Vogelwelt im Himalaja – Bartmeise-Reisegruppe bei Ibisschnabel und Himalajarotschwanz eingetroffen

Vogelwelt im Himalaja – Bartmeise-Reisegruppe bei Ibisschnabel und Himalajarotschwanz eingetroffen

Ibisschnabel am Rapti-River. Fotos (2): Som Gharti Chhetri

Am Sonnabend (17.02.2018) traf wieder eine Bartmeise-Reisegruppe im Himalajaland Nepal ein. Auf dem Programm dieser Reise steht die Vogelwelt hauptsächlich im Westen des Landes, zwischen der Hauptstadt Katmandu, den Pulchowski-Bergen, dem berühmten Chitwan-Nationalpark, dem Farmland um Lumbini, Pokhara und dem „Australien Camp“ (2.000 mNN) zu Füßen der Anapurna-Region, der höchsten Berge der Welt. Bevor unsere Gruppe heute im Chitwan-Nationalpark eintraf, stand ein weiterer vogelkundlicher Höhepunkt im Programm: Die Suche nach dem seltenen Ibisschnabel (Ibisbill) im Überwinterungsgebiet am Rapti-Fluss bei Hetauda. Um die Art möglichst sicher sehen zu können, wurde die diesjährige Reise um 10 Tage vor den sonst üblichen Termin gelegt …, und wir hatten tatsächlich Glück! Gestern Nachmittag konnten wir 2 (3) Ibisschnäbel am mächtigen Gebirgsfluss aus naher Distanz (wie auf den Fotos) gut beobachten (eines der beiden hier gezeigten Fotos entstand genau an diesem Plazt, allerdings bereits vor zwei Jahren. Die Flugaufnahme gelang unserem nepalesischen Guide Som, mit dem wir unterwegs sind, an einem anderen Platz im Himalaja). Ein tolles Erlebnis, dass bei allen Reisegästen für Begeisterung sorgte!

Ab Morgen werden wir zwei volle im Nationalpark zwischen Panzernashörnern, wilden Elefanten, Lippenbären und hoffentlich auch dem Benagltiger nach diversen seltenen Vogelarten Ausschau halten. Danach steht im Gebiet um Pokahara auch Nepal’s einziger (echter) Endemit, der Igeldrossling (Spinny Babbler) auf dem Programm. Auch dem Geburtsplatz Buddhas, dem weltweit wichtigsten Ort für alle Buddisten (vergleichbar mit der Geburtskirche Jesu in Jerusalem) werden wir einen Besuch abstatten. Mehr vom Reiseverlauf später an dieser Stelle.

Hartmut Meyer

Reisebericht: Arktisches Rothalsgänse im Winter am Schwarzen Meer in Bulgarien

Reisebericht: Arktisches Rothalsgänse im Winter am Schwarzen Meer in Bulgarien

Bericht über die Kurzreise: 29. Januar bis 4. Februar 2018

zu Gast in der Branta-Logde. Foto: Pavel Simeonov.

Montag, 29. Januar: Zu den Rothalsgänsen ans Schwarze Meer
Am Morgen startet eine Bartmeise-Gruppe aus Leipzig und Hamburg kommend mit Austrian Airlines über Wien nach Varna ans bulgarische Schwarze Meer. Obwohl die Umsteigezeit in Wien nur 30 Minuten beträgt, macht der schicke Flughafen Schwechat seiner Werbung, das Umsteigen in 25 Minuten zu garantieren, alle Ehre, und so treffen wir wohlbehalten (mit Reisegepäck) kurz vor 13.00 Uhr in Varna am Schwarzen Meer ein. Hier herrscht winterliche Ruhe vor dem Sommerurlauber-Ansturm, und so geht die gesamte Abfertigung zügig vonstatten. Unser Guide und Gastgeber Pavel Simoenov, Inhaber der „Branta-Logde“, engagierter Vogelschützer und Pionier des Natur- sowie Ökotourismus in Bulgarien, wartet im leeren Flughafen und ‚brieft‘ uns auch gleich auf die schwierige Situation in diesem Winter. Dieser ist sogar hier im Osten so ungewöhnlich mild, so dass nur wenige Rothalsgänse in den Überwinterungsgebieten am See eingetroffen sind. Das konnte man auch bereits aus dem Wetterverlauf von zu Hause aus verfolgen und so waren Erwartungen auch entsprechend gedämpft. Wir beschließen, das Beste aus einer Situation, die niemand ändern kann, zu machen. Aber Pavel hat bei der Fahrt zum Flughafen einen Rothalsgans-Trupp in der Feldflur entdeckt, den wir sofort aufsuchen, denn das könnte im Moment unsere einzige Chance sein! Die Gänse sind noch da und wir können uns diesen bis auf ca. 400 Metern nähern. Es sind etwa 400 Rothalsgänse und dazu rund 2.000 Blässgänse, die wir gut beobachten können. Es ist faszinierend, dieser kleinen, agilen arktischen Gänseart bei der Nahrungssuche zuschauen zu können. Die meisten Reiseteilnehmer kannten die Art bisher nur in Einzelindividuen überfliegend in gemischten Weißwangengans-Trupps. Pavel macht uns nochmals klar, dass das vermutlich hier in Bulgarien in den nächsten Tagen die einzige Chance auf die Art gewesen sein könnte. Und das sollte auch so sein, wie wir feststellen werden.
Auf der ca. 100 Kilometer langen Fahrt vom Flughafen zur Logde nahe der rumänischen Grenze staunen wir über die hier zahlreichen Grauammern, sehen Rohrammern am Straßenrand und entdecken neben diversen Greifvögeln auch Raubwürger. In der Logde angekommen erwarten uns komfortable Zimmer (alle mit eigenem Bad) und das Abendessen.

Bartmeise-Gruppe am Schwarzen Meer. Links: Pavel Simeonov. Foto: H. Meyer

Dienstag, 30. Januar: Adlerbussard, Korn- und Rohrweihen am Durankulak-See
In der Nacht hören wir vom Bett aus Schakale im Duett, und am Morgen schwärmen Zenttausende Stare vom Schlafplatz im Schilf kommend um die Branta-Logde. Nach dem Frühstück beobachten wir heute in der Umgebung des Durankulak-Sees und am Schwarzen Meer. In kurzen Abständen können wir in der Feldflur, die hier geprägt ist von ausgedehnten Wintergetreide-, Raps- und Grünland-Schlägen, aber immer wieder unterbrochen wird von Äckern, Brachen, Steppen und Windschutzstreifen, Korn- und Rohrweihen ungewöhnlich häufig beobachten. In der Feldflur sind es meist Kornweihen, die hier zahlreich überwintern, und an den Seen die Rohrweihe. 20-30 Vögel gleichzeitig in der Luft, dazu Kornweihen und Mäusebussarde, sind nicht ungewöhnlich. Besonders interessant und auffallend sind jedoch Adlerbussarde. Wir entdecken heute bis zu drei verschiedene Individuen. Auch der Raufußbussard kann beobachtet werden, ist aber in diesem milden Winter nur in geringer Individuenzahl vertreten. Am Schwarzen Meer sehen wir die ersten Krähenscharben, die offenbar bereits ihr Brutgeschäft an den Felsklippen begonnen haben und sich daher im Brutkleid präsentieren. Ein leider verölter Prachttaucher wartet am Strand auf sein Ende. Bei Sveti Nikola in einer steppenartigen Landschaft entdecken wir einen Trupp von um die 60 Kalanderlerchen, deren Winterverhalten eng zusammen in Gruppen ganz anders ist als zur Brutzeit, in der die Art nur paarweise lebt, Auch zwei Schwarzkehlchen zeigen sich hier. Am abendlichen Shabla-See erregen Hunderte Bleßrallen unsere Aufmerksamkeit. Ein Bild, das es auf heimischen Gewässern fast nicht mehr gibt. Seidensänger singen ihr hastiges Lied und ein Mariskensänger ist akustisch zu vernehmen, singt aber noch nicht. Verschiedene Wasservogelarten, darunter Kolben- und die im Winter hier seltenen Moorente finden wir im Abendlicht. Zwergscharben sind häufig zu sehen und mit einem Blick auf ein gewaltiges Seeadlernest beenden wir diesen Tag zwischen Shabla- und Durankulaksee, … leider und wie vorausgesagt ohne weitere Rothalsgans-Beobachtungen. Nach dem Abendessen geben unsere Gastgeber Pavel und Tatjana Simeonov einen kleinen Einblick in ihr auch musikalisches Talent und unterhalten uns mit hausgemachter Musik am Flügel und mit Gesang.

Mittwoch, 31. Januar: Rote Felsen am Kap Kaliakra
Noch vor dem Hellwerden fahren wir heute Morgen an den direkt gegenüber der Logde gelegenen Durankulak-See, auf dem in der Nacht Gänse geschlafen haben. Es ist bitterkalt, aber ruhig. Glutrot geht die Sonne auf und wir können einen kleinen Trupp Rothalsgänse, vielleicht die 400 Individuen vom Montag, am südlichen Seeufer erkennen. Ein Rancher von BirdLife Bulgarien überwacht etwas weiter den morgendlichen Gänseausflug. Aber leider, der Abflug der Gänse wird rasch gestört von Jägern, die den heutigen letzten erlaubten Jagdtag zur Spaß-Jagd auf Wildgänse nutzen. Eine Blässgans sitzt offenbar angeschossen auf dem Feld und kann nicht mehr fliehen. Sie wird aus wenigen Meter Entfernung eiskalt abgeknallt. Was empfinden solche Menschen? Wir empfinden Verachtung. Zwar ist die Wasserfläche des Sees Schutzgebiet (vergleichbar wie auch bei uns in Deutschland), aber eben nur die Wasserfläche und daher dürfen Freizeit-Jäger auf die abfliegenden Gänse schießen, wie auf Tontauben. Völlig egal, ob dabei Blässgänse oder hier die geschützten Rothalsgänse getroffen werden. Zu diesem EU-Absurdum der Vernichtung global bedrohter Arten, währenddessen die biologische Vielfalt in den EU-Ländern dramatisch zurückgeht, zum Schluss noch einige Anmerkungen.

Wir fahren zum Frühstück in die Logde. Anschließend besuchen wir den Shable-See sowie das berühmte Kap Kaliakra. Kurz vor dem Kap in einem geschützten Steppen-Biotop können wir Haubenlerchen beobachten. Zur Brutzeit finden sich hier bis zu 120 Brutpaare Kurzzehenlerchen, die aber im Januar noch fehlen. Das winterliche Kap mit seinen bis zu 70 Meter hohen Klippen, die heute golden und rot in der Sonne leuchten, haben wir und die Vögel ganz allein für uns. Krähenscharben, die ihr Brutgeschäft in den Felsenhöhlen begonnen haben, können wir beim Fischen zuschauen. Von den im Sommerhalbjahr bis zu 5.000 hier jagenden Sturmtauchern ist heute allerding keiner zu sehen. Gleich hinter dem Kap beginnt ein enges Kerbtal, in dem der Uhu brütet. Wir müssen auch gar nicht so lange warten, dann erscheint die große Eule und sitzt auf der oberen Felswand in der Abendsonne, bevor der Vogel in die angrenzende Steppe zum Jagen fliegt. Fast wie die original roten Helgoländer Klippen tauchen die vom Kap Kaliakra von der Abendsonne angestrahlten Felsen in einem phantastisches Rot. Ein toller Anblick zum Abschluss des Tages.

Donnerstag, 1. Februar: Rothalsgänse und Fischmöwen im südlichen Donaudelta in Rumänien
Die Nacht war erneut frostig und die Temperaturen liegen morgens daher auch kaum über 0°C. Die Sonne schiebt den winterlichen Morgendunst jedoch rasch beiseite und erwärmt das Land, allerdings tragen die flachen Seen heute eine Eisschicht. Wir haben uns für eine Tagesexkursion zur angrenzenden südlichen Schwarzmeerküste nach Rumänien entschieden. Da die Grenze nach Rumänien nur ca. sechs Kilometer von der Branta-Logde entfernt ist, stehen wir wenige Minuten nach unserem Start an der Grenzkontrolle, die ohne Probleme schnell erledigt ist. Im Grenzort entdecken wir wieder den Blutspecht, der hier in den Dörfern recht häufig zu finden ist.

Die Südküste Rumäniens hat eine deutlich dichtere Infrastruktur als der Norden des bulgarischen Schwarzen Meeres und so fahren wir rasch an den Hafenanlangen von Mangalia vorbei. Dann erreichen wir die Eforie (bekanntes Seebad) am Rande der Großstadt Konstanza, wo wir einen Stopp am größten künstlichen (Trinkwasser-) See Rumäniens, dem Techirghol-See einlegen. Sofort fallen die Konzentrationen von Schwarzhalstauchern auf. Um die 400 Vögel sind dicht gedrängt zu beobachten. Wir können nur einen Teil des riesigen Sees einsehen, aber auf diesem halten sich bestimmt um die 1.000 Individuen auf. Dieses Gewässer ist auch bekannt dafür, dass im Winterhalbjahr gelegentlich bis zu 20.000 Zwergsäger rasten. Heute ist aber kein einziger zu entdecken. Wir umfahren Konstanza und erreichen rasch das südliche Ende des Donaudeltas im Biosphärenreservat bei Vadu (Grindul Chituc). Auch wenn hier winterliche Stille herrscht kann man sich vorstellen, welches reichhaltige Vogelleben zur Brutzeit anzutreffen ist. Heute entdecken wir jedenfalls einige weitere Arten für unsere Liste wie Großer Brachvogel, Löffelente, Graureiher und auch die ersten Kiebitze. In Richtung Sinoe sehen wir einen riesigen Trupp Gänse fliegen. Genau das haben wir gesucht! Wir beeilen uns und kommen rasch in diese in der an das Delta angrenzenden Feldflur heran. Die Gänse sitzen nicht weit von der Ortschaft Säcele im Wintergetreide für uns günstig mit Licht im Rücken windgeschützt vor einer Anhöhe im Gelände. Wir fahren vorsichtshalber nur bis auf ca. 800 Meter heran und sind gebannt vom Schauspiel: mind. 7.000 Rothalsgänse und vielleicht um die 12.000 Blässgänse fressen ungestört. Dabei ist ein etwa gleichgroßer Gänse Trupp vor unserer Ankunft offenbar zum Trinken ins angrenzenden Delta abgeflogen. Wir genießen dieses Schauspiel ungefähr 1 ½ h lang und erfreuen uns an den attraktiven Gänsen von der Taymirhalbinsel. Wie bei uns zu Hause sitzen Schwäne im angrenzenden Raps. Allerdings keine Höcker- sondern ausschließlich Singschwäne. Bestimmt 800 Vögel können wir vom Standpunkt aus erkennen. Später noch viele mehr.

ad. Fischmöwe. Foto: Pavel Simeonov

Freitag und Sonnabend, 2. und 3. Februar: Beobachtungen zwischen Meer und Seen
An beiden Tagen sind wir in der Umgebung von Durankulak bis nach Kavarna unterwegs. Wir beobachten in und um die Brackwasser- und Feuchtgebiete, in der Feldlur und in den teilweise sehr ursprünglichen Ortschaften. Verschiedene neue Vogelarten, von Kiebitz, über Rebhuhn bis Waldohreule (am Schlafplatz), von Seeadler (brütend) bis Sakerfalke und von Blutspecht bis Rohrammer werden gesehen. In der Feldflur finden wir einen Adlerbussard mit interessanten Beute, wie auch immer: einer Sumpfohreule! Wir schließen unsere Vogelliste mit 103 Arten ab, darunter auch einige, die aufgrund des milden Winters unerwartet gesehen werden konnten.

Fazit: Diese Kurzreise galt insbesondere den arktischen Rothalsgänsen in ihrem wichtigsten Winterquartier am Schwarzen Meer. Trotz ungünstiger klimatischer Verhältnisse durch den auch hier bisher außergewöhnlich milden Winter gelang es, mind. 7.000 Rothalsgänse zu sehen. Auch die Bedrohung dieser global gefährdeten Art im durch Freizeitjäger mussten wir zur Kenntnis nehmen. Weitere Zielarten der Reise waren Fischmöwe und Adlerbussard, die ebenfalls sehr ausführlich beobachtet werden konnten. Die Region um Durankulak mit seinen Brackwasser- und Feuchtgebieten, bekannten Seen und Steppen in der Feldflur bzw. im Küstenhinterland bietet zusammen mit dem unmittelbar auf rumänischer Seite angrenzenden südlichen Donaudelta ausgezeichnete Beobachtungbedingungen, die ggf. nur durch die Jagdausübung (je bis 31.01.) gestört werden. Die Rahmenbedingungen in der Branta-Logde von Bidguide Pavel und Tatjana Simeonov als Quartier und Ausgangspunkt für alle Exkursionen können als ausgezeichnet eingeschätzt werden.

Rothalsgänse: Foto: Pavel Simeonov

Gänsejagd
Die Bejagung von Wildgänsen, indirekt auch der streng geschützten Arten, insbesondere hier am Schwarzen Meer die global gefährdete Rothalsgans betreffend, zeigt einmal mehr die Absurdität und Wirkungslosigkeit der EU als Staatenverbund auf, deren verantwortliche Umwelt-Politiker offenbar planlos agieren und auch über keinerlei Konzept verfügen, den dramatischen Verlust an Biodiversität in Europa zu stoppen. Man ist nicht schon einmal nicht in der Lage, internationale Konventionen und Abkommen wie z.B. solche zum Schutz wandernder Tierarten oder auch RAMSAR durch-, geschweige die eigene EU-Vogelschutzrichtlinie umzusetzen, noch die Mitgliedsländer auf die Einhaltung der Gesetze zum Schutz bedrohter Arten zu verpflichten! Dies gilt bei Weitem ja nicht nur für Bulgarien und Rumänien! Auch in Deutschland, das von einem noch dramatischeren Biodiversitätsverlust gerade auch in der Agrarlandschaft betroffen ist, darf die Spaß-Jagd auf Vögel ungebremst weitergehen. Es ist traurig erleben zu müssen, wie offenbar von ausuferndem Lobbyismus gesteuerte „Volksvertreter“ das Vertrauens der Menschen in die Europäische Union zerstören, und sich daher auch in den Kernländern der EU gefährlicher Nationalismus ausbreitet.

Hartmut Meyer

Diese Kurzreise zu den überwinternden Rothalsgänsen bieten wir auch im kommenden Winterhalbjahr wieder an.

Zwei Termine voraussichtlich:
1) 3. bis   7. Februar 2019 (Kleingruppe max. 4-5 Teilnehmer)
2) 7. bis 11. Februar 2019 (dito).
Bitte achten Sie ggf. auf die Programmankündigung dazu in Kürze.

Startfoto: Rothalsgänse in Durankulak. Foto: Pavel Simeonov

Noch freie Plätze im Frühjahr 2018 in die Spanische Extremadura und an den ‚Europäischen Amazonas“ nach Weißrussland sofort buchbar

Während die meisten Frühjahrsreisen 2018 mittlerweile komplett ausgebucht sind, können wir für zwei Kurzreisen noch freie Plätze anbieten. Vom 21. bis 29. April steht das Naturparadies der Spanischen Extremadura im Reiseprogramm. Unter der bewährten Leitung von Spanien-Experte Roberto Cabo lassen sich auf dieser Tour z.B. auch die leider immer selten werdenden Zwergtrappen gut beobachten. Die letzten beiden Tage auf unserer diesjährigen Tour führen zu den Bergvögeln in die Sierra de Gredos. Mit etwas Glück sind u.a. Blaukehlchen (rotst.), Ortolan und Alpenkrähe sowie Iberische Steinböcke zu entdecken. Die Frühlings-Flora der südlichen Gebirge sollte sich voller Pracht präsentieren. Flüge zum Bestpreis nach Madrid von allen deutschen (schweizerischen und österreichischen) Flughäfen verfügbar.

Drei Wochen später führt unsere nächste Reise weiter nach Osten in die Paläarktis zur noch gänzlich unberührten Vogelwelt nach Weißrussland, und zwar in den Süden des Landes in die Sumpflandschaften des Pripjat, des ‚europäischen Amazonas‘. Vom 13. bis 20. Mai sind spannende und für die Paläarktis seltene bzw. stark bedrohte Arten wie die Doppelschnepfe, Terekwasserläufer und Seggenrohrsänger im Brutgebiet Zielarten dieser Reise. Auch die Lasurmeise sowie der Zwergsäger in ihren Brutrevieren dürften neben anderen Arten wie Bartkauz und Schelladler für äußerst interessante Beobachtungen sorgen. Eine Reise in dieses fast „geschlossenes“ Land stellt noch immer einen Höhepunkt dar und will vorbereitet sein (Beschaffung von offiziellen „Einladungen“, Visa usw.). Für diese Reise gibt es einen günstigen und schnellen Gruppenflug ab/an Berlin-Schönefeld mit Belavia direkt nach Minsk.

Hartmut Meyer

Den Terekwasserläufer im Brutgebiet zu erleben zählt zu den Höhepunkten der Reise,. Auch in diesem Jahr wird unsere Gruppe von einer weißrussischen Biologin begleitet, die wissenschaftlich an der Art arbeitet und diese Vögel auch beringt. Foto: P. Simeonov.

Startbild: Entspannte Mittagsrast nach Beobachtungen an den Geierfelsen von Monfragüe in der Extremadura. Foto (2017): H. Meyer

Unterwegs zwischen Indischem Ozean und Western Ghats bei den Endemiten Südindiens

Unterwegs zwischen Indischem Ozean und Western Ghats bei den Endemiten Südindiens

Reisebericht: Südindien vom 6. bis 23. Januar 2018

Entspannte Anreise in der Premium-Economy-Class der Lufthansa. Foto: H. Meyer

Sonnabend/Sonntag, 06./07. Januar 2018: Anreise nach Indien
Zeitig in der Nacht starten die ersten Gäste per Taxitransfer von der Haustür zum Flughafen Dresden, und ab Hamburg nach München, mittags von dort weiter mit Lufthansa nach Mumbai, wo die Gruppe ziemlich genau Mitternacht eintrifft. Andere Gäste aus Frankfurt kommend erreichen ebenfalls um diese Uhrzeit Dehli. Nachdem die indische Ein- und Weiterreise-Bürokratie erfolgreich gemeistert wurde, treffen alle Gäste am Morgen des 7. Januar in Kochi an der Bengalensee/Indischer Ozean im südlichen Bundesstaat Kerala ein. Unser indisches Partnerunternehmen holt uns ab und nach kurzer Fahrt gegen 10:30 Uhr erreichen wir das angenehme Boutique-Hotel in Fort Kochi. Freundlicherweise stehen die Zimmer bereits zur Verfügung, und so können sich alle von der – durch den mitternächtlichen Umstieg – anstrengenden Reise erholen. Am Sonntagnachmittag dann ein Rundgang an der durch einen Taifun erheblich beschädigten Uferpromenade, an der wir einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Kulturen des indischen Subkontinentes bekommen. Übernachtung in Fort Kochi.

Montag, 8. Januar: Bootsausflug zu Pelagen und Delfinen in die Bengalische See

Reisegast Knut ergreift beherzt das Ruder der Yacht. Foto: H. Meyer

Hinaus auf den Ind. Ozean vorbei an den chinesischen Fischernetzen. Foto: H. Meyer

Mit Tagesanbruch steht eine gecharterte Hochseeyacht bereit, die uns einige Meilen hinaus in die Bengalensee/Indischer Ozean bringt. Zuerst geht es vorbei an den berühmten chinesischen Fischernetzen, feststehende riesige Senknetze. Wir können den mühsamen und meist erfolglosen Fischfang beobachten, der nur ein wenig Futter für die schon wartenden Reiher, Mohren– und Braunwangenscharben (Little- & Indian Comorant) bringt. Immer wieder entdecken wir links und rechts neben unserer Yacht Delfine. Von den insgesamt fünf hier vorkommenden Arten können wir zwei relativ sicher ausmachen: Common Dolphin und Humpacked Dolfin. Dann geht es vorbei an den Öl- und Gas-Terminals im Hafen von Fort Kochi und bald ist das Ufer nicht mehr in Sicht. Weißbart– und Lachseeschwalben (Whiskered- & Common Gull-billed Tern) sowie Braunkopfmöwen (Brown-headed Gull) und immer wieder Fischmöwen (Pallas‘s Gull) begleiten uns hinaus aufs Meer. Heuglins- und Steppenmöwen (Heuglin’s & Steppe Gull, wohl der Unterart L. c. barabensis zugehörig) sind zu sehen. Das Meer ist eigentlich ruhig, macht keine Schwierigkeiten, aber dennoch ist einigen Gästen vom Seegang etwas unwohl … Weiter draußen lassen sich einzelne Rüppel– und größere Trupps von Eilseeschschwalben (Lesser- & Greater Crested Tern) die auf den Wasserzeichen rasten, entdecken. Mehrere Spatelraubmöwen (Pomarine Jaeger) auf Nahrungssuche bedrängen Möwen und Seeschwalben. Unser mitgebrachtes Frühstück verzehren wir auf der Yacht und genießen dabei die tolle Stimmung.

Mittags sind wir zurück, denn es steht eine kurze Stadtbesichtigung im historischen Teil von Kochi auf dem (Vor-)Programm diese Reise. Eine historische Wäscherei, die jüdische Kathedrale und das jüdische Viertel mit seinen prächtigen Läden, die älteste römisch-katholische Kirche und der viel beschriebene Mattancherry-Palast mit seinen historischen Wandgemälden sind das Ziel. Zum Abschluss noch ein indisches Kulturhighlight, ein Muss für den Kerala-Besucher: eine Vorstellung im berühmten Kathakali-Theater, deren Darsteller ausschließlich pantomimisch spielen und tanzen, von gelegentlichen Schreien oder Rufen abgesehen, während die Handlung von einem oder zwei Musikern, die sich im Hintergrund halten, gesungen wird. Ein Theaterstück zu erleben, das nur bestehend aus Mimik und Gestik besteht, ist mit Sicherheit etwas ganz Besonderes. Übernachtung in Fort Kochi.

Dienstag/Mittwoch, 09./10.01.: Mangrovensetzlinge für den Natur- und Artenschutz

Bartmeise-Reisegruppe pflanzt Mangroven …

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns aus Fort Kochi und machen uns auf die Fahrt in die Backwaters. Unterwegs stoppen wir heute ausnahmsweise einmal nicht um Vögel zu beobachten, sondern um einen kleinen Beitrag für den Natur- und Artenschutz im Küstenbundesstaat Kerala zu leisten. Die Bartmeise-Reisegäste haben als Spende bei einer privaten Umweltschutz-Initiative (nichts anderes gibt es in Kerala!) Mangrovensetzlinge gekauft und nehmen hier deren Pflanzung selber mit vor. Mag sein, dass diese Aktion eher symbolischen Charakter trägt. Aber darüber einmal nachzudenken, welche positive Wirkung es haben könnte, wenn das auch jede andere Reisegesellschaft, die tagtäglich irgendwo an den Küsten in der Welt unterwegs ist, machen würde, darf man schon. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, und auch die örtlichen Organisatoren, die uns ihr Öko-Projekt für Schulkinder und Interessierte gern und ausführlich vorstellen, freuen sich über die Unterstützung aus Deutschland. Man reicht uns als Dankeschön zum Abschied Kaffee, Tee und lokale Süßigkeiten. Gegen 11.00 Uhr wartet unser Bus auf uns.

… als kleinen Beitrag für den Arten- und auch Küstenschutz in Kerala. Fotos: H. Meyer

Wir erreichen Alleppey und die Anlegestelle unserer schwimmenden Hotels gegen 13.00 Uhr. Hinter einem tropischen Garten verbergen sich am Hauptkanal zwei Hausboote, jedes mit vier komfortablen Hotelzimmern. Wir checken in die schwimmenden Zimmer ein und nach dem Mittagessen auf den Schiffen gleiten wir zum ersten Mal hinaus in die Kanäle, gesäumt von kleinen Ortschaften, Gärten und einer bezaubernden tropischen Vegetation. Unmittelbar hinter dem teilweise nur sechs bis zehn Meter breiten Landstreifen rechts und links der Kanäle schließen sich die üppig grünen, endlosen Reisefeldern an. Die meisten sind nach der Ernte im Dezember schon wieder bestellt und das Getreide steht 20-30 cm hoch. Aber ab und an finden sich noch Felder in Bearbeitung, die Scharen von Limikolen und anderen Wasservögeln anziehen. Unser beiden jungen Kapitäne stoppen wann immer wir etwas Interessantes entdecken. Und so können wir an beiden Tagen verschiedene Enten-, alle Reiher-, Scharben, Rallen und Wasserhühner, darunter auch Wasserfasan (Pheasent-tailed Jacana), und zahlreiche Limikolenarten, wie z.B. Tundra-Goldregenpfeifer (Pazific Golden Plover), die hier überwintern, Eisvögel, darunter auch den Storchschnabelliest (Stork-billed Kingfisher), beobachten. Hunderte Weißbart- und Lachseeschwalben (Whiskered- & Common Gull-billed Tern) bevölkern die Kanäle und sitzen teilweise wie Schwalben auf Leitungsdrähten über den Kanälen. Die Luft ist voller Brahminiweihen (Brahmini Kite), die ständig damit beschäftigt sind, nach Fressbarem Ausschau zu halten. Es wimmelt an Vögeln … An den Ufern lärmen Hirtenmainas (Common Myna) und das vielstimmige Morgenkonzert der (endemischen) Grünbartvögel (White-cheeked Barbet) ist unser Wecker. Viele Vogelarten Südindiens, die aufzuzählen zu weit führen würde, begegnen wir hier im Gebiet zum ersten Mal auf dieser Reise. Morgens und abends schauen wir den beeindruckenden Indischen Riesenflughunden (Indian Flying Fox) bei ihren Flügen zu den Tagesruheplätzen zu. Übernachtung auf den Hausbooten.

Der Zauber der Backwaters, der indischen Küche und freundlicher Menschen

Mit zwei solcher schwimmenden Hotelboote zwei Tage durch die Backwaters. Foto: H. Meyer

Indische Gaumengnüsse. Foto: H. Meyer

Diese 640 Quadratkilometer große, mit kleinen Hausbooten beschiffbare Kanalsystem im Rücken des indischen Ozeans ist längst kein Geheimtipp mehr, wie der enorme Bootsverkehr lokaler Urlaubsgäste in diesen Tagen zeigte, aber gleichzeitig auch ein unglaubliches Eldorado für Vögel, wenn auch jahreszeitlich unterschiedlich besetzt und vorgegeben durch die Erntefolge der Reisefelder. In einem Monat kann man Zehntausende Limikolen in frisch bestellen Reisefelder entdecken, im nächsten Monat verschwinden diese im wachsenden Reis. Manche ornithologischen Reisegruppen bleiben allein vier bis sechs Tage im Gebiet, welches man nach Aussagen der Bootscrews 14 Tage lang befahren könnte, ohne an der gleichen Stelle zweimal vorbei gekommen zu sein!

An dieser Stelle sei auf die vorzügliche indische Küche verwiesen, die wir während der gesamten Reise, insbesondere aber hier auf den Booten genießen durften. Die täglichen Zusammenstellungen an diversen Gemüse-, Reis-, Fisch- Nudel- und Hühnchen-Gerichten, Broten, frischen Salaten und zahlreichen Süßspeisen, angerichtet mit den landestypischen Gewürzen, die uns als Europäer vielfach noch immer ungekannt sind, war ein täglicher Genuss für den Gaumen und für alle Sinne. Die indische Küche kann zudem als Paradies für Vegetarier empfohlen werden. Eine solche Auswahl an  leckeren fleischlosen Speisen findet man wohl kaum anderswo auf der Welt. Und noch etwas spricht für die gute und saubere Küche: Keiner unserer Reisegäste hatte je ernsthafte Magen- bzw. Darmprobleme, zu keiner Zeit auf dieser Reise!

Gruppe bei der Mahlzeit auf den Hausbooten. Foto: H. Meyer

Auch ein anderer bemerkenswerter Vorgang soll kurz erwähnt werden: Eine Dame aus unserer Reisegruppe nahm einen Stopp am Morgen in einer kleinen Ortschaft zu touristischen Einkäufen war und zahlte diese mit ihrer Kreditkarte. Weder sie noch das Personal im Shop merkten sofort, dass die zu zahlenden Summe für den Einkauf möglicherweise infolge einer technischen Störung gleich viermal belastet wurde. Beim abendlichen Anlegen zur Nachtruhe wartete der Ladenbesitzer mit seinem Verkäufer auf unsere Boote und suchten die betreffende Kundin. Einer mehrfachen Entschuldigung für das Versehen folgte die Zurückzahlung der dreimal zu viel geleisteten Einkaufsumme in bar.

 

Donnerstag, 11.01.: Abschied von den „Backwaters“ und Fahrt zum „Salim-Ali-Vogelschutzgebiet“

Im Hornbill-Camp am Peryar-Fluss. Foto: H. Meyer

Zwei erlebnisreiche und eher lockere Tage in einem der schönsten Gebiete an der Südküste Indiens, in den Backwaters, sind vorüber. Ein letztes Frühstück auf unseren Hausbooten, dann Verabschiedung vom freundlichen Personal, die uns in den vergangenen Tagen wie in einem 5-Sterne-Hotel jeden Wunsch erfüllt hatten. Jetzt warten die Vogelschutzgebiete auf uns! Von Alleppey bis nach Thattekad, unserem Ziel, drängen wir uns rund 120 Kilometer durch die dichte Besiedlung Keralas und den unglaublich chaotischen Verkehr, der für unsere europäischen Sinne eher eine Zumutung ist. Hier vielleicht selber zu fahren: ein Albtraum, auch für den geübten Autofahrer! Wir kommen auch erst nach rund vier Stunden in unserem nächsten Camp, einer self-contained-Zeltanlage direkt an einem Seitenarm des Periyar-Flusses gelegen, an. Nicht nur das Personal der Anlage, auch eine lärmende Gruppe (gewöhnlicherweise ganze Familienverbände, die gesellig zusammenleben) mit dem treffenden deutschen Namen Dschungelschwatzhäherlinge (Jungle Babbler), heißen uns bei tropischen Temperaturen willkommen. Rasch beziehen wir unsere Zelte, und dann wartet schon das Mittagsbuffet. Trotz hoher Temperaturen über 30°C und ca. 48 % Luftfeuchte sind wir zwischen 16.00 und 18.00 Uhr auf Birdingtour um das Camp unterwegs. Viele Vogelarten, die wir heute kurz sehen, können wir an den Folgetagen noch ausführlicher beobachten. Zum Höhepunkt des Nachmittags wird aber ein Berghaubenadler der Unterart Nisaetus n. kalaarti (Legg’s Hawk Eagle), für den es (noch) keinen eigenen deutschen Namen gibt. Dieser seltene Adler, der relativ sicher nur hier im Gebiet beobachtet werden kann, ist eine der Zielarten und zieht Ornithologen und Vogelbegeisterte aus aller Welt hierher. Zum Tagesabschluss lässt sich noch der hiesige Vertreter der Sperlingskäuze, der Dschungelzwergkauz (Jungle Owlet) sehen. Im Schein der Taschenlampe leuchten die Augen der Riesenachtschwalbe (Great eared-nightjar), die wir noch vom Zeltbett aus zusammen mit den weiteren Stimmen der aus Urwaldnacht rufen hören.

Freitag, 12.01: Wilde Hühner im Wald, Endemiten-Festival und Bengalenpitta

Indienpitta am Periyarfluss. Foto: S. Daniel

Unser erster voller Tag im Gebiet beginnt noch in der Dunkelheit. Mit unserem Frühstück im Gepäck fahren wir knappe 45 Minuten bis zum Idamalayar Forst, dessen semiarides Klima eine in der jetzigen Trockenzeit teilweise Laub abwerfende Baumflora aufweist. In unserer Zielartenliste für die Region stehen verschiedene endemische Arten, um die wir uns bemühen wollen. Zuerst: wilde Hühner im Wald? Natürlich, denn wir sind in Asien, der Heimat unserer domestizierten Eierlieferranten, und hier kommt das seltene Sonnerathuhn (Grey Junglefowl), von dem wir einen Hahn mit vier, fünf Hennen … beim Verzehr unserer mitgebrachten Frühstückseier beobachten. Die Kapokbäume beginnen zu blühen und locken mit ihren süßen Blüten diverse Vogelarten an. Graustirn-Pompadurtauben (Grey-fronted Green-pigeon) ebenso wie Malabartoko (Malabar Grey Hornbill), Taubensittich (Malabar Parakeet), Scharlachmenningvogel (Scarlet Minivet), Kerala-Goldbrustbülbül (Flame-throated Bulbul), Däumlingsnektarvögel (Crimson-backed Sundbird) und den Malabarstar (Blyth‘s Starling) um nur Vertreter aus der Gruppe der Endemiten zu nennen.

Gegen 11.00 Uhr steigen die Temperaturen hier im Tiefland (70m NN) auf über 33°C an und die Vogelwelt verstummt. Wir ziehen uns zum Mittagessen zurück ins Camp und in unsere mit Deckenventilatoren und zusätzlich mit Klimaanlagen ausgestatteten Zeltbehausungen zur Mittagsruhe zurück. Am späten Nachmittag auf unserer zweiten Birdingrunde können wir dank der guten Insiderkenntnisse unseres lokalen Birdguides den beeindruckenden Fischuhu (Brown Fish-owl) und einen Falkenkauz (Brown Boobook), jeweils am Tageseinstand entdecken. Zum Abschluss des Tages, in den letzten 10 Minuten Tageslicht, wartet noch eine farbenprächtige Bengalenpitta (Indian Pitta) im Unterholz direkt am Straßenrand auf uns. Eine Art, die wie überall in den Tropen die Vogelfreunde aus nah und fern fasziniert. Was für ein schöner Tagesabschluss!

Sonnabend, 13.01.: Begegnung mit dem seltensten Vogel Südindiens

Noch vor dem Hellwerden stehen wir bereit zur Abfahrt in unser heutiges Beobachtungsgebiet in der am Rande des „Salim-Ali-Vogelschutzgebietes“. Wir wissen noch nicht, dass der heutige Tag ein ornithologisches Highlights der Reise bereithält. Zuerst erfreuen wir uns aber an einer neuen Bartvogelart, dem endemischen Malabar-Schmiedbartvogel (Malabar Barbet), dann folgt ein eher unscheinbarer, aber als Zielart des Gebiets ebenso wichtiger Vogel, der Einfarb-Mistelfresser (Nilgiri Flowerpecker), wieder ein Vertreter der Endemiten Südindiens.  Zum ersten Mal treffen wir heute auch auf das farbenprächtige Indische Königsriesenhörnchen (Indian Giant-squirrel), eines der größten Eichhörnchen der Welt.

Ceylonmaskeneule. Digiskopiefoto: H. Meyer

Im dichten Unterholz, nur zwei bis drei Meter über dem Erdboden, hat unser indischer Birdguide Jijo zwei den Tag verschlafende, nachtaktive Ceylonfroschmaul (Sri Lanka Frogmouth) entdeckt, die auf ihre Tarnung vertrauen und ihr typisches vertrautes Verhalten zeigen. Der Höhepunkt des Vormittags, ja der bisherigen Reise insgesamt, wartet aber gleich im Anschluss. Seit einiger Zeit hält sich der vermutlich seltenste Vogel Südindiens, eine Ceylonmaskeneule (Sri Lanka Bay-owl) hier im Gebiet auf und hat bereits – vergleichbar bei uns mit Ereignissen auf Helgoland – für einiges Aufsehen unter den asiatischen Twichtern und Birdern gesorgt. Denn diese sind ebenso vernetzt wie die europäischen oder amerikanischen, und so pilgern sie in das Gebiet, um diesen geheimnisvollen Vogel, über dessen Biologie fast nichts bekannt ist, zu sehen. Unser Guide ist gut aufgestellt und kann mit den neusten Informationen aus der Szene den an eine Schleiereule erinnernden (aber im Gesicht deutlich anders gezeichneten) Vogel im Unterholz rasch finden. Mit einem guten Gefühl und vollen Speicherchips in den Kameras beenden wir den hoch interessanten Birding-Vormittag. Im Camp wartet das Mittagsbuffet und die Mittagsruhe.

Nachmittags suchen wir nach einer weiteren Zielart des Gebietes, der endemischen Weißbauch-Baumelster (White-bellid Treepie), die wir auch gut beobachten können. In der Abenddämmerung fliegen Maharadschanachtschwalben (Jerdon’s Nightjar) im Schwein der Taschenlampe rufend um uns. Ein Mangokauz (Mottled Wood-owl), den wir allerdings nicht entdecken können, verabschiedet uns mit seinen Rufen in die Nacht. Nach dem Abendessen steht wie immer die tägliche Birdliste im Programm, dann begibt sich jeder in seine komfortable Zeltbehausung zur letzten Nacht hier.

Sonntag, 14.01.: Ein Baum voller Däumlingsnektarvögel – auf dem Weg in die Western Ghats

Nilgirilangur mit Jungtier. Foto: S. Grüttner

Eine Geburtstagstorte für Reisegast Wolfgang. Foto: H. Meyer

Nach dem Frühstück checken wir aus und verlassen unser Birdwatcher-Camp im tropischen Tiefland, in dem wir wunderbare Stunden verbracht und die südindische Vogelwelt genossen haben. Wir fahren entlang des Periyar-Flusses in Richtung der Berge der Western Ghats. Obwohl die Strecke bis zum nächsten Zielpunkt auf 880mNN gelegen nur 110 km lang ist, brauchen wir über vier Stunden für die Fahrt auf einer sehr schlechten Straße, die teilweise nur Schrittgeschwindigkeit zulässt. Unterwegs stoppen wir am Fluss und suchen nach einer weiteren endemischen Vogelart Südindiens, die hier verbreitet ist, den Graukopfbülbul (Grey-haeded Bulbul), den unser Guide schnell für uns findet. Begeisterung löst unterdessen ein üppig blühender Tropenbaum aus, an dessen gelben Blüten es von Nektarvögeln nur so wimmelt. Etwa 40 bis 50 der endemischen Däumlingsknektarvögel (Crimson-backed Sunbird) und einige Lotennektarvögel (Loten‘s Sundbird) zeigen hier Ihre Art als „Asiatische Kolibris“. Die Landschaft steigt an und wir gelangen auf eine erste Hochfläche der Western Ghats. Teeplantagen tauchen auf und bieten einen Kontrast zu den Bananen- und Ananasfeldern, Palmenhainen sowie Gemüsegärten der Ebene. Mit dem Erreichen der Western Ghats ändert sich auch das Klima: das feuchtheiße Tieflandsklima der ersten Reisewoche zwischen Kochi und den Thattekad weicht trockeneren Klima und kühleren Temperaturen. Wir checken in unser schönes Hotel ein, genießen das Mittagsbuffet und unternehmen in den letzten drei Stunden Tageslicht noch einen ersten Beobachtungsgang in den „Thekkady-Nationalpark“. Hier begrüßt uns zuerst der asiatische Vertreter der Paradiesschnäpper, der Hainparadiesschnäpper (Indian Paradis-flycatcher), noch dazu ein Männchen im prächtigen Brutkleid. Auch bei den asiatischen Primatenarten gibt es hier eine endemische, gefährdete Art (vulnerable) zu entdecken. Der Nilgiri-Langur, der in kleinen Gruppe durch die Urwaldriesen streift, lässt sich rasch gut per Spektiv beobachten.

Für einen Reiseteilnehmer hält der Abend noch eine Überraschung bereit: Eine Schwarzwälder-Kirsch-Geburtstagstorte … in Südindien für das Geburtstagskind Wolfgang!  Zwei Flaschen Wein gehören auch zum Geschenk, welches unsere indischen Kollegen für diesen Anlass organisiert haben. Abendbuffet/Übernachtung in einem schönen ****-Hotel am Rande des Nationalparks.

Montag, 15. Januar: Besondere Vogelarten im Periyar-Tiger-Reserve

Keralablauschnäpper. Foto: S. Grüttner

Am zeitigen Morgen setzen wir mit einem Bambusfloß über einen Nebenarm des Periyar-Flusses und beginnen unsere Wanderung im Schutzgebiet. Aus den Urwaldriesen entlang des Flussufers ertönt auch hier der vielstimmige Chor der Grünbartvögel (White-cheeked Barbet), und die Nilgiri-Languren begrüßen uns mit ihrem Morgengesang. Eine Familie Indischer Fischotter (Smooth-coated Otter) spielt entspannt im Wasser und dann im Ufersand. Schopfwesenbussarde (Oriental Honey-buzzard), Malaien- (Black Eagle) und Schelladler (Greater Spotted Eagle) sind bereits in der Luft. Wir suchen aber heute nach weiteren endemischen Arten Südindiens, auf die wir auf diese Reise nur hier eine Chance haben. Als ersten Vertreter dieser Gruppe können wir uns aus nächster Nähe den Keralablauschnäpper (White-bellied Blue-flycatcher), der seinem Namen alle Ehre macht, anschauen. Zuerst ein Weibchen, dann eines der blau gefärbten Männchen. Unsere Birgduides suchen unterdessen schon nach der nächsten Rarität in der Vogelwelt, die man auch nicht jeden Tag zu Gesicht bekommen kann. Aber es gelingt. Plötzlich kommt Bewegung ins Unterholz. Eine Gruppe Häherlinge macht sich bemerkbar. Und, es sind die gesuchten, die endemischen Rostflankenhäherlinge (Wynaard Laughinthrush)! Mehr als 15 Individuen umfasst der Verband, der sehr nah an uns vorbeizieht.

Frische Tigerspuren im Schlamm, die wohl von einem kräftigen Männchen stammen, erregen Aufmerksamkeit! Durchdringender Aasgeruch sticht in der Nase. Wir müssen uns zurückziehen. Die Rancher sind sich sicher, dass die Großkatze noch in der Nähe an ihrem Riss sein muss. Es ist zu gefährlich, hier zu bleiben.

Damadrossel. Foto: S. Grüttner

Auf dem Rückweg kommt uns noch der wunderbar orange-schwarz gefärbte (near endemic) Malaientrogon (Malabar Trogon) vor die Optik. Auch eine Zielart dieses Gebietes, ebenso wie die nicht häufigen Hindusegler (White-rumped Spinetail), die niedrig überm Wasser auf Nahrungssuche sind. Zufällig entdecken wir noch eine Damadrossel (Orange-headed Thrush), die wir eigentlich schon vor Tagen vergeblich gesucht hatten. Mittags erreichen wir unser Hotel und das Buffet wartet auf die hungrigen Vogelbeobachter.

Die Nachmittagsrunde brachte die erhofften weiteren endemischen Arten, die im Gebiet gefunden werden können: Malabarvanga (Malabar Woodshrike) und Graustirndrossling (Roufus Babbler). In einer feuchten Wiese rasten Spießbekassinen (Pintail Snipe), Wintergäste aus Sibirien. In einem alten Baum lässt sich noch eine neue Zwergohreulen-Art finden, die Orient-Zwergohreule (Oriental Scops-owl). Ein wieder interessanter Tag in einem bemerkenswerten Schutzgebiet endet nach der Birdliste mit der Nachtruhe der Birder.

Dienstag, 16.01.: Hinauf nach Munnar ins Tea Vally in den Western Ghats

In den Teeplantagen bei Munnar. Foto: B. Nikolov

Flötenhäherling. Foto: S. Grüttner

Nach dem Frühstück verlassen Periyar und fahren im Tal auf ca. 450mNN entlang der sehr trockenen, Regen abgewandten Ostseite der Western Ghats. Eine savannenartige Landschaft mit Akazien überrascht und erinnert an Afrika. Eigentlich fehlen nur die Giraffen … Bevor wir uns die enge Bergstraße hinauf schlängeln, stoppen wir um nach einigen Vogelarten Ausschau zu halten. Nochmals können wir die Bengalenpitta (Indian Pitta) gut beobachten. Wir sind diesen Umweg durch den Bundesstaat Tamilaru nach Munnar insbesondere deswegen gefahren, um eine weitere spannende endemische Vogelart dieses Lebensraumes beobachten zu können. Direkt an der Bergstraße auf ca. 1.000mNN entdecken wir dann auch den schicken Goldkehlbülbül (Yellow-throated Bulbul). Gegen 14.00 Uhr, nach insgesamt sechs Stunden Fahrtzeit für „nur“ 150 Kilometer Strecke erreichen wir die Stadt Munnar, ein in ganz Indien bekannter und beliebter Luftkurort, auf 1.500 Meter Höhe gelegen. Die Umgebung der Stadt ist vom Teeanbau geprägt, für den die Western Ghats berühmt sind. Die Zeit nach dem Mittag nutzen wir, um uns im am Stadtrand gelegenen „Tea Valley“ umzuschauen. Auch hier ist die Dramatik des Habitatverlustes in der Agrarlandschaft, die weltweit die Vogelwelt bedroht, deutlich sichtbar. Allein vier endemische Vogelarten kommen hier in einem winzigeren Restwäldchen, von Teeplantagen regelrecht umzingelt und auch noch von einer Straße durchschnitten, vor: Nilgiritaube (Nilgiri-Wood pigeon), Nilgiri-Flycatcher, Flötenhäherling (Kerala Laugthingtrhus) und Weißbauchschmätzer (White-bellied Blue-robin). Ob diese gefährdeten Vogelarten auch in einigen Jahren noch hier zu finden sind, steht sicher in den Sternen …

Der Nachmittag wird etwas individueller gestaltet. Einige Gäste besuchen das Tee-Museum der Stadt und suchen in dem einen oder anderen Geschäft nach einigen typischen Reisemitbringseln. Die „harten“ Birder hingegen entdecken auch am Nachmittag weitere neue Vogelarten bzw. erfreuen sich nochmals an einem Fischuhu (Brown Fish-owl), der völlig frei sitzende auf einem Stein im Fluss auf Beute wartet.

Mittwoch, 17.01.: Besuch im „Eravikulum Nationalpark“ bei Nilgiripieper und Nilgiritahr

Nilgiripieper. Foto: S. Grüttner

Nach der Nacht im kolonial-edlen TAJ-Hotel, angeblich dem besten Hotel Südindiens, fahren wir zeitig in den „Eravikulan Nationalpark“, der auf ca. 1.700 mNN beginnt. Hier beschäftigt uns vor allem eine Vogelart, der endemische Nilgiripieper (Niligiri-Pitpit) der nur hier im weitläufigen Grasland vorkommt. In diesen Nationalpark führt nur ein einziger Weg hinein und wieder hinaus, ansonsten herrscht strenges Betretungsverbot. Aber wir haben auch hier Glück und können gleich zu Beginn die gesuchte Art gut und ausführlich beobachten. Zum ersten Mal auf dieser Reise entdecken wir auch die Indienamsel (Indian Black-Bird). Auch die nicht häufige Hill Swallow (Splitt von der Tahitischwalbe) ist hier Brutvogel. Das Schutzgebiet gilt insbesondere auch einer weiteren endemischen Säugeiterart, dem Nilgiri Tahr, einer seltenen Wildziegenart, die wir ebenso beobachten können. Nach dem Mittagaessen lassen sich nochmals einige neue Vogelarten entdecken: Graukopf-Kanarienschnäpper (Grey-headed Canary-flycatscher), Purpurnektarvogel (Purple Sunbird) und Eilsegler (Brown-backed Needletail). Hier bei Munnar liegt auch der mit knapp 2.700 mNN höchste Berg der Western Ghats, gleichzeitig die höchste Erhebung südlich des Himalajas.

Donnerstag, 18.01.: Eine außergewöhnliche Seltenheit am Stadtrand von Munnar

Malabarpfeifdrossel. Foto: S. Grüttner

Die (near endemic) Malbar-Pfeifdrossel (Malabar Wisthling-Trush) weckt uns mit ihrem flötenden Gesang, und nach einem tollen Frühstücksbuffet checken wir aus. Heue liegt ein Reisetag über rund 250 km vor uns. Unterwegs stoppen wir aber, um noch einige Vogelarten zu entdecken. Gleich am Stadtrand wartet eine handfeste Überraschung auf uns. Wir können der endemischen Nilgiridrossel (Nilgiri Trush), einer typischen Erdrossel, die in den Bergen der Western Ghats in einem winzigen Verbreitungsgebiet vertreten ist, bei der Nahrungssuche zuschauen (und einige Belegfotos anfertigen)! Die Art ist so selten, dass es von ihr bis heute angeblich keine Tonaufnahme gibt. Die Wahrscheinlichkeit, diese Drossel zu sehen, liegt normalerweise bei null! Später legen wir einen weiteren Stopp in einem anderen Schutzgebiet, dem „Chinnar Wildlife Sanctuary“ (480m NN) ein. Hier wollen wir noch eine interessante Eule, den Nepaluhu (Spot-bellied Eagle-owl), beobachten. Nach einiger Suche kann die Art, auf die wir nur hier eine echte Chance haben, im Tageseinstand dösend entdeckt werden.

Auch die heutige Fahrstrecke ist landschaftlich wieder überaus reizvoll. Zuerst fahren wir aus den Bergen von Munnar (um 1.500 mNN) auf die bei 480mNN gelegene Talsohle zurück und weiter entlang der Regen abgewandten, trockenen Region der Western Ghats in nördliche Richtung. Plötzlich taucht wieder das Gebirge auf uns es geht erneut steil hinauf in atemberaubenden Haarnadel-Kurven zum auf 2.400 m Höhe gelegenen Hauptort der Nilgiri-Region, nach Ooty. Ein tolles Hotel, angeblich das beste Hotel Südindiens, wartet im berühmten Kurort auf uns.

Freitag, 19.01.: Ein Gaur-Bulle im Raureif in den Nilgiri-Bergen, und letzter Endemit der Reise

atemberaubender Anblick: ein wilder Gauer-Bulle in der Morgensonne. Foto: S. Grüttner

Vor dem Frühstück fahren wir in ein winziges Waldgebiet am Stadtrand, um drei endemische Arten zu suchen. Die Nacht war kalt, sogar mit leichtem Nachtfrost, die Autos sind am Morgen komplett vereist und es liegt Raureif auf den Wiesen. In einer aufgegebenen, verkrauteten Teeplantage am Waldrand steht in der aufgehenden Sonne ein gewaltiger Gaur-Bulle. Seine Nüstern dampfen im Raureif des kalten Morgens. Ehrfurchtsvoll betrachten wir das riesige Wildrind. Was für ein beeindruckender Anblick! Wir beobachten Zimtbrusthäherling (Nilgiri Laughingthrus) und den wunderbar schwarz-orange gezeichneten Orangeschnäpper (Black-and-orange Flycatcher). Etwas mehr Zeit benötigen wir, um den seltenen Nilgirischmätzer (Nilgiri Blue Robin) zu finden. Aber schließlich entdecken wir die Art in einem Gebüsch. Damit haben wir die drei hier vorkommenden Endemiten gefunden, gesehen und fahren zurück ins Hotel, wo das Frühstück wartet. Danach checken aus und verlassen die Nilgiriberge, die nicht nur für die gesamte Region, sondern auch für zahlreiche seltene Tierarten Namensgeber sind. Nach nicht allzu langer Fahrt erreichen wir Nachmittag den „Mundulai Nationalpark“ wieder zu Fuße der Western Ghats, wo uns eine naturnah gelegene Logde abseits der indischen Zivilisation erwartet. Wir checken ein in die geräumigen Bungalows und starten nach einer Stärkung auch sofort zum Birdwatching. Neben verschiedenen neuen Vogelarten sehen wir hier die Malabarlerche (Malabar Lark). Mit dieser letzten endemischen Art können wir die Liste aller 25 endemischen Vogelarten Südindiens schließen. Wir haben sie alle sehen können! Der Abend endet mit noch einer Geburtstagsfeier, denn auch Evelyn feiert auf dieser Reise ihren Ehrentag. Und natürlich ist auch für sie eine Überraschung vorbereitet.

Sonnabend, 20.01.: Tiger-Safari ohne Tiger – Tiger auf der Straße

Fischuhu. Foto: S. Grüttner

Vor und nach dem Frühstück birden wir in der Umgebung der Logde wieder im Savannen-artigen, trockenem Gelände, am Rande des „Mundulai Nationalparkes“. Mehr als 20 neue Vogelarten können wir feststellen. Darunter auch solche Seltenheiten wie Weißbauch-Menningvogel (White-bellied Minivet) und (near endemic) Fleckenbrust-Fächerschwanz (White-spotted Fantail). Wir freuen uns über besonders attraktive Arten wie Kastanienkleiber (Indian Nuthatch), der hier im Gebiet sein südlichstes Vorkommen hat, sowie über Gelblappenkiebitz (Yellow-wattled Lapwing), Thickellblauschnäpper (Thickell‘s Blu-Flycatcher und Elsterraupenschmätzer (Bar-wingend Flycatcher-shrike), die zwischen unseren Bungalows im Logde-Gelände aktiv sind. Mit dem Brahmakauz (Spotted Owlett) sehen wir die achte Eulenart auf dieser Reise.

Den Nachmittag gestalten wir optional auf Wunsch aller Teilnehmer mit einer Tiger-Safari im Schutzgebiet. Dazu fahren wir aber etwas weiter in den nächsten Bundesstaat zum „Bandipur Tiger Reserve“ im Bandipur Nationalpark, weil nach Auskunft unserer indischen Begleiter dort die Chancen, Bengaltiger zu sehen, am höchsten sein sollen. Die indische Bürokratie überbrücken wir Vogelbeobachtung und entdecken die zweite Fächerschwanz-Art des Tages, den Weißstirn-Fächerschwanz (White-browed Funtail). Damit haben wir beide in Südindien vorkommende Arten gesehen. Erwartungsfroh besteigen wir nun das für uns bereitgestellte Safarifahrzeug, müssen uns aber zu unserer Verwunderung kurze Zeit später am Eingang zum Schutzgebiet in den indischen Massentourismus „Tiger“ einreihen. Ein junger indischer Birder, der mit uns im Fahrzeug fährt, zeigt stolz seine Aufnahmen vom Sonntag vor einer Woche aus diesen Gebiet: eine Tiger-Aufnahme schöner als die andere, dazu einen Leoparden!

Bengaltiger. Foto Nepal: Som Gharti Chetri

Fast drei Stunden fahren wir durch das Schutzgebiet … und sehen nichts! Keine wilden Elefanten, obwohl es überall nach diesen und deren frischen Dung riecht, keine Wildrinder, keinen Leoparden und schon gar keinen Tiger. Okay, einmal machte sich Unruhe breit. Im Gebüsch soll einer gewesen sein, aber niemand hat wirklich etwas gesehen. Alle sind etwas traurig, aber wir waren nicht im Zoo! Tierbeobachtungen in der Wildnis sind Glücksache. Wir steigen in unseren Tourbus um und fahren die Straße durch das Schutzgebiet zurück, auf der wir schon gekommen waren. „Schlafende Polizisten“ alle paar Hundert Meter zwingen unser Fahrzeug zu ständiger Schrittgeschwindigkeit und obwohl eigentlich überflüssig mahnen große bebilderte Tafel am Straßenrand permanent zu langsamer Fahrt …, weil wilde Elefanten, Wildrinder, Leopard und Tiger die Straße überqueren würden. Und, unglaublich, wenige Meter weiter überquert tatsächlich ein stattlicher Bengaltiger unaufgeregt direkt vor unserem Bus die Straße um in der Dunkelheit zu verschwinden … Unglaublich!

Im Camp wartet das leckere Abendbuffet, und nach der Vogel- wird die Säugetierliste um den Tiger ergänzt … bevor die Nachtruhe, begleitet von den Rufen von Dschungel- & Hindunachtschwalbe (Jungle- & Indian Nightjar), eingeläutet wird.

Sonntag, 21. Januar: Im Maharadschapalast von Mysore

Der Maharadschapalast von Mysore. Foto: H. Meyer

Im Palast. Foto: H. Meyer

Heute verlassen wir nach dem Frühstück das Camp, dessen wundervolle Natur und stille Umgebung für indische Verhältnisse geradezu erholsam wirkte, und machen uns auf die Weiterreise Richtung Bangalore, von wo aus wir übermorgen unsere Heimreise antreten werden. Wir werden heute aber eine Zwischenübernachtung in Mysore (765 m NN) einlegen. Bis zur Stadt birden wir nochmals ein einigen Punkten. Auf einer Ruderalfläche können wir zwei weitere neue Arten, die uns noch in der Liste fehlen, entdecken: Rostbauchprinie (Ashy Prinia) und Grauscheitellerche (Ashy-ground Sparrow-lark). Gegen 13.00 Uhr treffen wir nach ca. 90 Kilometer Fahrt in Mysore ein. Ein wunderbares Stadthotel wartet auf uns. Am Nachmittag, zum Abschluss der Rundreise durch Südindien, steht noch etwas Kultur auf dem Programm. Wir besichtigen den Maharadscha-Palast von Mysore. Nicht mehr unerwartet findet auch hier „indischer Massentourismus“, der uns in seiner „Masse“ durchaus erschreckt, statt, aber die Menschenmassen, die sich zeitgleich mit uns durch prächtigen Hallen und Gemächer, verziert mit Kiloweise Gold, Edelsteinen und wertvollen Wandmalereien, schmäleren nichts vom erhabenen Gesamteindruck dieses ganz außergewöhnlichen Königsschlosses, welches in ganz Indien seinesgleichen sucht.

Montag, 22. Januar: Vogelkolonien im Rangnitthuri-Schutzgebiet zum Abschluss

Bartmeise-Reisegruppe Südindien. Foto: H. Meyer

Nach dem Frühstück treten wir die letzte längere Etappe nach Bangalore, in die indische „Gartenstadt“, an. Die 200 Kilometer Strecke unterbrechen wir am Morgen kurz nach Mysore am Keveri-Fluss, wo der abschließende vogelkundliche Höhepunkt wartet: Ein Besuch im Rangnithuri-Vogelschutzgebiet mit einer Bootsfahrt zu den Wasservogel-Brutkolonien. Zusammen mit einigen indischen Vogelfotografen sind wir heute Morgen die ersten Birder, die eines der von Hand geruderten Boote besteigen. Wir gleiten in völliger Stille, nur vom vielstimmigen Vogelkonzert begleitet, am Flussufer entlang. Buntstorch (Painted Stork), Silberklaffschnabel (Asian Openbill) und – neu –  auch Graupelikane (Spot-billed Pelican) sind in Brutstimmung und zeigen sich im Prachtkleid an ihren Nestern, ebenso wie verschiedene Reiherarten in diesen gemischten Kolonien. Beeindruckend sind auch hier wieder Hunderte Indische Riesenflughunde, die zwischen den Nestern der Vögel im Bambus hängen. Noch eine neue Vogelart können wir auch beobachten. Der Krabbentriel (Great Thick-knee) ist hier mit einigen Brutpaaren vertreten und sitzt neben den Respekt einflößenden Indischen Sumpfkrokodilen und einigen Kaimanen auf den Felsen im Fluss.

Wir erreichen am späten Nachmittag unser Hotel in der Nähe des Flughafens von Bangalore, wo unser Abschlussessen wartet und wo wir uns bis Mitternacht noch frisch für die lange Reise machen können.

Dienstag, 22. Januar 2018: Eine rote Rose zum Abschied in Frankfurt

Alles „rot“ in Kerale – rote Partei, rote Vorbilder … und rote Früchte (rechts). Foto: H. Meyer

Kurz nach Mitternacht startet der Transfer zum internationalen Flughafen von Bangalore, wo um 3:35 Uhr Ortszeit die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt wartet. Alles verläuft reibungslos, fast pünktlich startet die Boeing 747-800 mit Ziel Frankfurt. Lufthansa wird auch heute Nacht seine seiner Auszeichnung zur einzigen 5-Sterne-Ariline Europas gerecht und bietet besten Service. Fast alle Gäste nutzen für den 9,5 h Flug die neue und bequeme Premium-Economy-Klasse, wodurch auch etwas Nachtschlaf möglich wird.  Beim Aussteigen in Frankfurt reicht die Lufthansa allen Damen unserer Gruppe eine rote Rose zum Abschied. Für alle Gäste symbolisch vielleicht auch der Abschied von dieser Reise und der ganzen Gruppe, die herausragend gut harmonierte.

Fazit: Diese vogelkundliche Rundreise durch Südindien, fast ausschließlich durch den (für indische Verhältnisse) recht außergewöhnlich wohlhabenden Bundesstaat Kerala, führte über 1.600 Kilometer Gesamtstrecke in kurzen Tagesetappen vom tropischen Tiefland am Indischen Ozean bis in die höchsten Berge südlich des Himalaya, in die Western Ghats (bis ca. 2.700 mNN). Die Temperaturen lagen zwischen (maximal) + 35°C und (minimal) 0°C, also bis 35°C Temperaturdifferenz in 15 Tagen! Ziel der Reise waren neben der südindischen Vogelwelt insgesamt natürlich auch die 25 möglichen endemischen Vogelarten (Südindiens und der Western Ghats), die wir dank eines gut aufgestellten, kenntnisreichen Birdguides auch ausnahmslos alle beobachten konnten. Die seltensten Arten auf dieser Reise waren wohl die Ceylonmaskeneule und Nilgiridrossel, deren Beobachtungswahrscheinlichkeit normalweise bei null liegt. Insgesamt rund 270 (von 550-600 möglichen) Vogelarten konnten beobachtet werden. Ungewöhnlich viele Säuger, darunter auch einige endemische Arten, dazu Bengaltiger, Wildrinder, Hirsche bis hin zu Indischen Königsriesen- und Zwerghörnchen, Fischottern sowie Riesenflughunden konnten nebenbei studiert werden. Trotz auch hier deutlich sichtbarer Umweltprobleme – insbesondere Habitatverluste durch die Bevölkerungsexplosion – erlebten wir eine reichhaltige Vogel- und Tierwelt, die durch die Bevölkerung (religiöse Gründe im hinduistischen und buddhistischen Glauben) keinerlei Nachstellung ausgesetzt ist!

Südindische Tropenlandschaft. Foto: H. Meyer

Die Reise bot zudem einen Einblick in die Kultur und tropische Landschaft sowie in die Bergwelt der Western Ghats. Wir erlebten ausschließlich freundliche, stets Service bereite Menschen, die dezent jeden Wunsch der Gäste erfüllten. Die gute indische Küche, ein Paradies für Vegetarier, sehr gute bis gute, hygienisch einwandfreie Hotels und Logdes und eine herausragend gute Tour-Betreuung durch unsere indischen Partner trugen dazu bei, dass alle Gäste die gesamte Reise ohne irgendwelche Ausfälle gesundheitlicher Art genießen konnten (darunter auch Gäste, die überhaupt zum allerersten Mal eine tropische Region bereisten)! Trotz heftiger Klimatisierung aller öffentlichen Bereiche waren auch keinerlei Ausfälle durch Erkältungskrankheiten zu verzeichnen. Ein für die gesamte Reise für die Reisegruppe zur Verfügung stehender mobiler WiFi-Hot Spot ließen auch die Verbindung auch dort, wo diese in abgelegenen Gegenden nicht stabil war, in die Heimat nicht abreisen.

Südindien und die Andamanen

Unsere nächste Bartmeise-Reise nach Südindien, die im ersten Teil bis Munnar (wie hier beschrieben) und dann weiter – neu – in der zweiten Woche auf die Andamanen (!) zu den dortigen (20) endemischen Arten führt, steht vom 18. November bis 3. Dezember 2018 im Reiseplan. Einige Plätze sind noch frei.

Die hier beschriebene Reise komplett wird im Februar 2019 wiederholt. Der Reiseplan wird in Kürze veröffentlicht.

Startbild: Bartmeise-Reisegruppe im Periyar-Tigerschutzgebiet. Foto: H. Meyer

Hartmut Meyer

Gäste-Stimmen zur Reise:
„Eine grandiose Reise. Wir waren überwältigt von diesem so spannenden und kontrastreichen Indien, seiner vielfältigen Vogelwelt ( zahlreiche endemische und seltene Arten, v.a. Eulen und Bengalenpitta ), den wunderschönen, teils luxuriösen Unterkünften, dem phantastischen vegetarischen Essen, der bewegenden Freundlichkeit der indischen Bevölkerung und der Harmonie in unserer Gruppe. Zudem waren die Organisation und die Betreuung vor Ort nicht zu übertreffen …“ (Mona und Wolfgang Horn)

Auf der Suche nach dem Krokodilwächter am Gambia-River

Auf der Suche nach dem Krokodilwächter am Gambia-River

Bartmeise-Gruppe zu Fuße eines afrikanischen Baumriesen. Foto: S. Fischer

Am 27. Dezember 2017 traf unsere Bartmeise-Reisegruppe unter Leitung von Stefan Fischer (Paulinaue) wohlbehalten und planmäßig nach einem Lufthansa-/Brüssel Airline-Flug am Abend in Banjul, der Hauptstadt von Gambia ein. Empfangen wurde die Gruppe von Ansu, unserem gambischen Birdguide. Mit ihm zusammen wird unsere Vogelbeobachter-Gruppe bis zum 10. Januar die faszinierende westafrikanische Vogelwelt entlang des Gambia-Rivers und bei einem Abstecher in den Senegal erkunden und beobachten. Bereits in den ersten Stunden konnten schon um die 140 Vogelarten gesehen werden. Das Gruppenfoto am Fuße dieses mächtigen afrikanischen Baumriesen entstand gestern (28.12.2017) in der Nähe von Banjul.

Hartmut Meyer

Startbild: Bartmeise-Reisegruppe Gambia (3.v.re.: Reiseleiter Stefan Fischer; ganz li: Ansu, gambischer Birdguide). Foto: S. Fischer

 

 

 

 

 

Erste Exkursionen in Gambia. Foto: S. Fischer

Asiatische Dschungelabenteuer: Vögel zwischen Himalaya und Buddha

Asiatische Dschungelabenteuer: Vögel zwischen Himalaya und Buddha

Reisebericht: Vogelkundliche Reise nach Nepal (2. bis 17. März 2017)

Im Frühjahr zu unserer Reisezeit sind die nepalesischen Bergwälder in ein tief-rotes Blütenmeer der Baumrhododendren, der Nationalblume des Landes, getaucht. Foto: H. Meyer

2./3. März – 1./2. Tag – Auf dem Weg zu den höchsten Bergen der Welt: Anreise mit Flug der Emirates im A380 abends ab München über Dubai (Ankunft am 3. März gegen 6:45 Uhr) und weiter mit ‚FlyDubai‘ mittags nach Kathmandu. Unsere Bartmeise-Reisegruppe trifft ziemlich pünktlich gegen 18.00 Uhr Ortszeit in der 3,3 Millionen-Stadt Kathmandu im Himalaya-Land Nepal ein. Som Gharti Chetrri, unser nepalesischer Freund und Bird-Guide, holt uns am Flughafen ab, und wir quälen uns durch den dichten Verkehr in die Stadt zu unserem Hotel. Für die nur 7 km vom Flughafen bis zum Hotel benötigen wir über eine Stunde Fahrzeit. Im Hotel wartet schon ein original nepalesisches Abendessen auf die hungrigen und müden Reisegäste, die danach ganz schnell in ihre Betten verschwinden.

4. März – 3. Tag – Bekanntschaft mit nepalesischen Vögel im Kathmandu-Tal: Wir nutzen unseren ersten Beobachtungstag und schließen Bekanntschaft mit der nepalesischen Bergvogelwelt am unter Birdern bekannten ‚Pulchowski Hill‘. Nach rund einer Stunde Fahrzeit erreichen wir am Stadtrand von Kathmandu bei ca. 1.600m NN unseren ersten Ausgangspunkt in den Bergen im Kathmandu-Tal. Mit kaum 10°C ist es sehr kühl im nepalesischen Frühling, aber die Temperaturen steigen dann rasch bis auf 20°C an. Gleich zu Beginn unserer Tour können wir ein Paar vom seltenen Kali-Fasan (Kalij Pheasant) beobachten, dessen hiesige Unterart endemisch für Nepal ist. Von den Berghängen erklingt der markante Gesang der Goldkehl-Bartvögel (Golden-throated Barbet). Wir treffen hier auf viele neue Vogelarten wie auch auf Verwandte unserer europäischen Vogelwelt, z.B. die Bergkohlmeise (Green-backed Tit). Aus den Bergwäldern leuchten überall die blühenden Baumrhododendren (die Nationalblume Nepals) und tauchen den grün-gelben Laubwald in ein zauberhaftes Rot ein. Wir können auf 2.700m NN die ersten Schneegeier (Himalayan Griffon) ziehen sehen und freuen uns ganz besonders über einen intensiv und direkt über unseren Köpfen balzenden Berghaubenadler (Mountain Hawk Eagle). Bis zum späten Nachmittag entdecken wir immer wieder Neues und können heute schon 67 Vogelarten in die Vogelliste eintragen. Unser Abendessen nehmen wir in einem netten Restaurant in der geschäftigen Altstadt von Kathmandu ein.

Kathmandu: laut und bunt. Foto: H. Meyer

5. März – 4. Tag – Aus dem Kathmandu-Tal zum Chitwan Nationalpark: Nach einem zeitigen Frühstück checken wir aus uns starten unsere Rundreise mit Ziel Chitwan Nationalpark. Der dichte und für uns chaotisch anmutende Verkehr in der Millionenstadt-Kathmandu erfordert starke Nerven. Noch überall sind die Folgen des starken Erdbebens vom 25. April 2015 sichtbar. Unser Guide Som schildert uns im Bus, wie er die gewaltige Naturkatastrophe an diesem Tag zusammen mit zwei australischen Vogelkundlern beim Birden am Pulchowki Hill erlebt hat: „Beim ersten Erdstoß bewegte sich die Erde 30-40 cm nach oben und wieder zurück, wir hielten uns gegenseitig an den Händen fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Im Tal sah ich eine riesige rotbraune Staubwolke über Kathmandu, und ich war mir einer Katastrophe bewusst … Nach dem zweiten Erdstoß rollten Felsblöcke den Hang hinunter auf uns zu. Die umhängende Kamera eines der australischen Ornithologen wurde jetzt vom einen vorbei rollenden Felsblock weggeschleudert. Jeder von uns lief jetzt nur noch um sein Leben …“

Heute wird überall in Katmandu gebaut, sodass ein zügiges Vorankommen auch an diesem Morgen aus der Stadt kaum möglich ist. Erst nach 1 ½ Stunden erreichten wir endlich den Stadtrand. Auf der Fahrt aus der Stadt und in ein weites Tal hinein begleiten uns immer wieder ziehende Steppenadler (Steppe Eagle). Wir stoppen an einem kleinen Flüsschen im Tal, um einige spezielle Vogelarten zu sehen. Wir entdecken ein Brutpaar der größten Bienenfresser-Art, vom Blaubartspint (Blue-bearded Bee-eater) am Brutplatz. Unsere Fahrt führt hinauf auf einen Pass bis auf 2.500m NN und auf der anderen Seite durch einen uralten Eichenwald wieder hinunter zu einem Gebirgsfluss, an dem im Winterhalbjahr immer wieder rastende Ibisschnäbel (Ibisbill) beobachtet werden. Aber heute haben wir kein Glück. Für dieses Jahr kommen wir zu spät, auch wenn die seltene Art noch vor wenigen Tagen hier gesehen wurde. Wir fahren weiter nach Chitwan, wo wir erst gegen 20.30 Uhr nach 13,5 h Reisezeit und ziemlich müde im Hotel eintreffen. Und dabei betrug die Fahrstrecke nur rund 200 km insgesamt! Müde fallen wir nach dem Abendessen ins Bett.

Mehrmals ganz knapp verpasst … Bengaltiger im Chtiwan NP. Foto: S.G.Chettri.

6. März – 5. Tag – Bunte Vogelwelt in den Kapokbäumen: Der heutige Tag im Chitwan Nationalpark, in den Vorbergen des südlichen Himalaya gelegen, ist wieder ein Höhepunkt bei dieser Reise. Im tropischen Tieflands-Dschungel dieses Parks, der ganz zurecht als einer der schönsten und am besten ausgestatteten Nationalparke Asiens gilt und in dem wir heute von 7 bis 18 Uhr durchgehend mit zwei offenen Safari-Geländewagen unterwegs sind, werden auf 932 km² mehr als 630 Vogelarten nachgewiesen. Davon werden wir am Abend 120 Arten in unsere Listen eintragen können.

Morgendliche Überfahrt in den Nationalpark. Vorn stehend im Einbaum Som Gharti Chhetri, unser Guide. Foto: H. Meyer

Der Morgen begann kühl und neblig. Am Fluss, vor der kurzen Bootsüberfahrt in Einbäumen in den Nationalpark, beobachten wir eine Elefantenkuh beim morgendlichen Bad. Wir besteigen die offenen Landrover und beginnen unser tropisches Dschungelabenteuer bei noch kühlen 13°C. Gespannt auf die Vogelwelt fallen uns sofort die herrlich blühenden Kapok-Bäume (Baumwoll-Bäume) auf, die voller Vogeleben sind. Von Krähen über Baumelstern, Spechten, Sittiche, Mainas bis hin zu den Nekatarvögeln sowie auch von den im Park lebenden Primaten (Makaken und Languren) wird der süße Nektar dieser großen roten Blüten zum ‚Auftanken‘ der Energiereserven genutzt. Und so konnten am Vormittag immer wieder neue Arten allein in dieser einen Baumart entdeckt werden. Auch der Kleine Adjutant oder Marabu (Lesser Adjutant), eine von fünf global bedrohten Arten, die in Nepal leben, konnten wir hier in einer der seltenen Brutkolonien beobachten.

Den Mittagslunch nehmen wir mit Blick auf einen der Flüsse im Park ein, beobachten badende Panzernashörnern und warten mit Spannung auf den König des Dschungels, den Bengaltiger, die hier regelmäßig, ja täglich gesehen werden. Offenbar leider gestört durch ein heute stattfindendes kontrolliertes Abbrennen alten Elfenfantengrases als Artenschutzmaßnahme ließ sich aber keiner an dieser als sicher geltenden Stelle am Fluss sehen. Später mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass andere Parkbesucher ein solches Prachtexemplar sozusagen hinter unserem Rücken vom Weg aus beobachtet hatten … Nach Angaben der Rancher leben im Nationalpark neben den ca. 120 Tigern auch Leoparden, Lippenbären, Axis- und Sambahirsche, seltene Gaur-Wildrinder und über 600 Panzernashörner. Letzte sind der Hauptgrund dafür, dass man als Besucher die Fahrzeuge nicht verlassen darf. Warum, konnten wir bei einer fünf Meter vom Wegrand grasenden Nashorn-Kuh mit Kalb erleben. Nachdem diese sich einige Zeit von uns fotografieren ließ, ging sie in Drohstellung über was unseren Fahrer veranlasste, mit durchgedrückten Gaspedal Abschied zu nehmen … Gegen 18.30 Uhr sind wir zurück im Hotel. Nach einem heißen Tag bei Mittagstemperaturen um die 28-30°C wartet dort ein asiatisches Abendbuffet und kühles Bier auf die eingestaubten, hungrigen Reisegäste.

Im Safari-Wagen im Chitwan-NP unterwegs. Foto: H. Meyer

7. März – 6. Tag – Mit Panzernashörnern, Elefanten und Lippenbären unterwegs: Wir werden geweckt vom Gesang des Wechsel-Kuckucks (Common Hawk-cuckoo), dessen markantes Lied noch vor Tagesanbruch aus den Bäumen im Hotel-Gelände erklingt. Auch der Kupferschmid-Bartvogel (Coppersmith-Barbet) ist vor unserer Logde zu hören und zu sehen. Zeitig brechen wir wieder auf, unser zweiter Tag im Nationalpark steht an. Heute fahren wir mit den Landrover eine andere Route und bemühen uns um Vogelarten, die wir gestern noch nicht gesehen haben wie z.B. die Rotkopftimalie (Roufus-capped Babbler), Samtstirnkleiber (Velvet-fronted Nuthatch), Goldstirn-Blattvogel (Golden-fronted Leafbird) und Indienspecht (Indian Pygmy Woodpecker. Nochmals rund 20 neue Arten stehen abends in der Liste. Unseren Mittags-Lunch (gekochter Reis, Gemüse, Hühnchen, Ei, Apfel, Kekse und Kaffee) nehmen wir wieder am Fluss ein. Ein mächtiger wilder Elefantenbulle am anderen Flussufer erregt unsere Aufmerksamkeit. Unsere Führer achten genau auf seinen weiteren Weg, denn es wäre gefährlich, diesem Tier jetzt in der Brunftzeit zu begegnen. Auch heute verpassen wir einen Bengaltiger nur um wenige Minuten … Aber so ist das mit wilden Tieren. Eine andere Touristin aus Indien hatte mehr Glück und führt uns ihr Video vom König des Dschungels vor … Auf der Rückfahrt beobachten wir Axis- und Sambahirsche, Schweine und sehen einen Lippenbär ganz aus der Nähe. Wir zählen heute ungefähr 28 Panzernashörner, die wir seit dem Morgen gesehen haben. Auch die urige Gaur, riesige Wildrinder, können wir wieder beobachten.

Panzernashorn-Kuh friedlich grasend (vom Elefantenrücken aus fotografiert). Foto: H. Meyer

8. März – 7. Tag – Ausritt auf Elefanten und am Mittelpunkt Nepals: Heute Morgen steht ein letztes kurzes Dschungelabenteuer im Chitwan Nationalpark an, bevor wir mittags unsere Weiterreise antreten. Wir haben einen Ausritt auf Elefanten geplant, um Panzernashörner hautnah erleben zu können. Gegen 7.00 Uhr stehen für uns vier Elefanten bereit, und wir starten, immer zu dritt im Sattel, in den Dschungel. Und tatsächlich, auf einer Lichtung steht ein Rhinozeros, dem wir uns unbeschadet auf drei Meter nähern können. Das Tier nimmt keine Notiz von den für sie ungefährlichen Dickhäutern und grast friedlich weiter. Ein unvergessliches Erlebnis! Auch im Zeitalter von zum Teil ausufernden Tierschutzgedanken und Protesten gegen jede Art von Tierhaltung bleibt festzustellen, dass domestizierte Arbeitselefanten in diesem Teil der Welt seit Jahrtausenden zum menschlichen Leben gehören. Sie bieten ganzen Familie Aus- und Einkommen, auch und gerade in diesem nicht besonders reichem Land.

Ein spätes Frühstück wartet nach unserem Elefanten-Abenteuer auf uns, dann checken wir aus und verlassen diesen zauberhaften Nationalpark mit vielen tollen Erinnerungen. Wir fahren weiter ins nepalesische Flachland mit Ziel Lumbini. Auf den wieder nur rund 180 km langen Weg dorthin kommen wir am Mittelpunkt des Landes (Center Point Nipa) vorbei, stoppen für einige Fotos und schauen wir uns einen der bemerkenswerten Sal-Wälder (Hartholz) an. Dabei entdecken wir ebenfalls wieder einige neue Vogelarten wie Himalajabülbül (Himalaya Bulbul) und Grauschwalbenstar (Ashy Woodswallow). Gegen 17.00 Uhr erreichen wir den nur 170m über NN gelegenen Ort Lumbini und beziehen unser Hotel in der Stadt.

Die größten Kraniche der Welt: 1 Paar Saruskraniche am Jagdispur-Stausee. Foto: M. Winter.

9. März – 8. Tag – Einen Tag im RAMSAR-Gebiet Jagdispur-Stausee: Unser erster Tag im tropischen Flachland von Nepal gestaltet sich zum nächsten Höhepunkt dieser Reise. Wir fahren zum ca. 35km nordwestlich von Lumbini gelegenem Jagdispur-Stausee, einem RAMSAR-Gebiet und zugleich einem der wichtigsten Vogelschutzgebiete Nepals. Bei einem Stopp in der Feldflur, die mit den in Nepal üblichen nur Handtuch großen Feldern an die Zeit der Allmenden im europäischen Mittelalter und dessen überlieferten Vogelreichtum erinnert, gibt es bereits zwei handfeste ornithologische Überraschungen: ein Männchen der farbenprächtigen Elsterweihe (Pied Harrier) zieht niedrig vorüber und lässt geheime Sehnsüchte einiger Reiseteilnehmer wahr werden. Sozusagen ein Höhepunkt jagt den anderen, denn kurz danach fliegen zwei der global bedrohten Rotkopffalken (Red-headed Falcon) vorbei.

Am See erwartet uns eine unbeschreibliche Fülle an Wasservögeln und weiteren Arten, die an einen solchen Lebensraum gebunden sind, deren Aufzählung die Kapazität dieses Reiseberichtes sprengen würde. Wir verbringen fast den ganzen Tag hier, obwohl die Sonne Nepals am mit ca. 70m über NN ‚tiefsten‘ Punk dieser Reise unerbittlich brennt und die Temperaturen auf 30°C ansteigen lässt. Zu den bemerkenswertesten und/oder seltensten Arten des Tages (darunter allein fünf der nach IUCN „global bedrohten“ Vogelarten des Landes) zählen wohl mind. 33 Sarus-Kraniche (Sarus Crane), die größte Kranichart der Welt, die bereits in Balzstimmung sind und ihre Stimmen weithin hören lassen. Wir entdecken ein Paar der sibirischen Sichelente (Falcated Duck), die nicht jedes Jahr beobachtet wird. Mind. fünf der ebenso seltenen Goldschnepfen (Greater Painted-snipe) sehen wir im Randbereich des künstlichen, zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen angelegten Gewässers. Im Randbereich Wasser-Schilf-Trockenrasen finden wir singende Stentor- und Buschrohrsäger (Clamorous- und Blyth’s Reed-warbler) sowie einen weiteren äußerst seltenen nepalesischen Brutvogel in voller Balzstimmung, den Strichelkopf-Schilfsteiger (Striated Grassbird), über den sich auch unser Guide außerordentlich freut. Eine große Gruppe von 40-50 der hübschen Blauschwanzspinte (Blue-tailed Bee-eater), die soeben aus ihren südindischen Winterquartieren zum Brüten eingetroffen sind, umschwirren uns, und sechs überfliegende Sandbrachschwalben (Little Practincola) lassen uns den Abschied aus diesem einzigartigen Vogelparadies äußerst schwer fallen. Während unseres Aufenthaltes am See erhalten wir noch Besuch von einem nepalesischen Journalisten, ein Freund unseres Guides Som, der bevorzugt über Themen zum Natur- und Umweltschutz berichtet und der unseren Aufenthalt im Gebiet zum Anlass für einen lokalen Pressebericht über die Nützlichkeit naturnahen Tourismus nimmt.

Am Geburtsort Buddha’s. Foto: H. Meyer

10. März – 9. Tag – „Geier-Festival“ und Buddha-Tag: Heute ist unser sogenannter „Birds- and Buddha-Tag“. Am Vormittag beobachten wir Vögel im Lumbini-Stadtwald. Verschiedene neue Arten wie z.B. Zwergadler (Booted Eagle), Schopfwespenbussard (Oriental Honey Buzzard), Brahmakauz (Spotted Owlett), Rotschultertaube (Yellow-footed Green-Pigeon), Purpurnektarvögel (Purple Sundbird) und den „Taiga“Schnäpper (Taiga-Flycatcher; Zwergschnäpper), einen weiteren Wintergast aus Sibirien. Ein kurzes Gewitter zwingt uns in der Tempelstadt von Lumbini Unterschlupf zu suchen. Wir überstehen das Gewitter im „deutschen Tempel“ und können sogar diverse neue Vogelarten sehen: Pagodenstare (Brahminiy Starling) sitzen bezeichnenderweise auf den Dächern der Pagoden, Prachtfinken-Vertreter wie Tigerastrild (Red Avadavat) und Muskatbrönzemännchen (Scaly-breasted Munia) sowie ein Indiensilberschnabel (Indian Silverbill) drinnen in den blühenden Büschen der Tempelgärten, und auf dem Weg lassen sich einzelne Gelbkehlsperlinge (Chestnut shouldered Bush-sparrow) entdecken. In einem Trupp kreisender asiatischer Geier entdecken wir mit einem Gänse- (Griffon-) und zwei Mönchsgeier (Cinereous Vulture) nochmals „Europäer“, die plötzlich von ziehenden Alpensegler (Alpine Swift) tangiert werden.

Zum Abschluss des Vormittags wartet heute noch ein kultureller Höhepunkt auf uns. Wir befinden uns in Lumbini, einem der heiligsten Orte der Buddhisten, vergleichbar mit Rom und Mekka anderer Religionen. Der Legende nach wurde hier Buddha geboren. Die Ausgrabungsstätte, in der sich der Stein befindet, an dem Buddha einst das Licht der Welt erblickt haben soll, ist eine der wichtigsten Pilgerstätten für Buddhisten. Heute bleibt uns aber ‚Massentourismus‘ erspart, denn ein politischer Streik landesweit hat auch den öffentlichen Nahverkehr komplett lahmgelegt.

Wie gut vernetzt unser Bird-Guide im Lande ist, zeigt sich am Nachmittag. Wir gehen sofort einer Meldung seiner Freunde nach und finden auch schnell in der Nähe von Lumbini ein „Geier-Festival“ an einem toten Wasserbüffel vor. Rund 55 der beeindruckend großen Schneegeier (Himalayan Griffon) sowie mind. 65 Bengalen- (White-rumped-), zwei Dünnschnabel- (Slender-billed-) und zwei Mönchsgeier (Cinerious Vulture) haben sich zum Festmahl versammelt. Die abendlich auszufüllende Vogelliste weist zur heutigen Halbzeit der Reise bereits insgesamt 300 gesehene (einige wenige auch nur gehört) Vogelarten auf; für unseren Guide ein neuer Gruppen-Rekord

Bartmeise-Reisegruppe. Knieend: Guide Som Gharti Chettri. Foto: H. Meyer

11. März – 10. Tag – Über den mächtigen Kali Gandaki: Heute liegt wieder ein Reisetag vor uns. Wir verabschieden uns nach dem Frühstück aus Lumbini und treten die rund 180 km lange Fahrt weiter westlich nach Pokhara an. Und obwohl die Strecke kurz ist, werden wir wieder den ganzen Tag auf mehr oder weniger guter bzw. schlechter Straße Pässe hinauf und in Täler hinunter unterwegs sein. In einem tiefen Flusstal, im Tinau-Valley, entdecken wir zwei neue Arten: Den großen Trauerfischer (Crested Kingfisher) und die einfarbig braune Pallaswasseramsel (Brown Dipper). Weiter oben in den Bergen in den Sal-Wäldern kommt uns ein neuer Bülbul vor die Optik. Der schöne Goldbrustbülbül (Black-crested Bulbul) singt sein Lied aus einem tiefrot blühenden Korallenbaum. Was für ein Kontrast! Beim Ort Ramdi überqueren wir den Hauptfluss Nepals, den gewaltigen Kali Gandaki, dessen Quelle im Tibet liegt und in dem die Schmelzwasser des Anapurna-Gletschers münden. Zwei Schmutzgeier (Egyptian Vulture) kreisen über dem Tal und in Ufernähe entdecken wir eine Gruppe von sieben großen und bunten Rotschnabelkittas (Red-billed Blue Magpie), zwei Graubrust-Baumelstern (Grey Threepie) im gleichen Baum zusammen mit Blauwangen- und großen Heulbartvögeln (Blue-throated und Great Barbet). Was für eine tolle Vogelgemeinschaft! Der Himmel über dem Flusstal verdunkelt sich, und ein gewaltiges Gewitter mit heftigem Regen geht nieder. Die Straßen verwandeln sich in Seen und unser Toyota-Coaster hat bei nur noch langsamer Fahrt Mühe, die restlichen Kilometer bis in die Zielstadt Pokhara zu schaffen. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir bei strömendem Regen unser Hotel in der Innenstadt. Som ist guter Hoffnung für den morgigen Tag, denn der heutige Regen verspräche einen klaren nächsten Tag

Traumpanorama: Blick auf den „Fischschwanz“ (über 7.000 mNN). Foto: S.G.Chetri

12. März – 11. Tag: Special-Birds am Phew-See: Bei Sonnenaufgang erwartet uns heute ein Traum-Panorama. Der Blick auf den wolkenlosen Hauptkamm des Himalaya mit Anapurna (über 8.000 Meter) und Fischschwanz (über 7.000 Meter) ist einfach atemberaubend. Som’s Prognose für heute trifft voll zu: Nach dem Regentag strahlt die Sonne auf die Schnee bedeckten Berge. Gut gefrühstückt gehen wir zu Fuß zur Bootsanlegestelle und setzen über auf das andere Ufer des Phew-Sees zur „Fishtail Logde (ca. 800m NN)“, wo wir im Hotel-Garten einige spezielle Vögel beobachten wollen. Und das gelingt auch. Wir sehen u.a. seltene und schwer zu findende Arten wie die nur Maus große Moosschuppen-Timalie (Pygmy Wren-Barbler), Rotkopftesia (Chesnut-headed Tesia) und Rotbrust-Grundschnäpper (Snowy-browed Flycatcher). Ein Kuckuckszwergkauz (Asian Barred Owlet), ein asiatischer Verwandter unseres Sperlingskauzes, sitzt in der Sonne und lässt sich lange betrachten und gut fotografieren. Über dem See kreisen niedrig gute Bekannte aus Europa, zwei Fischadler und Schwarzmilane. Hoch oben am Himmel ziehen Schneegeier neben den Gleitschirmfliegern ihre Kreise. In der Stadt Pokhara, die Ausgangspunkt aller Trekkingtouren in die Anapurna-Region ist, steppt heute der Bär. Hindus und Buddhisten feiern das „Holy Festival“ und bewerfen sich mit bunten Farben. Wir haben Not, den Rückweg ins Hotel ‚uneingefärbt‘ zu schaffen. Nach der Mittagspause am Nachmittag stand noch eine kurze Exkursion zum westlichen Ende des Phew-Sees im Programm, bei der auch 18 rastende Streifengänse (Bar-headed Goose) beobachtet werden konnten.

Sherpas tragen unser Gepäck zum „Australian Camp“. Foto: H. Meyer

13. März – 12. Tag – Ungewöhnliche Häherlinge im „Australian Camp“: Wir checken nach dem Frühstück aus und verlassen Pokhara, erneut mit einem traumhaften Blick auf das Anapurna-Massiv. Die aufgehende Sonne zaubert ein einzigartiges Licht auf das schneebedeckte Gebirge. Heute steht unsere letzte Reiseetappe zum berühmten Greifvogel-Beobachtungspunkt „Australian Camp“ im Plan. Die kurze Strecke von von Pokahara bis zum Örtchen Kandi auf 1.700 mNN schaffen wir in reichlich einer Stunde. In Kandi warten bereits Sherpas auf unser Gepäck, denn wir müssen einen zwar recht kurzen, aber steilen Anstieg über eine Naturtreppe auf 2.000 mNN bis zum Camp schaffen. Auf 300 Höhenmeter erwarten uns immerhin 24 % Steigung. Das leuchtend rote Blütenmeer der Baumrhododendren Eichenwald entschädigt uns für die Anstrengung. Aber wir rasten regelmäßig zum birden und finden auch einige neue Arten wie Rötelsperling (Russet Sparrow), Feuerbrust-Mistelfresser (Fire-breasted Flowerpecker), Goludnektarvogel (Gould’s Sunbird) und Laubmeise (Yellow-browed Tit).

Kurz vor Mittag kommen erreichen wir das Plateau, auf dem sich auch die sehr einfache, aber für Vogelkundler herausgehoben gelegene Logde befindet. Nach der Mittagspause können wir weitere interessante Vogelarten, darunter in einzigartiger Gesellschaft allein vier Häherlings-Arten, nämlich Rotscheitel-, Borsten-, Streifen- und Weißkehlhäherling (Chestnut crowned-, Streaked-, Striated- und White-troated Laughingthrus).

Das „Australian Camp“, bester Platz in Nepal für Greifvögel. Foto: H. Meyer

14. März – 13. Tag: Spannende Hochgebirgsvögel auf dem Plateau: Die Nacht auf 2.000 mNN war kalt, denn die einfachen Zimmer im Camp sind unbeheizt. Ein bisschen Härte war gefordert. Die Temperaturen liegen morgens im Hellwerden knapp über 0°C, steigen bei Sonne aber rasch auf um die 20°C an. In den Nächten vor unserer Ankunft hat es in der Anapurna-Region und herab bis auf ca. 2.500 mNN kräftig geschneit. Dieser Schnee erwies sich als Glückfalls für uns, denn er hatte einige Hochgebirgsvögel ungewöhnlich weit ins Tal ausweichen lassen. Unter normalen Umständen hätten wir auf 2.000 mNN keine Chance gehabt, Vogelarten, die zwischen 3.000 und 4.000 mNN ihre Habitate haben, beachten zu können. Aber aufgrund dieser für uns günstigen Witterungsumstände entdecken wir auf dem Plateau des „Australian Camp“ allein vier Hochgebirgs-Gimpelarten: Rosenbrauengimpel (Pinked-browed Rosefinch), Fleckengimpel (Spot-winged Rosefinch) und Dünnschnabelgimpel (Dark-breasted Rosefinch) sowie in deren Gefolge auch die selten gesehene Himalajabraunelle (Altai Accentor). Ornithologischer Höhepunkt des Tages ist aber ein Trupp von ca. 50 Waldschneegimpeln (Plain Mountain-finch), die unter normalem Umständer erst ab 3.500 mNN erwartet werden können.

Die hübschen Bergrubinkehlchen (Himalaya Rubythroat) und Goldschwanz (Golden Bush-robin) fliegen immer wieder zum Insektenfang in einen kleinen Gemüsegarten, wo sie von den Fotografen exzellent abgelichtet werden können.  Nach der Mittagspause gegen 14.30 Uhr schlägt das Wetter um. Dichte Wolken und Regenschauer lassen den Aufenthalt im Freien ungemütlich werden. Wir müssen uns zum Beobachten einen Unterstand suchen. Heißer Tee und Kaffee helfen über das ungemütliche Bergwetter hinweg. Mit Anbruch der Dunkelheit wartet das Abendessen, dann die Betten.

Am Phew-See in Pokhara. Foto: H. Meyer

15. März – 14. Tag – Greifvogelzug auf dem „Australian Camp“: Mit dem Tagesanbruch präsentiert sich das ‚Australian Camp‘ wieder bei schönstem Wetter. Erneut taucht die Sonne das Anapurna- und Fischschwanz-Massiv in ein einzigartiges Licht. Schnell steigen bei Sonne die Temperaturen an und im Laufe des Vormittags erleben wir, warum dieser Gipfel als bester Greifvogel-Beobachtungsplatz in ganz Nepal gilt und warum sozusagen alle Vogelkundler, die das Land besuchen, dieses Gebiet erleben wollen. In der Thermik am Gipfel, manchmal nur 10-20 Meter vom Beobachter entfernt, können wir alle Geierarten Nepals beobachten. Manchmal so nah, dass wir den Luftzug der Flügelschläge spüren können. Die Greifvögel stehen teilweise spielend in der Thermik am Plateau vor uns. Mehrere Bartgeier lesen 20 Meter vor den Beobachtern Knochen auf, die man hingeworfen hat. Auch die mächtigen Schneegeier lassen sich als Draufsicht oder von unten, kurz über den Köpfen der Beobachter, betrachten. Ein tolles Erlebnis. Heute kommt der Greifvogel hier richtig in Gang. Schweren Herzens müssen wir nach dem Mittagessen aber unsere Zimmer räumen und den Abstieg zurück bis zur Straße antreten. Die Sherpas, unter ihnen wieder Frauen, nehmen unser schweres Reisegepäck in ihre Körbe, die mit einem Band am Kopf getragen werden, auf, und verschwinden schnellen Schrittes bergab zum Parkplatz.

Die Rückfahrt nach Pokhara hält noch eine Überraschung bereit. Som, unser cleverer Guide, kennt einen Platz an einem kleinen Gebirgsfluss, an dem mit etwas Glück drei der vier im Land vorkommenden Scherenschwanz-Arten gesehen werden können. Wir halten an einer Brücke und beginnen unsere Suche. Zuerst entdecken wir einige weitere ans Wasser gebundene Vogelarten wie Wasser- und Weißkopf-Rotschwanz (Plumbeous- und Withe-capped Water-redstart) … Und dann, dann sehen wir zuerst den Stummel-, dann den Flecken- und schließlich auch noch Graurücken-Scherenschwanz (Little-, Spotted- und Slaty-backed Forktail). Und alle drei dieser recht selten zu sehenden Arten mehrfach gleichzeitig! Auch die Vogelfotografen kommen hier auf ihre Kosten. Was für ein toller Abschluss unserer Exkursionstage im Himalaya-Land!

Rückflug von Pokhara nach Kathmandu mit der Budda-Air. Foto: H. Meyer

16. März – 15. Tag – Überraschende Begegnung am Fluss: Die letzte Nacht auf unserer Rundreise haben wir wieder in Pokhara verbracht. Nach dem Frühstück verlassen wir das Hotel und fahren zum kleinen Inlandsflughafen. Um 9.00 Uhr besteigen wir eine kleine, aber neue ATR 42 der Buddha-Air und fliegen 25 min an den gewaltigen Himalaya-Bergen entlang bis zurück nach Katmandu. Schnell können wir den Flughafen verlassen und in unser schönes Stadthotel fahren. Am Nachmittag unternehmen wir dann zusammen mit Som noch einen Stadtrundgang durch die die unglaublich geschäftige, farbenprächtige und laute Altstadt von Katmandu. Diverse Einkäufe runden den Aufenthalt ab. Das Abendbuffett hält zum Abschluss nochmals nepalesische Gerichte bereit. Wir schließen unsere Vogelliste und stellen fest, dass knapp 400 Vogelarten meist sehr gut und nah gesehen haben. Auch die fotografierenden Ornis der Gruppe sind meist hoch zufrieden mit ihrer Ausbeute, aber dieses oder jenes Bild hätte vielleicht doch noch besser sein können …

17. März – 16. Tag – Abschied vom Himalaya: Sehr zeitig machen wir uns auf zum Flughafen, da unsere Rückreise bereits um 9.00 Uhr startet. Zwar hatten wir unseren Flug mit „Emirates“ gebucht, aber die „Rechnung ohne Wirt“ gemacht. Denn ab Dubai und zurück bis nach Dubai schickte uns die so hoch gelobte Airline mit ihrer Billigtochter „FlyDubai“, in der es auf dem vier-Stunden-Flug nach Dubai noch nicht mal für alle Insassen des Flugzeuges eine kleine Mahlzeit gegen Bezahlung gab! Wie schon auf dem Hinflug war nach den ersten 20-25 Reihen die Bordverpflegung ausgegangen … Aber, nach der Erfahrung auf der Anreise mit dieser Airline hatten wir vorgesorgt: Wir orderten im Hotel ein Lunchpaket für die Rückreise. Während andere Passagiere mit knurrenden Magen bis Dubai aushaaren mussten, konnten wir ein kaltes Mittagessen aus Reis, Gemüse und leckerem Hühnchen verspeisen …

Die sich nach dem Umstieg anschließenden reichlich sechs Stunden Flug von Dubai weiter nach München im A 380 der Emirates verliefen recht planmäßig, wobei die Airline auch hier nur mit einem schwachen Minimalservice aufwartete. Die Reisegruppe traf pünktlich am Abend in München ein und alle Gäste traten planmäßig die Heimreise an.

Bartmeise-Reisegruppe im Chitwan-NP auf Nashorn-Fotopirsch. Foto: H. Meyer

Zusammenfassung: Diese hoch effektive vogelkundliche Reise führte von den Pulchoswki-Bergen (2.700 mNN) im Kathmandu-Tal durch das tropische Flachland bis zum RAMSAR-Gebiet Jagdispur-Stausse auf 70mNN, dem niedrigsten Beobachtungspunkt überhaupt. Zu den Höhepunkten der Rundreise durch das Land zählten der berühmte Chitwan-Nationalpark, der Jagdispur-Stausse und der Greifvogel-Beobachtungspunkt „Australian Camp“. Die allgemeine Organisation vor Ort verdankten wir Som Gharti Chhetri, unserem nepalesischen Birdguide, dessen ausgezeichneten ornithologischen Fähigkeiten es ermöglichte, auf der Reise rund 380 Vogelarten – darunter zahlreiche Seltenheiten, Endemiten und schwer zu findende Arten – zu erleben. Diese Reise sah keine Bergtouren vor und konnte bei geringer Anstrengung von jedem Interessenten, der über normale Fitness verfügte, unternommen werden. Bis auf das „Australian Camp“ waren alle Beobachtungspunkte mit dem Reisebus (Toyota-Caoster) erreichbar. Zum „Australian Camp“ führt allerdings ausschließlich ein ca. 2 Kilometer langer Fußweg (meist über eine Naturtreppe), der teilweise auf 300 Höhenmetern 24 % Steigung aufweist. Das Reisegepäck der Gäste wird auf und ab von extra angemieteten Sherpas befördert.

Hartmut Meyer

Reiseteilnehmer schreiben zu Reise: „Ich habe selten eine so hervorragende Reise mitgemacht. Es hat einfach alles gepasst: perfekte Organisation, unser Guide Som ist nicht nur ein exzellenter Kenner der Vogelwelt Nepals, sondern hat uns durch seine angenehme Art und sein umfassendes Wissen über Nepal sehr viel mehr als nur Vögel vermittelt. Ich persönlich war von der Reise so angetan, dass 2018 Bhutan nicht meine einzige mit Bartmeise sein wird!“ (U. Lindiger, A-Wien).

„Ich war schon viel unterwegs, doch Nepal hat vieles getoppt. Es hat einfach alles gestimmt. Sogar die in drei anderen Ländern „verpassten“ Arten wie Forktail, Piedharrier und Greater painted Snipe haben sich anschaulich prasentiert. Ob unser Reiseleiter Hartmut oder vor Ort Som, beide habe alles für das Gelingen der Expedition getan. Herzlichen Dank. Ich freue mich auf weitere gemeinsame Erfahrungen … “ (M. Bauer, CH-Chur).

Diese Reise wird vom 16. Februar bis zum 5. März 2018 wiederholt (nur eine kleine Programmergänzung am Anfang der Reise). Für die Reise können noch mind. drei Plätze gebucht werden. 

Startbild: Bartmeise-Reisegruppe in Lumbini. Foto: H. Meyer

Checkliste_Nepal

Fortsetzung, die Fünfte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen

Fortsetzung, die Fünfte: Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge eingetroffen

Er ist wieder da! Anfang November 2017 traf der kleine Alpenvogel den fünften (!) Winter in Folge in seinem Winterquartier auf der Südseite des Erzgebirges in Böhmen, in einem kleinen Dörfchen unweit des sächsischen Fichtelbergs, ein. Sein jährlicher Brutort im Hochgebirge (in den Alpen?) bleibt freilich unbekannt.

Mauerläufer im Winterquartier im Erzgebirge. Foto: Vladimir Teply

Den fünften Winter nun hat der Vogel – mit großer Sicherheit das gleiche Individuum – sein Winterquartier an einem alten Fabrikgebäude, wo er im Dachfirst Schlafplätze hat, bezogen. Dort wird sein Aufenthalt von einem böhmischen Ornithologen, unserem Freund Vladimir Teply, gut dokumentiert. Bis in den März hinein, dann mausert das Männchen ins Brutkleid und beginnt erste Balzflüge, hält sich der Vogel absolut Standort treu dort auf. Einmal am Tag holt er sich einige Mehlwürmer, die man für ihn auf einem Fenstersims auslegt.

Stellt sich die Frage, wie alt ein Mauerläufer in Freiheit werden kann? Das ist wohl unbekannt. Aber in Gefangenschaft kann die Art durchaus ein hohes Alter erreichen wie aus dem Alpenzoo Insbruck bekannt wurde, wo 2016 der letzte seiner Art im Alter von 15 Jahren gestorben ist. Mit etwas Glück können wir diesen Wintergast im Erzgebirge also auch noch im kommenden Winter beobachten!

Vadimir Teply gilt unser Dank, dass wir dieses schöne Schauspiel anschauen und fotografieren durften.

Bildautor aller Fotos (auch das Startbild): Vladimir Teply.

Hartmut Meyer

… und mit dem täglichen Mehlwurm. Foto: Vladimir Teply

Im Wald der Hartlaub‘s Turaco‘s und am See der Millionen Zwergflamingos

Im Wald der Hartlaub‘s Turaco‘s und am See der Millionen Zwergflamingos

Eine ‚Entdeckertour‘ (Einführungsreise) führte im September eine Bartmeise-Reisegruppe in die großen Wildtiergebiete Kenias im Großen Afrikanischen Grabenbruch. Gestartet wurde die Rundreise am Fuße des Mount Kenia (über 5.000m NN) mit seiner speziellen Vogelwelt. Fast nur hier ist heute noch der seltene Olive Ibis (Olivibis) zu finden, den wir wunderbar beobachten konnten. Besonders eindrucksvoll waren in den Bergwäldern die Hartlaub’s Turacos (Seidenturako) zu erleben, die sich zu Beginn der Brutzeit in voller Balzstimmung und fast über den ganzen Tag hoch aktiv zeigten.

Ausschnitt aus ca. 1,5 Millionen Zwergflamingos im Rift Valley. Foto: Birgit Beckers.

Eine Bootsfahrt führte dann über den geheimnisvollen Süßwassersee Lake Baringo und ganz in der Nähe, an einem Salzwassersee, war eines der eindrucksvollsten Naturwunder Afrikas zu bestaunen: ein See, von ca. 1,5 Millionen Zwergflamingos, die hier zur Nahrungssuche und Paarbildung verweilten, „rosarot eingefärbt“. Ein unglaubliches Naturschauspiel! Zum Abschluss führte die Rundreise in die berühmte Masai Mara. Diese riesige Grassteppe, die unmittelbar an die tansanische Serengeti grenzt, bietet ab September den großen Huftierherden neue Nahrung, frisches Gras. Hunderttausende Gnus, Büffel sowie viele weitere Antilopenarten, Giraffen und Elefanten überqueren in dieser Zeit den berühmten und zugleich wegen seiner Nilkrokodile, die die Huftiere bei der Durchquerung angreifen, berüchtigten Mara-Fluss und wandern in die Masai Mara. Auch dies konnten wir beobachten. Auf den Spuren der Huftiere waren natürlich auch die großen afrikanischen Beutegreifer wie Löwen, Leoparden, Geparden und Hyänen aus nächster Nähe eindrucksvoll zu beobachten. Und so bot diese Reise, die im kommenden September wieder im Bartmeise-Reiseprogramm zu finden ist, einen tollen Einblick in die Vogelwelt Kenias in Verbindung mit einmaligen Naturerlebnissen, die Ostafrika einzigartig bereit hält.

Ein vollständiger Reisebericht folgt in Kürze.

Hartmut Meyer

Startbild: Gepard mit Beute in der Masai Mara. Foto: Birgit Beckers.

Zauberhafte Vogelwelt der kolumbianischen Anden – Kolibri- und Tangarenfestival

Zauberhafte Vogelwelt der kolumbianischen Anden – Kolibri- und Tangarenfestival

Reisebericht über die Reise in die westlichen und zentralen Anden (16. bis 31.08.2017)

 Mittwoch, 16. August 2017 – Anreise nach Cali

Einer der Symbolvögel der Anden: Andenbartvogel. Foto (2016): M. Walther.

Orangebrustkotinga. Foto: Colombian Birdwatch.

Die Gäste der ersten Gruppe treffen sich am späten Vormittag im Flughafen Frankfurt/M. und reisen mittags mit Lufthansa Flug 484 nonstop nach Panama. Die Maschine trifft dort nach 11 Stunden und 40 Minuten Flugzeit mit leichter Verspätung gegen 17.00 Uhr Ortszeit (-7h) ein. Der kurze Anschlussflug mit Copa-Airlines nach Cali startet pünktlich um 19.00 Uhr (Ankunft 20.30 Uhr). Die Einreiseabfertigung erfolgt wie schon im Vorjahr sehr zügig und freundlich, und so können wir bereits nach 21.00 Uhr unseren Birdguide Jose, der uns zusammen unserem Fahrer abholt, begrüßen. Vom Vorort Palmira, wo sich der Flughafen von Cali befindet, geht es um diese Tageszeit zügig in ca. 30 min. Fahrzeit bis in die Innenstadt zum Hotel. Gegen 22.30 Uhr sinken die Gäste in die bequemen Betten des Hotels „Hampton by Hilton“. Unsere zweite Reisegruppe aus Düsseldorf über Madrid und Medellín mit IBERIA und Avianca erreicht die 2-Millionenstadt Cali erst mit zwei Stunden Verspätung gegen 2.00 Uhr morgens am 17.08.

Donnerstag, 17. August – Erster Höhepunkt mit Andean Cock-of-the-Rock

Portrait Andenfelsenhahn. Foto (2016): R. Mönke.

Die Nacht ist für alle kurz, denn heute wartet bereits ein voller Birdingtag. Das Frühstück nehmen wir – wegen der späten Ankunft der Gäste – auch ungewöhnlich spät erst um 7.00 Uhr ein. Gleich danach besteigen wir unsern bequemen Tour-Bus, einen VW-Kleinbus mit 14 Plätzen (für die gesamte Reise), und fahren von Cali, das auf ca. 1.000 m NN im Tal liegt und mit sommerlichen 28°C wartet, hinauf in die Anden bis auf ca. 1.800 m NN zum bekannten Punkt „El 18“ im San Antonio Cloud Forest. Gleich der erste Vogel, der uns nach dem Aussteigen aus dem Bus begegnet, ist ein echter Columbian-Endemit, Columbian Chachalaca (Kolumbienguan). Wir schließen hier die Bekanntschaft u.a. mit einigen der farbenprächtigen TangarenArten der Anden, die uns über die gesamte Reisezeit begleiten werden. Auch dem Red-headed Barbet (Andenbartvogel), sozusagen eine Symbolvogelart der kolumbianischen Anden, können wir erstmals entdecken. Das Mittagessen nehmen wir heute in einem typischen kolumbianischen Restaurant ein.

Andenfelsenhahn. Foto: Colombian Birdwatch.

Gleich heute am ersten Birdingtag wartet auch noch ein echter erster Höhepunkt! Wir wollen den Andean Cock-of-the-Rock (Andenfelsenhahn) am Balzplatz beobachten. Dazu fahren wir einige Kilometer weiter hinein in den Nebelwald, wo sich eine kleine Kolonie dieser farbenprächtigen Vögel das ganze Jahr über – auch jetzt, nach der Brutzeit – in ihrem Revier aufhält. Wir beziehen Stellung am Rande des Gruppenbalzplatzes, und ‚pünktlich‘ gegen 16.00 Uhr (je nach Jahreszeit immer zur gleichen Uhrzeit nachmittags!) sehen wir einen ersten „roten“ Schatten durchs Unterholz fliegen … Wenige Minuten später kommen weitere Vögel dazu. Wir können immer gleichzeitig je eine Balzgruppe mit bis zu vier Hähnen aus 6-10 Meter Entfernung beobachten. Die etwa Dohlen großen Vögel nehmen scheinbar keine Notiz von unserer Anwesenheit. Die ungewöhnlich schnarrenden Töne sind weithin hörbar. Die Vögel stehen sich mit gesenkten Köpfen gegenüber und lüften die Flügel beim Balzspiel. Nach einer knappen Stunde ist das Schauspiel, das offenbar dem Zusammenhalt der Gruppe dient und auch nach der Brutzeit tägliches Ritual der Art ist, vorbei. Die roten Hähne fliegen Richtung Fluss ab. Mit „vollen“ Speicherkarten in den Kameras und im Wissen, einem einzigartigen Naturerlebnis in der südamerikanischen Vogelwelt beigewohnt zu haben, fahren wir mehr als zufrieden zurück nach Cali (Abendessen im Restaurant/Übernachtung Hotel „Hampton by Hilton“).

Freitag, 18. August – Kolibri-Festival in der ‚Finca Alejandria‘

Nach dem Frühstück checken wir aus, verladen unser Reisegepäck in den Tourbus und starten unsere Rundreise durch die westlichen und zentralen Anden. Den Vormittag verbringen wir wieder im San Antonio Cloud Forest. In der bekannten ‚Finca Alejandria‘ auf 2.000 m NN wartet heute ein nächster Höhepunkt dieser Reise. In der Öko-Logde sind verschiedene Futterstellen für Kolibris und andere Bergvogelarten aufgebaut. Nicht nur Ornithologen aus aller Welt, auch interessierte Naturfreunde und Schulklassen aus der Umgebung werden hier mit der heimischen Vogelwelt der mittleren Anden bekannt gemacht. Für unser Reisegäste ein wunderbares Erlebnis, denn bis zu 15 verschiedene Kolibriarten können hier gleichzeitig hautnah und aus geringster Entfernung (vielfach unter einem Meter) an den Futterstellen beobachtet und ihre Artmerkmale, die man beim rasanten Flug meist nicht zu sehen bekommt, studiert werden. Attraktive Arten der Anden (ab 1.500 m NN) wie z.B. Withe necked Jacobin (Weißnackenkolibri), Crowned Woodnymph (Violettkronennymphe), Booted racket-Tail (Grünscheitel-Flaggensylphe), Long-tailed Sylphe (Himmelssylphe) oder auch der winzige Purple throated-Woodstar (Purpurkehl-Sternkolibri), der sich wie eine Hummel in der Luft bewegt, können ausgiebig studiert werden. An der Logde bzw. in deren Umgebung finden wir weitere endemische bzw.‚near endemic‘-Arten wie z.B. Flame-rumped Tanager (Feuerbürzel-Tangare) und Srub Tananger (Rotscheiteltangare). Eine weitere Überraschung sind zwei Trogon-Arten die wir sehen bzw. hören können: Crested Quetzal (Kammtrogon) lässt sich wunderbar im Spektiv betrachten, den Golden-headed Quetzal (Goldkopftrogon) hingegen hören wir heute nur in der Nähe rufen. Wir verbringen fast den ganzen Tag in und in der Umgebung der Logde, wo wir auch ein Mittagessen serviert bekommen. Bei angenehmen Temperaturen um 23°C erleben wir viele weitere typische Vertreter der Berge der Anden wie Antbirds (Ameisenvögel), Woodcreeper und Foliage-gleaner (Baumsteiger und Blattspäher), Warbler (Waldsänger), Wren’s (Zaunkönige), Flycatcher (Tyrannen) und Spinetails (Dickichtschlüpfer) und andere mehr. Am späten Nachmittag fahren wir über Cali in die historische Pilgerstadt nach Buga und beziehen hier unser Quartier im schönen im Kolonialstil gehaltenen Hotel „Guadalajara“ für eine Nacht (Abendessen/Übernachtung).

Sonnabend, 19. August – Endemiten an der Sonso-Lagune im Cauca-Valley

Beeindruckende Bartflechten in den Bäumen an der Sonso-Lagune. Foto: H. Meyer

In der Nacht geht ein mächtiges Tropengewitter nieder. Es regnet so stark, das im Hotel ein Wassereinbruch in die Flure, zum Teil bis in die Zimmer unserer Gäste, zu verzeichnen ist. Aber pünktlich zum Frühstück um 6.00 Uhr beruhigt sich das Wetter, und wir können am schönen Hotel-Pool unser Frühstück vom Buffet einnehmen. Ein Spektiv neben dem Frühstücksbuffet? Ein Muss, denn in den alten Bäumen am Hotel sind eine größere Gruppe Blue-headed- (Schwarzohrpapagei) und einige der großen Yellow-crowned Parrot (Gelbscheitenamazone), die wir nur hier sehen können, aktiv.

Heute Vormittag steht dann ein Feuchtgebiet im sonst recht trockenen Cauca-Valley im Reiseprogramm, die einzige ‚Abwechslung‘ zu den Vögeln der hohen Anden, die in den nächsten Reisetagen noch auf uns warten. Wir packen unsere Sachen zusammen und erreichen nach dem Frühstück nach kurzer Fahr das Feuchtgebiet. Durch die intensiven Regenfälle in der Nacht bzw. auch an den Tagen vorher stehen angrenzende Wiesen und die Lagune voll unter Wasser. Zahlreiche Wasservögel von Limpkin (Rallenkranich) bis Cinnamon Teal (Zimtente) sowie einige erste Zugvögel wie Least Sandpier (Wiesenstranläufer) und Graeter Yellowlegs (Großer Gelbschenkel) lassen sich neben Blackish Rail (Trauerralle) und Purple Gallinule (Zwersultanshuhn) beobachten. Die Lagune ist aber auch einziges Brutgebiet (und geschütztes Areal) in der Region für eine ungewöhnliche, bizarre Vogelart, Horned Sceemer (Hornwehrvogel). Diesen können wir heute aber leider nicht entdecken.

Prächtige Orchideen im Nationalpark. Foto: H. Meyer

Unsere Aufmerksamkeit erregt aber ein anderer Zugvogel aus Nordamerika, der bereits eingetroffen ist. Ein Common Nighthawk (Falkennachtschwalbe) verbringt den Tag auf einem Baum und vertraut voll auf seine Tarnung. Nicht weit davon verschläft ein Common Patoo (Urutau-Tagschäfer) in vier Meter Höhe in einem Baum den Tag. Die Begeisterung über die Sichtung dieses versteckt lebenden Nachtvogels ist groß. Eigentlich sind wir aber hier, um einige weitere echte Endemiten in der Vogelwelt

Endemisch: Goldringtangare. Foto: Colombian Birdwatch.

beobachten zu können, was auch dreifach gelingt. Apical Flycatcher (Kolumbienschopftyrann) und Greyish Piculet (Braunrücken-Zwergspecht) sind in den mit beeindruckend langen Bartflechten behängten Bäumen am Rande der Lagune aktiv. Außerdem beobachten wir den seltenen White-chested Swift (Brutflecksegler). Wir entdecken zudem ein Individuum vom Cocoa Woodcreeper (Kleiner Fahlkehl-Baumsteiger), der auf unserer Reiseroute nur hier im Gebiet vorkommt. Zu den neuen Kolibriarten, die wir hier an Blüten sehen können, zählt auch der winzige Ruby-topaz Hummingbird (Moskitokolibri) sowie der auf unserer  Tour nicht so häufig vorkommende Black-throated Mango (Schwarzbrust-Mangokolibri). Wir fahren zurück zum Mittagessen ins Hotel nach Buga. Danach checken wir aus und treten gegen 14.00 Uhr die Weiterreise in den Tatama Nationalpark in den westlichen Anden an. Die Straße führt von der Talsohle auf rund 1.000 mNN immer steiler hinauf in die Berge, und wir erreichen bei Einbruch der Dunkelheit die Ortschaft Pueblo Rico. Den restlichen Weg wieder hinunter in ein Anden-Tal bis zur Montezuma Logde (1.330 m NN) müssen wir in geländegängigen Landrovern zurücklegen. Unser Bus wäre für diese kaum befestigte Zufahrt am Hang zu groß. Rasch wird alles Gepäck umgeladen, und nach ca. einer Stunde holpriger Fahrt erreichen wir gegen 19.00 Uhr die Logde. Auch hier erwarten uns, wie überall im Land, freundliche, aufgeschlossene Menschen, die sich über Gäste aus Europa sehr freuen, wenngleich die Sprachschwierigkeiten (auch bei jungen Menschen, die kein Englisch sprechen!) unverkennbar sind. Wir checken in die einfachen Zimmer der Logde ein und genießen anschließend das frisch zubereitete Abendessen (Übernachtung Montezuma Lode).

Sonntag und Montag, 20./21. August – Vogelfestival im Tatama Nationalpark

Noch vor Tagesanbruch um 5.00 Uhr geht es mit den Landrovern über 1.300 Meter hinauf in den Nationalpark bis auf 2.670 mNN. Hier suchen wir als Erstes einige endemische Vogelarten, die nur in dieser Höhenstufe vorkommen. Wolken ziehen durch den Nebelwald, das Wetter ist trüb und Nieselregen kommt auf. Aber wir können den seltenen Chestnut-bellied Flowerpiercer (Maronenbauch-Hakenschnabel) und Munchique Wood-Wren (Negretzaunkönig) gut beobachten. Wir beobachten den endemischen Parker’s Antbird (Parkers Ameisenfänger) und können auch den meist sehr schwierig zu findenden Uniform Antshrike (Einfarbameisenwürger) sowie Rufos-rumped Antwren (Rostbürzel-Ameisenfänger) beobachten. Auch verschiedene „near endemic“-Arten, einige davon auch stark bedroht, gelingt es in den verschiedenen Höhenstufen zu entdecken. Dazu zählen zwei neue Kolibriarten wie Violett-tailed Sylphe (Langschwanzsylphe) und Velvet-purple Coronet (Hyazintkolibri) sowie Black Solitaire (Schwarzklarino). Entlang der ‚Montezuma Road‘ erleben wir hier in diesen zweieinhalb Tagen ein erstes echtes Vogelfestival in den Anden. Um die 100 Vogelarten stehen zum Schluss für das Gebiet in unserer Liste, viele davon zum ersten Mal auf dieser Reise gesehen wie auch den Titelvogel unseres Bestimmungsbuches von McMullen et al.: „Field Guide oft the Birds of Columbia“, Golden-ringend Tanager (Goldringtangare), einen weiteren kolumbianischen Endemiten. (2 Übernachtungen Montezuma Lodge).

Nach Hangrutsch verschütterter Weg im Tatama NP. Foto: H. Meyer

Neben der Fauna beeindruckt hier im Tatama Nationalpark auch die prächtige Fülle der Flora und Insektenwelt, die wir jeden Tag vor Augen haben. Zu den zahlreichen Blütenpflanzen und wundervollen Orchideen zählen auch seltene und bedrohte Arten wie z.B. die Schwarze Anthurie, die hier in guten Beständen vorkommt. Und wir erleben die Wetterextreme in den Anden, die zu den regenreichsten Gebieten der Erde zählen. Am zweiten Morgen werden wir um 4.30 Uhr von einem gewaltigen, einmaligen Donnerschlag geweckt (wir „stehen“ im Bett) und sofort danach regnet wie aus Eimern … ohne weiteres Gewitter. Wieder fahren wir um 5.00 Uhr morgens mit den Landrovern den Montezuma Trial hinauf in die Berge. Heute ist allerdings bei ca. 1.850 m NN Schluss. Durch den heftigen Regen ist der Hang abgerutscht und hat den Weg verschüttet. Erst im Laufe des Tages werden Soldaten der oben in den Bergen liegenden Militärstation den Weg wieder frei legen. Wir birden von hier an nach unten. Wie schon gestern servieren unsere Fahrer das Frühstück als Picknick im Wald: Alles ist dabei, vom Toastbrot bis zum gekochten Ei, Kaffee und Fruchtsäfte. Die Stimmung im wolkenverhangenen, aber völlig ruhigen und windstillen Bergwald, in dem der Anden Solitaire (Anden-Klarino) sein melancholisches Lied aus den Bergwäldern singt, ist unbeschreiblich, einzigartig.

Montezuma_Logde im Tatma-NP. Foto: H. Meyer

Jede Mahlzeit in der Logde, immer frisch für uns zubereitet, ist ein Erlebnis, denn zu den regionalen Zutaten (auch vegetarische Gerichte) gehören immer auch frische Fruchtsäfte aus reifen Früchten. Die Guave (oder Guayaba), die rund um die Logde wächst, ist reif. Die gelben, wohlriechenden Früchte liegen unter den Bäumen und ziehen nicht nur die Vögel an. In der Küche der Logde werden diese zu leckeren Säften verarbeitet, die ein Genuss sind (3. Nacht in der Montezuma Logde).

Dienstag, 22. August – Abschied aus dem Vogelparadies und Erlebnis Sturzbachente

Unsere Zeit in diesem Vogel- und Naturparadies in den westlichen Anden geht heute zu Ende. Wir frühstücken um 6.00 Uhr zum ersten Mal nicht im Wald, sondern in der Logde. Anschließend haben wir bis Mittag Zeit, um uns ein letztes Mal im Nationalpark nach Vögeln, die uns bisher noch in der Liste fehlen, umzuschauen. Täglich begegnet uns hier der große, blaue Highland Motmot (Hochlandmotmot), und einmal können wir einen Broad-billed Motmot (Blattschnabelmotmot) sehen. Wir entdecken auch einen sehr seltenen Vertreter der Faulvögel, Lacelated Monklet (Streifenfaulvogel) und mit dem Indigo Flowerpiercer (Indigohakenschnabel) einen weiteren Vertreter aus der „near endemic“-Artengruppe. Die wunderschön gefärbten Toucan Barbet (Tukanbartvogel) sind auch heute leider wieder nur aus dem Bergwald zu hören. Ganz kurz gelingt noch ein Blick auf einen Vertreter der scheuen Schatten-Kolibris, Towny-bellied Hermit (Orangebauch-Schattenkolibiri), die nicht an Fütterungen erscheinen und Helikonien-Blüten bevorzugen.

Sturzbachente, M+W. Foto: Colombian Birdwatch.

Nach dem letzten Mittagessen in der Logde laden wir unser Reisegepäck in die Landrover und treten unsere Rück- und Weiterreise an. In Puebla Rico wartet Hermes, unser zuverlässiger Busfahrer (und auch Ornithologe, wie wir auf der Reise erleben können), mit dem Tourbus auf uns. Ohne großen Zeitverlust geht es weiter in das nächste Gebiet, jetzt in die zentralen Anden. Über Cartago und Pereira erreichen wir nach ca. drei Stunden Fahrzeit (mit Kaffeestopp, wie immer) den Otun-River. Kurz bevor wir das Otun-Quimbaya-Reservat erreichen, stoppen wir, um nach einer weiteren Zielart dieser Reise, der Torrent Duck (Sturzbachente), Ausschau zu halten. An der dritten Brücke haben wir Glück! Ein Pärchen dieser ungewöhnlichen Entenart macht ihrem Namen Ehre und sucht im reißenden Gebirgsfluss nach Nahrung. Ab und an sitzen Männchen und/oder Weibchen Wasseramsel-artig auf den großen Steinen im Fluss. Kann man sich als Birder einen besseren Tagesabschluss wünschen? Im letzten Tageslicht erreichen wir die „La Suiza Logde Cabin“ auf 1.860m NN im Schutzgebiet, checken in die geräumigen Zimmer ein und genießen unser Abendessen. Mit dem Ausfüllen der Tagesbeobachtungen in die Vogelliste schließen wir diesen erlebnisreichen Tag ab. (Übernachtung La Suiza Lgade Cabin).

Mittwoch, 23. August – Endemische und seltene Vögel im Quimbaya-Schutzgebiet

Rotbrustkotinga. Foto: Colombian Birdwatch.

Noch im Dunkeln um 5.00 Uhr starten zu unserer ersten Beobachtungstour, das Frühstück als Picknick im Bus, denn wir wollen hier einige seltene Vertreter der Ameisenvögel und Tapaculos beobachten. Dafür muss man mit dem Hellwerden vor Ort sein. Und auch heute ist das Glück zuerst auf unserer Seite. Nach einigen Versuchen gelingt es, die sehr seltene und gefährdete (VU) „near-endemic-Art“ Hooded Antpitta (Rotkopf-Ameisenpitta) aus geringer Entfernung zu sehen (und zu fotografieren). Ein Highlight! Wie schwer es ist, Vertreter dieser Ameisenpittas vor die Ferngläser zu bekommen, werden wir auch im Laufe dieses Tages noch erleben. Moustached Antpitta (Grauscheitel-Ameisenpitta), ebenfalls „near endemic und VU, lässt sich gut aus nächster Nähe hören, aber eben nicht entdecken. Ähnliches erleben wir mit der endemischen Tapacula-Art Stiles’s Tapaculo (Stilestapaculo). Diese kaum Zaunkönig-großen Vögel  leben so extrem am Boden und sind durch ihre dunklen Farben so gut getarnt (wie „Mäuse mit Federn“), sodass sie selbst aus drei Metern Entfernung ‚unsichtbar‘ bleiben. Dafür entdecken wir hier im Schutzgebiet weitere interessante, attraktive oder endemische Vogelarten wie z.B. den endemischen Cauca Guan (Caucaguan), von dem man noch vor 25 Jahren annahm, dass er ausgestorben sei. Erst Anfang der 90er-Jahre wurde die Art hier wieder entdeckt. Eine weitere endemische Tangare, Multicolord Tanager (Schwarznackentangare), konnten wir ebenso gut beobachten wie die große Red-ruffed Fruitcrow (Rotkehlkotinga), die hier ihr bestes Vorkommensgebiet überhaupt hat und täglich beobachtet werden kann (aber nirgendwo anders auf unserer Tour). Hier im Schutzgebiet lässt sich auch der Nationalbaum Kolumbiens, die Quindio-Wachspalme, die bis zu 70 Meter hoch werden kann, anschauen. Allerdings finden wir hier im Sekundärwald nur junge Bäume, die Riesen dieser Art sind leider fast unzugänglich im Schutzgebiet nicht zu sehen. Übernachtung: La Suiza Logde Cabin.

Donnerstag, 24. August – Weiterreise ins Kaffeedreieck Kolumbiens

Die Montezuma Logde im Tatama-NP. Foto: H. Meyer

Die Nachtruhe wird am frühen Morgen durch die anhaltenden Rufe der Colombian Screech-owl (Kolumbienkreuscheule), einem hiesigen Vertreter der Zwergohreulen, aufgehellt. Beim Frühstück in der Logde ertönen die lauten Reviergesänge der Roten Brüllaffen, für die das Schutzgebiet ebenfalls Lebensraum bietet. Leider können wir dieses Mal keinen Vertreter dieser seltenen Primatenart entdecken. Vor unserer Abreise heute Morgen wollen wir versuchen, die endemische und vom Aussterben bedrohte Chestnut Wood-Quail (Kastanienwachtel), die im Regenwald lebt, zu beobachten. Zwar können wir den Vogel hören, da er auf Tape antwortet, leider aber nicht sehen. Wir nehmen stattdessen den attraktiv gefärbten Collared Trogon (Jungferntrogon) ins Fernglas bzw. Spektiv, weil ihn unser cleverer Fahrer im Blätterdach gefunden hatte. Ein Winzling aus der Familie der Ameisenvögel, Plain Antvirio (Olivgrauer Würgerling) lässt sich sehen wie auch eine weitere seltene Tangare, die blau-schwarz-gelb gezeichnete Blue-necked Tanager (Azurkopftangare), die uns den Abschied aus diesem Anden-Schutzgebiet, der uns bis auf kurze Schauer trocken gesonnen war (obwohl hier bis zu 240 Regentage im Jahr verzeichnet werden) verschönen. Wir checken aus und nehmen noch das Mittagessen in der Logde ein. Dann startet unsere Weiterreise nach Manziles.

Wir erreichen die rund 500.000-Einwohner zählende Stadt (ca. 2.100 mNN) am frühen Nachmittag, nach einem kurzen Stopp an einem kleinen Stausee im Vorort Chinchina. Die Stadt Manizales im „Kaffedreieck Kolumbiens“, Ausgangspunkt zu verschiedenen Schutzgebieten in den zentralen Anden, weist eine Besonderheit auf, die man nicht überall findet. Die Altstadt liegt oben auf den Hügeln! Man erreicht diese aus dem Tal mit einer Gondelbahn, die dem öffentlichen Verkehr dient. Die Straßen sind so eng und steil, dass große Busse kaum fahren können. Also nimmt man aus den Vororten die Gondelbahn ins Zentrum. Wir tun das auch, denn ein ganz kurzer Stadtrundgang durch die sehenswerte Altstadt voller lebensfroher Menschen steht auf dem Programm. Nach einem Stopp in einem netten Kaffee besichtigen wir kurz den Vorplatz der größten Kathedrale der Stadt, der von einer bemerkenswerten überlebensgroßen Plastik, einem Wesen, halb Mensch, halb Andenkondor, geprägt wird. Diese Plastik symbolisiert den Freiheitskämpfer Simon Boliviar, der erfolgreich gegen die spanischen Konquistadoren gekämpft hat. Anschließend beziehen wir unser schönes Hotel am Rande der Altstadt für die nächsten zwei Nächte. Übernachtung/Abendessen im Varuna-Hotel.

Freitag, 25. August 2017 – Ameisenpittas im Rio-Blanco-Reservat

Ameisenpittas im Schutzgebiet. Foto: H. Meyer

Rostkappen-Ameisenpitta. Foto: H. Meyer

Wir verlassen bereits um 5.45 Uhr unser Stadthotel und fahren hinauf auf ca. 2.650 mNN zur Rio-Blanco-Logde ins gleichnamige Schutzgebiet. Eigentlich wollten wir direkt in der Logde Quartier beziehen, die aber wegen Baumaßnahmen nicht zur Übernachtung zur Verfügung steht. Das ist aber kein Nachteil, wie sich herausstellt, denn wir verbringen den gesamten Tag über 15 Stunden lang hier, und nehmen alle Mahlzeiten in der Logde ein. Hier im Gebiet erwartet uns eine Besonderheit, denn hier hat die Nationalparkverwaltung auch zum Zwecke von Verhaltensstudien an den Arten Futterstellen für Ameisenpittas, von denen 6-7 Arten vorkommen und meist im Bestand bedroht sind, eingerichtet. Die verschiedenen Arten sind es gewohnt, zu einer bestimmten Zeit am Vormittag einige Regenwürmer jeweils an einem festen Platz angeboten zu bekommen. Die Vögel warten schon darauf und lassen sich meist nicht lange bitten (pfeifen). Wir können das heute miterleben und aus nächster Nähe vier Arten dieser äußerst schwer zu beobachtenden Bodenvögel sehen. Die bedrohte und „near endemic“-Art Biocolored Antpitta (Zweifarben-Ameisenpitta) ist am scheusten und hat uns mit 40 min. auch am längsten warten lassen. Die Brown-banded Pitta (Brustband-Ameisenpitta) wartet hingegen schon auf ihre Regenwürmer, ebenfalls Chestnut-crowned Antpitta (Rostkappen-Ameisenpitta). An einer dritten Futterstelle lässt auch die Slate-crowned Antpitta (Graukappen-Ameisenpitta) nicht lange auf sich warten. Ein Erlebnis der besonderen Art, das die Speicherkarten die Kameras mit Bildern und Videos füllt. Wir beobachten den ganzen Tag, nur von den Mahlzeiten unterbrochen, im Schutzgebiet. Seltene bzw. nur lokal vorkommende Tangaren wie Plushcap (Plüschkopftangare), Buff-breasted Moutain-Tanager (Silberbrauen-Bergtangare) und Lacrimose Mountain-Tanager (Tränenbergtangare) zeigen uns hier ihre Farbenpracht. Am Nachmittag suchen wir etwas weiter im Tal an einer Wasseranlage nach White-capped Dipper (Weißkappen-Wasseramsel), die sich schön beobachten lässt. Und wieder haben wir Glück: An wilden Avocados, seiner Lieblingsspeise, können wir heute einen Golden-crested Quetzal

(Goldkopftrogon), den wir anfangs der Reise nur hören konnten, ausgiebig im Spektiv betrachten. Und nochmals ein Versuch, einen der schwierigen Tapaculos vor die Ferngläser zu bekommen: Der für diese Vogelfamilie ungewöhnlich große Ocellated Tapaculo (Perlmanteltapaculo) ruft zwar intensiv, aber bleibt wieder unsichtbar …

Andenpanorama. Foto: H. Meyer

In der Dämmerung am Abend versuchen wir, einige der vier hier vorkommenden Nachtschwalbenarten zu sehen. Die wunderbar unterseits rotbraun gefärbte Rufous-bellied Nighthawk (Andennachtschwalbe) reagiert auf ihre Rufe und umfliegt uns sofort. Auch die  Greater Band-wingend Nightjar (Große Spiegelnachtschwalbe) zeigt sich umgehend und landet direkt vor uns auf dem Weg. Nach dem Abendessen in der Logde schauen wir uns noch Stygian Owl (Styxeule), einen hiesigen Vertreter der Waldohreulen, und die White-throated Screech-owl (Weißkehl-Kreischeule) an. Bei super-Wetter, windstill, ohne Regen und um die 20°C tagsüber, erlebten wir einen wundervollen intensiven Birdingtag über 15 Stunden! Erst kurz vor 21.00 Uhr erreichen wir unser Hotel in Manizales und sinken müde in die Betten. Übernachtung Varuna-Hotel.

Sonnabend, 26. August 2017 – Die Paramo wartet auf uns …

Am zeitigen Morgen checken wir aus und fahren erneut hoch in die Berge in das Rio-Blanco-Schutzgebiet. Mindestens einen halben Tag bis zum Mittag wollen wir noch weitere Vogelarten suchen, die wir gestern nicht gesehen haben. Am Ende stehen um die 60 neue Vogelarten in unserer Artenliste. Immerhin gilt dieses Schutzgebiet als „eines der drei besten Vogelbeobachtungsgebiete der Welt“, was offenbar die Kollegen aus Nordamerika (die vielleicht nicht immer über die richtige Weit- und Weltsicht verfügen) festgelegt zu haben scheinen. Aber alle Gäste sind sich einig: Das Rio-Blanco-Reservat gehört unzweifelhaft zu den Höhepunkten dieser vogelkundlichen Reise!

Die berühmten Schopfbäume in der Paramo über 4.000mNN. Foto: H. Meyer

Nach dem Mittag führt unser Rund-Trip durch die Vogelwelt dieser Region über Manizales hinauf in die ganz hohen Berge, in den nächsten beiden Tagen bis zum tropischen Grasland der Paramo bis auf 4.150 m NN und dort bis zum Los Nevados-Nationalpark. Zuerst verabschieden wir uns aber von drei Gästen, die die extreme Höhe aus gesundheitlichen Gründen nicht aufsuchen dürfen. Diese bleiben mit einem Sonderprogramm die nächsten beiden Tage zurück in Manizales und besuchen andere Schutzgebiete. Die restliche Gruppe beginnt ihr Nachmittagsbeobachtungsprogramm an einem kleinen Kratersee (‚Laguna Negra‘) auf 3.880 mNN. Hier leben die seltenen Andean Teal (Nordandenente) und Ruddy Duck (Andenruderente), die heute bei guter Sicht zu beobachten sind. Auf der Weiterfahrt zum Hotel „Thermales de la Ruiz“ stoppen wir noch mehrfach am Weg und suchen einige Vertreter der Vogelwelt in dieser Höhenlage. Wir erreichen das Hotel mit seinen heißen Schwefelquellen am frühen Nachmittag und checken ein. Anschließend treffen wir uns sofort im Hotelgarten (auf 3.500 mNN), der Futterstellen für die speziellen Kolibriarten dieser Höhenlage bereithält. Wir können hier neue attraktive, zudem seltene Arten entdecken wie Golden-breasted Puffleg (Goldbrust-Höschenkolibri), Shining Sunbeam (Rostroter Andenkolibri) und Buff-wingend Starfrontlett (Fahlfügel-Andenkolibri) aber auch Tyrian und Viridian Metaltail (Weißspitzen- und Smaragdkehl-Glanzschwänzchen). Abendessen und Übernachtung im Hotel „Thermales de la Ruiz“.

Sonntag, 27. August 2017 – Unterwegs im Los Nevadas-Nationalpark

Nur in Höhenlagen von 3.800 bis 4.800 mNN vorkommend: der endemische Violettkehl-Helmkolibri. Foto: Colombian Birdwatch.

Nachdem einige Gäste leichte Kopfschmerzen, die die Umstellung auf diese Höhe eben mit sich bringt, in der Nacht überwinden konnten, stand ein Pre-Birding vor dem Frühstück auf dem Programm. Nun mussten auch die dicke Daunenjacke, Mütze, Schal und Handschuhe aus dem Koffer geholt werden, denn morgens zeigte das Thermometer hier kaum mehr als 6°C. In der Zeit vom Hellwerden bis zum Frühstück um 7.30 Uhr im Hotel ließen sich an der Zufahrt im Busch- und Weideland schon einige interessante Arten entdecken. Darunter eine endemische Papageienart, die nur hier in diesem Nationalpark an der Grenze zur Paramo lebt: der seltene und gefährdete (VU) Rufous-fronted Paraket (Rotstirnsittich). Einen Trupp dieser Vögel konnten wir bei der Nahrungssuche beobachten. Nach dem Frühstück wartete ein weiterer Höhepunkt auf die Gäste, nämlich die speziellen Vögel der Höhnstufe ab 4.000m NN. Dazu zählt der attraktive Buffy Helmetcrest (Violettkehl-Helmkolibri) als emdemischer Kolibri der Paramo bis 4.800mNN. Ein Vogel saß nur fünf Meter von uns entfernt auf einem Schopfbaum und wärmte sich im ersten Tageslicht offenbar auf.

Einige Gäste nutzten die Gelegenheit der heißen Quellen im Hotel und erwärmen sich heute in den 40° heißen Schwefel-Thermalquellen im Hotel vom kühlen Tag in der Paramo. Übernachtung Hotel „Thermales de la Ruiz“.

Montag, 28. August – Dem Schwertschnabelkolibri auf der Spur

Nach einer weiteren kalten Nacht steht erneut ein Pre-Birding vor dem Frühstück auf dem Programm. Von 6.00 bis 7.30 Uhr versuchen wir, weitere Vogelarten der Berge zu entdecken. Zu unserer Überraschung gelingt hier oben die Beobachtung einer nur sehr lokal vorkommenden Papageienart Golden-plumed Parakeet (Pinselsittich). Nach dem Frühstück haben wir nochmals Gelegenheit, an den Futterstellen im Hotel nach einer ganz speziellen Kolibriart Ausschau zu halten, die wir gestern noch nicht beobachten konnten. Der Sword-billed Hummingbird (Schwertschnabelkolibri) ist heute Morgen aktiv. Während alle anderen Kolibriarten auf den Futterglocken landen, gelingt das diesem Vogel nicht. Durch seinen riesigen Schnabel kann die Art nur im Schwirrflug in der Luft stehend in die Zuckerwasserbehälter eindringen. Ein Anblick, der verwundert und der die enorme physische Leistung dieser Vögel dokumentiert.

Am Nachmittag fahren wir zurück nach Manizales. Auf der alten Straße ins Tal gelingen noch interessante Beobachtungen. Wir können noch den schicken Black-collared Jay (Schwarzkehlhäher) und auch einen neuen Vertreter aus der „near endimic“-Gruppe, Agile Tit-Tyrant (Brauentachurityrann), beobachten. Gegen Mittag treffen wir uns in einem Restaurant in Manizales mit der kleinen Gruppe von Gästen, die dort mit Sonderprogramm zurückgeblieben waren. Bei einem gemeinsamen Essen werden die Erlebnisse ausgetauscht, geschossene Bilder angeschaut. Schnell wird klar, dass auch deren Besuch in einem anderen kleinen Schutzgebiet hoch effektiv war. Mehr als 35 neue Vogelarten kommen in die Gesamtartenliste der Reise dazu. Die Rückfahrt nach Cali, wird genutzt, um im Bus ein Schläfchen zu machen. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Cali und nachdem sich unser tapferer und sicherer Fahrer Hermes durch die Rushhour der abendlichen Stadt gekämpft hat, checken wir für die letzten beiden Nächte ins Stadthotel ein. Nach dem Abendessen im schönen Restaurant verschwinden alle rasch in ihren Betten. Übernachtung Hotel „Hampton by Hilton“.

Dienstag, 29. August – Toucan Barbet an der Old Buaventura-Road zum Abschluss

Farbenpracht pu: Tukanbartvogel. Foto/Kopie Prospekt Colombia Birdwatch.

Auch unser letzter Reisetag ist als intensiver Birdingtag geplant. Ohne Frühstück geht es bereits um 5.30 Uhr hinauf in die Berge zum San Antonio Claud Forest, dort aber heute talabwärts entlang der alten Buenaventura Road, die früher die einzige Verbindung aus den südwestlichen Anden zum Pazifik darstellte. Wir erreichen hier auch den tiefsten Punkt dieser Reise überhaupt, nämlich bei 900 m NN. Wir nehmen uns Frühstück in einem kleinen Restaurant ein, wo eine Überraschung wartet. Konnten wir die farbenfrohen Toucan Barbet (Toukanbartvögel) bisher nur hören, lassen sich heute hier 5-6 Individuen aus naher Entfernung gut beobachten. Ein Highlight zum Abschluss der Reise! Drei neue Kolibriarten, White-whiskered Hermit (Smaragdschattenkolibiri), Green Thortail (Grüne Fadelelfe) und Long-billed Startrhoat (Rosenkehlkolibiri), die wir hier neu beobachten könnten, ergänzen unsere Gesamt-Kolibriliste, die damit auf 47 gesehene Arten angewachsen ist! Zum Mittagessen sind wir heute in der Finca „La Araucana“, der kolumbianischen Partnerfirma von Bartmeise-Reisen, eingeladen. Auch hier im Garten ließ es sich vorzüglich birden. Der Crimson-rumped Toucanet (Blutbürzelarassari) kommt neu auf unsere Liste. Am Ende des Tages, nach einem abschließenden Besuch in einem privaten Arboretum, können wir nochmals ca. 12 Arten neu eintragen. Wir fahren zufrieden zurück ins Hotel am Cali-River. Unser Abschlussabendessen nehmen wir in einer beliebten Pizzeria ein. Übernachtung Hotel „Hampton by Hilton“.

Mittwoch, 30. August – Stadtrundgang in Cali und Abreise

Unser bequemer Tourbus für die Reise (auch für 2018) …

… bietet Platz für 12 Teilnehmer. Fotos: H. Meyer

Nach dem letzten Frühstück im Hotel unternehmen wir noch einen kurzen Rundgang durch das Stadtzentrum von Cali. Vivienne von unserer Partnerfirma erläutert uns kurz die Historie der Stadt. Mit ihr zusammen besuchen wir einige markante Punkte in der Altstadt und zuletzt die San Antonio Hills, die einen guten Blick auf die zweitgrößte Stadt in Kolumbien bieten. Auch bei diesem Stadtrundgang können wir nochmals drei neue Arten in unsere Liste eintragen: Chestnut-fronted Macaw (Rotbugara), Aplomado und Peregrine Falcon (Aplodmado- und Wanderfalke). Danach geht es zurück zum Hotel. Gegen Mittag fahren wir zum Flughafen nach Palmira und verabschieden uns vom vogelreichen Kolumbien, das uns zwei Wochen lang ein äußerst gastfreundliches, sicheres und erstaunlich gut aufgestelltes Gastgeberland war!

Am Flughafen verabschiedet sich die Reiseteilnehmer untereinander. Während einige Gäste mit Copa Airlines nach Panama und von dort mit der Lufthansa direkt nach Frankfurt/M. fliegen, reisen andere Gäste über Bogota mit Lufthansa nach Frankfurt. Eine dritte Gruppe fliegt mit Avianca nach Medellin und von dort weiter mit Iberia über Madrid nach Düsseldorf. Nach rund 14 Stunden Gesamtflugzeit und sieben Stunden Zeitdifferenz treffen alle Gäste am Nachmittag des 31. August wieder in Deutschland ein.

Angenehme Hotels (Varuna Hotel in Manizales) wechsel sich auf dieser Reise ab mit einfachen, aber inmitten der Nationalparke gelegenen Logdes. Foto: H. Meyer

Reise-Fazit: Eine hoch effektive und produktive Birdingtgour (mit ‚kurzen Wegen‘ bei nur rund 1200 Fahrkilometern insgesamt) durch alle Landschaftstypen und Klimaregionen der Choco-Region (Bioregion) der westlichen und zentralen Anden, vom lokalen Partner vorbildlich organisiert und planmäßig abgelaufen, die rund 415 Vogelarten (380 in der Hauptgruppe + 35 von der Sondergruppe ‚Manizales‘) ergab. Von den möglichen 35 Endemiten in der Region wurden immerhin 23 beobachtet, „near endemic“-Arten konnten ca. 40 beobachtet werden.

Kolumbien in der bereisten Region präsentierte sich einmal mehr als sicheres, erstaunlich sauberes, freundliches und gut organisiertes Reiseland. Nette, offene Menschen, die sich über Gäste aus Europa freuten! Ein kleiner Wermutstropfen mag sein, dass man ohne Grundkenntnisse der spanischen Sprache Verständigungsschwierigkeiten haben kann. Das Land, das Jahrzehnte „verschlossen“ war, öffnet sich erst jetzt und die englische Sprache beginnt nun insbesondere für den Tourismus wichtiger zu werden, wird aber an vielen Stellen noch nicht gesprochen oder verstanden.

Diese Reise mit den hier beschriebenen Abläufen findet erneut vom 22. August bis 6. September 2018 statt und kann gebucht werden (bis 31.10.2017 mit Frühbucherrabatt). 

Hier Meinungen zur Reise von unseren Gästen:

Mona und Wolfgang Horn (Melsbach) schreiben: „Wir waren von der sehr guten Konzeption der Reise mit vergleichsweise kurzen Wegstrecken sehr angetan. Die Reise war von Anfang bis Ende sehr gekonnt und professionell organisiert und verbindet unterschiedliche Habitate und Landschaften zwischen 900 m und 4.150 mNN … Der kolumbianische Bird – Guide Jose Luna war überaus kenntnisreich und sehr sympathisch. Mit dem Busfahrer Hermes haben wir uns jederzeit sehr sicher und wohl gefühlt. Insgesamt eine sehr schöne Reise mit teilweise überragenden Vogelbeobachtungen. So haben wir alle unsere Zielarten Swordbilled – Hummingbird, Andean Cock – of – the – rock, Toucan – Barbet und Bearded Helmetcrest sehr gut beobachten können. Von der reichhaltigen Auswahl an weiteren Kolibris und Tangaren gar nicht zu reden. Man hat richtig Lust auf eine Anschlusstour in andere Regionen dieses sehr schönen Landes bekommen.“

„Diese Reise hat alle meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Ich bin beeindruckt von der Artenfülle von Flora und Fauna, der Freundlichkeit der Bevölkerung und der Sachkenntnis der Guides.“ schreibt Dr. Karl-Heinz Christmann (Krefeld).

Helmut Klein (Nettetal) schreibt auch im Namen von Heinz und Helga Schrörs (Tönisvorst): „Das Reiseprogramm versprach viel, und wir meinen, diese Versprechen wurde alle gehalten. Mit anderen Worten, wir sind sehr zufrieden mit dem Ablauf und der Durchführung dieser Reise … Alle Unterkünfte waren sauber, die Zimmer funktionsgerecht, die Betten in bester Qualität und die Bäder in sehr gutem Zustand … Ganz herzlicher Dank gilt unserem Birdguide Jose und auch unserem Fahrer Hermes, deren Umsichtigkeit wesentlich zum Erfolg beigetragen haben. Der freundliche, nette und immer hilfsbereite Umgang mit den Gruppenmitgliedern hat uns gut getan … Auch Dir sagen wir Dank für die großen Anstrengungen vor und während der Reise. Es gehört viel Mut und Erfahrung dazu, solche Reise mit Erfolg zu krönen, es ist Dir vollends gelungen“. 

Hartmut Meyer

 

 

Kolibri-und Tangaren-Festival in den kolumbianischen Anden

Kolibri-und Tangaren-Festival in den kolumbianischen Anden

Seit einer Woche bereist erneut eine Gruppe Ornithologen die westlichen und mittleren Anden in Kolumbien. Nach Aufenthalten im Tatama Nationalpark sowie im Otun Quimbaya-Reservat stehen zur „Halbzeit“ heute (24.08.2017) bereits 270 Vogelarten in der Liste der beobachteten Arten. Unsere Bartmeise-Reisegäste sind einmal mehr begeistert von der Vielfalt der Vogelwelt, von den zahlreichen Kolibri- und Tangarenarten sowie seltenen Ameisenvögeln, anderenseits aber auch von der tropischen Flora, die sich in den Anden in voller Pracht in Form zauberhafter Orchideen- und anderer Blütenpflanzen zeigt. Kolumbien zeigt sich wieder als gut organisiertes Reiseland, das für den Natur- und Vogelfreund eine unglaubliche Auswahl zu bieten hat. Auch die außergewöhnliche Torrent Duck (Sturzbachente; Titelfoto) steht als Zielart noch im Reiseplan. In den nächsten Tagen sind Aufenhalte im Rio Blanco-Reservat, einen der ‚drei besten Vogelbeobachtungsgebiete in der Welt‘ sowie auf über 3.500 m NN in der Anden-Paramo geplant. Der komplette Reisebericht nach Abschluss der Reise findet sich unter „Aktuelles-Reiseberichte“.