Tiger ergänzt … bevor die Nachtruhe, begleitet von den Rufen von Dschungel- & Hindunachtschwalbe (Jungle- & Indian Nightjar), eingeläutet wird.

Sonntag, 21. Januar: Im Maharadschapalast von Mysore

Der Maharadschapalast von Mysore. Foto: H. Meyer

Im Palast. Foto: H. Meyer

Heute verlassen wir nach dem Frühstück das Camp, dessen wundervolle Natur und stille Umgebung für indische Verhältnisse geradezu erholsam wirkte, und machen uns auf die Weiterreise Richtung Bangalore, von wo aus wir übermorgen unsere Heimreise antreten werden. Wir werden heute aber eine Zwischenübernachtung in Mysore (765 m NN) einlegen. Bis zur Stadt birden wir nochmals ein einigen Punkten. Auf einer Ruderalfläche können wir zwei weitere neue Arten, die uns noch in der Liste fehlen, entdecken: Rostbauchprinie (Ashy Prinia) und Grauscheitellerche (Ashy-ground Sparrow-lark). Gegen 13.00 Uhr treffen wir nach ca. 90 Kilometer Fahrt in Mysore ein. Ein wunderbares Stadthotel wartet auf uns. Am Nachmittag, zum Abschluss der Rundreise durch Südindien, steht noch etwas Kultur auf dem Programm. Wir besichtigen den Maharadscha-Palast von Mysore. Nicht mehr unerwartet findet auch hier „indischer Massentourismus“, der uns in seiner „Masse“ durchaus erschreckt, statt, aber die Menschenmassen, die sich zeitgleich mit uns durch prächtigen Hallen und Gemächer, verziert mit Kiloweise Gold, Edelsteinen und wertvollen Wandmalereien, schmäleren nichts vom erhabenen Gesamteindruck dieses ganz außergewöhnlichen Königsschlosses, welches in ganz Indien seinesgleichen sucht.

Montag, 22. Januar: Vogelkolonien im Rangnitthuri-Schutzgebiet zum Abschluss

Bartmeise-Reisegruppe Südindien. Foto: H. Meyer

Nach dem Frühstück treten wir die letzte längere Etappe nach Bangalore, in die indische „Gartenstadt“, an. Die 200 Kilometer Strecke unterbrechen wir am Morgen kurz nach Mysore am Keveri-Fluss, wo der abschließende vogelkundliche Höhepunkt wartet: Ein Besuch im Rangnithuri-Vogelschutzgebiet mit einer Bootsfahrt zu den Wasservogel-Brutkolonien. Zusammen mit einigen indischen Vogelfotografen sind wir heute Morgen die ersten Birder, die eines der von Hand geruderten Boote besteigen. Wir gleiten in völliger Stille, nur vom vielstimmigen Vogelkonzert begleitet, am Flussufer entlang. Buntstorch (Painted Stork), Silberklaffschnabel (Asian Openbill) und – neu –  auch Graupelikane (Spot-billed Pelican) sind in Brutstimmung und zeigen sich im Prachtkleid an ihren Nestern, ebenso wie verschiedene Reiherarten in diesen gemischten Kolonien. Beeindruckend sind auch hier wieder Hunderte Indische Riesenflughunde, die zwischen den Nestern der Vögel im Bambus hängen. Noch eine neue Vogelart können wir auch beobachten. Der Krabbentriel (Great Thick-knee) ist hier mit einigen Brutpaaren vertreten und sitzt neben den Respekt einflößenden Indischen Sumpfkrokodilen und einigen Kaimanen auf den Felsen im Fluss.

Wir erreichen am späten Nachmittag unser Hotel in der Nähe des Flughafens von Bangalore, wo unser Abschlussessen wartet und wo wir uns bis Mitternacht noch frisch für die lange Reise machen können.

Dienstag, 22. Januar 2018: Eine rote Rose zum Abschied in Frankfurt

Alles “rot” in Kerale – rote Partei, rote Vorbilder … und rote Früchte (rechts). Foto: H. Meyer

Kurz nach Mitternacht startet der Transfer zum internationalen Flughafen von Bangalore, wo um 3:35 Uhr Ortszeit die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt wartet. Alles verläuft reibungslos, fast pünktlich startet die Boeing 747-800 mit Ziel Frankfurt. Lufthansa wird auch heute Nacht seine seiner Auszeichnung zur einzigen 5-Sterne-Ariline Europas gerecht und bietet besten Service. Fast alle Gäste nutzen für den 9,5 h Flug die neue und bequeme Premium-Economy-Klasse, wodurch auch etwas Nachtschlaf möglich wird.  Beim Aussteigen in Frankfurt reicht die Lufthansa allen Damen unserer Gruppe eine rote Rose zum Abschied. Für alle Gäste symbolisch vielleicht auch der Abschied von dieser Reise und der ganzen Gruppe, die herausragend gut harmonierte.

Fazit: Diese vogelkundliche Rundreise durch Südindien, fast ausschließlich durch den (für indische Verhältnisse) recht außergewöhnlich wohlhabenden Bundesstaat Kerala, führte über 1.600 Kilometer Gesamtstrecke in kurzen Tagesetappen vom tropischen Tiefland am Indischen Ozean bis in die höchsten Berge südlich des Himalaya, in die Western Ghats (bis ca. 2.700 mNN). Die Temperaturen lagen zwischen (maximal) + 35°C und (minimal) 0°C, also bis 35°C Temperaturdifferenz in 15 Tagen! Ziel der Reise waren neben der südindischen Vogelwelt insgesamt natürlich auch die 25 möglichen endemischen Vogelarten (Südindiens und der Western Ghats), die wir dank eines gut aufgestellten, kenntnisreichen Birdguides auch ausnahmslos alle beobachten konnten. Die seltensten Arten auf dieser Reise waren wohl die Ceylonmaskeneule und Nilgiridrossel, deren Beobachtungswahrscheinlichkeit normalweise bei null liegt. Insgesamt rund 270 (von 550-600 möglichen) Vogelarten konnten beobachtet werden. Ungewöhnlich viele Säuger, darunter auch einige endemische Arten, dazu Bengaltiger, Wildrinder, Hirsche bis hin zu Indischen Königsriesen- und Zwerghörnchen, Fischottern sowie Riesenflughunden konnten nebenbei studiert werden. Trotz auch hier deutlich sichtbarer Umweltprobleme – insbesondere Habitatverluste durch die Bevölkerungsexplosion – erlebten wir eine reichhaltige Vogel- und Tierwelt, die durch die Bevölkerung (religiöse Gründe im hinduistischen und buddhistischen Glauben) keinerlei Nachstellung ausgesetzt ist!

Südindische Tropenlandschaft. Foto: H. Meyer

Die Reise bot zudem einen Einblick in die Kultur und tropische Landschaft sowie in die Bergwelt der Western Ghats. Wir erlebten ausschließlich freundliche, stets Service bereite Menschen, die dezent jeden Wunsch der Gäste erfüllten. Die gute indische Küche, ein Paradies für Vegetarier, sehr gute bis gute, hygienisch einwandfreie Hotels und Logdes und eine herausragend gute Tour-Betreuung durch unsere indischen Partner trugen dazu bei, dass alle Gäste die gesamte Reise ohne irgendwelche Ausfälle gesundheitlicher Art genießen konnten (darunter auch Gäste, die überhaupt zum allerersten Mal eine tropische Region bereisten)! Trotz heftiger Klimatisierung aller öffentlichen Bereiche waren auch keinerlei Ausfälle durch Erkältungskrankheiten zu verzeichnen. Ein für die gesamte Reise für die Reisegruppe zur Verfügung stehender mobiler WiFi-Hot Spot ließen auch die Verbindung auch dort, wo diese in abgelegenen Gegenden nicht stabil war, in die Heimat nicht abreisen.

Südindien und die Andamanen

Unsere nächste Bartmeise-Reise nach Südindien, die im ersten Teil bis Munnar (wie hier beschrieben) und dann weiter – neu – in der zweiten Woche auf die Andamanen (!) zu den dortigen (20) endemischen Arten führt, steht vom 18. November bis 3. Dezember 2018 im Reiseplan. Einige Plätze sind noch frei.

Startbild: Bartmeise-Reisegruppe im Salim-Ali-Vogelschutzgebiet. Foto: H. Meyer

Hartmut Meyer

Gäste-Stimmen zur Reise:
“Eine grandiose Reise. Wir waren überwältigt von diesem so spannenden und kontrastreichen Indien, seiner vielfältigen Vogelwelt ( zahlreiche endemische und seltene Arten, v.a. Eulen und Bengalenpitta ), den wunderschönen, teils luxuriösen Unterkünften, dem phantastischen vegetarischen Essen, der bewegenden Freundlichkeit der indischen Bevölkerung und der Harmonie in unserer Gruppe. Zudem waren die Organisation und die Betreuung vor Ort nicht zu übertreffen … Mona und Wolfgang Horn”. 

Wir waren wir noch nie in Asien. Wir sind mit großen Erwartungen dorthin gefahren und müssen sagen, unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Reise war von Anfang bis Ende bestens organisiert, die Reiseroute  so angelegt, dass wir in den verschiedensten Regionen wohl einen großen Teil der dort lebenden Vögel beobachten konnten, was nur durch die hervorragende Ortskenntnis unserer indischen Begleiter möglich war. Die vielen Begegnungen mit den Menschen werden uns ebenfalls lange in Erinnerung bleiben. Die kulturelle Vielfalt konnten wir ebenfalls erleben. Unterkunft und Verpflegung waren hervorragend. Das zeigt sich wohl auch darin, dass kein Reiseteilnehmer gesundheitliche Probleme bekam.Vielleicht könnte man im traumhaft gelegenen Camp ‘Dschungel Hut’ den Aufenthalt so organisieren, dass ein halber Tag zur freien Verfügung steht … Cornelia Leunert & Bernd Voigtländer.” 

“Diese Reise war für mich ein tolles Erlebnis. Zeitig in der Frühe draußen in der Natur sein und langsam immer mehr entdecken, was man im Vorbeigehen kaum sehen würde. Die Augen daran gewöhnen, die kleinsten Regungen in der Umgebung wahr zu nehmen, gespannt zu sein und dann die Freude, wenn man das kleine Lebewesen endlich entdeckt hat. Das bunte, freundliche, warme Land. Ich habe es trotz Gedränge in den Straßen, dem Müll, der Unvollkommenheit vieler Bauten, als sanftmütig und angenehm empfunden. Die Landschaft, einmalig in ihrer Vielfalt, bei uns in dieser Form nicht zu haben, deshalb für mich etwas Besonderes und Kostbares. Nicht zu vergessen der Duft und der Geschmack der Gewürze, der Früchte und der Speisen, ein Genuss … Am schönsten waren für mich die beiden Camps mit ihren weitläufigen Geländen. Die Backwaters erlebte ich wie eine Filmkulisse, und der Palast in Mysore war ein kulturelles Highlight, unbedingt sehenswert. Die Organisation war hervorragend. Ich habe mich immer sehr wohl und sicher gefühlt …  Dr. Evelyne Schöne.“

 

Print Friendly, PDF & Email

Sprache wählen

Newsletter

Kontaktieren Sie mich